Das alte & neue Ägypten - Geschichte

Pharao Ramses II

Vorgeschichte

Vor 5.000 Jahren lebten auf der Welt viel weniger Menschen als heute. Weite Regionen waren menschenleer. Die meisten Menschen waren Jäger und Sammler. Sie lebten von dem Wild und den Früchten in der Natur. Sie waren nicht sesshaft, sondern folgten den Wildtierherden auf ihren Wanderrouten.

Manchmal ließen sie sich nieder, um Pflanzen anzubauen. Sie zähmten Wildtiere und züchteten sie, beispielsweise Ziegen, Schafe und Rinder. Diese Menschen lebten in Dorfgemeinschaften. In der Mitte des Dorfes standen die Speicher, wo die Ernteerträge gelagert wurden. In der Nähe der Speicher stand ein Heiligtum. Hier wurden die Gottheiten verehrt, denen man die Ernte und den Schutz verdankte. Um das Heiligtum und die Speicher herum standen die Häuser der Bauern und Handwerker. Eine Mauer schütze das Dorf vor Überfällen.

Mancherorts führten die Menschen eine jahreszeitlich wechselnde Lebensweise. Sie hatte Vieh gezüchtet und ließen dieses Vieh auf den Weiden grasen. Waren die Weiden abgegrast, wechselten sie den Ort und zogen in ein anderes Weidegebiet. Diese Menschen nennt man Nomaden . Nomaden und Bauern trieben Handel. Dabei wurden tierische Produkte gegen pflanzliche Produkte getauscht.

Es gab bestimmte Regionen, wo Landwirtschaft ganz besonders ergiebig war. Dies war an den großen Flüssen der Fall: am Nil in Ägypten, an Euphrat und Tigris im Zweistromland, am Indus in Indien und am Gelben Fluss in China. Dort wuchs die bäuerliche Bevölkerung. Es entstanden die ersten Städte. Im Zentrum einer Stadt standen der Tempel und der Palast. Die Tempel und Paläste waren von großen Speicherhäusern umgeben. Dort wurden die Ernteerträge gespeichert. In diesen Flussregionen entstanden die ersten Hochkulturen.

Geschichte Ägyptens

Ägypten blickt auf 5.000 Jahre Geschichte zurück. Von 3.000 v. Chr. bis 30 v. Chr. war die Zeit der Pharaonen. Gelehrte teilen diese Epoche in unterschiedliche Phasen: Das Alte Reich, die Erste Zwischenzeit , das Mittlere Reich, die zweite Zwischenzeit, das Neue Reich, die Dritte Zwischenzeit , die Spätzeit und die Ptolemäerzeit.

Frühzeit und Altes Reich (um 3100 bis 2670 v. Chr.)

Das Alte Reich war die Zeit des ersten geeinten ägyptischen Staates. Die Pharaonen herrschten als Gottkönige über das Land. Sie regierten wie Könige und wurden geehrt wie Götter. Nach ihrem Tode wurden sie in großen Grabbauten bestattet. Anfangs wurden große kastenförmige Grabanlagen gebaut. Dann wurden diese Grabbauten stufenförmig erhöht. Die Stufenpyramide war entstanden. Schließlich begann die Zeit des großen Pyramidenbaus. Riesige Berge aus Stein wurden aufgetürmt. Die ganze Bevölkerung war eingebunden. Die Residenz des Königs lag direkt neben der Baustelle der Pyramiden in der Pyramidenstadt. Aus dem ganzen Land kamen Handwerker und Arbeiter, um am Projekt teilzuhaben. Viele waren professionelle Steinmetzen und Handwerker. Es arbeiteten immer mehrere Tausend Menschen gleichzeitig an der Baustelle. Nach 10 bis 20 Jahren Bauzeit war die Pyramide fertig. Um alle Arbeiter auf der Baustelle sowie alle Noblen und ihre Bediensteten am königlichen Hof in der Pyramidenstadt zu versorgen, wurden Beamte damit beauftragt, im ganzen Land Steuern und Abgaben einzutreiben. Bezahlt wurde in Naturalien: Tiere, Getreide, Obst und Gemüse. Die Organisation des Pyramidenbaus einte das Land. Alle teilten gemeinsame Aufgaben, und alle Provinzen des Landes trugen mit ihren Abgaben zum Pyramidenbau bei. Die größten Pyramiden wurden bei Giza aufgetürmt. Die Pyramide des Pharao Cheops war einst 146 Meter hoch. Weil die Spitze abgetragen wurde, misst sie heute nur noch 139 Meter. Für mehr als viertausend Jahre war sie das höchste Gebäude der Welt.

Erste Zwischenzeit (etwa 2150 bis 2040 v. Chr.)

In der Ersten Zwischenzeit zerbrach der Staat. Die Versorgung funktionierte nicht mehr. Der König hatte weniger Macht. In den Provinzen übernahmen Fürsten die Herrschaft. Das Land zerfiel in mehrere Teile. Außerdem war die Nilschwemme geringer geworden. Die Ernten waren wenig ertragreich. In manchen Regionen gab es Hunger. Die Menschen litten. In anderen Regionen schafften es die Provinzfürsten die Landwirtschaft neu zu organisieren, damit alle genug zu Essen haben.

Mittleres Reich ( etwa 2040 bis 1650 v. Chr.)

Im Mittleren Reich wurde das Land erneut geeint. Es herrschten wieder die Pharaonen. Anfangs regierten sie von Theben aus. Später begannen sie wieder Pyramiden zu errichten und regierten von der Pyramidenstadt aus. Zum Ende des Mittleren Reiches war das Land fast so zentral organisiert und beherrscht wie zur Zeit des Alten Reiches. Die Regierungszeit des Königs Sesostris III. galt noch Jahrhunderte später als Blütezeit Ägyptens. Er soll ein sehr weiser Herrscher gewesen sein.

Zweite Zwischenzeit (etwa 1650 bis 1550 v. Chr.)

In der Zweiten Zwischenzeit zerbrach das Land wieder. Im Norden fielen die Hyksos ein. Die Hyksos waren Völkerstämme aus dem Nahen Osten. Sie gründeten Städte und kleine Königreiche im Delta. Im Süden herrschten weiterhin ägyptische Fürsten. Die Hyksos waren gefürchtete Kämpfer. Sie führten den Streitwagen und das Pferd in Ägypten ein.

Neues Reich (etwa 1550 bis 1070 v. Chr.)

Zu Beginn des Neuen Reiches schafften es die Fürsten aus dem Süden Ägyptens, die Hyksos im Norden zu vertreiben. Sie konnten das Land wieder vereinen. Es war ein neues ägyptisches Reich entstanden. Die Pharaonen unternahmen nun auch vermehrt Feldzüge ins Ausland. Ägypten wurde zur Militärmacht. Palästina und Syrien wurden erobert. Im Süden wurde das afrikanische Land Nubien unterworfen. Aus den eroberten Ländern brachten die Pharaonen große Schätze heim. Fremde Könige und Herrscher zollten dem Pharao Tribut. Es kamen Gaben und Geschenke aus vielen Ländern. Ägypten wurde ein reiches Land. Große Tempel wurden gebaut. Die größte Tempelanlage des Altertums entstand in Theben. Riesige Säulenhallen, große Tore und Obelisken wurde errichtet. Obelisken sind vierkantige Pfeiler mit einer Pyramidenspitze. Sie standen vor den Tempeltoren.

Ein besonderer Herrscher war Echnaton . Er war der ägyptischen Götterwelt überdrüssig. Statt viele Gottheiten anzubeten, führte er die Religion eines einzigen Gottes ein. Angebetet wurde die Sonnescheibe namens Aton. Statt dunkler Tempel mit geheimnisvollen Sanktuarien wurde die Sonne auf dem offenen Kulthof angebetet. Die alten Götterfeste wurden eingestellt. Doch nach seinem Tode kehrten die Nachfolger wieder zu den alten Tempeln und Kulten zurück.

Weitere wichtige Pharaonen des Neuen Reiches waren Thutmosis III., Amenophis III., Ramses II. und Ramses III. Große Pharaonen zeichneten sich dadurch aus, dass sie von ihren Feldzügen ins Ausland reiche Beute heimbrachten und dass sie in Ägypten große Tempel errichteten. In den Schatzkammern der Tempel wurden die Tributgaben und die Beute der Feldzüge aufbewahrt. Einige Tempel wurden sehr mächtig. Manchmal waren die Priester mächtiger als der Pharao. Dann musste er sich ihrem Rat beugen.

Ein Pharao des Neuen Reiches, den heute jeder kennt, hieß Tutanchamun. Er starb sehr jung. Eigentlich hatte er keine großen Taten vollbracht. Aber trotzdem gilt er als ganz besonderer Pharao. Denn in den letzten hundert Jahren haben viele Forscher und Archäologen nach Pharaonengräbern gesucht und sie ausgegraben. Doch wo immer sie ein Grab öffneten, es waren immer schon Grabräuber zuvorgekommen. Bei Tutanchamun war das Grab jedoch intakt. Es enthielt Goldschätze, wertvolle Grabbeigaben, goldene Schreine und die ineinander geschachtelten Särge, in denen die Mumie des Königs lag. Über dem Kopf der Mumie war eine Goldmaske gestülpt, die heute weltbekannt ist. Der Grabschatz des Tutanchamun gilt als größte archäologische Entdeckung überhaupt.

Dritte Zwischenzeit und Spätzeit (etwa 1070 bis 332 v. Chr.)

In der Dritten Zwischenzeit und Spätzeit wurde Ägypten oft von fremden Völkern erobert. Zunächst kamen die Libyer und Nubier. Doch sie passten sich schnell an. Die libyschen und nubischen Pharaonen herrschten, als wären sie ägyptische. Anders war es bei den Assyrern und Persern. Sie kamen als ungeliebte Fremdherrscher. Als 332 v. Chr. Alexander der Große Ägypten eroberte und die Perser vertrieb, freuten sich die Ägypter. Sie verehrten Alexander wie einen Pharao.

Griechisch-römische Antike und Byzantinische Zeit (332 v. Chr. bis 639 n. Chr.)

Nach dem Tode Alexanders des Großen wurde sein großes Reich, dass sich über den ganzen Vorderen Orient und den östliche Mittelmeerraum erstreckte, unter seinen Generälen aufgeteilt. Der General Ptolemäus erhielt Ägypten. Er gründete eine neue Dynastie. Während dieser Zeit kamen viele Griechen ins land. Es entstand eine ägyptisch-griechische Mischkultur. Alexander hatte die Stadt Alexandria gegründet. Diese Stadt war nun Hauptstadt Ägyptens. Hier gab es eine bedeutende Bibliothek und eine Akademie, wo sich die berühmtesten Gelehrten der damaligen Zeit einfanden. Die letzte Person auf dem Pharaonenthron war eine Frau. Sie hieß Kleopatra. Ägypten war von Thronstreitigkeiten zerrüttet. Gleichzeitig gab es im römischen Reich einen Bürgerkrieg. Der römische Feldherr Cäsar kam nach Ägypten. Kleopatra und Cäsar verbündeten sich und wurden ein Paar. Gemeinsam konnten sie ihre politischen Gegner bezwingen. Doch dann wurde Cäsar in Rom getötet. Kleopatra tat sich nun mit dem römischen Feldherrn Marcus Antonius zusammen. Auch sie waren ein Team und ein Paar. Doch Marcus Antonius verlor den Bürgerkrieg gegen seine römischen Gegner. Kleopatra nahm sich das Leben.

Nach dem Tode Kleopatras übernahmen die Römer die Herrschaft in Ägypten. Das Land am Nil wurde Teil des Römischen Reiches. Die ägyptische Kultur konnte sich noch halten. Doch mit einer neuen Religion war auch ihr Ende besiegelt. Das Christentum verbreitete sich schnell über den Mittelmeerraum. Im Ägypten wurden viele Menschen bekehrt. Schließlich wurde Ägypten ein christliches Land. Klöster und Kirchen wurden errichtet. Die alten Tempel verfielen. Im vierten Jahrhundert nach Christus zerfiel das Römische Reich in ein Westreich und ein Ostreich. Die Hauptstadt des Westreiches blieb Rom. Die Hauptstadt des Ostreiches wurde Byzanz, auch bekannt unter dem Namen Konstantinopel. Ägypten war nun Teil des Oströmischen Reiches. In dieser Phase blühte das Christentum in Ägypten besonders.