Stadttor Bab Zuweila in Kairo Ägypten

Das Stadttor Bab Zuweila in der Altstadt von Kairo
Nachdem die Fatimiden im Jahre 969 Ägypten erobert hatten, gründeten sie ihre neue Hauptstadt Kairo (al-Qahira, „die Siegreiche“) nördlich von al-Fustat (Alt-Kario). Die neue Hauptstadt war zunächst als Militärlager und Residenzsitz geplant. Sie wurde ab 969 von einer Lehmziegelmauer mit zahlreichen Toren umgeben. In der Endphase der Fatimidenzeit, während der Jahre 1078 bis 1092, wurden die Befestigungsanlagen zu einer Stadtmauer aus Stein umgebaut. Es gab zahlreiche Tore, manche von ihnen prächtig ausgestattet. Die drei wichtigsten Tore, die heute noch stehen, sind das Bab al-Futuh („Tor der Triumphe“), das Bab an-Nasr („Siegestor“) in der Nähe der al-Hakim-Moschee und das Bab Zuweila (auch Bab Zawila, Bab es-Suweila, Bab al-Zuwayla geschrieben) neben der al-Muayyad-Moschee. Für die Mauern und Tore verwendeten die mittelalterlichen Baumeister auch Steinmaterial von der Verkleidung der Pyramiden in Giza. Das Tor Bab Zuweila war das Südtor des frühen Kairo. Es wurde 1092 unter dem Kalifen Badr al-Gamli errichtet. Es war nach einem Berber-Stamm benannt, mit deren Söldner-Hilfe die Fatimiden Ägypten erobert hatten und die nun hier in der Nähe ihr Lager hatten. Die Architekten des Toren waren Armenier. Wie bei vielen anderen Bauwerken jener Zeit, bediente man sich der Erfahrung armenischer und griechischer Baumeister.
Bab Zuweila Rückseite
Im Laufe der wechselhaften Geschichte waren das Bab Zuweila und der dazugehörige Torvorplatz über Jahrhunderte oft Schauplatz grausamer Hinrichtungen. Verurteilte wurde auf dem Tor oder auf dem Platz vor dem Tor enthauptet oder am Tor erhängt. Kreuzfahrerhäupter wurden auf den Zinnen zur Schau gestellt. Selbst berühmte Persönlichkeiten wurden hier hingerichtet, wie etwa 1517 der letzte ägyptische Mamluken-Sultan al-Aschraf Tuman Bay, nachdem die osmanisch-türkischen Truppen unter Sultan Selim I. die Mamluken besiegt und Ägypten erobert hatten. Noch zur Zeit Napoleon Bonapartes in Ägypten ließ man einem Dieb „beim Bab Zuweila den Kopf abschlagen, während eine Frau am Gitter des Brunnens gegenüber dem Tor gehängt wurde“, wie al-Gabarti berichtete (siehe Anmerkung unten).

Direkt an das Tor schließt sich auf nordwestlicher Seite die Moschee al-Muayyad an. An ihrer Stelle stand ursprünglich ein Kerker. Die Minarette der Moschee setzte man direkt auf die Turmvorsprünge des Bab Zuweila-Tores, um sie noch höher wirken zu lassen. Die Geschichte ihrer Gründung ist interessant: Der Mamluk al-Muayyad (1369-1421) war hier einst eingekerkert. In dieser Gefangenschaft schwor er sich, sollte er je wieder frei kommen, an Ort und Stelle eine prächtige Moschee mit Koranschule (Madrasa) und Mausoleum zu errichten. Gesagt, getan. Als er tatsächlich freikam und von 1412 bis 1421 als Sultan regierte, ließ er sein Bauvorhaben Wirklichkeit werden. Die Minarette der Moschee wurden auf das Bab Zuweila gesetzt (s.o., ein drittes Minarett stürzte ein). In der Moschee befindet sich ein großer Arkadenhof. Man gelangt in das Innere durch einen prächtigen, Eingang an der Nordostecke der Moschee. Der Gebäudeteil des Einganges ist von einer Kuppel bekrönt. In der Mitte des wunderschönen Arkadenhofes steht ein mit einer Kuppel überdachter Brunnen für die rituellen Waschungen. Die Säulen der Arkaden sind Spolien römisch-antiker Bauten. Die Moschee al-Muayyad orientiert sich mit dieser Hofarchitektur an den frühen Moscheen Ägyptens und ist eine der letzten ägyptischen Arkadenhofmoscheen ihrer Art. Die prächtige bronzene Eingangstür stammt ursprünglich von der Sultan-Hassan-Moschee . Die Fassaden sind mit unterschiedlichen Steinschichten gemauert, so dass es wechselnd ockerfarbene und rötliche Steinreihen gibt.
Auswahl weiterführender Literatur:
  • Behrens-Abuseif, Doris, Cairo of the Mamluks, Cairo 2007.
  • Erck, Christina, Das islamische Kairo – Ein Reisebuch, Göttingen 1990.
  • Williams, Caroline, Islamic Monuments in Cairo, Kairo 1985.
Anmerkung
Zitat aus: Al-Gabarti, Bonaparte in Ägypten, Übersetzung nach A. Hottinger, Zürich 1983, S. 204.Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg