Mann und Frau in Ägypten

Männer sollten grundsätzlich vermeiden, mit Ägypterinnen zu flirten, zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Längerer Blickkontakt gilt in vielen Situationen bereits als aufdringlich. Setzt man(n) sich auf eine Bank, in einen Bus oder in ein Restaurant, sollte man(n) sich nicht neben eine fremde Frau setzen. Natürlich gibt es bei solchen Verhaltensregeln große Unterschiede zwischen Stadt und Land, arm und reich, gebildet und ungebildet. Wenn Frauen bereits durch ihr Kopftuch ihren Glauben zum Ausdruck bringen, dann sollte man(n) dieses Signal auf jeden Fall respektieren.

Sexuelle Kontakte zwischen christlichen Männern und muslimischen Frauen gelten als Todsünde und können streng geahndet und bestraft werden. Selbst die Heirat ist zwischen den Religionen verboten, es sei denn, der Mann ist bereit, zum Islam überzutreten. Umgekehrt ist es aber erlaubt, dass muslimische Männer Christinnen heiraten, vorausgesetzt, die Kinder werden islamisch erzogen. Unterhält man(n) sich im Alltag oder auf der Reise mit Ägypterinnen, ist es vorteilhaft, dies als Gentleman, d.h. höflich aber distanziert zu tun. Sind Ägypterinnen in Begleitung ihres Ehemannes, unterhält man sich zuerst mit dem Mann. Mit der Frau spricht man erst, wenn sie einem vorgestellt wird.

Europäerinnen und Amerikanerinnen gelten in der islamischen Welt als „leichte Mädchen“, als unmoralisch. Zwei Dinge gelten als besonders anrüchig: leichte „sexy“ Bekleidung und vorehelicher Geschlechtsverkehr. Dass sich einige junge Ägypter heimlich von dieser Versuchung angesprochen fühlen und ihr Glück beim Flirt mit den (insbesondere blonden und hellhäutigen) Touristinnen versuchen, sollte über die Problematik dieser Situation nicht hinweg täuschen. Die ägyptischen Medien (Fernsehen, Radio, Zeitungen) und die Gespräche in der ägyptischen Öffentlichkeit sind an Eindeutigkeit nicht zu überbieten: Die Sittenmoral der Europäer und Amerikaner gilt als verwerflich. (Siehe auch die Punkte „Bekleidung“ und „Einladungen und Bekanntschaften“.) Islamische Sendungen im Fernsehen, die Freitagsgebete in der Moschee und die Vorlesungen in den islamischen Fakultäten der Universitäten, aber insbesondere die Propaganda aus Saudi-Arabien, haben in den letzten Jahren die Tendenz verschärft, sich strenger an religiöse Vorschriften zu halten. Fernsehsendungen aus Amerika und Europa und Gerüchte über das ausschweifende Leben spärlich bekleideter Touristen in den Badeorten am Roten Meer gelten als Beleg dafür, dass der Westen moralisch von den guten Sitten abgerückt ist. Auch unter den ägyptischen Jugendlichen nimmt der Trend zur stärkeren Hinwendung zum Islam und den Vorschriften der Scharia zu. War in den sechziger und siebziger Jahren allerorts ein Trend zum westlichen Kleidungsstil zu beobachten, so ist dieser Trend seit mindestens zwanzig Jahren umgekehrt worden: Mehr und mehr junge Frauen und Mädchen tragen wieder Kopftuch.