Die abenteuerliche Reise des Wenamun

Die Geschichte spielt zu Beginn der Dritten Zwischenzeit (um 1000 v. Chr.), jener Zeit, in der Ägypten in Unter- und Oberägypten geteilt wurde. In Oberägypten herrschte eine Theokratie. Das heißt, dass im Namen des Gottes Amun die Hohepriester über das Land regierten. In Unterägypten herrschten neue Pharaonen, und zwar in deren Residenzstadt Tanis . Im Text wird der König Smendes I. genannt. Wenamun, der Held der Geschichte, wird aus Theben fortgeschickt und muss Bauholz aus dem Libanon nach Ägypten bringen. Er wird auf seiner Expedition mit allerlei Schwierigkeiten konfrontiert. Der Text ist in hieratischer Schrift auf einem Papyrus überliefert (Papyrus Moskau 120).Inhalt: Wenamun wird aus Theben fortgeschickt, um Bauholz zu holen für die Götterbarke des Amun. Er reist von Oberägypten nach Unterägypten. Im Delta angekommen, gelangt er zur königlichen Residenz in Tanis. Dort übergibt er dem Königspaar Smendes und Tentamun offizielle Briefe der Priesterschaft des Amun-Re von Theben. Sie gewähren ihm Gastfreundschaft und lassen ihn dann weiterziehen. Im Hafen von Tanis schifft sich Wenamun nach Syrien ein. Er gelangt zu einer Hafenstadt namens Dor an der Mittelmeerküste Palästinas. Dort herrscht ein Mann namens Beder. Während das Schiff am Hafen vor Anker liegt, wird Gold und Silber von Bord gestohlen, das für den Kauf des Bauholzes bestimmt war. Vermutlich ist ein Mitglied der Mannschaft mit dem Edelmetall verschwunden. Wenamun zieht zum Stadtfürsten Beder und fordert ihn auf, als Oberhaupt seiner Stadt für Recht und Ordnung zu sorgen und nach dem Gold und Silber suchen zu lassen. Beder fühlt sich nicht zuständig, da anscheinend jemand der Schiffsmannschaft, der von Bord geflohen ist, die Wertgegenstände mitgenommen hat. Nach einigen Tagen des vergeblichen Wartens und Suchens muss Wenamun wieder abreisen. Das Schiff segelt weiter zur phönizischen Hafenstadt Tyros. Von dort geht es weiter nach Byblos. Im Hafen von Byblos geht Wenamun von Bord. Er nimmt das verbliebene Silber des Schiffes an sich und will es als Sicherheit behalten, solange die Schiffsmannschaft den Dieb nicht dingfest und das Gold und Silber gefunden hat. Der Fürst von Byblos, Tjeker-Baal, fordert Wenamun auf, die Stadt zu verlassen. Doch dann wird während des Opferkultes in Byblos ein Ekstatiker von Amun ergriffen und lässt den Fürsten wissen, dass es der Gott Amun persönlich gewesen sei, der Wenamun gesandt habe. Schließlich kommt es zur Unterredung mit dem Fürsten von Byblos in dessen Palast. Der Fürst wundert sich, warum Wenamun keinen diplomatischen Brief dabeihabe und weshalb er nicht mit einem geschickten Handelsschiff angekommen sei. Wenamun verteidigt sich und erklärt, der Brief befinde sich in Tanis und das Schiff sei ihm dort zugewiesen worden. Außerdem müsse er seinen Auftrag erfüllen, Bauholz für die Barke des Amun zu beschaffen. Der Fürst von Byblos trägt dem Wenamun vor, dass er kein Diener des Pharao sei und seit Angedenken die Könige Ägyptens für das Bauholz gut bezahlt hätten. Warum denn er, Wenamun, keine würdige Bezahlung bereithalte. Daraufhin sendet man einen Boten nach Tanis. Der König in Tanis lässt schließlich große Geschenke, darunter auch Gold und Silber nach Byblos verschiffen. Nun ist der Fürst zufrieden und stattet eine Expedition aus, um in den Bergen das berühmte libanesische Zedernholz fällen zu lassen, das die Ägypter zur Herstellung der Götterbarke benötigen. Das Zedernholz wird an den Strand gebracht, liegt dort allerdings zwei Jahre, ohne abgeholt zu werden. Statt der Transportschiffe kommen Schiffe der Tjeker (ein Seevölkerstamm). Die Tjeker sind Ägypten feindlich gesinnt und wollen Wenamun töten. Der Fürst von Byblos verbittet sich jedoch die Tat auf seinem Grund und Boden und bittet die Tjeker, sich Wenamun außerhalb seines Territoriums zu bemächtigen. Wenamun flieht und gelangt nach Zypern. Auch dort will man ihn umbringen. Doch die Fürstin der Hafenstadt lässt ihn leben. Hier bricht die Geschichte ab.zurück zum Hauptartikel Mythen und Legenden – Geschichten aus dem Alten Ägypten