Tauchen in Ägypten - Korallenriffe im Roten Meer

Urlaub am Roten Meer – das bedeutet ganzjährig Sonnenschein und Wüstenklima. Unter Tauchern gilt das Roten Meer als eines der schönsten Korallenriffparadiese der Erde. Doch ein Geheimtipp ist diese Region schon lange nicht mehr.

Noch bis in die 1970er Jahre war die Küstenregion des Roten Meeres einigen Fischern, Beduinen und Ölförderfirmen überlassen. Ausländer kamen höchstens als Forscher- und Taucherteams, um die einmalige Unterwasserwelt zu erforschen. Lediglich die Schifffahrt hatte wegen des Suez -Kanals für den Seeweg von Europa nach Asien und Australien schon lange Bedeutung. Außerdem gibt es Fährverbindungen nach Saudi-Arabien. Doch eine Urlaubsdestination war die Küste des Roten Meeres nicht. Außerhalb Ägyptens ist sie es auch heute noch nicht: Im Sudan, in Eritrea und an der Küste Saudi-Arabiens gibt es keinen nennenswerten Bade-Tourismus. Lediglich in Eilat (Israel) und Akaba (Jordanien) hat sich Bade- und Tauchtourismus entwickelt.

Ende der 1970er Jahre und in den 1980er Jahren wurde der Plan umgesetzt, die ägyptische Küste am Roten Meer für den Tourismus zu erschließen. Zuerst kamen die Individualtouristen und Taucher. Dann folgten die Rundreisetouristen, die sich nach anstrengen Wochen der Tempelbesichtigungen und dem Trubel in Kairo am Meer erholen wollten. Die ideale Kombination aus Erlebnisrundreise und anschließendem Erholungsbadeurlaub war geboren. Es wurden mehr und mehr Hotels aller Kategorien errichtet, von einfachen Herbergen bis zu Luxusresorts. Mit Hilfe künstlicher Bewässerungsanlagen entstanden grüne Oasen inmitten der kargen Wüstenlandschaft. Aus einer anfänglichen Randerscheinung des Ägyptentourismus wurde schließlich ein infrastrukturelles Megaprojekt. Retortenstädte wurden aus dem Boden gestampft, Jachthäfen angelegt, Restaurants eröffnet und Touristenbazare aufgebaut. Die ersten neuen Tourismusstädte waren Hurghada und, auf der Sinai -Halbinsel gelegen, Sharm el-Sheikh (Scharm el-Scheich). Dann kamen die Orte Dahab , el-Gouna, Makadi Bay, Soma Bay, Port Safaga, el-Quseir und Marsa Alam dazu. Mancherorts, wie beispielsweise in el-Gouna, wurden sogar künstliche Lagunenlandschaften geschaffen. Die neue Touristenregion galt lange Zeit als ideal. Denn hier sind die Touristen unter sich, können am Strand baden, ohne mit den Sitten und Gebräuchen der ägyptischen Bevölkerung aneinander zu geraten. Die Ägypter selbst machen nämlich zumeist an den Küstenorten des Mittelmeeres Urlaub. Übrigens sind die meisten Strandabschnitte exklusiv für die dahinter stehenden Hotels reserviert, so dass eine Begegnung von Touristen und Einheimischen am Strand kaum stattfindet. Außerdem bietet das Rote Meer Sonnenwettergarantie, auch im Winter. Das ist ein ausschlaggebender Punkt für Reisebuchungen europäischer Touristen, die dem Winterwetter in der Heimat entfliehen wollen. Von September bis Mai ist das Klima ideal. Auch das Wasser ist nie kälter als 20 Grad Celsius. Meistens ist es sogar deutlich wärmer, bis zu 26-27 Grad Celsius. Badewannentemperatur! Im Sommer kann es allerdings unangenehm schwül werden, weil die große Hitze für eine hohe Verdunstung an der Wasseroberfläche sorgt. Doch Taucher und Sonnenanbeter schreckt das nicht ab. Der Himmel ist meistens tiefblau und wird nur selten von Wolken getrübt. Sandstürme können allerdings gelegentlich den Himmel verdunkeln.

Neben den Tauchparadiesen unter Wasser locken breite Wassersportmöglichkeiten wie Segeln oder Windsurfen. Mittlerweile haben viele Touristenressorts ihr Angebot an Freizeitmöglichkeiten erheblich erweitert, so dass die ganze Familie auf ihre Kosten kommt. Dazu kommen Ausflüge ins Inland. Die Touristen aus Hurghada besuchen gerne Luxor . Die Gäste in Sharm el-Sheikh haben die Bergwüste des Sinai mit dem Katharinenkloster vor ihrer Haustür.

Die rasante Entwicklung des Roten-Meer-Tourismus hat zu immer größeren Investitionen, ja zu einem regelrechten Bauboom geführt. Die Städte Hurghada, Sharm el-Sheikh und Marsa Alam bekamen eigene Flughäfen. Nun kann die Urlaubsregion am Roten Meer direkt angeflogen werden, ohne den Umweg über Kairo oder Luxor nehmen zu müssen. Schließlich hat die Bedeutung des Roten-Meer-Tourismus jene der Nilkreuzfahrten an wirtschaftlicher Gewichtung abgelöst. Heute stellt sich für viele nicht mehr die Frage, ob man an seiner Ägyptenrundreise einen Badeaufenthalt am Roten Meer anschließen möchte, sondern ob man seinen Badeurlaub mit einem Kulturausflug nach Luxor aufpeppt. Zwischen Hurghada und Luxor hat sich seitdem ein massiver Busverkehr entwickelt, der täglich die Badetouristen zu Tausenden vom Roten Meer zu den Sehenswürdigkeiten der Pharaonen bringt. Für das Niltal bedeutet die Verlegung des Tourismusschwerpunkts eine Entlastung, für die Korallenriffe an der Küste eine erhebliche Belastung.

Faszination Rotes Meer – ein Taucherparadies!

Das Rote Meer trennt Afrika von Asien. Es ist vom Nordwesten bis Südosten ganze 2240 Kilometer lang, aber nur maximal 355 Kilometer breit. An der Verbindung zum Indischen Ozean, dem Bab el-Mandab, sind es weniger als 30 Kilometer. Korallenriffe gibt es in fast allen Küstenbereichen des Meeres, insbesondere an den afrikanischen Abschnitten. Nahe der Küste ist das Meer relativ flach, ein Drittel des Meeres ist weniger als 100 Meter tief. Doch in der Mitte des Roten Meeres verläuft ein bis zu 2206 Meter tiefer Meeresgraben. Er wird auch Syro-Afrikanischer Graben genannt. Hier driften die Arabische und Afrikanische Platte auseinander – pro Jahr etwa 0,8 cm im Norden und 1,6 cm im Süden des Roden Meeres. Dies ist einer der Gründe, warum Ägypten ein Erdbebengebiet ist. Ein anderer ist, dass sich an der levantinischen Küste des östlichen Mittelmeeres die Arabische Platte an der Eurasischen reibt. Im Norden schiebt sich die Sinai-Halbinsel ins Meer. Sie spaltet das Rote Meer auf: in den Golf von Suez und Golf von Akaba. In geologischen Zeitdimensionen gemessen ist das Rote Meer nicht alt, nur rund 40 Millionen Jahre. Seitdem hat sich der Küstenverlauf jedoch ständig verändert. Zeitweise war die Verbindung zum Indischen Ozean versperrt.

Die Küste ist verhältnismäßig sauber. Das Rote Meer ist bei weitem nicht so verschmutzt die das Mittelmeer, wobei man der Fairness halber erwähnen muss, dass auch die ägyptischen Mittelmeerküstenabschnitte der westlichen Wüste zwischen Delta und Cyrenaika wunderschöne Strände haben. Es gibt dreierlei Küstenformen am Roten Meer: Felsküsten, die bis ans Ufer gehen oder sogar ins Meer hineinreichen, Sandstrandküsten, bei denen die Felsen der Arabischen Wüste zum Meer hin einen großen Abstand halten, und Mangrovenküsten mit Sümpfen, Mangrovenbäumen und einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt (siehe Kapitel: Flora und Fauna in Ägypten). Die Mangroven sind übrigens stark gefährdet. Der Tidenhub unterscheidet sich von Küstenabschnitt zu Küstenabschnitt und ist allgemein sehr gering. An den meisten Urlaubsorten ist der Unterschied zwischen Ebbe und Flut kaum spürbar.

Die herausragende Sehenswürdigkeit der Region des Roten Meeres sind die Korallenriffe unmittelbar vor der Küste. Das Wasser des Roten Meeres ist verhältnismäßig warm. Auch im nördlichen Abschnitt, der klimatisch der subtropischen Zone zugeordnet wird, hat das Wasser tropische Temperaturen. Dies liegt daran, dass die Meeresströmung warmes Wasser aus dem Süden des Roten Meeres nach Norden bringt. Da das Rote Meer geographisch nur mit dem Indischen Ozean verbunden ist, und von diesem ebenfalls tropisch warmes Wasser ins Rote Meer fließt, ist die Gesamttemperatur relativ hoch. Hinzu kommt das heiße Wüstenklima der Region, das das Meer aufheizt. Die kühleren Winternächte können daran kaum etwas ändern. So kommt es, dass Ägypten ein tropisches Korallenparadies an der Küste hat. Außerdem hat das Wasser des Roten Meeres einen hohen Salzgehalt. Dies liegt an der hohen Verdunstung während der heißen Tage und am nur geringen Wasseraustausch mit dem Indischen Ozean. Außerdem fließen keine Flüsse ins Meer – von zumeist trockenen Wadis einmal abgesehen. Es gibt also keine Brackwasserregionen. Daher ist das Meer nicht von Abwässern und Schwebstoffen getrübt. Die Unterwassersicht ist ausgesprochen gut. Man kann teilweise ohne Mühe bis zu 30 Meter weit schauen. An den Touristenzentren sammelt sich an manchen Stellen Abfall im Wasser. Doch man ist bemüht, das Problem in den Griff zu bekommen.

Meist gehen die Strände flach ins Meer. Mancherorts gibt es feine Sandstrände. Die Lagune vor dem Strand bietet die besten Vorraussetzungen fürs Schwimmen und Schnorcheln. Hier ist das Wasser sehr warm und es gibt nur wenig Brandung. Weiter draußen kommt das Saumriff der Lagune. Hier schlägt die Brandung auf. Allerdings ist sie nicht heftig. Das Rote Meer ist kein Meer mit großen Wellen. Stürme mit starkem Wellengang, wie sie an der Atlantikküste häufig vorkommen, gibt es im Roten Meer nur sehr selten. Ideale Tauchabschnitte gibt es normalerweise am Saumriff und am Riffwall sowie an den Koralleninseln vor der Küste. Wenn man seine Tauchgänge auf 10 Meter Tiefe beschränkt, kann man auch die Farbenpracht der Korallen und Fische am besten bewundern. Je tiefer man taucht, desto mehr verblassen die Farben zu einem einheitlichen Blau. Die größeren Fische und Haie gibt es am Vorriff und am Riffrand zu sehen. Dort geht es steil bergab in die Tiefe.

Die Korallenriffe sind Naturparadiese mit einer einzigartigen Artenvielfalt, sowohl was die Korallen- als auch die Fischarten angeht. Darunter befinden sich auch die Klassiker des Riffs, wie Papageienfische, Anemonenfische, blaugelbe Kaiserfische, rote Zackenbarsche, Kugelfische, Wimpelfische, Doktorfische, Muränen, allerlei Rochenarten und viele mehr.

Wer darauf aus ist Haie zu sehen, wird am ehesten den kleinen Weißspitzenriffhai antreffen. Die Exemplare, die man vorfindet, haben meistens einen Länge von einem bis eineinhalb Metern. An der Riffaußenseite kann man gelegentlich auf einen Grauen Riffhai stoßen. Sie sind größer, durchschnittlich etwa 2 Meter lang. Nur selten werden sie länger als zweieinhalb Meter. Gefährlich sind sie normalerweise nicht. Vorsicht ist trotzdem geboten. Viele Tauchtouristen träumen davon, einmal einem gigantischen Walhai oder einem Manta zu begegnen. Tatsächlich gibt es beide Arten im Roten Meer. Doch die Wahrscheinlichkeit ihnen zu begegnen ist enttäuschend gering. Häufiger trifft man dagegen auf Meeresschildkröten. (Siehe auch Kapitel: Flora und Fauna in Ägypten).

In allen Touristenzentren gibt es Tauchschulen und Tauchbasen. Dort kann man auch die notwendige Ausrüstung ausleihen. Wegen des großen Angebots sollte man das Preis-Leistungs-Verhältnis der Tauchschulen vergleichen und die Zertifikate überprüfen. Übrigens kann man auch als Anfänger innerhalb eines einwöchigen Tauchurlaubs genügend Probetauchgänge absolvieren, um am Ende des Urlaubs an den Korallenriffen zu tauchen. Auch wer keinen Tauchkurs machen möchte, kann sich an der Unterwasserwelt erfreuen. An den Innenriffs und in der Lagune kann man auch mit Brille und Schnorchel ausgerüstet viel entdecken.

Vorsicht! Die Korallen brauchen Schutz!

Der Massentourismus in den Urlaubszentren des Roten Meeres hat bereits zu nachhaltigen Schäden an den Korallenriffen geführt. Man muss sich darüber im Klaren sein, wie lange ein Korallenstock braucht, um heranzuwachsen. Viele Korallenriffe sind Jahrtausende alt. Schäden können schwer behoben werden. Daher ist man bemüht, den Tauchtourismus auf ein erträgliches Maß zu beschränken, wobei dieses Maß unterschiedlich angesetzt wird. Naturschützer sind diesbezüglich strenger als die Tourismusindustrie der Region.

Es wird empfohlen keine Meeressouvenirs weder aus dem Meer selbst mitzunehmen oder auf den Bazaren zu kaufen. Außerdem ist bei jedem Tauchgang äußerste Vorsicht geboten: Heftiges Schlagen mit den Flossen kann bei den Korallen erheblichen Schaden anrichten. Anfassen ist sowieso tabu. Überhaupt sollten alle nichtprofessionellen Taucher nur in Begleitung eines zertifizierten (!) Tauchlehrers oder Tauchführers an den Riffen tauchen, nicht nur aus Gründen der Sicherheit, sondern auch, weil sie die besten Tauchplätze kennen. Es gibt bestimmte Riff- und Unterwasserfelslandschaften, die als besondere Natursehenswürdigkeiten gelten und nur mit erfahrener Begleitung besucht werden sollten. Schwierige Tauchspots, wie etwa das Blue Hole bei Dahab mit seinen Steilabfällen und Höhlensystemen, seien nur sehr erfahrenen Tauchern empfohlen.

Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg