Die versunkenen Städte

Franck Goddio: „Diese Entdeckungen sind der erste Schritt, um diese historisch und kulturell bedeutende Region wieder ans Licht zu bringen. Unsere Entdeckungen werfen viele spannende Fragen auf, die wir im weiteren Verlauf unserer Forschungen der nächsten Jahre klären werden: Die exakte Topographie dieser versunkenen Region wird zum ersten Mal präzise lokalisiert werden. Es wird ein Stadtplan der Städte erstellt werden. Mehr Details über das Leben in diesen Städten, die antike Kultstätten und Ziel zahlreicher Pilgerfahrten waren, werden zusammengetragen werden. Ich bin davon überzeugt, dass wir in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen auf alle diese Fragen in den nächsten Jahren Antworten finden werden.“

Alexandria , 3. Juni 2000 - Der französische Meeresarchäologe Franck Goddio stellte jetzt die neuesten Funde seiner aktuellen Ausgrabungsarbeiten in der Bucht von Aboukir vor, die er in Zusammenarbeit mit dem Obersten Rat für Altertümer des Landes Ägypten durchgeführt hat. Diese jüngsten Fundstücke Goddios führen zu der Region zurück, in der sich ehemals die Städte Canopus, Herakleion und Menouthis befanden, von denen die beiden letzteren unter noch nicht vollständig geklärten Umständen versanken. Die Städte existierten lange vor der Gründung des berühmten Alexandria und Herakleion bildete damals das Haupttor zu
Ägypten.

Nach intensiven Forschungsarbeiten in der Bucht von Aboukir haben Goddio und sein Team in Zusammenarbeit mit dem Obersten Rat für Altertümer des Landes Ägypten dank ihrer hochentwickelten Suchgeräte eine elektronische Unterwasserkarte dieses Gebietes erstellt und dabei zwei große Stätten mit archäologisch äußerst wichtigen Ruinen entdeckt.

Die erste Fundstätte liegt zwei Kilometer vor der Küste von Aboukir und umfasst eine Fläche von 700 x 500 Metern. Systematische Untersuchungen und die bisher vorgenommenen Ausgrabungen haben bereits die Fundamente von zahlreichen Monumenten und miteinander verbundenen Gebäuden zum Vorschein gebracht. Außerdem wurden Teile prächtiger, mit dem Isis-Kult in Verbindung stehende Statuen sowie zahlreiche andere Objekte wie Keramik, Münzen und Schmuckstücke gefunden. Eine außergewöhnliche Entdeckung wurde auch im Zusammenhang mit den fehlenden Teilen des berühmten Naos der Dekaden gemacht. Dieser Schrein aus schwarzem Granit, der im Altertum in mehrere Stücke zerschlagen wurde, konnte bisher nur in Teilen geborgen werden. Der erste Teil wurde 1777 von Sonnini de Manoncour entdeckt und befindet sich heute im Louvre in Paris. Die Teile, die während der aktuellen Ausgrabungen gefunden wurden, werden unser Verständnis des ägyptischen Kalenders erweitern.

Die zweite Stätte liegt sechs Kilometer vor der Küste von Aboukir. Hier gibt es Spuren einer ganzen versunkenen Stadt. Erste Untersuchungen haben Ruinen aller Art hervorgebracht: Häuser, Tempel, Hafen-Infrastruktur, riesige Statuen. Die Ruinen, die sich über ein Areal von fast einem Quadratkilometer erstrecken, befinden sich in bemerkenswert gutem Zustand.

Um eine Hypothese über die Identität dieser versunkenen Städte zu wagen, müssen die historische Literatur sowie Belege aus Papyrii und Inschriften neu studiert werden. Es ist bekannt, dass es in diesem Gebiet einen Nebenfluss des Nil gab, den kanopischen oder herakleotischen Arm. Die antike Stadt Canopus befand sich in der Nähe des heutigen Aboukir und war durch einen Kanal mit Alexandria verbunden. Dann kam Menouthis, eine Vorstadt von Canopus, mit ihrem berühmten Isis-Tempel, und schließlich die Stadt Herakleion. Diese Stadt lag an der Mündung des kanopischen Nilarms. Als Ägyptens Mittelmeer-Zugang während des Neuen Reichs war sie auch ein Zollhafen, in dem der Handel florierte, bis Alexander der Große Alexandria gründete. Als der Handel dann über Alexandria verlief, verlor Herakleion immer mehr an wirtschaftlicher Bedeutung.

Die historischen Quellen erwähnen auch die Existenz der Stadt Thonis in diesem Gebiet; einige Experten gehen davon aus, dass diese mit Herakleion identisch ist.

Zahlreiche Quellen in der antiken Literatur belegen die Existenz der damals berühmten Region mit ihren Städten. So berichtete unter anderen der griechische Historiker Herodot von einem Herkulestempel in Herakleion, den er während seiner 450 A. C. begonnenen Ägyptenreise sah. Die griechische Mythologie erzählt ihrerseits von dem Spartanerkönig Menelaos, der seine Heimreise in Herakleion unterbrach, nachdem er seine mit Paris entflohene Ehefrau Helena in Troja zurückerobert hatte. Bei Ausbesserungsarbeiten des Schiffes wurde sein Steuermann Canopus von einer Schlange gebissen und in einen Gott verwandelt. Er und seine Ehefrau Menouthis sind in den beiden gleichnamigen Städten verewigt. Autoren wie Strabon beschrieben den luxuriösen Lebensstil der Bewohner der Städte, Seneca seinerseits verdammte ihre korrupte Moral.

Diese Städte waren aber nicht nur für Reichtum und ihre Künste berühmt, sondern vor allem für zahlreiche Tempelanlagen, die den Göttern Serapis, Isis und Anubis gewidmet waren. Menschen aus der gesamten mediterranen Welt der Antike pilgerten dorthin, um Heilung zu finden oder das Orakel zu befragen. Hier, am kanopischen Arm des Nils befand sich ein Zentrum unterschiedlicher Religionen und Kulte von großer Bedeutung. Während der christlichen Ära im vierten Jahrhundert wurden in Menouthis eine große Basilika und zwei Sankutarien errichtet, in denen die Relikte der beiden Heiligen Johannes und Vater Cyrus aufbewahrt wurden. Sie wurden nahe des Isis-Tempels erbaut, der zu diesem Zeitpunkt bereits unter Sand begraben und teilweise im Meer versunken war. Aber der Isis-Kult wurde auf einen anderen Tempel übertragen und hielt sich dort bis ins sechste Jahrhundert nach Christus. Zu dieser Zeit wurde das Sanktuarium in Menouthis geplündert.

Diese Region hat sich seit dem Altertum und auch seit dem achten Jahrhundert nach Christus stark verändert. Der kanopische Arm des Nil verschwand und Menouthis und Herakleion versanken im Meer. Bis heute ist weder das genaue Datum noch der Grund für die Zerstörung dieser Städte bekannt. Renommierte Geologen und Geophysiker haben sich dem Team von Archäologen um Franck Goddio angeschlossen, um auf diese Fragen eine wissenschaftliche Antwort zu finden. Es wurden geologische und klimatische Veränderungen untersucht. Ein Anstieg des Wasserspiegels des Mittelmeeres, die langsame Bewegung und das Absinken der Landmassen sowie eine plötzliche Überschwemmung auf Grund seismischer Aktivitäten könnten die Ursache dieses Phänomens gewesen sein.

Schon jetzt wurden durch die Ausgrabungen interessante Funde zu diesem Thema gemacht. Es wurden Beweise für eine Zerstörung durch mehrere seismische Ereignisse gefunden. Die bisher vorgenommenen geologischen Studien und geophysikalischen Untersuchungen zeigen in der Nähe der Überbleibsel der Stadt etwa sechs Kilometer vor der Küste auch ein antikes Flussbett des Nils, aufgefüllt mit Sand und im Meer versunken.

1934 hatte Prinz Omar Toussoum einen Teil der Stätte entdeckt, die der Stadt Menouthis entspricht. Damals wurden einige Teile geborgen, unter anderem auch die berühmte Basis des Naos der Dekaden, die heute im griechisch-römischen Museum in Alexandria zu sehen ist. Aber der größte Teil der Ruinen war mit einer dicken Sandschicht bedeckt und blieb so lange darunter verborgen, bis moderne Geräte die Entdeckung ermöglichten.

Die zweite Stätte, die den Spuren der Stadt Herakleion oder Thonis entspricht, ist bis heute noch nie lokalisiert worden.

Franck Goddio: „Diese Entdeckungen sind der erste Schritt, um diese historisch und kulturell bedeutende Region wieder ans Licht zu bringen. Unsere Entdeckungen werfen viele spannende Fragen auf, die wir im weiteren Verlauf unserer Forschungen der nächsten Jahre klären werden: Die exakte Topographie dieser versunkenen Region wird zum ersten Mal präzise lokalisiert werden. Es wird ein Stadtplan der Städte erstellt werden. Mehr Details über das Leben in diesen Städten, die antike Kultstätten und Ziel zahlreicher Pilgerfahrten waren, werden zusammengetragen werden. Ich bin davon überzeugt, dass wir in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen auf alle diese Fragen in den nächsten Jahren Antworten finden werden.“

 

Alexandria, 3. Juni 2000 - Der französische Meeresarchäologe Franck Goddio stellte jetzt die neuesten Funde seiner aktuellen Ausgrabungsarbeiten in der Bucht von Aboukir vor, die er in Zusammenarbeit mit dem Obersten Rat für Altertümer des Landes Ägypten durchgeführt hat. Diese jüngsten Fundstücke Goddios führen zu der Region zurück, in der sich ehemals die Städte Canopus, Herakleion und Menouthis befanden, von denen die beiden letzteren unter noch nicht vollständig geklärten Umständen versanken. Die Städte existierten lange vor der Gründung des berühmten Alexandria und Herakleion bildete damals das Haupttor zu
Ägypten.

Nach intensiven Forschungsarbeiten in der Bucht von Aboukir haben Goddio und sein Team in Zusammenarbeit mit dem Obersten Rat für Altertümer des Landes Ägypten dank ihrer hochentwickelten Suchgeräte eine elektronische Unterwasserkarte dieses Gebietes erstellt und dabei zwei große Stätten mit archäologisch äußerst wichtigen Ruinen entdeckt.

Die erste Fundstätte liegt zwei Kilometer vor der Küste von Aboukir und umfasst eine Fläche von 700 x 500 Metern. Systematische Untersuchungen und die bisher vorgenommenen Ausgrabungen haben bereits die Fundamente von zahlreichen Monumenten und miteinander verbundenen Gebäuden zum Vorschein gebracht. Außerdem wurden Teile prächtiger, mit dem Isis-Kult in Verbindung stehende Statuen sowie zahlreiche andere Objekte wie Keramik, Münzen und Schmuckstücke gefunden. Eine außergewöhnliche Entdeckung wurde auch im Zusammenhang mit den fehlenden Teilen des berühmten Naos der Dekaden gemacht. Dieser Schrein aus schwarzem Granit, der im Altertum in mehrere Stücke zerschlagen wurde, konnte bisher nur in Teilen geborgen werden. Der erste Teil wurde 1777 von Sonnini de Manoncour entdeckt und befindet sich heute im Louvre in Paris. Die Teile, die während der aktuellen Ausgrabungen gefunden wurden, werden unser Verständnis des ägyptischen Kalenders erweitern.

Die zweite Stätte liegt sechs Kilometer vor der Küste von Aboukir. Hier gibt es Spuren einer ganzen versunkenen Stadt. Erste Untersuchungen haben Ruinen aller Art hervorgebracht: Häuser, Tempel, Hafen-Infrastruktur, riesige Statuen. Die Ruinen, die sich über ein Areal von fast einem Quadratkilometer erstrecken, befinden sich in bemerkenswert gutem Zustand.

Um eine Hypothese über die Identität dieser versunkenen Städte zu wagen, müssen die historische Literatur sowie Belege aus Papyrii und Inschriften neu studiert werden. Es ist bekannt, dass es in diesem Gebiet einen Nebenfluss des Nil gab, den kanopischen oder herakleotischen Arm. Die antike Stadt Canopus befand sich in der Nähe des heutigen Aboukir und war durch einen Kanal mit Alexandria verbunden. Dann kam Menouthis, eine Vorstadt von Canopus, mit ihrem berühmten Isis-Tempel, und schließlich die Stadt Herakleion. Diese Stadt lag an der Mündung des kanopischen Nilarms. Als Ägyptens Mittelmeer-Zugang während des Neuen Reichs war sie auch ein Zollhafen, in dem der Handel florierte, bis Alexander der Große Alexandria gründete. Als der Handel dann über Alexandria verlief, verlor Herakleion immer mehr an wirtschaftlicher Bedeutung.

Die historischen Quellen erwähnen auch die Existenz der Stadt Thonis in diesem Gebiet; einige Experten gehen davon aus, dass diese mit Herakleion identisch ist.

Zahlreiche Quellen in der antiken Literatur belegen die Existenz der damals berühmten Region mit ihren Städten. So berichtete unter anderen der griechische Historiker Herodot von einem Herkulestempel in Herakleion, den er während seiner 450 A. C. begonnenen Ägyptenreise sah. Die griechische Mythologie erzählt ihrerseits von dem Spartanerkönig Menelaos, der seine Heimreise in Herakleion unterbrach, nachdem er seine mit Paris entflohene Ehefrau Helena in Troja zurückerobert hatte. Bei Ausbesserungsarbeiten des Schiffes wurde sein Steuermann Canopus von einer Schlange gebissen und in einen Gott verwandelt. Er und seine Ehefrau Menouthis sind in den beiden gleichnamigen Städten verewigt. Autoren wie Strabon beschrieben den luxuriösen Lebensstil der Bewohner der Städte, Seneca seinerseits verdammte ihre korrupte Moral.

Diese Städte waren aber nicht nur für Reichtum und ihre Künste berühmt, sondern vor allem für zahlreiche Tempelanlagen, die den Göttern Serapis, Isis und Anubis gewidmet waren. Menschen aus der gesamten mediterranen Welt der Antike pilgerten dorthin, um Heilung zu finden oder das Orakel zu befragen. Hier, am kanopischen Arm des Nils befand sich ein Zentrum unterschiedlicher Religionen und Kulte von großer Bedeutung. Während der christlichen Ära im vierten Jahrhundert wurden in Menouthis eine große Basilika und zwei Sankutarien errichtet, in denen die Relikte der beiden Heiligen Johannes und Vater Cyrus aufbewahrt wurden. Sie wurden nahe des Isis-Tempels erbaut, der zu diesem Zeitpunkt bereits unter Sand begraben und teilweise im Meer versunken war. Aber der Isis-Kult wurde auf einen anderen Tempel übertragen und hielt sich dort bis ins sechste Jahrhundert nach Christus. Zu dieser Zeit wurde das Sanktuarium in Menouthis geplündert.

Diese Region hat sich seit dem Altertum und auch seit dem achten Jahrhundert nach Christus stark verändert. Der kanopische Arm des Nil verschwand und Menouthis und Herakleion versanken im Meer. Bis heute ist weder das genaue Datum noch der Grund für die Zerstörung dieser Städte bekannt. Renommierte Geologen und Geophysiker haben sich dem Team von Archäologen um Franck Goddio angeschlossen, um auf diese Fragen eine wissenschaftliche Antwort zu finden. Es wurden geologische und klimatische Veränderungen untersucht. Ein Anstieg des Wasserspiegels des Mittelmeeres, die langsame Bewegung und das Absinken der Landmassen sowie eine plötzliche Überschwemmung auf Grund seismischer Aktivitäten könnten die Ursache dieses Phänomens gewesen sein.

Schon jetzt wurden durch die Ausgrabungen interessante Funde zu diesem Thema gemacht. Es wurden Beweise für eine Zerstörung durch mehrere seismische Ereignisse gefunden. Die bisher vorgenommenen geologischen Studien und geophysikalischen Untersuchungen zeigen in der Nähe der Überbleibsel der Stadt etwa sechs Kilometer vor der Küste auch ein antikes Flussbett des Nils, aufgefüllt mit Sand und im Meer versunken.

1934 hatte Prinz Omar Toussoum einen Teil der Stätte entdeckt, die der Stadt Menouthis entspricht. Damals wurden einige Teile geborgen, unter anderem auch die berühmte Basis des Naos der Dekaden, die heute im griechisch-römischen Museum in Alexandria zu sehen ist. Aber der größte Teil der Ruinen war mit einer dicken Sandschicht bedeckt und blieb so lange darunter verborgen, bis moderne Geräte die Entdeckung ermöglichten.

Die zweite Stätte, die den Spuren der Stadt Herakleion oder Thonis entspricht, ist bis heute noch nie lokalisiert worden.