Weisheitslehren - Überblick Altes Ägypten Literatur

Die Lehre des Djedefhor

Als Begründer der Weisheitslehren wird Djedefhor angesehen, der im Alten Reich als Sohn des Cheops eingeordnet wird und ein relativ hohes Ansehen genoss. Im Mittleren Reich wird er aufgrund seiner Verehrung im Alten Reich häufig in literarischen Werken wie in der Erzählung Papyrus Westcar erwähnt. Dort spielt er eine der Hauptrollen. In der Weisheitslehre „Die Lehre des Djedefhor“ wird die Problematik des Totendienstes und des Grabes ausführlich begesprochen. Jedoch ist die Lehre auf einigen Fragmenten nur teilweise erhalten.

Die Lehre für Kagemni

Bei der Lehre für Kagemni, die wahrscheinlich in der 12. Dynastie verfasst wurde, ist nur das Endstück in einer einzelnen Handschrift erhalten. Die ersten beiden Kolumnen der Lehre befinden sich auf dem Papyrus Prisse, wobei nach deren Ende sogleich die Lehre des Ptahhotep startet. Die ersten beiden Kolumnen beschreiben Erfahrungen und Konsequenzen für voreiliges Sprechen, Benehmen bei Tisch sowie Warnungen vor den Strafen Gottes. Die Schlussszene der Lehre beschreibt hingegen die Rahmenerzählung, die als Anfang verloren gegangen ist.

Die Lehre des Anchscheschonqi (Chascheschonqi)

Die Lehre des Anchscheschonqi wurde auf einem Papyrus in demotischer Sprache verfasst, welches in die späte ptolemäische Zeit datiert werden kann. 1896 erwarb das British Museum in London den 462 cm langen Papyrus und verwahrt diesen derzeit unter der Inventarnummer BM 10508 auf.
Autor der Lehre ist Anchscheschonqi, ein Priester des Sonnengottes Re in Heliopolis. Die Lehre basiert wahrscheinlich auf einer wesentlich älteren Rahmenhandlung, in der eine Spruchsammlung zusammenhangloser Praxisregeln für den Alltag eingebettet wurde. Das Entstehungsjahr der Rahmenhandlung konnte bisher nicht exakt bestimmt werden. Man geht jedoch von der Saitenzeit im sechsten Jahrhundert v. Chr. aus.

Die Handlung beginnt in den ersten fünf Kolumnen mit der Rahmenhandlung, in der Anchscheschonqi als „Sohn des Sanuphis und der Sitnecho“ in Heliopolis im Amt des Priesters des Re tätig ist. Während seines Aufenthalts bei seinem Jugendfreund Harsiese, Sohn des Ramose, in Memphis, schilderte Harsiese ihm den Plan, den König zu ermorden. Anchscheschonqi versuchte seinen Freund von dem Verschwörungsplan abzubringen, jedoch ohne Erfolg. Das Gespräch zwischen den beiden Freunden wurde von einem Beamten mitgehört, welcher dem König das Vorhaben berichtete. Daraufhin wurden sie festgenommen und vor Gericht gebracht. Das Urteil von Harsiese lautete Tod durch Verbrennung. Anchscheschonqi kam aufgrund seiner nicht überzeugenden Rechtfertigung auf unbestimmter Dauer ins Gefängnis, wo er die Lehre nach etlichen Jahren für seinen Sohn verfasste. Anchscheschonqi suchte nach den Gründen, welche den Sonnengott Re bewegt haben, ihm eine in seinen Augen so ungerechte Strafe aufzuerlegen wie er in den Kolumnen 4, 17-21 und 5, 1-19, schildert:

„Siehe, das ist die Lehre, die der Gottesvater Anchscheschonqi, Sohn des Sanuphis, seine Mutter ist Sitnecho, seinem Sohn auf die Scherben der Töpfe schrieb...Er sagt: „Demütigung und Unglück, mein großer Herr, o Re, Gefangenschaft und Demütigung hat man mir angetan, weil ich niemand umgebracht habe. Es ist dir ein Greuel, mein großer Herr, o Re! Ist das die Art und Weise, wie Re gegen ein Land zürnen wird? O ihr Menschen, die ihr die Scherben der Töpfe finden werdet, hört von mir wie Re gegen ein Land zürnen wird! Wenn Re gegen ein Land zürnt, wird sein Herrscher das Recht vernachlässigen, wird er die Gesetze und die Reinheit sowie die Maat aufhören lassen in ihm, wird er Werte vermindern in ihm, lässt er kein Vertrauen in ihm zu, wird er seine Geringen groß und seine Großen gering machen, wird er die Dummen Herren der Klugen sein lassen, wird er seinem Herrscher befehlen, seinen Untergebenen Böses anzutun, wird er seinen Schreiber zum obersten Verwaltungsbeamten machen, wird er seinen Wäscher zum Polizeichef machen“. Danach folgen die Worte, die Anchscheschonqi auf die Töpfe schrieb,...die man täglich vor Pharao und seinen Großen vermeldete. Anchscheschonqi erkannte, dass seine Haft hinausgezögert werde, da man ihn nicht freigelassen hatte. Er schrieb auf die Scherben der Töpfe die Dinge, in denen er seinen Sohn schriftlich würde unterrichten können.“ [1]

Die eingebetteten Spruchsammlungen bestehen größtenteils aus Aphorismen, Sprichwörtern und aus einzeiligen Redensarten, wobei stilistische sowie sprachliche Parallelen zur altägyptischen Sprache in einigen Fragmenten gezogen werden können.

Inhaltlich beschreiben die Spruchsammlungen Regeln aus dem Alltag, welche teilweise humorvollen Charakter zeigen, wie folgendes Beispiel zeigt:

„Trink im Hause eines Kaufmanns nicht einmal Wasser – er wird es dir in Rechnung stellen. […]“.[2]

 

[1] Siehe Heinz Josef Thissen: Die Lehre des Anchscheschonqi. S. 255–256.

[2] Entnommen aus Guy Rachet: Lexikon des Alten Ägypten. S. 47.

Die Lehre des Djedefhor

Als Begründer der Weisheitslehren wird Djedefhor angesehen, der im Alten Reich als Sohn des Cheops eingeordnet wird und ein relativ hohes Ansehen genoss. Im Mittleren Reich wird er aufgrund seiner Verehrung im Alten Reich häufig in literarischen Werken wie in der Erzählung Papyrus Westcar erwähnt. Dort spielt er eine der Hauptrollen. In der Weisheitslehre „Die Lehre des Djedefhor“ wird die Problematik des Totendienstes und des Grabes ausführlich begesprochen. Jedoch ist die Lehre auf einigen Fragmenten nur teilweise erhalten.

 

Die Lehre für Kagemni

Bei der Lehre für Kagemni, die wahrscheinlich in der 12. Dynastie verfasst wurde, ist nur das Endstück in einer einzelnen Handschrift erhalten. Die ersten beiden Kolumnen der Lehre befinden sich auf dem Papyrus Prisse, wobei nach deren Ende sogleich die Lehre des Ptahhotep startet. Die ersten beiden Kolumnen beschreiben Erfahrungen und Konsequenzen für voreiliges Sprechen, Benehmen bei Tisch sowie Warnungen vor den Strafen Gottes. Die Schlussszene der Lehre beschreibt hingegen die Rahmenerzählung, die als Anfang verloren gegangen ist.

 

Die Lehre des Anchscheschonqi (Chascheschonqi)

Die Lehre des Anchscheschonqi wurde auf einem Papyrus in demotischer Sprache verfasst, welches in die späte ptolemäische Zeit datiert werden kann. 1896 erwarb das British Museum in London den 462 cm langen Papyrus und verwahrt diesen derzeit unter der Inventarnummer BM 10508 auf.

Autor der Lehre ist Anchscheschonqi, ein Priester des Sonnengottes Re in Heliopolis. Die Lehre basiert wahrscheinlich auf einer wesentlich älteren Rahmenhandlung, in der eine Spruchsammlung zusammenhangloser Praxisregeln für den Alltag eingebettet wurde. Das Entstehungsjahr der Rahmenhandlung konnte bisher nicht exakt bestimmt werden. Man geht jedoch von der Saitenzeit im sechsten Jahrhundert v. Chr. aus.

 

Die Handlung beginnt in den ersten fünf Kolumnen mit der Rahmenhandlung, in der Anchscheschonqi als „Sohn des Sanuphis und der Sitnecho“ in Heliopolis im Amt des Priesters des Re tätig ist. Während seines Aufenthalts bei seinem Jugendfreund Harsiese, Sohn des Ramose, in Memphis, schilderte Harsiese ihm den Plan, den König zu ermorden. Anchscheschonqi versuchte seinen Freund von dem Verschwörungsplan abzubringen, jedoch ohne Erfolg. Das Gespräch zwischen den beiden Freunden wurde von einem Beamten mitgehört, welcher dem König das Vorhaben berichtete. Daraufhin wurden sie festgenommen und vor Gericht gebracht. Das Urteil von Harsiese lautete Tod durch Verbrennung. Anchscheschonqi kam aufgrund seiner nicht überzeugenden Rechtfertigung auf unbestimmter Dauer ins Gefängnis, wo er die Lehre nach etlichen Jahren für seinen Sohn verfasste. Anchscheschonqi suchte nach den Gründen, welche den Sonnengott Re bewegt haben, ihm eine in seinen Augen so ungerechte Strafe aufzuerlegen wie er in den Kolumnen 4, 17-21 und 5, 1-19, schildert:

 

„Siehe, das ist die Lehre, die der Gottesvater Anchscheschonqi, Sohn des Sanuphis, seine Mutter ist Sitnecho, seinem Sohn auf die Scherben der Töpfe schrieb...Er sagt: „Demütigung und Unglück, mein großer Herr, o Re, Gefangenschaft und Demütigung hat man mir angetan, weil ich niemand umgebracht habe. Es ist dir ein Greuel, mein großer Herr, o Re! Ist das die Art und Weise, wie Re gegen ein Land zürnen wird? O ihr Menschen, die ihr die Scherben der Töpfe finden werdet, hört von mir wie Re gegen ein Land zürnen wird! Wenn Re gegen ein Land zürnt, wird sein Herrscher das Recht vernachlässigen, wird er die Gesetze und die Reinheit sowie die Maat aufhören lassen in ihm, wird er Werte vermindern in ihm, lässt er kein Vertrauen in ihm zu, wird er seine Geringen groß und seine Großen gering machen, wird er die Dummen Herren der Klugen sein lassen, wird er seinem Herrscher befehlen, seinen Untergebenen Böses anzutun, wird er seinen Schreiber zum obersten Verwaltungsbeamten machen, wird er seinen Wäscher zum Polizeichef machen“. Danach folgen die Worte, die Anchscheschonqi auf die Töpfe schrieb,...die man täglich vor Pharao und seinen Großen vermeldete. Anchscheschonqi erkannte, dass seine Haft hinausgezögert werde, da man ihn nicht freigelassen hatte. Er schrieb auf die Scherben der Töpfe die Dinge, in denen er seinen Sohn schriftlich würde unterrichten können.“[1]

 

Die eingebetteten Spruchsammlungen bestehen größtenteils aus Aphorismen, Sprichwörtern und aus einzeiligen Redensarten, wobei stilistische sowie sprachliche Parallelen zur altägyptischen Sprache in einigen Fragmenten gezogen werden können.

 

Inhaltlich beschreiben die Spruchsammlungen Regeln aus dem Alltag, welche teilweise humorvollen Charakter zeigen, wie folgendes Beispiel zeigt:

 

„Trink im Hause eines Kaufmanns nicht einmal Wasser – er wird es dir in Rechnung stellen. […]“. [2]

 
 

[1]
Siehe Heinz Josef Thissen: Die Lehre des Anchscheschonqi. S. 255–256.

 

[2]
Entnommen aus Guy Rachet: Lexikon des Alten Ägypten. S. 47.