Klima in Ägypten - Temperaturen und Wetter Verhältnisse

In Ägypten herrscht Wüstenklima. Das Land gehört zum altweltlichen Trockengürtel, der sich von der Atlantikküste Nordafrikas über die ganze Sahara und Sahelzone bis zum Roten Meer, dann über die Arabische Halbinsel und den Mittleren Osten bis in die Steppen und Wüsten Zentralasiens erstreckt. All diese Regionen liegen im Regenschatten der großen Wettergebiete. Und Ägypten selbst, als Teil der Sahara, liegt im Zentrum dieses Trockengürtels. Die Sahara und Arabien liegen zudem im Bereich des Nordostpassatwindes. Durch ihn wird wesentlich mehr Feuchtigkeit aufgesogen als in Form von Niederschlag abgegeben wird. Erst weit von Ägypten entfernt, in der äquatorialen Zone, beginnen die Wolken abzuregnen. Natürlich verschieben sich diese äquatorialen Tiefdruckgebiete jeden Sommer zum nördlichen Wendekreis, doch die mächtigen Regenwolken der innertropischen Konvergenzzone Afrikas und reichen nur begrenzt bis an die südlichen Flanken des Trockengürtels heran. Daher kann es im südlichen und mittleren Sudan in den Sommermonaten regnen. In Ägypten bleibt der Sommerregen aus. Über die meisten Monate ist Ägypten praktisch regenfrei. In den Wintermonaten kann es jedoch im Norden Ägyptens zu kurzen Schauern kommen. Diese Niederschläge kommen mit den Tiefdruckgebieten aus der gemäßigten Zone übers Mittelmeer. Meistens regnen sie an der nordafrikanischen Mittelmeerküste ab, manchmal dringen sie bis Kairo vor. Doch sind diese winterlichen Tiefdruckwetterverhältnisse im Norden Ägyptens eher selten und werden daher oft als angenehme Erfrischung empfunden. Generell ist die beste Jahreszeit für Reisen nach Ägypten das gesamte Winterhalbjahr von Oktober bis April. Von Mai bis September ist dagegen mit extremen Hitzeperioden zu rechnen.

Die Luftfeuchtigkeit kann an der Mittelmeerküste bis zu 60 oder gar 70 Prozent betragen. Hier liegt der jährliche Niederschlag immerhin zwischen 180 und 200 mm. Doch je weiter man ins Inland fährt, desto geringer wird Luftfeuchte. In Kairo schwankt sie meist, je nach Jahreszeit, zwischen 30 und 50 Prozent, wobei Smog und Stadtdunst die Luftfeuchtigkeit verdichten und für ein schwüleres und drückendes Innenstadtklima sorgen als jenes im Umland der Stadt. Im Jahr fallen hier nur 20-30 mm Niederschlag. Nach Süden hin wird Ägypten immer trockener. Ab dem mittelägyptischen Gebiet hat das mediterrane Klima kaum noch Einfluss auf das immerheiße und sonnige Wetter. Wolkige Tage sind hier eine Ausnahme, Regenfälle eine Seltenheit. Ab Luxor fällt der Wert der Luftfeuchtigkeit oft unter 30 Prozent. Hier gibt es sogar Jahre ohne einen einzigen Regentropfen. Auch an der Küste des Roten Meeres regnet es fast nie. Allerdings kann es dort im Sommer relativ schwül werden. Dies liegt jedoch nicht an etwaigen feuchten Tiefdruckgebieten, sondern an der enormen Verdunstungsrate an der Meeresoberfläche. Der aufsteigende Wasserdunst wird vom Seewind an die Küste geblasen. Meistens ist es jedoch auch am Roten Meer relativ trocken.
Klima diagramm für Ägypten
Ägypten ist generell ein warmes Land. Natürlich schwanken die Temperaturen je nach Tageszeit, Jahreszeit und Region. Im Innern Ägyptens herrscht kontinentales Wüstenklima, das bedeutet, dass dort die Unterschiede zwischen Tages- und Nachtzeit enorm sein können. Im Sommer kann es mittags in Assuan oder Luxor bis zu 50 Grad heiß werden, nachts kann es sich auf 20 Grad abkühlen, was dann als sehr frisch empfunden wird. In den Wintermonaten kann es nachts sogar bis auf den Gefrierpunkt abkühlen. An der Mittelmeerküste sind die Temperaturunterschiede generell geringer. In Alexandria wird es im Sommer maximal 40, meistens nur um 30 Grad warm. Auch die nächtlichen und winterlichen Temperaturen sind weniger kühl, selten unter 10 Grad. Der Grund hierfür ist das Meer. Wasser kühlt sich langsamer ab und erhitzt sich weniger schnell als Landmasse. Die Temperaturen in Kairo schwanken zwischen 10 und 20 Grad im Winter und 25 bis 40 Grad im Sommer. An der Küste des Roten Meeres fallen die Temperaturschwankungen geringer aus als im Inland, doch ist es hier heißer als in Alexandria. Trotz kalter Winternächte ist am Roten Meer das ganze Jahr über Badesaison. Nur das Sonnenbaden sollte insbesondere im Sommer nicht auf die heißen Mittagsstunden verlegt werden. Die Sonneneinstrahlung ist in ganz Ägypten sehr intensiv. Deshalb ist unbedingt auf ausreichenden Sonnenschutz zu achten. Je trockener die Luft, desto großer ist auch der Temperaturunterschied zwischen Sonne und Schatten. Im Sommer sollte man sich generell soviel wie möglich im Schatten aufhalten und größere Aktivitäten auf die frühen Morgen- oder späten Abendstunden verteilen. Eine Gefahr ist nämlich das Dehydrieren. Man muss immer ausreichend Wasser trinken, denn wegen der trockenen Luft im Inland spürt man den Schweiß weniger und überschätzt und strapaziert den körpereigenen Wasserhaushalt.

Ein besonderes Wetterphänomen ist der im Frühsommer vorkommende Chamsin. Dies ist ein sehr heißer und staubtrockener Wüstenwind aus dem Süden und Südwesten. Er entsteht, wenn in den Regionen Nordafrikas und Arabiens ein starkes Hochdruckgebiet und über dem Mittelmeer ein starkes Tiefdruckgebiet gleichzeitig auftreten. Diese Wettersituation führt dazu, dass die heiße Luft aus den Wüsten regelrecht angesaugt wird. Bei solchen extremen Wetterverhältnissen kann die Luftfeuchtigkeit auf 10-20 Prozent sinken und die Temperatur auf über 40 Grad steigen. An solchen Tagen fühlt sich einem riesigen heißen Föhn ausgesetzt. Die Verdunstungsrate ist extrem hoch, und man muss besonders viel trinken, um den Flüssigkeitshaushalt des Körpers aufrecht zu erhalten.

Im Süden Ägyptens hat sich neuerdings ein Mikroklima entwickelt, das sich von dem der Umgebung unterscheidet. Der Grund hierfür ist der Assuanstausee. Durch die erhebliche Verdunstung entstehen über diesen ca. 5250 km² großen See Wolken, die es sonst in dieser Region nicht gäbe. So kann es in Assuan manchmal schwüle Tage und sogar Gewitterregen geben. Diese neue Entwicklung steht im krassen Gegensatz zum eigentlich staubtrockenen Klima Assuans.
Klimatabelle für Ägypten

Jan Feb Mar Apr Mai Jun
Temp max (°C) 21 21 23 26 30 32
Temp min (°C) 10 10 13 16 21 25
Wassertemperatur (°C) 22 21 22 23 26 29
Sonnenstunden 8 9 9 10 11 13
Regentage 0 1 0 0 0 0

Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temp max (°C) 34 34 32 29 26 22
Temp min (°C) 25 25 23 20 16 12
Wassertemperatur (°C) 32 30 29 26 25 25
Sonnenstunden 12 12 11 10 9 8
Regentage 0 0 0 0 0 0
Historischer Klimawandel

Wer auf seiner Ägyptenreise aufmerksam die Wandbilder und Reliefs in den ägyptischen Gräbern studiert oder die Chance hat, im Gilf Kebir (in der südwestlichen Ecke der Libyschen Wüste Ägyptens) die Felsbilder der ägyptischen Sahara zu besichtigen, wird feststellen, dass vor Jahrtausenden eine andere Flora und Fauna in Ägypten vorherrschte. Ägypten war nicht immer ein reines Wüstenland. Im Zuge der wechselnden Kalt- und Warmzeiten des Holozäns (d.h. des jüngsten geologischen Erdzeitalters) gab es auch Klimaveränderungen in Nordafrika.
Dort, wo sich heute der weite, nordafrikanische Wüstengürtel erstreckt, herrschte vor sechs bis zehntausend Jahren das feuchtere Klima des sogenannten Sahara-Subpluvials, das im Süden der heutigen Sahara tropische Trockensavannen und im Norden subtropische Steppenvegetation ermöglichte. Durch diese Savannen und Steppen zogen Elefanten, Nashörner, Büffel, Antilopen, Gazellen und Giraffen. Statt Beduinen zogen noch Jäger und Sammler durch das weite Grasland. Besonders das tropisch beeinflusste Saharagebiet südlich der zentralen Gebirge war von einem relativ humiden (d.h. feuchten) Regime beeinflusst. Der Tschadsee zeigte vom 8. bis zum 4. Jahrtausend v. Chr. einen um 30-40 m höheren Wasserspiegel und besaß die Fläche eines großen Binnenmeeres. Die Regenmenge war erheblich höher und die Verdunstung wegen der dichteren Wolkendecke merklich geringer. Flüsse, deren Betten man heutzutage trockenen Fußes durchqueren kann und die manchmal nicht einmal mehr als Wadis gelegentliches Nass in die Ebene leiten, führten einst das ganze Jahr hindurch Wasser, entwässerten die Gebirgsregionen des Tibesti und Aïr, bevor sie im damals gewaltigen Tschadsee und anderen Gewässern mündeten. Vom Hoggar-Gebirge ergossen sich Ströme in alle Himmelsrichtungen. In den Ebenen der westlichen und östlichen Sahararegion herrschte allerdings auch während dieser Feuchtperiode ein verhältnismäßig arides (d.h. trockenes) Klima, wenn auch bei weitem nicht so extrem wie heute. In der heutigen Libyschen Wüste und im Bereich der Flachwüsten der Westsahara begann der Prozess der Aridisierung und Desertifikation am Ende des Subpluvials. Das Zentrum der Libyschen Wüste war schon in der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr. eine große, trockene, öde Region mit weniger als 50 mm Jahresniederschlag. Heute gehört dieses hyperaride Gebiet zu den trockensten Regionen überhaupt. Die Gebirgsregionen der Zentralsahara hielten sich noch lange als humide Feuchtinseln, welche noch längere Zeit eine größere Flora und Fauna beherbergten. Auch die sich östlich des Niltals erstreckende Arabische Wüste wies noch größere Niederschlagsmengen auf, was unter anderem an der Höhenlage der dortigen Gebirge liegt. Durch Höhe bedingte Abkühlung ergibt eine Erhöhung der relativen Luftfeuchtigkeit. Das Wasser sammelte sich in zahlreichen Wadis, so dass an den Rändern eine entsprechende Flora sprießen konnte.

Je trockener das Klima wurde, desto mehr zogen sich die Nomaden in die Randregionen der Wüste, in die Oasen und an die Ufer des Nils zurück. Die Reduzierung des Wildviehs machte weite Teile der Sahara für Jäger und Sammler unbewohnbar. Die trockenen Halbwüsten- und Wüstensteppengebiete wurden zum Revier spezialisierter nomadisierender Hirtenvölker, die mit Rindern, Schafen und Ziegen von Wasserstelle zu Wasserstelle zogen. Noch in der historischen Zeit der Pharaonen war es möglich, an den Wüstenrandregionen und den Wadis Jagd auf Mendesantilopen, Säbelantilopen, Wildkühe, Dorkasgazellen, Leoparden, Löwen und Geparden zu machen. Sogar den großen Laufvogel Strauß gab es dort. Seine Eier und Federn waren begehrtes Handelsgut. Die eindrucksvollen Bilder in den Gräbern des Alten und Mittleren Reiches zeigen die alten Ägypter auf ihren zahllosen Jagden in der Wüstensteppe.
Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg