Königin Kleopatra VII.

Sie gehören zu den berühmtesten Liebespaaren der Weltgeschichte: Caesar und Kleopatra. Kaum ein anderes Thema aus dem Altertum ist häufiger verfilmt worden als die Liaison zwischen dem römischen Befehlshaber und der ägyptischen Königin. Doch wer war Kleopatra wirklich?Die Tochter des ägyptischen Königs Ptolemäus (Ptolemaios) XII. (Philopator Philadelphos) Neos Dionysos übernahm nach dessen Tode im Jahre 51 v. Chr. das Amt der Regentin. Ihre Mutter war nicht die Königin, sondern eine Nebenfrau, vermutlich eine Priesterin. Bereits von Anfang an war ihre Herrschaft schwierig, regierte sie offiziell nur als Mitregentin neben ihren zwölfjährigen Bruder Ptolemäus XIII. Sie versuchte ihn im Hintergrund zu halten, doch die politische Gegenpartei unter den Höflingen und Amtsträgern setzte sich vorübergehend durch und schob den jungen Ptolemäus in den Vordergrund. Kleopatra musste sich zurückziehen. Zu jener Zeit war Ägypten bereits mit den politischen Vorgängen des Römischen Reiches verflochten. Die Herrschaft über Rom war Grund eines Bürgerkrieges zweier Parteien, an deren Spitzen Caesar auf der einen und Pompejus auf der anderen Seite standen. Ägypten unterstützte zunächst Pompejus, weil dieser im Osten des Römischen Reiches anwesend war. Nach militärischen Siegen des Caesar überdachte man die Parteinahme für Pompejus und setze die Segel nach dem Wind des Stärkeren. Als Pompejus 48 v. Chr. nach Ägypten kam, um Hilfe zu erbitten, brachte man ihn um. Doch Caesar sah dies nicht als Loyalitätsbeweis an und marschierte mit seinen Truppen trotzdem in Ägypten ein. Dort wurde er in die innerägyptischen Angelegenheiten verwickelt und musste zwischen dem jungen Ptolemäus XIII. und Kleopatra vermitteln. Hier nun setzte die Verführungskunst Kleopatras ein, die prompt den römischen Feldherrn für sich zu gewinnen vermochte.Die Bevorzugung Kleopatras war in Ägypten zunächst nicht gern gesehen. Auch in Rom blieb man skeptisch. Es kam zu einem Krieg. Ein ägyptisches Heer marschierte in Alexandria ein und belagerte das Hafen- und Palastviertel der Metropole, in der sich Caesar mit seiner Truppe aufhielt. Da Caesars Truppe zahlenmäßig unterlegen war und keine schelle Hilfe aus Rom zu erwarten war, nahm er Ptolemäus XIII. als Geisel. Im Zuge der Gefechte kam es zu Zerstörungen in der Stadt und auch zum Brand in der berühmten Bibliothek von Alexandria. Um den ägyptischen König frei zu bekommen, versuchte man Caesar zu überlisten. Man versprach Verhandlungsbereitschaft für den Fall, dass er Ptolemäus XIII. frei ließe. Caesar ging auf diesen Vorschlag ein und wurde enttäuscht. Statt Verhandlungsbereitschaft zu zeigen, intensivierte die ägyptische Partei des Ptolemäus die kriegerischen Aktivitäten gegen die in Alexandria befindlichen römischen Truppen. Doch schließlich kamen römische Hilfstruppen nach Ägypten, die zusammen mit Caesars Legionären die ägyptische Armee besiegen konnten. Auf der Flucht ertrank Ptolemäus XIII. im Nil. Caesar unterstützte nun vollends Kleopatra. Gemeinsam unternahmen sie eine Reise durch das Land in Form einer luxuriösen Kreuzfahrt auf den Nil. Um der Tradition der männlichen Herrscherfolge gerecht zu werden, stellte man offiziell Kleopatras anderen Bruder Ptolemäus XIV. als neuen König vor. Doch Kleopatra war die tatsächliche Regentin. Zur Unterstützung und zur Wahrung des machtpolitischen Status Quo wurden in Ägypten römische Legionen stationiert. Im Jahre 47 v. Chr. bekam Kleopatra einen Sohn – von Caesar. Sie nannten ihn Ptolemäus Kaisar (Ptolemaios Kaisarion). Doch schließlich kam es zu einer erneuten Krise, als Caesar 44 v. Chr. in Rom ermordet wurde. In Rom brach ein neuer Bürgerkrieg aus – zwischen den Anhängern Caesars und seinen ehemaligen Gegnern. Nach zwei Jahren zeigte sich, dass die Anhänger und Rächer Caesars aus dem Konflikt als Sieger hervorgingen. Marcus Antonius übernahm die Herrschaft über den Osten des Reiches und kam nach Ägypten. Dort konnte ihn Kleopatra auf ihre Seite ziehen und verführen. Prompt bekam auch dieses Paar Kinder. Es waren zweieiige Zwillinge, ein Junge und ein Mädchen (Alexander Helios und Kleopatra Selene). Kleopatra und Antonius versuchten ihren Einfluss auf den Osten des Mittelmeeres und die Levante auszudehnen. Sie träumten von einem eigenständigen ägyptisch-hellenistischen Reich, wie es das Ptolemäerreich zuvor gewesen war. Doch in Rom sah man die Situation anders. Der letzte große Gegenspieler des Antonius, Octavian (der spätere Kaiser Augustus), schaffte es, die eigenwillige Politik des Antonius als anti-römisch darzustellen und so die politische Elite Roms für sich zu gewinnen und gegen Antonius aufzuwiegeln. Die endgültige Niederlage des Antonius war mit der Seeschlacht bei Actium (31 v. Chr.) besiegelt. Nur wenige Monate später rückten die Legionen Octavians in Ägypten ein. Antonius brachte sich selbst um. Auch Kleopatra beging im Jahre 30 v. Chr. Selbstmord. Angeblich soll sie in einen Korb mit einer giftigen Schlange gegriffen haben. Der gemeinsame Sohn Kleopatras und Caesars wurde ermordet, und die Zwillinge von Kleopatra und Antonius wurden von Octavian adoptiert und in seiner Familie aufgezogen.Mit Kleopatra endete die Geschichte Ägyptens als Reich der Pharaonen. Von nun an war es Teil des Römischen Reiches.Auswahl weiterführender Literatur
  • Clauss, Manfred, Kleopatra, München 2010 (4. Auflage).
  • Hölbl, Günther, Geschichte des Ptolemäerreiches: Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung, Darmstadt 1994.
  • Huß, Werner, Ägypten in hellenistischer Zeit, 332-30 v. Chr., München 2001.
  • Schneider Thomas, Lexikon der Pharaonen: die altägyptischen Könige von der Frühzeit bis zur Römerherrschaft, Zürich 1994.
  • Schuller, Wolfgang, Kleopatra: Königin in drei Kulturen – Eine Biographie, Reinbek bei Hamburg 2006 (2. Auflage).
  • Thissen, Heinz-Josef, „Kleopatra“, in: Lexikon der Ägyptologie, Band III., Wiesbaden 1978, Sp. 452 ff.
  • Wildung, Dietrich (Hrsg.), Kleopatra – Ägypten um die Zeitenwende, Mainz am Rhein 1989

Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg