Das Stadttor Bab al-Futuh

Am nördlichen Ende der berühmten Straße Sharia al-Muizz li-Din Allah, die sich von Nord nach Süd durch die islamische Altstadt von Kairo erstreckt, steht das Stadttor Bab al-Futuh („Tor der Triumphe“). Dieses Tor ist der nördliche Gegenpart zum Stadttor Bab Zuweila, das das südliche Ende der Sharia al-Muizz li-Din Allah bildet. Ähnlich wie das Stadttor Bab Zuweila direkt neben der großen al-Muayyad-Moschee steht, befindet sich das Bab al-Futuh direkt neben der berühmten al-Hakim-Moschee. Die beiden Moscheen und Stadttore waren die Grenzen Kairos zur Zeit der Fatimiden, die Kairo (al-Qahira – „die Siegreiche“) als Gegenstadt zu Altkairo (Fustat) und als neue Residenzstadt gegründet hatten. Auf der anderen Seite der al-Hakim-Moschee befindet sich noch das Stadttor Bab an-Nasr, sozusagen ein Paralleltor zum Bab al-Futuh.Erbaut wurde das Tor 1087 im Zuge des Ausbaus der Stadtbefestigungen unter dem Wesir Badr ad-Din al-Gamali (1010 bis 1094). Die Mauern wurden so verlegt, dass die al-Hakim-Moschee noch innerhalb ihres Schutzes liegt. Die Konstruktion des Tores mit den zwei Tortürmen entspricht ihrem Festungscharakter. Das Tor hatte einen Vorgängerbau selben Namens, das mit der älteren Stadtmauer ein paar Meter südlich stand, also nicht neben dem nördlichen Minarett der al-Hakim-Moschee, sondern unterhalb des südlichen Minaretts. An manchen Steinquadern verraten Hieroglyphen, dass man sich bei der Beschaffung des Steinmaterials bei Bauten aus pharaonischer Zeit bedient hat. Das Tor ist übrigens eigentlich höher als es erscheint, denn das Bodenniveau ist so angewachsen, dass der Sockel des Tores vier bis fünf Meter unter dem heutigen Erdboden liegt. Eine ähnliche Stadtbodensedimentierung durch Staub- und Sandablagerungen kann man deutlicher beim Bab Zuweila und der vorgelagerten Salih-Talai-Moschee sehen.Wie beim Bab-Zuweila ist auch das Bab al-Futuh ein Tor der historischen Ereignisse. Hier zogen die Sultane und Kalifen hindurch, wenn sie nach Kairo kamen oder ausritten. Ganze Triumphzüge marschierten durch das Tor. Am Vorplatz des Tores gab es zahlreiche HinrichtungenAutor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg