Bekleidung, angemessen, praktisch, islamisch-arabische Gesellschaft

Zu einer guten Reisevorbereitung gehört die Wahl der angemessenen Bekleidung. Natürlich sollte man seine Reisekleidung auch nach praktischen Gesichtspunkten auswählen: leichte und luftige Kleidung aus Baumwolle und Leinen für die heißen Tage, ein warmer Pullover für die kühleren Abende, und für den Strand die passende Bademode. Stets sinnvoll ist eine Kopfbedeckung. Sie schützt vor der starken Sonneneinstrahlung zur Mittagszeit. So kann man sich vor einem Sonnenstich schützen. Eine Sonnenbrille hilft gegen das grelle Mittagslicht. Soweit so gut. Problematischer ist die Wahl der angemessenen Bekleidung, wenn man sich ins Landesinnere begibt und unter die ägyptische Bevölkerung mischt. Hier gilt es, sich an bestimmte Normen zu halten.

Man ist erstaunt, wie viele Badeurlauber aus Hurghada bei ihrem Ausflug zu den Sehenswürdigkeiten vergessen, dass beispielsweise die Tempelanlage von Karnak nicht der Strand des Roten Meeres ist. Wenn Touristinnen im Bikini oder Minirock das Tal der Könige oder die Pyramiden von Giza besichtigen, dann hält sich der gesellschaftliche Fauxpas noch in Grenzen. Denn meistens stürmen die Reisegäste schnurstracks aus dem klimatisierten Bus zur Sehenswürdigkeit und wieder zurück. Die Souvenirhändler an den Besichtigungsorten sind inzwischen solche Auftritte gewöhnt. Auch in den Badeorten am Roten Meer ist man toleranter, sind die Retortenstädte doch extra für den Tourismus geschaffen worden. Die Ägypter, die dort im Hotelgewerbe oder in der Gastronomie arbeiten, wissen, dass es sich um Urlaubs-Exklaven handelt, die mit dem eigentlichen Ägypten nur wenig zu tun haben. Auch in den internationalen Vierteln von Kairo, wo sich nicht nur Touristen, sondern auch westlich orientierte, moderne Ägypter aufhalten, ist man relativ tolerant.

Doch wer die Touristenpfade auch nur wenige Meter verlässt und sich unter die „Einheimischen mischen möchte, sei es in Kairo, Luxor , Assuan oder, noch auffälliger, in den Städten Mittelägyptens oder des Deltas, wird schnell von selbst merken, dass hier andere Regeln gelten. Wer sich allzu westlich und freizügig kleidet oder benimmt, wird schnell zum Blickfang der ganzen Straße. Kinder werden lachen und Witze machen, ältere Menschen werden erstaunte Blicke zuwerfen.

Schon freie Schultern, kurze Röcke, Stöckelschuhe, ja selbst T-Shirts bei den Damen sind schon außerhalb der Konvention.

Kurze Hosen bei Männern wirken nicht nur obszön, sondern lächerlich. Außerdem erinnert es an die britischen Kolonialherren, deren Soldaten manchmal kurze Hosen trugen.

Auch schickt sich nicht das Händchenhalten von Mann und Frau in der Öffentlichkeit. In der arabisch-islamischen Gesellschaft gehen Männer voran, Frauen hinterher. Generell haben viele Menschen in der islamischen Welt den Eindruck, dass die meisten westlichen Frauen „leichte Mädchen“ sind, die man auch dann und wann zweideutig ansprechen kann. Sie verstehen nicht, dass die westlichen Frauen trotz leichter Bekleidung und offenem Gesprächsumgang mit Männern ihre spezifischen Moralvorstellungen haben, bei denen nur die Grenzen verschoben sind. An den Vorurteilen sind auch die arabischen Medien schuld, die die westliche Kultur als sittlich verwahrlost darstellen.

Wenn Sie, als Frau, als Touristin, mit Respekt und Höflichkeit behandelt werden wollen, ist es ratsam, sich außerhalb der Strände und Badebereiche sehr sittlich zu kleiden (Kopftuch muss nicht sein, aber Schulter und Knie sollten bedeckt sein) und einen Mindestabstand zu männlichen Ägyptern einzuhalten. Auf scheinbar unverbindliche Flirtversuche der Männer sollten Sie nicht reagieren. Kleiden Sie sich ruhig etwas altmodisch und klassisch, dann werden Sie mit mehr Höflichkeit behandelt und respektvoll mit „Madame“ oder „Lady“ angesprochen werden.

Es wird nicht gern gesehen, wenn Europäer sich in Alternativmode oder Hippie-Kleidung zeigen und mit dem Rucksack durch die Straße laufen oder, noch schlimmer, sich mit Galabia oder Fez (Fes) als Einheimischer verkleiden. Viele Ägypter fühlen sich karikiert, beleidigt und auf den Arm genommen. In Ägypten geht man davon aus, dass Europäer und Amerikaner Geld haben. Und wer sich trotz des Geldes (scheinbar) arm und verwahrlost kleidet, macht sich in den Augen vieler Ägypter über die Armut anderer lustig. Von Europäern und Amerikanern wird erwartet, dass sie sich als solche auch schick und ordentlich kleiden. Nur dann werden sie als Gäste ernst genommen. Menschen mit Dreadlocks (die man in Ägyptern nur bei bestimmten Derwischen oder Fakiren kennt), Rasterlocken und Hippiefrisuren gelten nicht als cool, sondern als schmutzig. Generell fallen Männer mit langen Haaren sowie Frauen mit sehr kurzen Haaren aus der Norm. Punk-Kultur gibt es in Ägypten nicht. Wer sich unkonventionell kleidet oder frisiert, muss daher damit rechnen, von umstehenden Ägyptern wie ein außerirdisches Wesen angestarrt und gegebenenfalls nicht immer mit der zu erwartenden Höflichkeit behandelt zu werden.