Ramesseum - Totentempel von Ramses II. in West-Theben

Zusammen mit dem Totentempel von Ramses II. . in Medinet Habu gehört das Ramesseun, der Grabtempel von Pharao Ramses II. ( Neues Reich , 19. Dynastie, 13. Jahrhundert v. Chr.) zu den größten Totentempeln seiner Art. Diese sogenannten „Paläste der Millionen Jahre“ waren zur Zeit des Neuen Reiches Tempelanlagen für den königlichen Totenkult und standen in der Tradition der Pyramidentempel des Alten und Mittleren Reiches. Doch im Gegensatz zu ihren Vorgängern sind die Totentempel des Neuen Reiches von den Gräbern der Pharaonen räumlich getrennt. Außerdem stand in ihnen weniger der Königskult selbst im Mittelpunkt des Kultgeschehens als vielmehr eine Verbindung aus Götterkult und Totenkult. Der Königskult verschmolz mit dem Kult für bestimmte Götter wie etwa Amun, Osiris oder Ptah, in Falle des Ramesseum s mit der Thebanischen Triade Amun, Mut und Chons. Wegen dieser Verbindung wurden bei den Barkenprozessionen die Götterkultbilder aus Karnak zu den Totentempeln auf der Westseite des Nil getragen. Der Ba, d.h. die Seele des verstorbenen Königs, konnte nach altägyptischen Glauben durch eine Scheintür in der Rückwand des Sanktuars eintreten und mit der angekommenen Gottheit in Verbindung treten. Durch diese Verknüpfung des königlichen Totenkults mit dem Götterkult erhoffte man sich wohl auch eine bessere Garantie für die Fortführung des Königskultes in der Zukunft.
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Eingangspylon des Ramesseums

Zwar ist ein Großteil der Bauten des Tempels zerstört, doch bieten die Überreste und Ruinen der Anlage nach wie vor ein beeindruckendes und sehenswertes Bild. Mit ihrer Umfassungsmauer bedeckt die Anlage eine Grundfläche von 180 mal 267 Metern. Rund 58 mal 183 Meter Grundfläche entfallen auf den eigentlichen Tempel. Um ihn herum stehen die Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude und die zahlreichen Magazine des Tempelbetriebes. An den Grundrissen und aus der Luftperspektive erkennt man einen schiefen Winkel hinsichtlich der zentralen Achse des Tempels.

Der aus Sandstein errichtete Eingangspylon steht wie bei allen Totentempeln im Osten der Anlage und zeigt auf den Nil. Die Achse des Tempels ist west-ostwärts ausgerichtet und folgt somit dem Sonnenlauf. Der gesamte Pylon ist 67 m breit. Seine Höhe lässt sich nur schwer bestimmten, da er stark eingestürzt ist. Die Reliefs auf den Fassaden der Pylontürme, die auf der Innenseite bzw. Hofseite besser erhalten sind, weil die vorderen Fassade zudem durch Ruinengeröll verdeckt ist, berichten von den Feldzügen nach Syrien und von der Schlacht bei Kadesch, als Ramses der Große gegen die Hethiter kämpfte, ein Thema und Motiv, das bei fast allen Tempeln von Ramses II. immer wieder aufgegriffen wurde.

Erster Hof und Kultpalast

Durch den Eingangspylon gelangt man in den schlecht erhaltenen ersten Hof, der zu den Seiten mit Säulen und Statuepfeilern flankiert war. Links, d.h. im Süden schließen die Reste eines kleinen Kultpalastes des Königs an. Im Hof liegen Trümmer einer gewaltigen Kolossalstatue Ramses’ II. Sie muss einst mehr als 18 m hoch gewesen sein und wog über 1000 Tonnen.

Zweiter Hof und innere Tempelanlagen

Besser erhalten und somit imposanter ist der zweite Hof des Tempels. Er war von allen vier Seiten mit Säulenreihen und mächtigen Statuenpfeilern umgeben, die den König in Mumienform als Osiris mit Krummstab und Geißel zeigen. An der Ostwand des Tempels sind wunderbare Reliefs erhalten, die wie an den Fassaden des Eingangspylons detailreich von den Feldzügen des Königs und von der Schlacht bei Kadesch (gegen 1275 v. Chr.) berichten.

Vom Zweiten Hof führt eine Rampe auf das erhöhte Bodenniveau des Tempelhauses. 48 Papyrusbündelsäulen, von denen einige nur noch als Stümpfe und Basen erhalten sind, trugen einst das Dach des Hypostyls, des großen Säulensaals. Mit seiner basilikalen Struktur erinnert er an den großen Säulensaal in Karnak. Durch weitere Quersäle gelangt man schließlich in das nur im Grundriss erhaltene Allerheiligste des Tempels.

Wirtschaftsräume

Auch wenn vom eigentlichen Tempel viel zerstört ist, so sind beim Ramesseum auffallend viele Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude erhalten, und dies, obwohl es sich um Bauten aus weniger haltbaren ungebrannten Lehmziegeln handelt. Diese Gebäude mit ihren länglichen Magazinen und Lagerräumen umschlossen den eigentlichen Tempel an drei Seiten. An einigen Stellen ist noch das Tonnengewölbe der Überdachung erhalten.

Auswahl weiterführender Literatur:
  • Arnold, Dieter, Lexikon der ägyptischen Baukunst, Zürich und München 1994.
  • Arnold, Dieter, Die Tempel Ägyptens. Götterwohnungen, Baudenkmäler, Kultstätten, Zürich 1992.
  • Quibell, James E. (et. al.), The Ramesseum, London 1898.
  • Stadelmann, Rainer, „Ramesseum“, in: Lexikon der Ägyptologie, Band V, Sp. 91-98.
  • Wilkinson, Richard H, Die Welt der Tempel im alten Ägypten, Stuttgart 2005.
Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg