Reisemöglichkeiten und Anreise

Eine Kreuzfahrt auf dem Nil gehört zu den beliebtesten Touristenattraktionen in Ägypten. Tatsächlich ist die Geographie des Landes wie geschaffen, um die Landschaften und Denkmäler des Landes in Form einer Kreuzfahrt zu bereisen.
Felukken auf dem Nil
Der Nil ist seit jeher die Wasser spendende Lebensader Ägyptens. Über Jahrtausende war er auch der wichtigste Verkehrsweg. Fast alle Orte und Städte Ägypten liegen am Nil - wie die Perlen an einer Schnur. Die Nilschifffahrt war die einzige Möglichkeit, Menschen und Material über lange Strecken von Norden nach Süden und umgekehrt zu befördern. Natürlich gibt es heute zahlreiche Straßen und Eisenbahntrassen. Das Zeitalter der Industrialisierung hat auch Ägypten verändert. Insbesondere der Bau des alten Staudammes in Assuan (Fertigstellung 1902) machte die Schaffung moderner Verkehrswege im Flusstal erst möglich. Denn zuvor war das Tal jährlich vom saisonalen Nilhochwasser überflutet. Während dieser Nilschwemme waren die meisten Wege innerhalb des Tales mit Wasser bedeckt. Die Dörfer und Siedlungen im Tal ragten in dieser Zeit wie die Warften der Wattenmeerhalligen aus dem Flutwasser. Der Nil glich einem großem See mit vielen Inseln. Einzelne Deiche und Dämme verbanden die Siedlungen untereinander. Doch ansonsten war man vollständig auf das Boot angewiesen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass erst der Bau verschiedener Dämme, und ganz besonders des alten Assuandammes (1902) und des neuen Hochdammes (1971), die Errichtung einer modernen industriellen Verkehrsinfrastruktur möglich machte. Kreuzfahrten waren schon im Altertum beliebt: Cäsar und Kleopatra sollen sich auf einer Nilkreuzfahrt vergnügt haben. Wenn sich die Pharaonen im alten Ägypten nord- oder südwärts bewegt haben, um beispielsweise von Memphis nach Theben oder umgekehrt zu reisen, taten sie es natürlich auf ihrer prunkvollen Barke auf dem Nil. Alle schweren Objekte, wie Steine und Monumente, wurden auf dem Flussweg transportiert. Zahlreiche Kanäle verbanden Ortschaften und Tempel. Selbst bei Götterprozessionen wurden die Götterstatuen mit dem Boot bzw. der Götterbarke von Heiligtum zu Heiligtum gebracht. Die Vorstellung, dass Götter per Boot reisen, war so präsent, dass die Sänften, mit denen man die Götterstatuen aus ihren Tempeln trug, auch in Form von Barken gestaltet waren. Selbstverständlich fuhr auch der Sonnengott über den Blauen Himmel mit einem Boot. Im alten Ägypten reiste man per Barke, d.h. ohne Segel, dafür mit Rudern, oder in einem Segelschiff, das mit einem trapezförmigen Rahsegel getakelt war. Stromauf wurde gesegelt, stromab half die Strömung des Flusses. Bauern und Nilfischer benutzten Papyrusboote. Im Mittelalter wurde die Feluke eingeführt. Bei der Feluke (bzw. Felucke, Faluka, Falucca) handelt es sich um ein typisches einmastiges Nilsegelboot mit Setteesegeln – eine kleine Abwandlung der typisch arabischen Dhau. Auch die europäischen Reisenden des 18. und 19. Jahrhunderts reisten per Boot den Nil hinauf. Oft kamen sie mit dem Schiff nach Alexandria , wo sie sich dann in eine Feluke oder Dahab iya einschifften, um dann den westlichen Nilarm (Rosetta-Arm) und schließlich den Nil hinauf bis nach Nubien zu fahren. Eine Dahabiya (bzw. Dahabieh, früher auch Canja genannt) ist im Gegensatz zur Feluke ein großes, komfortables Segelboot mit überdachten Kajüten und zwei großen Segeln, eines am Bug und eines am Heck. Solche Boote waren bis ins späte 19. Jahrhundert die Hauptreisemöglichkeiten auf dem Nil. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden vermehrt Dampfschiffe eingesetzt. Es handelte sich um typische Flussdampfer mit Schaufelrädern und geringem Tiefgang, um nicht auf Sandbänke aufzulaufen. Während der zweiten Hälfte des 19. und ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren es vor allem reiche Reisende aus Großbritannien, die sich auf einer luxuriösen Nilkreuzfahrt erholten. Der britische Reiseveranstalter Thomas Cook begann als erster, Nilkreuzfahrten im kommerziellen Stil als Pauschalreisen anzubieten. Das ägyptische Klima mit seiner trockenen Luft galt vielen Briten, gerade während der Wintermonate, als willkommene Abwechslung zum feuchtkalten Klima der Britischen Inseln. Dass Thomas Cook allerdings die Nilkreuzfahrt an sich erfunden habe, ist eine Mär. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus den exklusiven Nilkreuzfahrten ein Phänomen des Massentourismus. Seit den 1970er und 1980er Jahren fahren unzählige moderne Nilkreuzfahrtschiffe mit mehreren Decks und Ebenen, zum Teil mit Pool an Oberdeck, den Nil auf und ab und befördern dabei Hunderttausende von Touristen. Die typische Route einer klassischen Nilkreuzfahrt geht von Assuan nach Luxor, vorbei an den berühmten Tempeln von Esna , Edfu und Kom Ombo . Bei Esna muss eine Schleuse passiert werden. Eine längere Nilkreuzfahrt von Kairo durch Mittelägypten nach Assuan wird in der Regel nicht mehr angeboten. Zum einen dauern solche Kreuzfahrten zu lang. Die meisten Touristen buchen ihre Ägyptenreise für nur zwei Wochen und wollen in dieser Zeit nicht nur an Bord sitzen, sondern auch das Land besichtigten oder einige Tage am Strand des Roten Meeres verbringen. Zum anderen gab es Phasen, in welchen die politische Sicherheit in Mittelägypten als kritisch erachtet wurde. Eine komplette Kreuzfahrt von Alexandria bis nach Nubien, wie es zum Beispiel Gustave Flaubert 1850/51 unternahm, ist heute nicht mehr möglich. Spätestens in Assuan halten alle Kreuzfahrtschiffe – wegen des Hochdammes. Auf dem Nasser-Stausee werden Extra-Kreuzfahrten mit speziellen kleinen Schiffen und Booten angeboten. Diese Nasser-See-Schiffe steuern die verschiedenen (vor Fertigstellung des Hochdammes versetzten) Tempel am Ufer des Sees an (z.B. Abu Simbel, Kalabscha und Wadi es-Sebua). Die Zahl der Schiffe und der auf ihnen beförderten Reisegäste hat in den letzten Jahrzehnten permanent zugenommen, es dürften inzwischen mehr als 300 sein, so dass die Nilkreuzfahrten Teil des Massentourismus geworden sind. Auch sind die Schiffe größer geworden. Manche sind riesige schwimmende Hotels. Wie beliebt die Nilkreuzfahrt ist, sieht man an den Anlegestellen und Uferkais. In Luxor und Assuan beispielsweise haben die Schiffe hintereinander keinen ausreichenden Ankerplatz mehr und müssen deshalb in Reihen von bis zu drei Schiffen nebeneinander anlegen, so dass die Reisegäste des äußersten Schiffes durch zwei andere hindurchgehen müssen, um an den Uferkai zu gelangen. Ein Großteil der Schiffe muss sogar außerhalb der Städte anlegen, weil an den städtischen Kais kein Platz mehr ist. Eine goldene Regel hierbei ist: Je exklusiver das Schiff, desto besser der Anlegeplatz. Für die Gäste ist es natürlich von Vorteil, wenn ihr Schiff direkt in Assuan und Luxor am Kai anlegt, weil sie so tagsüber oder abends spontan das Schiff verlassen können, um durch die Stadt zu gehen. Meistens sind allerdings die Aufenthalte an den Touristen-Hotspots gut geplant und durchorganisiert, so dass den Reisegästen kaum Zeit bleibt, um selbständig von Bord zu gehen und auf eigene Faust etwas zu entdecken. Vorteil des Massentourismus ist natürlich, dass die Nilkreuzfahrten auch für normale Bürger erschwinglich geworden sind. Seit einigen Jahren werden sogar vermehrt Billigangebote und Last-Minute-Kreuzfahrten angeboten. Last-Minute-Schnäppchen sind natürlich ideal, um Reisen zu ergattern, die man sich im Normalfall nicht leisten könnte. Es ist bei der Buchung jedoch Vorsicht geboten. Man sollte sich beim Reiseveranstalter unbedingt genau über das Schiff und die Serviceleistungen erkundigen. Es gibt unterschiedliche Preis- und Leistungskategorien. Wichtig ist auch die Wahl der Kabine. Kabinen unter Deck und Innenkabinen haben keine Aussicht! Auch im Unterdeck schaut man durch schmale Fensterluken und sieht bestenfalls die Steinwand des Anlegekais. Es sollte schon das Haupt oder Oberdeck sein! Und selbst wenn man ein Kabinenfenster mit schöner Aussicht hat, heißt es noch lange nicht, dass sich die Fenster auch öffnen lassen. Dann ist man auf Gedeih und Verderb der Klimaanlage des Schiffes ausgeliefert. Ideal ist natürlich eine Kabine mit Panoramaschiebefenster und Außenbalkon. Schiffskabinen sind in der Regel kleiner als Hotelzimmer. Wer auf einem Nilschiff reist, erspart sich lange Busfahrten zu den Sehenswürdigkeiten. Man kann einfach entspannen, am Pool liegen, an der Bar sitzen, sich in der Kabine ausruhen oder im Restaurant speisen, während die Landschaft an einem vorüberzieht. Allerdings sind die Landausflüge zeitlich begrenzt. Es müssen Fahrpläne eingehalten werden. Wer den einen oder anderen Tempel oder das eine oder andere Grab länger besichtigen will, muss das bei seiner nächsten Ägyptenreise nachholen oder einen Anschlussaufenthalt buchen. Trotz aller Maßnahmen und Regeln ist die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung der Schiffe ein großes Problem. Wasser wird häufig an Bord recycelt. Viele Reisegäste berichten von Magen-Darm-Beschwerden, die vermutlich mit dem Wasser und dem Essen an Bord zu tun haben. Eine Garantie, dass an Bord alles nach westlich-hygienischen Maßstäben abläuft, gibt es nicht. Doch auch hier gilt die goldene Regel: Je exklusiver und teurer das Schiff, desto mehr Wert wird auf Hygiene und Wassersauberkeit gelegt. Ein ganz anderes Problem ist die umwelttechnische Frage, inwiefern die Schiffe, legal oder illegal, ihre Abwässer und Abfälle im Nil entsorgen.
Historischer Schaufelraddampfer SS Sudan auf dem Nil
Tipp: Eine Nilkreuzfahrt in Ägypten gehört sicherlich zu den schönsten Reiseerlebnissen überhaupt. Eine solche Reise kann man am besten genießen, wenn man auf einem exklusiven Nilkreuzfahrtschiff oder einer Dahab iya reist – und sich vorher vergewissert, dass man in einer Kabine mit ordentlichem Fenster ungebracht wird. Ein besonderes nostalgisches Erlebnis ist eine Reise auf der SS Sudan, einem alten historischen Schaufelraddampfer, auf dem der Filmklassiker Tod auf dem Nil (Großbritannien 1978) nach dem Kriminalroman Agatha Christie gedreht wurde. (Im Film trägt das Schiff den Namen MS Karnak.) Hier kann man das Flair der 1920er Jahre nachempfinden. Auf jeden Fall sollte man Folgendes beherzigen: Wer seine Nilkreuzfahrt wirklich genießen will, sollte nicht am falschen Ende sparen. Ein bisschen Luxus muss nicht dekadent sein. Eine billige Reise in einer dunklen Kabine auf einem Massenhotelschiff mit schlechter Hygiene zerstört alle Urlaubsfreuden und bringt im schlechtesten (und leider häufigen) Fall noch Reisediarrhö mit sich. Wer unbedingt Ägypten bereisen will, aber mit kleinem Geldbeutel unterwegs ist, sollte sich lieber an Land fortbewegen und sich in günstigen Hotels einquartieren. Für Abenteurer und Individualtouristen, die es gern spartanisch mögen und in punkto Essen und Hygiene eine robuste Kondition haben, gibt es selbstverständlich noch die Möglichkeit, mit einer Feluke auf dem Nil zu reisen. Sehr beliebt sind Kombinationen. Beispiel: Einige Tage Aufenthalt in Kairo, dann Flug nach Luxor , dort einige Tage Nilkreuzfahrt nach Assuan und schließlich ein Badeaufenthalt am Roten Meer. Solche Kombination lassen sich am besten mit dem Reiseveranstalter besprechen und im Vornherein buchen. Wer auf eigene Faust vor Ort eine ähnliche Reise zusammenstellen will, wird feststellen, dass er für die gleichen Leistungen wesentlich mehr bezahlen muss. Das liegt daran, dass die Reiseveranstalter wegen der Zahl ihrer Buchungen Rabatte aushandeln können. Außerdem sind Kreuzfahrten oft schon früh ausgebucht. Die Schiffseigner und Reeder müssen planen und kalkulieren können, wie viele Schiffe sie in der jeweiligen Saison einsetzen.