Esna mit dem Chnum Tempel

Auf ihrem Weg von Luxor nach Assuan halten die Nilkreuzfahrtschiffe in Esna . Die Stadt liegt etwa 60 Kilometer südlich von Luxor. Rund 70.000 Menschen leben in Esna. Bei Esna wird der Nil durch einen großen Damm unterbrochen. Die Schiffe, die den Damm passieren wollen, müssen durch große Schleusen fahren. Das dauert oft sehr lange. Deshalb müssen viele Schiffe vor der Schleuse warten und legen am Kai der Hafenanlage an. Dies ist eine prima Gelegenheit für eine Besichtigung des 2.000 Jahre alten Tempels in der Stadt.

Der Tempel stammt aus jener Zeit, als die Römer über Ägypten herrschten. Die römischen Kaiser ließen in Ägypten verschiedene Tempel im Stil der Pharaonenzeit erbauen. Dort wurden die Kaiser verehrt, als wären sie ägyptische Könige. Zu jener Zeit trug Esna den Ortsnamen Latopolis. Es gab hier eine Fischart im Nil, die Lates genannt wurde. Weil den Einwohnern der Stadt dieser Fisch heilig war, benannte man die Stadt danach. Doch der Gott, der im Tempel angebetet wurde, war Chnum. Seine Gestalt war die eines Menschen mit dem Kopf eines Widders. Es galt als Schöpfergott, der die Menschen und die Erde schuf. Ein anderer Ort, wo Chnum verehrt wurde, war sein Tempel auf der Insel Elephantine bei Assuan.

Vor nicht allzu langer Zeit war der Tempel bis zur Hälfte im Sandboden versunken. Nur der obere Bereich der Säulen und das Dach ragten aus dem Sand hervor. Archäologen haben ihn wieder ausgegraben. Nun steht er in einer rund 9 bis 10 Meter tiefen Grube. Woran liegt das? Die Stadt um ihn herum wuchs im Laufe der Jahrtausende in die Höhe. Alte Häuser wurden zerstört, neue auf den Ruinen alter errichtet. Sandverwehungen und Nilschlammablagerungen haben den Boden der Stadt anwachsen lassen. Dies ist der Grund, warum Archäologen oft in die Tiefe graben müssen, um alte Gebäude auszugraben. Heute muss man mit einer Leiter in die Grube zum Tempel hinabsteigen.

Der größte Teil des Tempels ist zerstört oder liegt noch unterhalb der Stadt. Ausgegraben ist die Vorhalle mit ihren Säulen. Die Front des Tempels ist etwa 40 Meter breit und 17 Meter hoch. 24 Säulen tragen das Dach. Die Wände sind mit Hieroglyphen beschriftet und mit Reliefbildern geschmückt. Sie zeigen verschiedene Pharaonen und römische Kaiser vor dem Schöpfergott Chnum sowie dem Gott des Zaubers namens Heka und der Göttin Neith. Der König reicht den Gottheiten Opfer dar und betet sie an.

Ein wichtiges Thema der Hieroglypheninschriften sind die heiligen Feste. Hierfür gab es einen Festkalender. Damit die Festtage genau bestimmt werden konnten, wurden der Nilstand gemessen und die Gestirne im Himmel beobachtet. An der Decke im Säulensaal des Tempels sind astronomische Bilder und Texte eingemeißelt. Man erkennt Tierkreiszeichen und Darstellungen des Sonnenlaufs.

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