Sohag und Achmim

Rund 450 Kilometer südlich der Stadtregion von Kairo liegt die mittelägyptische Stadt Sohag . Hier gibt es sehenswerte koptische Kirchen. Gegenüber, auf der anderen Seite des Nils, liegt die Stadt Achmim. Hier gibt es in einem Freilichtmuseum Funde aus pharaonischer Zeit zu bewundern.

Mittelägypten ist kein ungefährliches Pflaster, weil hier eine Hochburg islamistischer Fundamentalisten ist. Doch in Sohag gibt es auch viele Kopten. Die Großstadt hat rund 200.000 Einwohner. Sie liegt am Westufer des Nil. Eine großartige mittelalterliche Altstadt gibt es nicht, denn bis vor wenigen Jahrzehnten war Sohag ein Fellachendorf. Erst mit der Landreform unter Gamal Abdel Nasser und der Bevölkerungszunahme sowie der Zuwanderung aus der Umgebung ist aus dem Dorf eine schnell wachsende Stadt geworden.

Es gibt einen sehenswerten Souk bzw. Bazar. Die wichtigste Moschee der Stadt, die in den 1960er Jahren im traditionellen Stil errichtete Sidi-Arif-Moschee, ist in der Regel für christliche Touristen nicht zugänglich. Das hängt allerdings von den aktuellen Gegebenheiten ab.

Für Touristen oftmals zugänglich sind dagegen die koptischen Kirchen. Es handelt sich um die Kirche der Heiligen Jungfrau (Kanisat el-Sayida el-Adra bzw. Kanisat as-Saiyida al-ʿAdra), die Kirche des Heiligen Georg (Kanisat Mar Girgis) und die Kirche des Erzengels Michael (Kanisat al-Malak Michael).

Erwähnenswerte Sehenswürdigkeiten außerhalb von Sohag sind vor allem die beiden christlichen Klöster, die „Weißes Kloster“ (Deir el-Abjad) und „Rotes Kloster“ (Deir el-Ahmar) genannt werden. Die Klöster weisen auf die uralte christliche Tradition der Region hin. Denn in der Umgebung hat es seit frühchristlicher Zeit bedeutende Gemeinden gegeben. In der Wüste des Hinterlandes lebten zudem viele strenggläubige Einsiedler.

Weißes Kloster

Das Weiße Kloster (Deir el-Abjad) wird auch „Kloster des Heiligen Schenute“ (Deir Amba Shenuda) genannt. Damit verweist man auf den Heiligen Schenute von Atripe. Schenute lebte im 4. Jahrhundert n. Chr. in Sohag. Er wirkte unter anderem als Abt des Weißen Klosters, das es bereits damals schon gab. Als Abt war er, der Überlieferung nach, bei seinen Mönchen und auch in der christlichen Bevölkerung der Umgebung sehr beliebt. Im Jahre 431 soll er als alter Mann den Patriarchen Kyrill von Alexandria zum Konzil nach Ephesos begleitet haben.

Das Kloster war von Schenutes Onkel gegründet worden. Anfangs gab es nur zwei bis drei Dutzend Mönche, die ihr Leben hauptsächlich betend verbrachten. Schenute reformierte das Klosterleben. Die Mönche durften handwerklichen und beruflichen Tätigkeiten nachgehen und die Bevölkerung in der christlichen Lehre unterrichten. Es wurde eine Bibliothek aufgebaut und heilige Schriften kopiert. Am Ende von Schenutes Wirken sollen im Kloster und seinen Nebenklöstern insgesamt mehr als 2.000 Mönche gelebt haben. Das Kloster war zu einer wichtigen Institution in der Region geworden. Ungeachtet der Überfälle durch muslimische Beduinen im Mittelalter blieb die Klostergemeinde bis in die heutige Zeit erhalten. Besonders sehenswert ist die Basilika des Klosters. Ihre Bausubstanz geht zum Teil noch auf die Spätantike zurück.

Rotes Kloster

Das Rote Kloster (Deir el-Ahmar) wurde ebenfalls im 4. Jahrhundert gegründet. Als Gründer wird ein gewisser Abt namens Abu Bischoi angegeben, weshalb das Kloster auch Deir Amba Bischoi genannt wird. Wobei die Namensgleichheit mit dem Heiligen von Wadi Natrun , Pishai/Bischoi, zufällig ist. Die Bezeichnung Rotes Kloster nimmt Bezug auf die roten Backsteinziegel, mit denen das Kloster gebaut wurde. Die rötliche Farbe ist durch das Brennen der Ziegel entstanden. Wieviel der Bausubstanz auf das antike Originalgebäude zurückgeht, ist unklar. Auf jeden Fall ist das Kloster im Mittelalter von Mameluken angegriffen und zerstört oder zumindest stark beschädigt und dann wieder aufgebaut worden. Hauptgebäude des Klosters ist die Kirche des Heiligen Bischoi.

Achmim

Auf der anderen Seite des Nil liegt einige Kilometer weiter nordwestlich am Fluss-Bogen die Stadt Achmim. Sie ist etwa halb so groß wie Sohag und hat rund 100.000 Einwohner. Die Stadt hat eine mehrtausendjährige Geschichte und geht auf das antike Panopolis und das altägyptische Ipu (Jpw) zurück, der Hauptstadt des 9. oberägyptischen Gaues in ptolemäischer Zeit.

Im Altertum gab es in Achmim einen bedeutenden Tempel des Gottes Min mit Bauten vornehmlich aus dem Neuen Reich und aus der Ptolemäerzeit. Die meisten Baureste des Tempels und der alten Stadt liegen jedoch direkt unterhalb der heutigen Stadt von Achmin und sind somit archäologisch nicht zugänglich. Viel antike Bausubstanz ist im Laufe der Zeit zerstört worden.

Die wichtigsten Funde der archäologischen Grabungsarbeiten in Achmim und Umgebung sind in einem Freilichtmuseum ausgestellt. Aushängeschild des Freilichtmuseums ist eine Monumentalstatue der Prinzessin Merit-Amun, Tochter von Ramses II. und dessen Hauptgemahlin Nofretari (welcher der zweite Tempel von Abu Simbel geweiht ist). Ebenfalls bemerkenswert ist eine Kolossalfigur von Ramses II.

Weitere Sehenswürdigkeiten in Achmim und Umgebung sind die koptischen Kirchen, die wie in Sohag auf die reiche christliche Vergangenheit hindeuten. Erwähnenswert sind die Kirchen der Heiligen Damiana und die Kirche des Abu Saifain. Rund 5 Kilometer nördlich der Stadt befindet sich das Kloster des Heilige Ammonius, auch Kloster der Märtyrer genannt.

Auswahl weiterführender Literatur:

  • Jansen-Winkeln, Karl: „Panopolis“, in: Der Neue Pauly, Band 9, Stuttgart 2000, Sp. 257–258.
  • Karig, Joachim: „Achmim“, in: Lexikon der Ägyptologie , Band I, Wiesbaden 1973, Sp. 54 f.
  • Verbeeck, Bénédicte: „Sohag“, in: Lexikon der Ägyptologie, Band V, Wiesbaden 1984, Sp. 1052-1054.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

Mirco Hüneburg