Kirche und Kloster des Heiligen Merkurius in Altkairo

Im Norden des Stadtteils von Altkairo (arab. Misr el-Qadima und Misr el-Fustat) befinden sich inmitten christlicher Friedhofsanlagen, etwa einen halben Kilometer außerhalb des eigentlichen koptischen Stadtviertels und der Ruinenfeste Babylon sowie etwa 300 Meter nordöstlich der berühmten Amr-Moschee, die Kirche und das Kloster des Heiligen Merkurius. Die Anlagen der St. Merkurius-Kirche und des Klosters sind für ihre Ikonenmalereien berühmt.

St. Philopater Merkurius (224 – 250 n. Chr., „Philopater“ ist sein eigentlicher Name und bedeutet „den Vater liebender“, „Merkurius“ verweist auf den gleichnamigen römischen Gott), auf Arabisch Abu Saifan genannt, war ein aus Makedonien stammender christlicher Märtyrer. Sein arabischer Name bedeutet „Vater der zwei Schwerter“. Nach der Legende war er römischer Soldat in der Kavallerie. Als unter dem Oberbefehl des Kaisers Traianus Decius (Regierungszeit 249 – 251 n. Chr.) die römischen Truppen auszogen, um einfallende Barbaren an den Reichsgrenzen aufzuhalten, war Merkurius ein tapferer Krieger in der Schlacht. Einmal soll ihm im Kampfe der Erzengel Michael erschienen sein und ihm ein zweites Schwert in die Hand gegeben haben. Mit diesen zwei Schwertern kämpfend, soll Merkurius entscheidend zum römischen Sieg beigetragen haben. Der Kaiser ließ ihn daraufhin zunächst mit hohen militärischen Ehren auszeichnen. Aber als Merkurius auf die Frage, warum er denn die römischen Götter nicht anbete, welche dem Kaiser zum Siege verholfen hätten, antwortete, dass in Wahrheit der christliche Gott durch den Erzengel Michael den Sieg herbeigeführt habe, wurde er in Folge dieses Glaubensbekenntnisses grausam gefoltert und schließlich im kappadokischen Caesarea hingerichtet. So berichtet die Märtyrerlegende. Das Bild des Heiligen Merkurius mit zwei Schwertern zu Pferde ist ein beliebtes Motiv der christlich-koptischen Ikonographie.

Die Kirche wurde vermutlich im 6. Jahrhundert begründet. Nachdem sie mehrmals Bränden zum Opfer gefallen war, wurde sie zwischenzeitlich als Scheune genutzt, bis sie im 10. Jahrhundert unter dem koptischen Patriarchen Abraham wiedererrichtet wurde. Im 11. Jahrhundert fand in ihren Mauern eine bedeutende Versammlung von 47 Bischöfen statt. Im Jahr 1168 fiel sie wilden Plünderungen und Verwüstungen anheim, wurde aber im 12. Jahrhundert wieder restauriert. Im 16. und 18. Jahrhundert wurden in ihren Mauern mehrere Patriarchen geweiht; einige residierten hier, manche wurde hier sogar bestattet.

Die mehr als 30 Meter lange und mehr als 20 Meter breite Basilika ist mit Seitenkapellen und Anbauten erweitert worden. Berühmt ist die Kirche St. Merkurius für ihre Ikonen, Wand- und Deckenmalereien. Über dem allerheiligsten Altarbereich ragt ein mit biblischen Szenen bemaltes Kuppeldach in die Höhe. Das Mittelschiff ist von einer Holzgewölbekonstruktion überdacht. An einigen Stellen überdecken sich Schichten mit Malereien aus verschiedenen Epochen, so in der angeschlossenen St. Georg-Kapelle. Besonders kostbar sind auch die hölzernen Ikonostasen mit ihren Einlegearbeiten am Hauptsanktuar des Heiligen Merkurius. Da die St. Merkurius-Kirche abseits der Touristenrouten liegt und besonders reich ausgestattet und geschmückt ist, gilt sie als Geheimtipp für Kirchenbauinteressierte und Freunde der koptischen Kultur.

Die Klosterräume, die zum Teil auf das 6. Jahrhundert zurückgehen, sind größtenteils der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Noch heute werden sie von Nonnen bewohnt.


Auswahl weiterführender Literatur:
  • Badawy, Alexander, Coptic Art and Archaeology. The Arts of the Christian Egyptians from the Late Antique to the Middle Ages, Cambridge 1978.
  • Eaton-Krauss, Marianne u. Gawdat Gabra, Treasures of Coptic Art in the Coptic Museum and Churches of Old Cairo, Kairo u. New York 2006.
  • Eaton-Krauss, Marianne u. Gawdat Gabra, The Illustrated Guide to the Coptic Museum and Churches of Old Cairo, Kairo u. New York 2007. (Für die Besichtigung des Koptischen Kairo ist dieser offizielle Führer sehr zu empfehlen.)
  • Habib, Raouf, The Ancient Churches of Cairo: A Short Account, Kairo 1967.
Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg