Das arabisch-islamische Weltreich im frühen Mittelalter

Erstaunlich ist die schnelle Ausbreitung der islamischen Einflusssphäre in den Jahren nach Mohammeds Tod. Die islamisierten Araber und Nachfolger Mohammeds eroberten bereits im Jahre 638 Syrien mit all den dortigen großen Städten wie Damaskus und Aleppo. So wurden sie zu einem ernstzunehmenden Gegner des Byzantinischen Reiches. Bereits in den Jahren 640-642 wurde Ägypten erobert. 642 folgte die Eroberung des Sassaniden-Reiches in Persien. Zur gleichen Zeit rückten die Araber bis nach Kleinasien vor. Ein Angriff auf Byzanz selbst (Konstantinopel) konnte 718 abgewehrt werden. Im Westen folgte Schritt für Schritt die Unterwerfung Nordafrikas, wobei man sich zunächst entlang der Mittelmeerküste nach Westen bewegte. 711 setzten die Araber über die Straße von Gibraltar auf die Iberische Halbinsel über und begannen mit der Eroberung Spaniens. Von Spanien aus zogen sie nach Norden, über die Pyrenäen, um weitere Gebiete Europas im Namen des Islams zu unterwerfen. Wäre nicht im Jahre 732 die arabische Invasion vom fränkischen Hausmeier und Generalissimus Karl Martell bei Tours und Poitiers aufgehalten worden, wäre Europa heute vielleicht eine islamische Region geworden. Zur Zeit des (aus 1001-Nacht auch im Abendland bekannten) Bagdader Kalifen Harun ar-Raschid, der im 9. Jahrhundert regierte, reichte das arabisch-islamische Großreich von Spanien und Marokko im Westen bis nach Indien im Osten, vom Kaukasus und Anatolien im Norden bis zum Jemen im Süden. Es war damit das bis dahin größte Imperium der Geschichte. Überall besetzten die Araber wichtige Nischen im Handel und Verkehr und stellten eine Art Kriegerkaste. Dabei nahmen sie sich die Kompetenzen der bestehenden Administrationen und Organisationen der Vorgängerreiche (z.B. Byzanz. Persien) zum Vorbild und besetzten wichtige Verwaltungsposten mit Einheimischen. Die Bevölkerungen wurden nicht sofort allesamt zum Islam bekehrt, sondern die Religionen der Eroberten zunächst respektiert. Aber alle Nicht-Muslime wurden zu Steuerzahlungen herangezogen, von denen Muslime befreit waren. So war für viele Menschen in den eroberten Ländern (auch aus ökonomischen Gründen) das Bekenntnis zum Islam eine attraktive Alternative zur bisherigen Religion geworden. Allerdings hielt das arabisch-islamische Großreich der Omayyaden und Abbasiden, wie die ersten beiden Dynastien heißen, nicht lange. Schon bald kam es zu Spaltungen und zu Bildungen von unabhängigen Teilreichen. Dieses erste islamische Großreich der frühen Kalifen in Damaskus und Bagdad schuf die Grundfesten und Voraussetzungen für die späteren islamischen Reiche, die auf diesem Gebiet entstanden, z.B. das Mamlukenreich Ägyptens, die arabischen Kalifate in Spanien, das Persische Reich, das Indische Sultanat von Dehli und dessen Nachfolger, das Reich der Großmoguln, sowie das Osmanisch-Türkische Großreich.