Verhalten in Moscheen und Kirchen und bei religiösen Fragen

Moscheen und koptische Kirchen sollten nur dann besichtigt werden, wenn Besucher ausdrücklich erlaubt und erwünscht sind. Meistens sind sie es. Außerdem sind viele Muslime stolz auf ihre historischen Moscheen – und viele koptische Christen stolz auf ihre alten Kirchen. In den heiligen Gebäuden sollte man sich ruhig, andächtig und der fremden Religion gegenüber respektvoll verhalten.

Wichtigste Regel: Niemals despektierlich, witzig, verächtlich oder kritisch über den Islam, den Koran und den Propheten sprechen!

Auch wenn am Islam orientierte Gesetze und gesellschaftliche Regeln dem einen oder anderen Europäer zu streng oder archaisch anmuten, sollte man seine kritischen Gedanken für sich behalten. Selbst in Situationen, in denen man mit westlich und weltlich orientierten Ägyptern aus der Großstadt über Demokratie und Menschenrechte diskutiert, gilt diplomatische Zurückhaltung als goldene Regel. Missionarischer Eifer bei der Verbreitung westlich-weltlicher Vorstellungen ist in den allermeisten Fällen fehl am Platze.

Beim interreligiösen Dialog, etwa bei einem Gespräch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Christentum und Islam, sollte man tunlichst vermeiden, die eigene Religion als die Überlegene darzustellen – auch wenn der islamische Gesprächspartner dies tut. Meistens einigt man sich schnell darauf, wie sehr die Buchreligionen des Nahen Ostens auf gemeinsame Urväter zurückgehen – Abraham und Moses – und dass man doch zu einer größeren Familie der monotheistischen Religionen gehört. Atheismus als Weltsicht wird erfahrungsgemäß von den meisten Ägyptern abgelehnt. Säkulare Ansichten sollten, wenn sie überhaupt zur Sprache gebracht werden müssen, diplomatisch formuliert werden.

Zu den Gebetszeiten kann es vorkommen, dass Servicetätigkeiten unterbrochen werden. Als Gast sollte man darauf Rücksicht nehmen und sich nicht über dadurch bedingte Verzögerungen beschweren – es sei denn, man sitzt im Taxi auf dem Weg zum Flughafen.

Im Monat Ramadan fasten die Muslime tagsüber und verzichten auf Essen und Trinken, um dann erst zum Abend das Fasten zu brechen. Dies bedeutet, dass im Ramadan das gesamte öffentliche Leben anders und vor allem langsamer verläuft. Viele Ägypter legen sich tagsüber hin, um ein Nickerchen zu halten. In solchen Momenten ist es nicht angebracht, sich über einen langsameren Service oder geänderte Öffnungszeiten zu beschweren. Besser ist es, sich den besonderen Begebenheiten dieses Monats anzupassen, für Wegstrecken mehr Zeit einzuplanen und die großen Mahlzeiten auf die Abendstunden zu verlegen. Dann kann man gemeinsam mit den Ägyptern das Fastenbrechen feiern.