Mythos von der Zerstörung der Menschheit

Die Textquellen dieses Mythos stehen als Inschriften in verschiedenen Königsgräbern im Tal der Könige. Textausschnitte gibt es in den Gräbern von Tutanchamun, Sethos I., Ramses II. , Ramses III. und Ramses VI. Der Mythos erinnert an die zahlreichen Sinnflutmythen benachbarter Kulturen. Zwar geht es hier nicht um eine große Flut, aber um die Menschen, welche die Götter erzürnt haben und somit deren Rache zu spüren bekommen. Der folgende Mythos wird in der Urzeit der Menschheit verortet. Die Götter haben noch einen engeren Kommunikationsbezug zu den Menschen. Zusammenfassung des Inhalts: Zur jener Zeit, als noch der Sonnengott Re als König über die Menschheit und Götter herrscht, gibt es eine Verschwörung der Menschen gegen den Götterkönig. Der Sonnengott erfährt hiervon und ruft die Götter zur Beratung zusammen. Re erklärt ihnen, dass die Menschheit, die aus seinem Auge hervorging – nach einer Schöpfungsvariante sind die Menschen aus den Tränen des Sonnengottes hervorgegangen – gegen ihn einen Komplott planen. Was solle man tun? Der Gott des Urgewässers, Nun, empfiehlt dem Sonnengott auf dem Thron zu bleiben, denn die Furcht vor ihm sei groß. Auch Re stellt fest, dass die Menschen aus Furcht vor der Rache des Sonnengottes in die Wüste fliehen. So beschließt die Götterversammlung, das Auge des Re, sprich: die Sonnenscheibe, solle sie bestrafen. Das Auge der Sonne geht in der Gestalt der Göttin Hathor zur Erde nieder. Doch Hathor wird zur blutrünstigen Löwengöttin Sachmet. In wildem Blutrausch beginnt sie mit der Vernichtung der Menschheit. Da der Sonnengott Re befürchtet, dass am Ende keine Menschen mehr übrig sein werden, über die er herrschen könne, fordert er sie auf einzuhalten. Doch Sachmet reagiert nicht. So greift man zur List. Götterboten werden beauftragt, so viel roten Ocker wie möglich zu besorgen. Zur selben Zeit lässt man große Mengen an Bier brauen. Schließlich färbt man das Bier mit dem Ocker blutrot. Siebentausend Krüge rotes Bier werden dann zum Schlachtfeld gebracht und dort verstreut. Drei Palmen hoch steht die Landschaft im „Scheinblut“. Als die Göttin Sachmet wiederkommt, um ihren Blutrausch fortzusetzen, trinkt sie sich an dem Blute voll und wird betrunken. Sie kann ihr Menschheitsvernichtungswerk nicht mehr vollenden. So wird erreicht, dass ein Teil der Menschheit vor ihrem Zorn bewahrt bleibt. zurück zum Hauptartikel Mythen und Legenden – Geschichten aus dem Alten ÄgyptenAutor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg