Land und Leute - Einführung und Überblick

Ägypten ist ein Land der Naturwunder und Kulturschätze. Eine Reise nach Ägypten wird immer etwas Besonderes bleiben. Dort begegnet man einer exotischen Vielfalt, die dergestalt nirgends sonst auf der Welt anzutreffen ist: die unvergleichlichen Monumente der Pharaonen, die bezaubernde Welt des islamischen Orients, die einmalige Flusslandschaft an den Ufern des Nils, die weiten Sandwüsten im Westen und die schroffen Gebirgswüsten im Osten, die bunt schillernden Korallenriffe im Roten Meer. Ägypten gehört neben Indien und China zu den klassischen Rundreiseländern der Welt. Schon die römischen Kaiser genossen die Nilkreuzfahrt zu Schiff und waren fasziniert von den einzigartigen Sehenswürdigkeiten und Landschaften.

Ägypten ist auch ein Land der Gegensätze. Armut trifft auf Reichtum, die Wüsten grenzen hart an der grünen Flussoase des Nils, moderne Bauten stehen neben Monumenten des Altertums, die immerlaute Hektik der Millionenstadt Kairo kontrastiert mit der Stille der endlos weiten Wüste. Tagsüber heizt die Sonne das Land erbarmungslos auf, nachts kann es bitterkalt werden.

Allgegenwärtig und monumental ist die Präsenz der ägyptischen Vergangenheit. Pyramiden, Tempel, Paläste, mittelalterliche Moscheen und Festungen, christliche Klöster und verlassene Stadtruinen – das ganze Land liegt im Schatten der Jahrtausende. Immerhin: die mehr als fünftausend Jahre alte Zivilisation des Landes ist eine der ältesten überhaupt. Die ägyptische Geschichte ist eine der längsten und ihr archäologisches und kulturhistorisches Erbe eines der reisten der Weltgeschichte. Tatsächlich gibt es, historisch gesehen, nur wenige Länder, die sich an zeitlicher Tiefe und kulturgeschichtlicher Bedeutung mit Ägypten messen können. Das alte Ägypten der Pharaonen beeinflusste schließlich nicht nur die Kulturen des Nahen und Mittleren Ostens und Afrikas nachhaltig. Auch Europa trägt in sich das kulturelle Erbe Altägyptens. Alle antiken Kulturen des Mittelmeerraumes waren direkt oder indirekt von Ägypten beeinflusst. Über die klassische griechisch-römische Antike und über die Heilige Schrift der Bibel wirkte die Auseinandersetzung mit Ägypten bis in die Entwicklung abendländischer Traditionen fort. Ohne Ägypten gäbe es die großen Weltreligionen nicht. Die Entstehung des Christentums, Judentums und Islams sind ohne Moses nicht denkbar. Das Judentum entstand in Auseinandersetzung mit und Abgrenzung zu Ägypten. Ohne Ägypten würden wir heute eine andere Schrift benutzen, vielleicht noch in Keilschrift schreiben. Wie wir wissen, geht unser lateinisches Alphabet auf das griechische Alphabet zurück; dieses hat seinen Vorgänger im Phönizischen, sowie, weiter zeitlich zurück liegend, im Proto- Sinai tischen, das letztlich seine Zeichen von den ägyptischen Hieroglyphen abgeleitet hat. Ohne die drei Jahrtausende altägyptischer Kultur hätte die Geschichte der gesamten Menschheit einen anderen Kurs genommen. Hier entstand der erste Großstaat der Geschichte, die erste Nation, wenn man so sagen will. Ägypten ist eine Wiege der menschlichen Zivilisation.

Die meisten der rund 75 Millionen Einwohner Ägyptens sind arabisierte Ägypter. Sie sind Araber, weil sie die arabische Sprache sprechen und die arabisch-islamische Kultur teilen, somit sich den anderen arabischen Ländern verbunden fühlen. Sie sind aber ebenso, zumindest größtenteils und insbesondere auf dem Land, ein indigenes Volk, die direkten Nachfahren der alten Ägypter. Trotz zahlreicher ausländischer Eroberungs- und Einwanderungswellen aus Libyen, dem Sudan, aus Griechenland und Makedonien, aus Persien und Arabien, trotz der armenischen und jüdischen Händler und Siedler hat das Gros der Bevölkerung seine familiären Wurzeln in Ägypten selbst. Gerade unter der Landbevölkerung, den Fellachen, ist die Verbundenheit mit der Familie, der Landscholle, dem Dorf und den örtlichen Traditionen groß. Die relative ethnische Homogenität der Landbevölkerung bildet einen Kontrast zur multikulturellen, polyglotten und kosmopolitischen Stadtbevölkerung. Auch wenn inzwischen viele Franzosen, Italiener, Türken, Armenier und Juden im Zuge der nationalen arabischen Bewegung die großen ägyptischen Städte wie Kairo und Alexandria verlassen haben, so lässt sich noch heute erkennen, dass sich in den Metropolen die Menschen unterschiedlicher Herkunft eher mischten als auf dem Lande. Dies liegt daran, dass die meisten Einwanderer als Händler in Ägypten ihr Glück suchten, oder, wenn sie als Eroberer kamen, in administrativen oder militärischen Diensten standen. Von den mehreren hunderttausend Arabern, die sich seit der islamischen Eroberung in Ägypten niederließen, waren die meisten städtische Kaufleute, die in den Bazaren ihr Einkommen fanden, oder Beduinen, die heute hauptsächlich auf der Halbinsel Sinai und in der östlichen Wüste anzutreffen sind. Beide, sowohl die Städter als auch die Beduinen, schauten befremdet auf das ländliche Leben der Fellachen herab. Die Zahl der Beduinen im modernen Ägypten geht übrigens noch heute in die Zehntausende. Neben den arabischen Nomaden in der östlichen Wüste gibt es in der westlich des Nils liegenden Libyschen Wüste noch verschiedene Berbergruppen. In der Oase Siwa hört man ihren Berberdialekt.

Im Süden Ägyptens sieht man mehr Menschen dunklerer Hautfarbe als im Norden des Landes. Häufig handelt es sich hierbei um Nubier, die im südlichen Oberägypten bei Assuan leben, oft auch um Nachfahren ehemaliger schwarzafrikanischer Sklaven, die im 17.-19. Jahrhundert den arabischen Sklavenhändlern zum Opfer gefallen waren.

Die große Mehrheit der Ägypter sind sunnitische Muslime. Daher prägt der Islam die Gesellschaft und Kultur des Landes. Überall sieht man Moscheen und Minarette; mehrmals am Tag ist der Gebetsruf des Muezzins zu hören. Zudem leben in Ägypten rund 5-7 Millionen koptische Christen. Die Kopten verwenden in ihren religiösen Liturgien eine Sprache, die auf das alte Ägyptisch der Pharaonenzeit zurückgeht. Zwar sind die Kopten eine Minderheit, dennoch sieht man in vielen Städten und Dörfern koptische Kirchen.

Das moderne Leben in den ägyptischen Städten pulsiert. Die ägyptische Bevölkerung ist eine junge Bevölkerung. Wegen der hohen Geburtenrate sind mehr als die Hälfte aller Ägypter unter 30 Jahre alt. Jährlich drängen Millionen neu in den Arbeitsmarkt, jährlich kommen Hunderttausende in die Städte auf der Suche nach einem Job. Die Überbevölkerung sorgt für soziale, politische und religiöse Spannungen und strapaziert den gesellschaftlichen Zusammenhalt enorm.

Eine der größten und wichtigsten Wirtschaftsfaktoren in der Entwicklung des modernen Landes ist der Tourismus. Leider bringt der Massentourismus auch Nachteile mit sich. Doch verhindern kann man ihn nicht. Man kann jedoch die touristische Entwicklung in bestimmte Bahnen lenken, indem man den Reisenden und Besuchern nicht nur die Augen für die Schönheiten, sondern auch für die modernen Probleme und die kulturhistorische Bedeutung des Landes öffnet. Außerdem lohnt es sich für jeden Reisenden, Rücksicht auf die Traditionen, Sitten und Gebräuche des Landes zu nehmen. Je mehr Verständnis die Kulturen und Völker füreinander aufbringenden, desto eher können alle miteinander zu einer besseren und friedlicheren Welt beitragen. So wird das Reisen ein Beitrag zur Völkerverständigung. Die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Ägypter wird jedem in Erinnerung bleiben.

Ahlan wa Sahlan – Herzlich willkommen!Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg