Dendera

Der berühmte Tempel der Göttin Hathor in Dendera gilt als einer der schönsten Ägyptens. Wie in Edfu und Esna ist auch hier das Dach komplett erhalten. Dendera liegt rund 50 Kilometer nördlich von Luxor . Viele Touristen halten auf ihrer Nilkreuzfahrt, um die Tempelanlage zu besichtigen. Der ganze Tempelbereich ist von einer 291 mal 280 Meter langen Lehmziegelumwallung umgeben. Durch ein Tor aus römischer Zeit betritt man den heiligen Bezirk.

Schon von weitem beeindruck die prachtvolle Fassade des 35 mal 81 Meter großen Hathor-Tempels. Hathor war ursprünglich eine Himmelsgöttin. Später wurde sie als Göttin des Tanzes, der Lebensfreude, der Musik und der Liebe verehrt. Sechs große Säulen mit Hathor-Kapitellen bilden die Front des Tempels. Ein Kapitell ist der Abschluss einer Säule. Typisch für ein Hathor-Kapitell ist der Hathor-Kopf, ein menschliches Gesicht mit Kuhohren und Kuhhörnern. Bis zur Hälfte sind die Zwischenräume der äußeren Säulen zugemauert. In der Mitte befindet sich der Eingang in die herrlich gestaltete Vorhalle. Insgesamt tragen 24 Säulen das Dach der Vorhalle. Der Bau stammt aus der Zeit des römischen Kaisers Tiberius. Er ist also rund zweitausend Jahre alt. Die Reliefbilder in der Vorhalle zeigen verschiedene römische Kaiser bei ihren Kulthandlungen vor ägyptischen Göttern. Natürlich sind sie in ägyptischer Tracht als Pharaonen abgebildet. Die Decke ist mit den Bildern eines kosmischen Buches, mit astronomischen Darstellungen, Sternenbildern und Kalenderangaben zu Sonnen- und Mondphasen geschmückt.

Hinter der Vorhalle aus römischer Zeit befindet sich der Kernbau des Tempels aus der Zeit der Ptolemäer. Die Ptolemäer waren Pharaonen griechischer Abstammung, die in den letzten drei Jahrhunderten vor Christus über Ägypten herrschten. Durch einen weiteren Säulensaal und zwei breite Vorsäle gelangt man zum Allerheiligsten, wo früher die Götterstatue der Hathor aufbewahrt wurde. Um das Sanktuarium, dem Allerheiligsten, verläuft ein Gang, von dem viele kleine Kulträume und Krypten abzweigen,

Über seitliche Treppen kann man auf das Dach des Tempels steigen. Auf dem Dach gibt es verschiedene kleine Kapellen. In einer dem Gott Osiris gewidmeten Kapelle auf dem Dach hat man ein Deckenbild des astrologischen Tierkreises gefunden. Das Original befindet sich heute im Museum in Paris. Hier in Dendera ist eine Kopie eingebaut worden, um die Lücke zu schließen. Vom Dach aus hat man eine herrliche Aussicht auf den Tempelbezirk und die landschaftliche Umgebung.

Zur Tempelanlage gehört noch ein kleiner Isis-Tempel, der sich hinter der Rückwand des Tempels befindet, sowie im Eingangsbereich des Bezirks ein großes Geburtshaus aus römischer Zeit. Das Geburtshaus, auch Mammisi genannt, war ein Heiligtum, in dem die Geburt des göttlichen Kindes gefeiert wurde. Die heilige Familie von Dendera bestand aus der Göttin Hathor (Mutter), dem Gott Horus (Vater) und dem Götterkind Ihi. Die Geburt des Götterkindes war ein wichtiges Festereignis im Ägypten der Spätzeit und griechisch-römischen Zeit. Der ägyptische Pharao (Gott und König gleichermaßen), galt als Sohn eines Götterpaares. In Dendera wurde der Pharao als Verkörperung des kleinen Gottkindes Ihi angesehen. Somit erfuhren die Pharaonen eine besondere Rechtfertigung für ihre Herrschaft, die ihnen gottgegeben war. Neben dem großen Geburtshaus aus römischer Zeit gibt es noch die Überreste eines kleineren Geburtshauses aus früherer Zeit.

Zu vielen altägyptischen Tempeln gehört ein Heiliger See. In Dendera ist dies ein 25 mal 21 Meter großes Wasserbecken an der Südwestecke des Hathor-Tempels. Hier haben sich die Priester gewaschen, um für den Götterkult rein zu sein. Außerdem schöpfte man hier das Wasser für die Wasserspenden beim Opferkult vor der Gottheit.

Aus dem 5. Jahrhundert nach Christus stammen die Überreste, Ruinen und Fundamente einer christlich-koptischen Kirche. Sie steht zwischen dem Tempel und dem Geburtshaus. Die frühen Christen in Ägypten haben oft ihre Kirchen in und zwischen die Ruinen der größeren und älteren Bauten aus der Zeit der Pharaonen gebaut. Zum Teil haben sie für ihre Kirchen und Kapellen Steine und Blöcke der alten Tempel wieder verwendet.

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