Die Pyramiden von Giza

Die Pyramiden von Giza (Gizeh) sind das weltweit bekannte Wahrzeichen Ägyptens. Sie sind ein absulutes Muss jeder Ägyptenreise. Die große Pyramide ist das einzig erhaltene der sieben antiken Weltwunder. Errichtet wurden sie vor viereinhalbtausend Jahren. Die Pyramiden des Cheops und Chephren waren dreitausend Jahre lang die höchsten Bauwerke der Erde.

„Denkt daran, dass von diesen Monumenten vierzig Jahrhunderte auf euch herabblicken!“, ermahnte Napoleon Bonaparte seine Soldaten kurz vor der berühmten Schlacht bei den Pyramiden im Jahre 1798. Das französische Heer war in Ägypten gelandet, um den Gegner Großbritannien in seinen kolonialen Bestrebungen empfindlich zu treffen, indem man ihm in Ägypten zuvorkommt. Vor den Pyramiden kam es zum militärischen Showdown zwischen den ägyptisch-türkischen Truppen, bestehend aus 34.000 Janitscharen, Mamelucken sowie spärlich bewaffneten Fellachen und dem modernen, französischen Heer von 20.000 Soldaten. Das Mameluckenheer wurde aufgerieben, und Napoleons weiterer Weg durch Ägypten war frei. Mit ihm waren 150 Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen. Ihre Aufgabe war es, alles Wissenswerte über das Land zusammenzutragen und aufzuzeichnen. Ergebnis dieser Bemühungen war die berühmte „Description de l’Égypte“, mit der umfangreiches Bild- und Informationsmaterial den Gelehrten zunächst in Frankreich und dann in ganz Europa zur Verfügung stand. Und zusammen mit dem Fund des berühmten Rosetta-Steins, der Jean-François Champollion zur Entzifferung der Hieroglyphenschrift verhalf, war dies zugleich die Geburtsstunde der Ägyptologie als Wissenschaft.

Das Pyramidenplateau von Südwesten aus gesehen (Foto: M. Hüneburg, 1989)

Tatsächlich sind es mindestens fünfundvierzig Jahrhunderte, die auf die vielen Besucher herabblicken, die tagtäglich die berühmteste, archäologische Stätte der Welt besichtigen. Das Pyramidenfeld von Giza (auch: Gisa, Giseh, Gizeh) ist steinernes Symbol eines in seinen Ausmaßen vermutlich weltweit einmaligen Gottherrscherkultes und prominentestes Denkmal der pharaonischen Kultur. Geschaffen auf dem Höhepunkt des Alten Reiches (ca. 2670 bis 2150 v. Chr.) legen die Pyramiden Zeugnis ab von der Phase eines bemerkenswert zentralistischen Staatsgebildes, in welchem die komplette Gesellschaft um den Pharao kreiste und von dessen religiös-politischer Gravitationskraft zusammengehalten wurde. Nie wieder erreichte die ägyptische Kultur und Gesellschaft einen derart hohen Grad der Zentralisierung wie im Zeitalter des großen Pyramidenbaus.

Giza vom Fuß der Mykerionspyramide gesehen (Foto: M. Hüneburg, 1989)
Die Pyramiden von Giza liegen heute am Westrand der Metropolregion von Kairo. Zwar ist Giza offiziell eine eigenständige Stadt mit mehr als drei Millionen Einwohnern, aber praktisch ist sie Teil des Großraums von Kairo und mit der Hauptstadt zu einem gigantischen Häuser- und Straßenmeer verschmolzen. Die Häuser reichen fast unmittelbar bis ans Wüstenplateau der Pyramiden heran. Das Stadtzentrum von Kairo ist etwa 13 Kilometer entfernt. Noch im 19. Jahrhundert war es für die Touristen ein ganzer Tagesausflug, um von Kairo zu den Giza-Pyramiden zu gelangen. Heute, im Zeitalter der Motorisierung, ist es eine Frage der Verkehrsstaus, ob man für dieselbe Strecke weniger als eine Stunde oder mehrere Stunden braucht. Der Massentourismus hat längst Einzug gehalten, und die Besucher werden in wahren Buskolonnen zu den Sehenswürdigkeiten gefahren. Selbst am Aussichtspunkt in der Wüste, von dem man aus herrlicher Perspektive die Pyramiden fotografieren kann, herrscht Volksfeststimmung mit Horden von Souvenirhändlern, die sich an die Busse drängen. Ein Zaun trennt das archäologische Gelände vom Umland, und man muss am Tickethaus Eintrittskarten kaufen. Dann kann die Besichtigung beginnen. Das Pyramidenfeld von Giza besteht aus den drei großen Pyramiden mitsamt ihren Totentempelanlagen und Nebenpyramiden sowie zahlreichen, kleinen Beamtengräbern, die wegen ihrer Form von den Ägyptern Mastabas (arab.: „Sitzbank“) genannt werden. Weitere Highlights sind die berühmte Sphinx (die man, obwohl ein männlicher Pharao dargestellt ist, auch weiterhin mit weiblichem Artikel benennen darf, weil das griechische Wort „Sphinx“ feminin ist)

Die drei großen Pyramiden wurden innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne gebaut. Ihre Erbauer, die Pharaonen Cheops , Chephren und Mykerinos, gehören ein und derselben, nämlich der vierten Dynastie an (etwa 2614 bis 2479 v. Chr.). Neben den Pyramiden und ihren kleinen Nebenpyramiden für die Königinnen liegen noch ausgedehnte Gräberfelder mit Mastabas der Beamten und königlichen Familienmitglieder aus der vierten bis sechsten Dynastie bei den Pyramiden. Sogar aus viel späterer Zeit wurden vereinzelte Gräber gefunden. Zu den Pyramidenanlagen selbst gehören noch die Totentempel und Taltempel sowie die weltberühmte Sphinx. Weiterhin gibt es ein Bootsmuseum mit einem aus Originalteilen zusammengesetzten Schiff des Cheops. Es handelt sich um das älteste noch vollständig erhaltene Holzschiff der Welt. (Wobei auf dem frühdynastischen Friedhof von Abydos noch ältere gefunden wurden, deren Rekonstruktion man aber noch abwarten muss).

Giza war das Ziel unzähliger archäologischer Expeditionen, Exkursionen, Surveys und Ausgrabungen. Obwohl die Stätte sowohl wissenschaftlich als auch touristisch zu den am stärksten frequentierten, archäologischen Ausgrabungsorten der Welt gehört, gibt es auch heute noch immer wieder neue Entdeckungen. Die faszinierendsten Entdeckungen des 20. Jahrhunderts in Giza waren der Fund eines goldreichen Grabschatzes der Königin Hetepheres durch das Team einer Expedition der Harvard-University unter der Leitung von George Andrew Reisner sowie die Entdeckung der Holzschiffe des Cheops durch Mitarbeiter der ägyptischen Antikenverwaltung. Untersuchungen der Ägyptologen Uvo Hölscher und Hermann Junker haben geholfen, das ursprüngliche Aussehen der Nekropole von Giza zu rekonstruieren. Der ägyptische Archäologe Zahi Hawass entdeckte vor einigen Jahren eine kleine Kultpyramide inklusive Pyramidion (Pyramidenspitze), die zum Grabkomplex des Cheops gehörte. Außerdem wurden die Arbeitersiedlungen und die Pyramidenstadt erforscht. Verschiedene Untersuchungen der Ägyptologen Mark Lehner und Zahis Hawass gaben Aufschluss über die gesellschaftlichen Hintergründe und über die Lebensbedingungen der Arbeiter, die diese Riesenwerke schufen.
Die Pyramiden von Giza (Foto: M. Hüneburg, 1989)

In den letzten Jahrtausenden gab es kaum Ägyptenreisende, die nicht an den Pyramiden Halt machten. Und über eine mindestens ebenso lange Zeitspanne waren die Pyramiden und Grabbauten von Giza das Ziel von Grabräubern und Plünderern, die in ihrer Gier nach Schätzen mit aller Gewalt Stollen und Schächte in die Bauten schlugen, um an geheime Kammern zu gelangen. Außerdem war während des ganzen islamischen Mittelalters das Pyramidengebiet als Steinbruch missbraucht worden. Unter Sultan Saladin (12. Jahrhundert) wurden einige kleine Pyramiden zum Teil abgetragen, um mit dem Steinmaterial Dämme und Deichanlagen zu bauen. Und unter Sultan Hassan (14. Jahrhundert) wurde die Hassan-Moschee aus Steinblöcken der Cheops pyramiden-Fassade erbaut. Viele weitere Moscheen und Prachtbauten Kairos wurden mit den Kalksteinblöcken der äußeren Pyramidenverkleidungen errichtet. Die Pyramide von Abu Roasch wurde sogar gänzlich abgetragen. Zur Zeit der Pharaonen sahen die Pyramiden noch ganz anders aus. Die Außenflächen waren mit weißen Kalksteinplatten aus speziellen Steinbrüchen von der anderen Seite des Niltals (sogenannter Turra-Kalkstein) verkleidet und glatt poliert. So leuchteten die Pyramiden im Sonnenschein strahlend weiß.

Der Besucher mag geneigt sein, die Pyramiden besteigen zu wollen, um die einmalige Aussicht zu genießen. Er sei aber darauf hingewiesen, dass dies strengstens verboten ist und die bewaffneten Wächter auf dem Plateau sehr aufpassen. Zur Bedeutung des Pyramidenbaus für den Verlauf der ägyptischen Geschichte wird im Artikel Geschichte Altes Reich in diesem Online-Reiseführer eingegan.

 

Cheopspyramide mit Bootsmuseum

 

Steinlagen der Cheops pyramide (Foto: M. Hüneburg, 1989)
Sie ist das erste und einzige noch stehende Weltwunder und das meistbestaunte Bauwerk der Geschichte: die Cheopspyramide in Giza. Lange war sie das höchste Bauwerk der Welt. Es dauerte viereinhalb Jahrtausende, bis einige moderne Türme und Wolkenkratzer ihren Triumph brachen. 146,5 Meter ragte sie einst über das Plateau (bei einer Basis- bzw. Seitenlänge von ursprünglich 230,38 Metern und einem Neigungswinkel von fast 52 Grad). Wind, Wetter und Steinräuber haben sie ihrer Spitze beraubt, weshalb sie heute nur noch 138,75 Meter hoch ist. Auch ihre wertvolle Kalksteinverkleidung ist nicht mehr vorhanden. Schon in der Antike und insbesondere im Mittelalter haben die Bewohner der Region sie als Steinbruch missbraucht. Ursprünglich war sie vollständig mit hellem Turra-Kalkstein verkleidet und leuchte strahlend weiß im Sonnenlicht.

Für das Kernmauerwerk wurden mehr als zweieinhalb Millionen Kubikmeter lokalen Kalksteins aus den Giza-Steinbrüchen verbaut. Die Mehrzahl der Steinblöcke wiegt rund 2 bis 3 Tonnen. 210 Steinlagen mussten übereinander geschichtet werden, um bis an die Spitze zu gelangen, wobei im nicht sichtbaren Kern wohl auch Schotter mit verbaut wurde und Lücken mit Sand aufgefüllt wurden. Über die Bauweise ist viel spekuliert wurden. Die meisten Ägyptologen und Archäologen gehen mittlerweile davon aus, dass die alten Ägypter eine Variation von unterschiedlichen Rampen aus Lehmziegeln und Steinschotter verwendeten, auf denen die einzelnen Steinblöcke per Schlitten von Arbeiterkolonnen auf die Baufläche gezogen wurden. Experimentalarchäologische Versuche haben ergeben, dass bei ausreichender Schmierung der Rampenoberfläche durchaus kleinere Zug-Mannschaften ausreichten als man es sich gemeinhin vorstellt. Insgesamt war es die Gemeinschaftsarbeit von zehntausenden Helfern und tausenden spezialisierten Handwerkern und die erprobte Planung und minutiöse Organisation sowie der ausreichende Arbeitszeitraum von mehreren Jahren bis Jahrzehnten, die es ermöglichte, mit einfachsten technischen Mitteln solche Bauwunder zu schaffen.
Das Sonnenschiff des Cheops (Foto: M. Hüneburg, 2009)

Das Gangsystem der Cheopspyramide ist das komplexeste und interessanteste der Giza-Pyramiden. Es gibt zwei Eingänge: einen ursprünglichen und einen Grabräubergang, der heute von den Touristen benutzt wird. Angeblich wurde dieser Stollen von dem Kalifen al-Mamun im 9.Jahrhundert angelegt. Doch vermutlich folgte der Kalif nur den Vorarbeiten älterer Grabräuber, die schon in der Antike zu den Kammern vorzudringen gedachten. Der Grabräubergang stößt nach etwa 30 Metern auf das originale Gangsystem. Hier teilt sich der Gang in einen aufsteigenden und einen absteigenden Gang. Der absteigende Gang führt tief in den anstehenden Fels unterhalb der Pyramide und endet dort in einer, etwa 30 Meter unter der Pyramide liegenden, unvollendeten Felskammer. Der aufsteigende Gang führt nach 38 Metern zur großen Galerie. Von dort zweigt auch ein waagerechter Gang ab, der zu einer kleinen Grabkammer (Länge: 5,76 m, Höhe: 6,26 m, Breite: 5,23 m) führt. Diese Kammer wird in der älteren Fachliteratur häufig als Königinnenkammer bezeichnet. Vermutlich war sie ursprünglich als Königsgrabkammer gedacht bevor die Baupläne geändert wurden und eine weitere Kammer gebaut wurde. Diese eigentliche Königskammer (Länge: 10,49 m, Höhe: 5,84 m, Breite: 5,42 m) erreicht man über die große Galerie. Hier steht noch das Unterteil bzw. die Sargwanne des steinernen Sarkophages. Die Decke der komplett aus härtestem Rosengranit gefertigten Königskammer ist mehrfach abgesichert, um das Gewicht der darüber liegenden Steinlast zu tragen. Fünf übereinander liegende gewaltige Decken aus Granitplatten zu je 40 Tonnen mit dazwischen liegenden Hohlräumen als Entlastungskammern und abschließend ein Satteldach aus besonders großen Granitmonolithen zu je 70 Tonnen schützen vor dem Einsturz. An der Nord- und Südwand der Sargkammer sind kleine Öffnungen zu erkennen, bei denen es sich vielleicht um Belüftungsschächte für die Arbeiter handelt, die in den Kammern noch polierend zugange waren, während oben die Decken schon für den weiteren Bauvorgang geschlossen waren. Es ist aber auch vorgeschlagen worden, in ihnen symbolische Schächte für die Seele bzw. den verklärten Geist des Pharao zu sehen, damit dieser zu den Zirkumpolarsternen aufsteigen konnte.

Die bereits erwähnte große Galerie, die zur Sargkammer führt, ist ein Unikum und in den anderen Pyramiden so nicht zu finden. Sie ist 8,48 Meter hoch und 47 Meter lang. Die hohen Seitenwände verjüngen die Halle nach oben und bilden eine Art Kraggewölbe. Sieben Steinlagen sind die Wände hoch, von denen jede Steinlage sechs Zentimeter über die darunter liegende hinausragt. Die Steine sind so dicht aneinandergefügt, dass die Fugen nicht einmal Platz für eine Rasierklinge lassen.

Der Totentempel am Fuß der Pyramide ist kaum noch erhalten. Lediglich die Grundflächen und Mauerstümpfe stehen noch. Kern des Tempels war ein offener Säulenhof mit einem Umgang aus rechteckigen Pfeilern. Zur Pyramide hin gab es eine Kultkammer und zwei Seitenkammern. Vom Totentempel führte ein Aufweg zum Taltempel, der lange als verschollen galt, bis kürzlich ägyptische Archäologen Steinfundamente gefunden haben, die seine Existenz belegen. Außerdem wurde von Zahi Hawass noch eine kleine Kultpyramide des Cheops gefunden.

Von allen Pyramiden Ägyptens hat die Cheopspyramide am meisten Anlass zur abenteuerlichen Theorien und Spekulationen geboten. Eine wahre Pseudowissenschaft, die Pyramidologie, beschäftigt sich mit den astronomischen und mathematischen „Erkenntnissen“, die mit dem Bau zum Ausdruck gebracht worden seien. In der esoterischen Literatur werden der Pyramide sogar magische Kräfte nachgesagt. Zwar bestreiten die Archäologen und Ägyptologen nicht, dass die Pyramiden sich an den Himmelsrichtungen und Sternpositionen orientieren. Aber die meisten Spekulationen der Pyramidologie werden abgelehnt. Die Erklärung für die astronomische Ausrichtung der Pyramiden wird eindeutig in den Pyramidentexten geliefert, die an den Wänden der Pyramiden der 5. und 6. Dynastie aufgezeichnet sind. Demnach war die Pyramide nicht nur das Grab des Pharao, sondern auch die Verbindung des Königs zu den Zirkumpolarsternen am nächtlichen Himmelsfirmament. Die stufenförmige Pyramide des Djoser und die strahlenförmigen Pyramiden der vierten Dynastie waren gleichsam Treppen oder Rampen in den Himmel. Der verklärte Geist Pharaos konnte so zu den Sternen aufsteigen und von dort wieder zu seinem Leichnam zurückkehren. Außerdem sind die himmelwärts gerichteten Pyramiden Ausdruck des in seiner religiösen Bedeutung gewachsenen Sonnenkultes, in welcher der verklärte Geist Pharaos am Sonnenlauf des Re teilnimmt.

Das Bootsmuseum mit dem Sonnenschiff des Cheops

Cheops pyramide mit Bootsmuseum (Foto: M. Hüneburg, 1989)
Im Mai 1954 fanden zwei ägyptische Archäologen des ägyptischen Antikendienstes bei Aufräum- und Säuberungsarbeiten an der Südflanke der Cheopspyramide zwei riesige steinerne Bootsgruben von jeweils mehr als 30 Metern Länge. Eine davon wurde geöffnet, die andere ist bis heute verschlossen, wurde allerdings 1987 mit einer speziellen Minikamera, die durch ein kleines Loch ins Innere der Bootsgrube eingeführt wurde, fotografiert. Die östliche Grube, die geöffnet wurde, beinhaltete 1224 sehr gut konservierte Einzelteile des zerlegten Bootes. Ägyptische Restauratoren unter der Leitung des Spezialisten Ahmed Youssef haben mehr als 10 Jahre sorgfältig die Einzelteile analysiert und das Schiff nach den altägyptischen Konstruktionsmarken, die an den Einzelteilen angebracht waren, wieder zusammengefügt Die Bootsplanken und Teile wurden nicht mit Nägeln oder Metalldübeln zusammengesetzt, sondern nach alter Bauweise mit Stricken zusammengebunden. Heraus kam ein 43 Meter langes und 5,6 Meter breites, elegantes Barkenschiff aus feinstem, libanesischen Zedernholz mit großer Schiffskajüte, einem Kajütenzelt für den Kapitän und langen Holzrudern. Nach 4500 Jahren sieht es nun beinahe wie neu aus und ist somit das älteste, komplett erhaltene, Holzschiff der Welt. Um es vor Wind und Wetter zu schützen und den Besuchern die Besichtigung des Schiffes zu ermöglichen, hat man eigens für das Schiff ein Museum gebaut. Vor der Ostseite der Pyramiden liegen ebenfalls drei große Schiffsgruben. Sie sind aber schon seit langer Zeit aufgedeckt und ausgeraubt.

Was war die Funktion dieses herrlichen Prachtschiffes? Barken, Schiffe und Boote waren nicht nur die wichtigsten Fortbewegungsmittel im alten Ägypten, wo der Nil mit seinen Kanälen die Hauptverkehrsader war. Sie hatten auch eine religiöse und kultische Funktion. Die Götterstandbilder wurden während ihrer Festprozessionen auf Prunkbarken von Heiligtum zu Heiligtum gefahren oder auf Barkensänften umher getragen. Nach altägyptischem Glauben fuhr der Sonnengott mit einem Boot täglich über den blauen Himmel. Durch die Kultbarke war es dem verstorbenen Pharao möglich, auch im Jenseits mobil zu sein und dem Sonnengott auf seiner Himmelsreise zu folgen.

 

Neben der großen Pyramide stehen noch die zwei Pyramiden des Chephren und Mykerinos mit ihren Anbauten und Satellitenpyramiden, sowie die große Sphinx, die nach Osten ausgerichtet das Niltal überblickt.

 

Die Pyramidenanlage des Chephren ( Altes Reich , 4. Dynastie, um 2530 v. Chr.)


Die Pyramide des Chephren (Khaphre) wirkt größer als die des Cheops. Dies liegt daran, dass sie auf einem höher gelegenen Abschnitt des Felsplateaus errichtet wurde. Das Besondere an dieser Pyramide ist die gut erhaltene Verkleidung an ihrer Spitze. Sie führt vor Augen, dass früher alle Pyramiden mit glattem Kaltstein verkleidet waren. Das poröse, stufenförmige Aussehen von heute verdanken die Pyramiden dem Raubbau während des Mittelalters. In dieser Zeit wurden die Bauten der Pharaonen als Steinbrüche missbraucht. Viele Moscheen und Paläste Kairos wurden mit dem Steinmaterial der Pyramiden erbaut.

Chephrenpyramide in Giza (Foto: M. Hüneburg, 1989)

Ursprünglich war die Pyramide rund 143 Meter hoch und hatte eine Basislänge von 215 Metern. Heute ist sie noch 136 Meter hoch. Rund 1,6 Millionen Kubikmeter Stein wurden verbaut, um dieses Wunderwerk zu schaffen. Im Innern ist das System der Gänge und Kammern wesentlich einfacher als bei der Cheops pyramide. Zwei Eingänge führen zu zwei abfallenden Gängen. Der untere Gang steigt nach der Hälfte der Wegstrecke auf und stößt auf den anderen, sodass sich beide zu einem Hauptgang vereinigen. Dieser Hauptgang führt ebenerdig zur Grabkammer. Vom unteren Gang zweigt noch eine Nebenkammer ab, die unvollendet blieb und in ihrer Funktion ungeklärt ist. Die Decken der Kammern haben die Form eines Giebeldaches.

An der Ostseite der Chephrenpyramide liegt der Totentempel. Er ist mit rund 110 Metern Länge wesentlich größer und komplexer als der des Cheops. Von der Anlage sind nur Stümpfe der Grundmauern erhalten. Noch heute klar erkennbar sind der große Hof in der Mitte und die fünf Nischenkammern, die als Sanktuarienräume für die Kultbarken des Königs dienten. Vom Totentempel führt der 494 Meter lange Aufwege zum Taltempel. Der Taltempel ist im Gegensatz zum Totentempel noch recht gut erhalten. Imposant ist die zentrale, T-förmige Halle mit 16 monolithischen Granitpfeilern. In seiner äußeren Form ist der 45 mal 45 Meter messende Tempel völlig quadratisch. Er hat drei Eingänge: zwei im Osten und einen im Nordwesten, der direkt auf den Aufweg führt. In einem Schacht in der quer liegenden Vorhalle wurde die berühmte, grüne Sitzstatue des Chephren gefunden, die heute im Museum von Kairo steht.

Die Pyramidenanlage des Mykerinos ( Altes Reich , 4. Dynastie, um 2500 v. Chr.)

Gang in der Chephrenpyramide in Giza (Foto: M. Hüneburg, 1989)
Pfeiler im Taltempel des Chephren (Foto: M. Hüneburg, 2010)

Die Pyramide des Mykerinos ist mit etwa 66 Metern Höhe die kleinste der drei Königspyramiden von Giza. Sie ist nicht einmal halb so hoch wie die Pyramide des Chephren oder Cheops . Ihr Kern besteht aus Kalksteinblöcken aus dem lokalen Steinbruch, der unmittelbar vor dem Pyramidenplateau liegt. Ihre Verkleidung war zweigeteilt. Im Bereich der unteren 15 Meter bestand sie aus hartem Rosengranit. Der obere Bereich war mit hellem Kalkstein verkleidet, der vermutlich aus den Steinbrüchen von der anderen Seite des Niltals stammt. Wegen der unterschiedlichen Verkleidung leuchtete im Altertum der untere Bereich rötlich und der obere hellweiß. Dies erinnert natürlich an die Farben der ägyptischen Doppelkrone: die Rote Krone für Unterägypten (Delta) und die Weiße Krone für Oberägypten (Niltal). Der Eingang ins Innere der Pyramide ist etwa vier Meter über der Erde. Das Gang- und Kammersystem der Mykerinos-Pyramide ist komplexer als das der Chephren-Pyramide. Dies ist vielleicht mit veränderten Konstruktionsplänen während der unterschiedlichen Bauphasen zu erklären. Es gibt zunächst einen absteigenden Gang, der in den Fels unterhalb der Pyramide führt. Sobald der Gang wieder ebenerdig verläuft, gelangt man in eine erste Kammer. Hinter dieser Gangkammer setzt sich der Gang ebenerdig fort. Direkt hinter der Kammer sind noch drei Vorrichtungen für Fallsteine zum Verschließen des inneren Bereichs. Nach einigen weiteren Metern stößt man auf eine quer gelagerte Vorkammer. Von dieser zweigt nach unten ein Gang zur Grabkammer ab, mit einer weiteren Abzweigung zu einer Nischenkammer. Außerdem gibt es etwas erhöht eine Öffnung, die zu einem weiteren Gang führt, der wieder nach oben weist, dann aber im Innern der Pyramide endet. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um die ursprünglich geplante Version des Eingangs, die im Zuge der Bauplan-Änderung aufgegeben wurde. An der Nordflanke der Pyramidenoberfläche klafft eine große Lücke. Dies ist eine Bresche, die Grabräuber in mameluckischer Zeit geschlagen haben, um in das Innere der Pyramide zu gelangen. Sie schlugen auch einen Grabräubergang bis zum Zentrum der Pyramide, wo er blind endet, da die gesuchten Kammern unterhalb der Pyramide im anstehenden Felsgrund liegen. An der südlichen Flanke der Mykerinos-Pyramide stehen noch drei kleine Pyramiden, bei denen es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Königinnenpyramiden handelt. Pharao Mykerinos hatte mehrere Gemahlinnen.

An der Ostflanke der Mykerinos-Pyramide liegt der Totentempel des Königs. Von ihm sind heute noch Reste des Fundamentes und des anstehenden Mauerwerks erkennbar. Von Osten nach Westen besteht er aus einer langen, schmalen Vorhalle, die zu einem großen, offenen, rechteckigen Hof führt. Vom Hof gelangt man in einen Portikus mit sechs Pfeilern und von dort in einen länglichen Totenopfersaal. Seitlich zweigen vom Portikus Gänge ab, von denen der nördliche zu weiteren Kulträumen an der Pyramidenflanke führt. Nach Osten führt ein mehr als 600 Meter langer Aufweg von der Pyramide und ihrem Totentempel direkt zum Taltempel vor dem Pyramidenplateau. Im Taltempel wurden 1908 (von der Harvard-Expedition unter der Leitung von G.A. Reisner) Statuen aus grauschwarzem Schiefer gefunden, die den König in Begleitung von Göttinnen zeigen. Die Statuen stehen heute im Museum in Kairo und im Museum in Boston.

Die große Sphinx von Giza ( Altes Reich , 4. Dynastie, um 2530 v. Chr.)

Sphinx wird restauriert (Foto: M. Hüneburg, 1989)
Die wohl berühmteste und größte Kolossalstatue des alten Ägypten ist über siebzig Meter lang (inklusive Vordertatzen) und etwa zwanzig Meter hoch. Sie wurde aus dem anstehenden Kalksteinfels gemeißelt. Wetterbedingte Erosion haben dem Bauwerk stark geschadet, weshalb immer wieder Restaurierungsarbeiten vorgenommen wurden und mit Steinblöcken, insbesondere im unteren Bereich und an den Vorderbeinen, nachgemauert wurde, um die gewünschte Form zu erhalten. Schon zur Zeit der Pharaonen wurde mit ersten Restaurierungsarbeiten begonnen. Heute werden von der ägyptischen Altertümerverwaltung regelmäßig Maßnahmen zur Restaurierung und Pflege der Bausubstanz veranlasst. Dies hat zur Folge, dass Touristen Teile der Sphinx nicht selten hinter Baugerüsten sehen. In der Antike und im Mittelalter war die Sphinx mehrfach vom Treibsand der Wüste zugeweht, so dass nur Hals und Kopf heraus guckten. Die erste Erwähnung einer „archäologischen“ Ausgrabung stammt von Pharao Thutmosis IV. (18. Dynastie, um 1390 v. Chr.). Der Hieroglyphentext auf einer zwischen den Vordertatzen der Sphinx aufgestellten Inschriftenstele berichtet, wie er einst als Jüngling von der Wüstenjagd kam und im Schatten der Sphinx Rast suchte. Im Schlaf habe die Sphinx zu ihm gesprochen und ihm das Königtum versprochen, falls er ihren halb zugewehten Körper von Sande befreite. Auch unter den Pharaonen Sethos I. und Ramses II. oder unter den römischen Kaisern Marcus Aurelius und Septimus Severus gab es Reinigungs- und Restaurationsbemühungen. Nur im islamischen Mittelalter fand niemand ausreichend Motivation, für die Erhaltung der Sphinx zu sorgen.
Die Sphinx von Giza (Foto: M. Hüneburg, 2010)

Auch wenn es allerlei Spekulationen um Alter, Sinn und Funktion der Sphinx gibt, so sind sich die meisten Ägyptologen einig, dass sie aus der Zeit entweder des Cheops oder des Chephren stammt, da sie nicht weit von Rand der Kalksteinbrüche steht, wo das Grundmaterial für den Pyramidenbau gewonnen wurde. Ursprünglich trug sie auch einen Götterbart, dessen abgebrochene Reste 1816 gefunden wurden und die heute im Britischen Museum in London aufbewahrt werden. Es ist aber wahrscheinlich, dass der Götterbart im Neuen Reich nachträglich angefügt wurde. Ob es sich eher um ein Abbild des Cheops oder mehr des Chephren handelt oder schlicht um eine Wächterfigur der Nekropole, ist noch nicht vollständig geklärt. Aber eine wesentlich frühere oder spätere Datierung scheint ausgeschlossen.

Vor der Sphinx entdeckte man einen Kalksteintempel, der direkt neben dem Taltempel des Chephren liegt. Allerdings scheint es zwischen den beiden Tempeln keine bauliche Verbindung zu geben. In der Mitte des Tempels befand sich ein Hof, der allseitig von Pfeilern und Königsstatuen umgeben war. In der Mitte des Hofes stand ein Opferaltar. Es ist nicht auszuschließen, dass es sich um ein Heiligtum zur Verehrung der Sphinx oder der Sonne gehandelt hat. Nordöstlich der Sphinx steht noch ein kleines Kultgebäude von Amenophis II. ( Neues Reich , 18. Dynastie, um 1400 v. Chr.). Im Neuen Reich galt die Sphinx als steinernes Abbild des Gottes Harmachis („Horus am Horizont“).

Von den Ägyptern wird die Sphinx auf Arabisch „Abu el-Hol“ genannt, was soviel wie „Vater des Schreckens“ bedeutet. Für viele ortansässige Menschen und die Bauern der nahe liegenden Dörfer mag sie etwas Unheimliches ausgestrahlt haben. Für die europäischen Reisenden der letzten Jahrhunderte war sie immer wieder Symbol für das geheimnisvolle Ägypten.

 

Weitere Bauten und Grabanlagen in Giza

 

Mastaba und Chephrenpyramide in Giza (Foto: M. Hüneburg, 2009)

Neben den Pyramiden mit ihren Totentempeln, Taltempeln, Satellitenpyramiden, Bootsgrüften und der Sphinx gibt es noch zahlreiche andere Baudenkmäler in Giza. Es handelt sich dabei größtenteils um Gräber hoher Amtsträger und Mitglieder der königlichen Familie. Im Gegensatz zu den drei Hauptpyramiden von Giza sind die vielen kleinen Gräber oft mit Texten und sehenswerten Wandbildern und Reliefs dekoriert. Nur einige wenige Gräber seien hier kurz vorgestellt. Die meisten Gräber sind nämlich geschlossen und für Touristen nicht zugänglich. Um zu erfahren, welche der Gräber für den Besucher geöffnet sind und welche gerade geschlossen, ist es sinnvoll, sich vorher am Ticketoffice zu erkundigen. Zur Orientierung sind die Grab-Kennnummern hilfreich, da sich die vielen Mastabas und Gräber von außen sehr gleichen und von dem Laien nur schwer auseinanderzuhalten sind. Hilfreich sind hierbei ortskundige Führer, die aber nicht ohne Bakschisch arbeiten.

Die meisten Mastabas bestehen aus einem einfachen, rechteckigen Oberbau mit Kulträumen oder Opferkapelle und aus einem unterirdischen Grabschacht mit Sargkammer. Der obere Bereich, der in der Regel zugänglich war, war für den Opferkult bestimmt, der untere, der verschlossen wurde, war Ort der Bestattung. Ein wichtiger Bestandteil der Opferkammer war die sogenannte Scheintür, die meist nach Westen ausgerichtet war, weil man dort das Totenreich glaubte. Auf der Scheintür sieht man neben den Opferformeln und Titulaturen des Grabinhabers auch ein Bild, das den Toten sitzend vor einem Speise- bzw. Opfertisch zeigt. Die Scheintür sollte vermutlich eine Verbindungstür zwischen Diesseits und Jenseits darstellen, durch die der Tote hinaustreten konnte, um die Opfergaben zu empfangen.

Die Nähe der Gräber zur Pyramide des jeweiligen Königs unterstreicht die gesellschaftliche Position des Grabinhabers. So waren die meisten Beamten entweder im Palast des Königs oder im königlichen Kult des Totentempels beschäftigt. Je höher Amt und Würde, desto größer durfte ihr Grab sein.

Zahlreiche Funde aus dem Friedhof und Pyramidengebiet von Giza sind heute im Ägyptischen Museum in Kairo ausgestellt.

Mastaba-Grab des Qar (6. Dynastie, um 2280 v. Chr., Grab-Kennnummer: G 7101)

Giza Grab des Qar (Foto: M. Hüneburg, 2009)

Rund 100 Meter östlich der Cheops pyramide, zwischen den großen Mastaba-Gräbern und dem Aufweg der Cheopsanlage, liegen die zwei kleinen Gräber des Qar und des Idu. Beide Gräber sind häufig geöffnet und somit dem touristischen Publikum zugänglich. Das Grab des Qar wurde durch die Medien bekannt, als der Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass, begleitet von Fernsehteams, den US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama durch die Mastaba führte. Qar war Oberhaupt der Pyramide von Pepi I. und Oberaufseher der Pyramidenstadt des Cheops und Chephren. Er lebte zur Zeit der 6. Dynastie. Seine Aufgabe bestand darin, den Totenkult der alten Pharaonen in den Totentempeln des Cheops, Chephren und Pepi II. fortzusetzen und zu beaufsichtigen und dafür zu sorgen, dass die entsprechenden Totenopfer und Rituale eingehalten werden. Das Besondere an dieser Grabanlage ist die Reihe von Statuen, die den toten Grabinhaber zeigen.

Mastaba-Grab des Idu (6.Dynastie, um 2260 v. Chr., Grab-Kennnummer: G 7530)

Das grab des Idu liegt neben dem Grab des Qar. Idu war vermutlich Qars Sohn. Er war „Schreiber der königlichen Dokumente in Anwesenheit des Königs“ – also des Königs persönlicher Sekretär. Das Grab ist sehr klein und besteht im Wesentlichen aus einer Vorhalle und einer schmalen Opferkapelle bzw. Kultkammer. In der Opferkapelle fallen wieder die Statuenreihen auf. Das Besondere dieses Grabes ist die Scheintür an der Ostseite der Wand. Statt des unteren Teils der Scheintür ist eine halb plastische Figur des Grabinhabers herausgearbeitet, die ihre Arme mit geöffneten Handflächen nach vorn streckt um das Opfer zu empfangen.

Mastaba-Grab der Königin Meresanch III. (4. Dynastie, um 2510 v. Chr., Grab-Kennnummer: G 7530)

Mitten im Gräberfeld östlich der Cheopspyramide liegt die große Mastaba der Königin Meresanch III. Sie war Tochter der Königin Hetepheres II. und des Prinzen Kawab, eines Sohnes von Pharao Cheops, und sie war königliche Gemahlin des Pharao Chephren und starb im Alter von über 50 Jahren zur Regierungszeit des Mykerinos.

Mastaba-Grab des Prinzen Chaefchufu (4. Dynastie, um 2550 v. Chr., Grab-Kennnummer: G 7130-40)

Hierbei handelt es sich um ein kleines Grab eines Königssohnes von Cheops. Das Grab besteht aus einem Vestibül und zwei Grabkammern, deren Wände mit zum Teil gut erhaltenen Reliefs verziert sind.

Der Westfriedhof

Auf dem Westfriedhof (d.h. auf der Westseite der Cheopspyramide) gibt es weitere interessante und sehenswerte Grabanlagen und Mastabas, die jedoch nur selten den Touristen zugänglich sind. Besonders hervorzuheben sind das Grab des Beamten Iasen (Ende 5. und Anfang 6. Dynastie, Grab-Kennnummer: G2196) und das Grab des Imeri (5. Dynastie, Grab-Kennnummer: G 6020) mit ihren gut erhaltenen und größtenteils noch farbigen Reliefdarstellungen. Keine Reliefs, dafür aber farbenfrohe Wandmalereien kann man in der Mastaba des Kaemanch (6. Dynastie, Grab-Kennnummer: G 2196) bewundern.

Die Königinnenpyramiden

Königinnenpyramiden an der Mykerinospyramide (Foto: M. Hüneburg, 1989)

Die Pyramiden und Grabanlagen der Königinnen sind in der Regel geschlossen. Allerdings kann man sie von außen besichtigen und so einen Eindruck von ihrer Architektur bekommen. Meistens reihen sie sich wie Satellitenpyramiden um die königliche Hauptpyramide. Bei Cheops stehen sie an der Ostseite und bei Mykerinos an der Südseite. An den drei Königinnen-Pyramiden südlich der Mykerinos-Pyramide kann man unterschiedliche Bauweisen erkennen. Eine der drei Königinnen-Pyramiden hat die Form einer echten Pyramide, die beiden anderen sind dagegen Stufenpyramiden. Auffällig anders ist dagegen das Grab der Königin Chentkaus, die in der Nähe des Taltempels von Mykerinos steht. Sie hat die Form einer doppelstufigen Mastaba.

1925 wurde vom Team der Harvard-University, unter der Leitung von George Andrew Reisner, neben der Pyramide der Königin Hetepheres (östlich der Cheopspyramide) ein Schacht entdeckt, der zu einer weiteren Kammer führte. In ihr wurden zahlreiche mit Gold verzierte Grabbeigaben gefunden, die wohl mit zur Grabausstattung der Königin gehörten. Heute sind diese Grabbeigaben restauriert und können im Museum in Kairo besichtigt werden.

Video zu den Pyramiden von Giseh bei Kairo

Die Pyramiden von Giza in Ägypten - © STERN TOURS

Auswahl weiterführender Literatur:

  • Aldred, Cyril, Egypt to the end of the Old Kingdom, London 1965.
  • Edwards, I.E.S., The Pyramids of Egypt, London 1972.
  • Fakhry, Ahmed, The Pyramids, Chicago und London 1969.
  • Jánosi, Peter, Die Pyramidenanlagen der Königinnen, Wien 1995.
  • Jánosi, Peter, Die Pyramiden: Mythos und Archäologie, München 2004.
  • Jánosi, Peter, Die Gräberwelt der Pyramidenzeit, Mainz 2006.
  • Junker, Hermann, Giza. 12 Bde, Wien 1929-1955
  • Lauer, Jean-Philippe Lauer, Das Geheimnis der Pyramiden: Baukunst und Technik, München 1983.
  • Lehner, Mark, The Complete Pyramids, London 1997.
  • Reisner, George Andrew, Mycerinus: The Temples of the Third Pyramid at Giza, Cambridge/ Mass. 1931.
  • Reisner, George Andrew, A History of the Giza Necropolis, Vol. I – II, Cambridge/ Mass. 1942-1955.
  • Schüssler, Karl-Heinz, Die ägyptischen Pyramiden: Erforschung, Baugeschichte und Bedeutung, Köln 1987.
  • Siliotti, Alberto und Zahi Hawass, Ägyptische Pyramiden – Monumente für die Ewigkeit, Köln 2004.
  • Stadelmann, Rainer, Die ägyptischen Pyramiden: vom Ziegelbau zum Weltwunder, Mainz 1991.
  • Steindorff, Georg und Uvo Hölscher, Die Mastabas westlich der Cheopspyramide (hrsg. v. Alfred Grimm, Münchner Ägyptologische Untersuchungen 2), Frankfurt am Main 1991.
  • Verner, Miroslav, Die Pyramiden, Reinbek 1999.

Autor dieses Artikels:

Mirco Hüneburg