Lehre des Ptahhotep

Die Lehre des Wesirs Ptahhotep ist Bestandteil des Papyrus Prisse[1] und kann, wenn auch nicht ganz eindeutig, in die 5. Dynastie unter der Herrschaft Djedkare Asosi eingeordnet werden. Sprachlich ist der Weisheitstext in mittelägyptischer Sprache mit einigen altägyptischen Elementen verfasst. Demzufolge wird die Vermutung, der Text stamme aus dem Alten Reich, stärker vertreten. [2] Die Lehre ist bisher auf vier Papyri, einer Holztafel und drei Ostraka belegt. [3]

Insgesamt gliedert sich der bisher anscheinend vollständige Weisheitstext auf dem pPrisse in 19 Kolumnen, welche unterschiedlich breit gestaltet sind. Die zeitliche Eingruppierung erweist sich bisher als schwierig, wird aber von Thissen und Burkard Ende der 11. bzw. Anfang der 12. Dynastie eingestuft. [4] Die Lehre des Ptahhotep handelt neben einer Rahmenerzählung, welche sich wiederum in Einleitung und Epilog unterteilt, hauptsächlich von Regeln der Etiketten zu jedem Anlass, die stilistisch klar mit Doppelversen, Metaphern und dem parallelismus membrorum[5] ausgeschmückt sind. Die Gesamtanzahl der Verhaltensregeln bzw. Maximen lag bei 37.

Nachfolgend ein kleiner Ausschnitt aus den Benimmregeln der Lehre: [6] Oh König, mein Herr! Gebrechlichkeit ist mir beschieden, das Greisenalter ist eingetreten, die Altersbeschwerden sind gekommen, und Hilflosigkeit ist erneut da. Die Kraft schwindet dahin für den mit ermattetem Herzen. Der Mund schweigt, er kann nicht (mehr) sprechen, die Augen sind schwach, die Ohren taub, man liegt unbequem da allezeit. Das Herz ist vergesslich und kann sich an gestern nicht erinnern, die Knochen leiden durch das Alter.

Die Nase ist verstopft, sie kann nicht atmen, Aufstehen und Hinsetzen sind beschwerlich geworden. Gutes ist in Schlechtes verkehrt, und jeder Geschmack ist vergangen. Was das Alter dem Menschen antut: Schlecht geht es (ihnen) in jeder Hinsicht!

So befehle man meiner Wenigkeit, einen Stab des Alters zu ernennen. Meine Schüler (Sohn) sollen an meinen Platz treten, daß ich ihm die Worte der Hörenden und die Gedanken der Vorfahren übermittle, die früher den Göttern gehorsam waren. Ach, möge dir Gleiches widerfahren, möge der Streit unter den Menschen ein Ende haben, daß das ganze Land dir dient.

Da sprach die Majestät dieses Gottes (des Königs): So belehre ihn denn über die früheren Sitten, und möge er ein Vorbild sein für die Kinder der Beamten! Möge Gehorsam in ihn eintreten und jegliche Verständigkeit, (denn) niemand ist ja weise von Geburt an.

Beginn der Sprüche der Schönen Rede, die der Fürst, Graf, usw. der Bürgermeister und Wesir Ptahhotep verfertigt hat, so daß er den Unwissenden zum Wissenden erzieht nach den Regeln der Redekunst, als einen Segen für den, der es beherzigen wird, als einen Fluch für den, der es nicht beachtet. So sprach er zu seinen Schülern:

Sei nicht eingebildet auf dein Wissen, (sondern) unterhalte dich mit dem Unwissenden wie mit dem Wissenden. Nie erreicht man die Grenze der Kunst, und es gibt keinen Künstler, dem Vollkommenheit eignet. Die Redekunst ist verborgener, als ein kostbarer Stein, (aber) man kann sie bei den Dienerinnen über dem Mahlstein finden.

Wenn du einen Mann im öffentlichen Disput triffst, in führender Stellung und angesehener als du, dann beuge deinen Arm und krümme deinen Rücken. Fordere ihn nicht heraus, dann kann er dich nicht zurechtweisen. (Aber) wenn er dich erniedrigt durch schlechte Reden, unterlaß nicht, ihm (auch) in der Öffentlichkeit entgegenzutreten, so daß er als jemand dasteht, der nichts von der Sache versteht - dann ist seine Macht durch deine Selbstbeherrschung ausgeglichen.

Wenn du einen Mann in öffentlichem Disput triffst, einen deinesgleichen, der dir gleichgestellt ist, laß ihn deine Überlegenheit durch Schweigen spüren, wenn er schlechte Reden führt. Dann ist sein Tadel bei den Zuhörern groß, dein Name aber ist angesehen bei den Beamten des Hofes.

Wenn du einen Mann im öffentlichen Disput triffst als Elenden, der nicht deinesgleichen ist, dann sei nicht zornig gegen ihn, weil er elend ist. Laß ihm seinen Lauf, dann wird er sich selber bloßstellen. Gib ihm nicht Antwort, (nur) weil es dich drängt, und schaffe dir nicht Genugtuung, weil er dein Feind ist. Einen Armseeligen zu schädigen, zeugt von niedriger Gesinnung. Man wird (ohnehin) deiner Meinung folgen - so schlägst du ihn mit der Zurechtweisung durch die Beamten.

Du sollst keine Verleumdung weitergeben und sollst sie (auch) nicht anhören, (denn) sie entspringt dem Hitzigen. Gib nur weiter, was du gesehen, nicht was du gehört hast. Wenn es unbeachtet blieb, rede auch nicht darüber - nur was dir vor Augen liegt, ist wissenswert.... Verleumdung ist wie ein (böser) Traum, gegen den man das Gesicht verhüllt.

[1] Aufbewahrt in der Nationalbibliothek Frankreich (Bibliothèque nationale de France, kurz: BnF) in Paris

[2] Siehe W. Helck/E. Otto: Kl. Lexikon der Ägyptologie. S.220-221

[3] Siehe Thissen/Burkard: Einführung in die altägyptische Literaturgeschichte. S. 89 ff.

[4] Siehe Thissen/Burkard: Einführung in die altägyptische Literaturgeschichte. S. 89 ff.

[5] Vergleiche Wagner, Andreas: Parallelismus membrorum. Göttingen: Fribourg Vandenhoeck & Ruprecht, 2007.

[6] Entnommen aus Hornung, Eric: Altägyptische Dichtung. Stuttgart: Reclam, 1996.