Cheti u.a.

Die Lehre des Cheti kann höchst wahrscheinlich in die 12. Dynastie eingeordnet werden. Inhaltlich ist markant, dass vordergründig der Versuch steht, dem Schüler zum Ergreifen eines Beamtenberufs zu raten. Von anderen Berufen wird indes abgeraten. Zudem werden die Ratschläge von Benimmregeln begleitet.

Die Lehren des Ani

Die Lehren des Ani sind laut Friedrich Quack in das Neue Reich, genauer gesagt, in die 19. Dynastie bis in die Spätzeit einzuordnen. Belegt sind die Weisheitstexte durch bisher neun Ostraka, eine Schreibtafel und fünf Papyri, wobei der pKairo 58052 der Besterhaltenste ist.

Der Papyrus pKairo CG 58042, welcher früher auch die Bezeichnung Boulaq 4 trug, wurde von Mariette in Kopie 1871 veröffentlicht.

Laut Quack wurde der Papyrus von einem Priester besessen, der an magischen Orakelprozessionen teilgenommen haben soll. Grund für die These dient Quack das Orakeldekret von Text 5, welches neben der Datierung auch Aufschluss über die Herkunft des Papyrus geben soll. So soll der Papyrus aus Theben stammen, und aufgrund der Textpassagen im Text 5 in die 21. und 22. Dynastie einzuordnen sein. Dabei stützt sich Quack auf die Thesen von Edwards und Koenig (Edwards 1960: XI und Koenig 1987a: 31).

Die Texte wurden nicht, laut These von Quack und entgegen der Auffassung von Assmann,[1]

Generell lässt sich sagen, dass die Lehren stilistisch in Verse angeordnet waren. [2] Inhaltlich ist der Text mit zum Teil religiösen Passagen, Verhaltensregeln, Anweisungen und Verboten ausgeschmückt, wobei die Maat in den Lehren des Ani keine allzu große Rolle gespielt haben muss, da diese nicht wie sonst gewöhnlich genannt wird. [3]

Folgende Textpassagen geben Verhaltensregeln wieder:

Sitz nicht, wenn ein anderer steht,

wenn er älter als du ist,

oder wenn er ranghöher ist, als du.

Es gibt keinen Tadel für das gute Benehmen,

Er wird gegen das schlechte Benehmen gesprochen.

Verhalte dich stets nach der Sitte.

Nach der Position sollst du auftreten.

„Wer ist da?“ sagt man jeden Tag.

Ein Amt (sinhaber) nimmt sich, was ihm zukommt.

Frag eine Frau: „Was ist ihr Mann?“

Frag einen Mann nach seinem Amt.[4]

Die folgende Textpassage gibt religiöse Anweisungen wieder:

Opfere deinem Gott!

Hüte dich vor seinem Tabu!

Befrage seine Prozessionsgestalt nicht!

Belästige ihn nicht, wenn er erschienen ist!

Tritt nicht an ihn heran, um ihn zu tragen!

Schädige die Orakel nicht!

Hüte dich! Seinen Schutz sollst du vermehren.

Stell dir seine Zornesart vor Augen

Und küsse die Erde in seinem Namen!

Er erweist (seine) Macht in Millionen Formen,

um den zu ehren, der ihn ehrt.

Der Gott dieses Landes ist die Sonne am Himmel,

während seine Statuen auf der Erde sind.

Weihrauch soll täglich als ihre Speise gegeben werden,

um ihm Kraft zum Erscheinen zu geben.[5]

Zum Abschluss eine Anweisung für einen Mann im täglichen Alltag:

Hüte dich vor einer fremden Frau, die niemand in ihrer Stadt kennt.

[…] (sie ist) ein tiefes Wasser, dessen Strömung man nicht kennt. [6]

[1] Quack, Joachim Friedrich: Die Lehren des Ani. 1994. S. 22.

[2] Quack, Joachim Friedrich: Die Lehren des Ani. 1994. S. 67.

[3] Quack, Joachim Friedrich: Die Lehren des Ani. 1994. S. 74.

[4] Entnommen aus: Quack, Joachim Friedrich: Die Lehren des Ani. 1994. S. 105.

[5] Entnommen aus: Quack, Joachim Friedrich: Die Lehren des Ani. 1994. S. 109.

[6] Entnommen aus Guy Rachet: Lexikon des Alten Ägypten. S. 47.