Marsa Matruh die größte ägyptische Stadt der Mittelmeerküste

Mit mehr als sechzigtausend Einwohnern ist Marsa Matruh (Mersa Matruh, Marsa Matrouh) die größte Stadt an der Mittelmeerküste westlich des Nil-Deltas bzw. westlich von Alexandria. Man gelangt zu ihr via Küstenstraße – von Alexandria sind es fast 300 Kilometer und rund vier bis fünf Stunden Fahrtzeit; die Küstenstraße heißt zudem auf ihrem längsten Abschnitt Alexandria-Marsa-Matrouh-Road (man kann sich kaum verfahren, solange man sich bei Abgabelungen immer rechts bzw. an der Küste hält). Es handelt sich um eine Hafenstadt am Nordrand der Libyschen Wüste mit langer Tradition. Vermutlich liegt dies an der natürlichen Lagunenbucht, die für die Anlage eines sicheren Hafens wie geschaffen zu sein scheint. Schon im Altertum siedelten hier altlibysche Stämme. Bereits Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. gab es hier einen Handelsplatz, bei dem Waren aus Libyen, Ägypten, Zypern und Kreta getauscht wurden. Später kamen seefahrende Phönizier und Griechen, die lange Zeit den Mittelmeerhandel dominierten und ihre Kolonien an der nordafrikanischen Küste gründeten. In der klassischen Antike lag hier die Hafenstadt Paraitonion (griech.) bzw. Paraetonium (lat.), die bis in byzantinische Zeit Bedeutung hatte. Aus byzantinischer Zeit hat man die Ruinen einer koptischen Kirche mit unterirdischen Katakomben gefunden. Auf halber Strecke zwischen dem Nildelta und der gebirgigen Cyrenaika sowie nicht fern der Oase Siwa gelegen, war die Gegend von Marsa Matruh auch für den Binnenhandel der Region wichtig. Damals wie heute waren Produkte der Nomaden bei den Nachbarvölkern gefragt. Überhaupt war die ägyptische Mittelmeerküste ein Nadelöhr, denn die südlich gelegene Libysche Wüste ist größtenteils ein Sandmeer und von daher schwer passierbar. Große Truppenbewegungen, Handelskarawanen und Bevölkerungswanderungen nahmen in dieser Region daher den Weg an der Küstenlinie, sei es, als im Altertum die Libyer nach Ägypten vordrangen (oder umgekehrt), sei es, als die arabisch-islamische Expansion über Nordafrika zuerst diesen Weg nahm. Rund zwanzig Kilometer westlich von Marsa Matruh hat man ägyptische Grenzfestungen aus der Zeit von Pharao Ramses II. ( Neues Reich , 13. Jahrhundert v. Chr.) ausgegraben (Ausgrabungen von Zawiyet Umm ar-Rakham). Die Festungen waren gegen die libyschen Stämme gerichtet. Wenig später gab zur Zeit des Pharao Merenptah eine libysche Invasion nach Ägypten, die in dieser Region ihren Ausgang nahm. Es waren berberische Nomadenstämme, die erst dann militärisch bezwungen werden konnten, nachdem sie bereits ins Ackerland des Niltals eingefallen und die Felder verwüstet hatten – so erzählt die Hieroglypheninschrift auf der berühmten Steinstele des Merenptah, jenes Denkmal, dass auch zum ersten Mal in der Geschichte den Namen Israel erwähnt. Mehr als zweitausend Jahre später zogen die Berberstämme und arabischen Beduinentruppen der Fatimiden auf diesem Weg von Tunesien nach Ägypten: Die Fatimiden eroberten das Land am Nil und gründeten die Hauptstadt Kairo (al-Qahira – „die Siegreiche“).

Der Großteil der Stadtanlage von Marsa Matruh ist sehr modern. Südlich der Stadt gibt es einen kleinen internationalen Flughafen, der aber nur von bestimmten Fluglinien angeflogen wird. Außerhalb der Stadt liegen an der Küste verteilt – wie Oasen – die künstlich bewässerten und begrünten Ferien- und Hotelanlagen unterschiedlicher Qualitätskategorien. Marsah Matruh ist auch Verwaltungssitz der gleichnamigen Provinz, zu der ein Großteil der nördlichen Libyschen Wüste gehört, inklusive der Siwa-Oase.

Marsa Matruh ist der ideale Ausgangsort für Ausflüge in die Libysche Wüste. Von Marsa Matruh führt eine Straße weiter nach Süden zur berühmten Oase Siwa. Vermutlich nahm auch Alexander der Große diesen Weg, als er in Siwa das Orakel des Ammon (Amun von Siwa) besuchte. Daher nannte man das alte Paraetonium / Paraitonion auch oft Amunia. Mit dem Auto entspricht die Strecke nach Siwa (Ort) in etwa der Entfernung Alexandria – Marsa Matruh, d.h. ca. 300 Kilometer und vier bis fünf Stunden Fahrtzeit. Nur fährt man hier nicht entlang der Küste, sondern durch die Wüste entlang der Qattara-Senke.

Ähnlich wie bei der Region um el-Alamein gibt es auch hier eine überaus schöne Küste mit abwechselnd hellen Sandstränden und felsigen Küstenabschnitten, mal mit ruhigeren Buchten, oft auch mit starker Brandung, die sich an steilen Felsen bricht. Das klare Wasser ist hier wesentlich sauberer als an der stark belasteten Küste des Nil-Deltas und leuchtet bei gutem Wetter türkisblau. In der Tourismusbranche werden die Strände als Ägyptische Riviera oder Ägyptische Karibik gepriesen. Dies liegt wohl an der Meeresströmung, die den Dreck der ägyptischen Großstädte eher nach Osten treibt. Tropische Korallenriffe wie am Roten Meer gibt es hier nicht. Die Gegend ist eher für Badegäste, Sonnenanbeter und Surfer geeignet, nicht für Tauchsportler. Besonders schöne Strandabschnitte befinden sich einige Kilometer westlich von Marsa Matruh, so z.B. der Strand von al-Abyad/al-Obayed und die auch bei den Ägyptern beliebte kleine Strandbucht von Agibah/Ageebah, zu denen man mit dem Auto via Küstenstraße gelangt (Fahrstrecke ca. 20 bis 28 Kilometer). Im Stadtbereich von Marsa Matruh können die Strände zur Badesaison recht überfüllt sein, weil auch viele Ägypter hier Urlaub machen. Da sich die ägyptische Badekultur von der europäischen unterscheidet, ist an solchen Standabschnitten das Sonnenbaden im aufreizenden Bikini nicht zu empfehlen. Ruhiger und europäischer ist es dagegen an den Privatstränden der großen Hotel- und Ferienanlagen, die außerhalb von Marsa Matruh liegen. Dort machen auch die meisten Europäer, hauptsächlich Italiener, Urlaub.

Ein besonders pittoresker Küstenabschnitt, ca. 5 Kilometer westlich von Marsa Matruh gelegen, wird mit der Königin Kleopatra in Zusammenhang gebracht. Angeblich soll sie hier ihr Seebad genossen haben, während ihre Flotte vor Anker lag. Dann zog die Flotte weiter nach Norden in Richtung Actium (an der griechischen Westküste), wo schließlich die Seestreitkräfte ihres römischen Liebhabers Marcus Antonius mit jenen des Octavian sich eine der bedeutendsten historischen Seeschlachten lieferten (31 v. Chr.). Die Niederlage in dieser Schlacht führte schließlich zur Niederlage von Kleopatra und Antonius und zum Selbstmord beider.

Spuren des Afrikakorps: In einer Grotte, in welcher während des Zweiten Weltkrieges Generalfeldmarschall Erwin Rommel sein Quartier temporär eingerichtet hatte und wo er einige seiner militärischen Schachzüge plante, wurde eine Art Militärmuseum mit Relikten und Utensilien des Afrikakorps und zahlreichen Rommel-Fotos eingerichtet. Als Deutscher kann man sich etwas unbehaglich fühlen. Die Ägypter gehen hier mit der Geschichte doch etwas unkritisch um. Doch angesichts der Antipathie gegen die damaligen britischen Kolonialherren kann man diese politische Unkorrektheit zumindest teilweise nachvollziehen. An den Zweiten Weltkrieg erinnern übrigens auch mehrere Gedenkstätten zur Ehrung der gefallenen britischen, italienischen und deutschen Soldaten. Wer dieses Thema vertiefen möchte, sollte einen Ausflug nach el-Alamein unternehmen und das dortige Museum und die Kriegsgräberstätten besuchen.

Das Klima unterscheidet sich sehr von den Küstenorten am Roten Meer. Während es am Roten Meer ganzjährig sonnig und warm ist, kann es an der ägyptischen Mittelmeerküste im Winter durchaus regnerisch, trüb und kalt sein- zumindest frisch genug, um einen Pullover oder eine Jacke anziehen zu müssen. Zum Frühling hin ist es sehr sonnig und warm, und im Sommer so heiß, wie man es für Ägypten erwartet.


Weiterfahrt nach Libyen: Wenn man die Küstenstraße weiter nach Westen fährt, über Sidi Barrani und Buqbuq (Bukbuk), kommt man an die libysche Grenze. Die letzte Stadt vor der libyschen Grenze ist as-Sallum (Sollum, el-Solloum). Es handelt sich um eine kleine Provinzstadt, in der Beduinen und Berber Handel treiben. Einige römische Ruinen zeugen davon, dass der Ort schon in der Antike bewohnt war. Wenige Kilometer hinter as-Sallum verläuft die Grenze zu Libyen. Hier kann man die Küstenstraße durch die Cyrenaika bis nach Tubruq (Tobruk) und Benghasi fahren und von dort sogar weiter nach Tripolitanien und Tunesien – sofern es die politischen Verhältnisse erlauben. Die Entfernung von Marsa Matruh bis Benghasi beträgt etwa 830 Kilometer. Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg