Sultan-Hassan-Moschee in Kairo Ägypten

Eine der größten und bedeutendsten mittelalterlichen Moscheen Kairos ist die prächtige Sultan-Hassan-Moschee (auch Sultan-Hasan-Moschee geschrieben) gegenüber der Zitadelle (und direkt neben der er-Rifai-Moschee aus dem 19. Jahrhundert) am südlichen Ende der Altstadt von al-Qahira. Sie war zur Zeit ihrer Fertigstellung 1362 die größte Moschee der islamischen Welt und als Gebetshaus, Mausoleum, Koranschule (Madrasa) und Versammlungshaus für Geistliche geplant. Für einige Zeit lebten und arbeiteten dort Hunderte von Menschen: Gelehrte, Koranschüler, Muezzine (Gebetsausrufer), Mullahs (Prediger), Verwaltungsbeamte, Wachpersonal und zahlreiche Bedienstete.

Die in einer Bauzeit von sieben Jahren errichtete Moschee ist nach ihrem Erbauer und Auftraggeber, dem Mamluken Sultan Hassan benannt. An-Nasir al-Hassan (geboren 1334, gestorben 1361) regierte bereits als Teenager von 1347 bis 1351, wurde dann während einer Palastintrige gestürzt und im Harem auf der Zitadelle gefangen gehalten. Schließlich wurde er von loyalen Cliquen befreit, um nochmals von 1354 bis 61 zu regieren. Dann fiel er einem Mordkomplott zum Opfer. Die genauen Todesumstände blieben ungeklärt. Es ist wichtig zu erwähnen, dass zu jener Zeit viele Sultane und Herrscher Marionetten in den Händen der Emire und Wesire sowie unterschiedlicher Hofcliquen und politischen Parteien waren, die um Macht, Prestige und Einfluss rangen.

Sultan Hassan war von großer religiöser Beflissenheit. Während seiner Zeit in der Gefangenschaft soll er viel gelesen haben. Sein größtes Bauprojekt war die – später nach ihm benannte – Moschee und Schule. Allerdings wurde sie erst ein Jahr nach seinem Tode fertig gestellt. Auch wurde sie nie im Sinne der ursprünglichen Baupläne vollständig verwirklicht. Tatsächlich waren ursprünglich noch weitere Minaretts, Verzierungen und Ausbauten geplant. Doch die Kosten des Bauprojektes hatten ohnehin schon den zur Verfügung stehenden Ressourcenrahmen gesprengt. Das aus unterschiedlichen hochwertigen Qualitätssteinen gefertigte Bauwerk war eine große architektonische und organisatorische Meisterleistung und dementsprechend mit hohen Aufwendungen und Kosten verbunden, die zulasten der Staatshaushaltes gingen. Kurz vor dem Tode Sultan Hassans und ein Jahr vor Vollendung des Baus kam es zu einem schweren Arbeitsunfall. Ein Minarett am Eingangsportal brach ein, stürzte in die Gasse und begrub zahlreiche Menschen unter ihren Trümmern. Nach außen ist die hoch gebaute Moschee durch ihre festungsartigen Fronten charakterisiert.

Es gibt zwei Eingänge: einen Südeingang und einen Haupteingang an der Nordostecke, gegenüber der er-Rifai-Moschee. Die Touristen nehmen in der Regel den Haupteingang. Diesen Betritt man über eine seitliche Treppe. Durch das hohe und prächtig dekorierte Portal gelangt man in ein Vestibül (Eingangshalle) mit Kuppel. Hier zieht der Besucher seine Schuhe aus, denn das Betreten eines islamischen Heiligtums mit Straßenschuhen ist verboten.
Gebetsnische und Gebetskanzel in de Sultan-Hassan-Moschee
Durch mehrere Korridore, erst in südliche, dann südwestliche, schließlich südöstliche Richtung, kommt man in einen sehr großen, repräsentativen, quadratischen, offenen Hof (arabisch: Sahn). In der Mitte dieses offenen Hofes steht ein von einer Kuppel überdachter Brunnen (Hanafija) für rituelle Waschungen.

Vom offenen Hof gehen an allen vier Seiten große Iwane ab. Hierbei handelt es sich um einseitig offene Hallen, die jeweils von einem gigantischen spitzbogigen Tonnengewölbe überdacht sind. Die Architektur des Iwans (Iwan, auch: Liwan) ist persischen Ursprungs. Drei Iwane sind gleichgroß. Der vierte, nach Südosten abgehende Iwan ist nahezu doppelt so groß wie die anderen drei. Hier befinden sich auch die Gebetstribüne, die Gebetskanzel (Minbar) und die Gebetsnische (Mihrab). Sie zeigen nach Mekka, das südöstlich von Ägypten liegt. In den offenen Räumen der Iwane wurde gebetet, gelehrt und diskutiert. Von den hohen Decken hängen Leuchter an langen Ketten herab. Die Wände sind durch die Vielzahl unterschiedlicher Gesteinsmaterialien in vielen Farben gehalten. Auf dem Boden des Iwans sind zeitlich abwechselnd mal rote oder rot-grün-gemusterte Teppiche, auf denen man beten und sitzen kann. (Die Teppiche werden wegen Abnutzung in gewissen Abständen immer wieder erneuert.)

Hinter dem großen Iwan liegt das Mausoleum des Sultans. Zwei Eingänge an der Rückwand des großen Iwans führen in das Innere. Es handelt sich um eine große Kuppelhalle, in die nur wenig Licht fällt. Aber sie hat eine atemberaubende Akustik. In der Mitte der Halle steht der leere Sarkophag des Sultans.

Von den zwei großen Minaretten an der Südfassade des Bauwerks ist eines, das rechte bzw. nord-östliche, wesentlich kleiner als das linke. Dies liegt daran, dass es 1659 eingestürzt war und anschließend durch ein bescheideneres ersetzt wurde.

Zwischen den Iwanen liegen die Räume unterschiedlicher Gelehrtenschulen. Es handelt sich um die sunnitisch-orthodoxen Rechtsschulen (Madhahib) der Hanbaliten, Maliktiten, Hanafiten und Schafi’iten. Die Schulen unterscheiden sich durch die in Details unterschiedliche Auslegung des islamischen Rechtes. Da man im islamischen Mittelalter zwischen Recht und Religion nicht unterschied, ja das gesamte Recht auf der Scharia, dem islamischen Rechtssystem aufbaute, war die Deutung und Interpretation des islamischen Rechtes eine wichtige Aufgabe von hoher gesellschaftlicher Bedeutung. Zu allen Lagen des Lebens hatten islamische Rechtsgelehrte etwas zu sagen. Sie galten zudem als Berater der herrschenden Sultane und Regierungen. Die vier unterschiedlichen Rechtsschulen waren in der Sultan-Hassan-Moschee einerseits räumlich getrennt, mit jeweils eigenen fünfstöckigen Gebäudebereichen mit Unterrichts- und Wohnräumen, andererseits waren sie alle unter dem Dach der Moschee vereint, ein architektonisches Symbol für die Herrschaftsauffassung des Sultans, der die Rechtschulen zu versöhnen suchte.Auswahl weiterführender Literatur:
  • Erck, Christina, Das islamische Kairo – Ein Reisebuch, Göttingen 1990.
  • Williams, Caroline, Islamic Monuments in Cairo, Kairo 1985.
Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg