Assuan

Isis-Tempel von Philae
Nil bei Assuan

Assuan ist eine der schönsten Städte in Ägypten. Sie liegt ganz im Süden des Landes. Der Nil schlängelt sich durch eine felsige Landschaft. Inseln und Granitfelsen spalten den Fluss. Zwischen den Inseln wachsen Schilfhaine. Feluken mit weißen Segeln fahren über das tiefblaue Wasser. Im Hintergrund erheben sich die goldgelben Dünen der Wüste.

Über viele Jahrtausende galt Assuan als Südgrenze des Landes. Südlich dieser Grenze lag das Land der Nubier. Oft kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Ägypten und den Nubiern. In Friedenszeiten war Assuan ein lebendiger Handelsplatz. Güter aus dem Innern Afrikas wurden hier gehandelt.

Am Rande der Stadt Assuan gibt es Steinbrüche, in denen Granit abgebaut wurde. Granit ist ein besonders harter Stein, der sich hervorragend als Baumaterial eignet. Aus ihm wurden die Obelisken gefertigt, die vor den Tempeln standen. Ein großer, unfertiger Obelisk aus der Zeit der Königin Hatschepsut kann noch heute im Steinbruch besichtigt werden.

Gegenüber von Assuan, auf der anderen Seite des Nils, gibt es am Ufer einen riesigen sandig-felsigen Hügel mit Steilhang, der zum Ufer hin abfällt. „Hügel des Windes“ nennen ihn die Bewohner von Assuan. Am Steilhang sieht man auf halber Höhe die Eingänge zu alten Felsgräbern. Sie stammen aus dem dritten und zweiten Jahrtausend v. Chr. Hier wurden die hohen Amtsträger und Bürgermeister der Region bestattet. Heute sind die Gräber ausgeraubt und verwüstet. Es sind aber noch einige Inschriften und Wandbilder erhalten.

Vor der Stadt von Assuan liegt eine große Insel im Nil. Sie heißt Elephantine . Vermutlich erhielt sie diesen Namen wegen des Elfenbeinhandels. Auf dieser Insel gibt es ein nubisches Dorf, das schon uralt ist. Am südlichen Ende der Insel haben Archäologen Überreste einer Stadt aus der Zeit der Pharaonen ausgegraben. Schon vor mehr als fünftausend Jahren lebten dort Menschen. Über viele Jahrtausende wurden immer wieder neue Häuser auf den Ruinen älterer Häuser errichtet, so dass ein Siedungshügel entstand. Die Archäologen tragen heute diesen Siedlungshügel Schicht für Schicht ab, um die Geschichte der Stadt zu erforschen. Dabei sind die Ruinen von mehreren Tempeln zum Vorschein gekommen, die von den Forschern rekonstruiert und wieder neu aufgebaut wurden.

Eine andere sehenswerte Insel im Nil vor Assuan ist die Lord- Kitchener-Insel . Sie wurde nach einem englischen Feldmarschall benannt, der vor über hundert Jahren mit einer Armee, bestehend aus britischen und ägyptischen Soldaten, in den Sudan zog, um dort den Aufstand des Mahdi niederzuschlagen. Dieser hatte sich zum religiösen Führer der dortigen Wüstenstämme erklärt und die Städte und Dörfer am Nil angegriffen. Nachdem Lord Kitchener mit seiner Armee den Mahdi besiegt hatte, ließ er sich auf einer Nilinsel einen schönen Garten anlegen. Dort gibt es viel zu sehen: seltene Blumen, exotische Pflanzen aus Afrika und Indien, wunderschöne große Palmen. Heute gehen die Ägypter hier gerne spazieren. Im Sommer werfen die Palmen einen angenehmen Schatten und schützen vor der heißen Mittagssonne.

Eine weitere spannende Insel heißt Sehel. Man muss mit dem Boot von Assuan den Nil aufwärts fahren, vorbei an großen Granitfelsen und Schilfinseln. Auf der geheimnisvollen Insel gibt es einen Berg aus großen Felsen, die mit Hunderten von Hieroglypheninschriften und Bildern aus der Zeit der Pharaonen geschmückt sind. Die uralten Texte erzählen von den Handelsexpeditionen und huldigen den Gottheiten von Assuan: Chnum, Satet und Anuket. Eine besonders lange Inschrift ist von großer historischer Bedeutung. Der berühmte Text erzählt von einer Hungerskatastrophe, die sich zur Zeit des Pharao Djoser, vor mehr als 4.700 Jahren, ereignet haben soll.

Hinter den Dünen, auf dem westlichen Ufer des Nils, liegen die Ruinen eines alten koptischen Klosters aus dem Mittelalter. Es war nach dem Heiligen Simeon benannt. Die Kopten sind die Christen Ägyptens. Heute sind sie eine Minderheit. Im frühen Mittelalter stellten sie die Mehrheit der Bevölkerung. Das Kloster war wie eine Festungsanlage von einer großen Mauer umgeben, um sich vor Raubüberfällen der Beduinen zu schützen. Man kann die Gebetsräume, Schlafräume und Wirtschaftsräume der alten Mönche besichtigen.

Der Assuan-Staudamm

Ein Wunder moderner Baukunst ist der große Staudamm von Assuan. Er wurde errichtet, um den Wasserstand des Flusses zu kontrollieren und um Strom zu erzeugen.

Vor dem Bau des Dammes gab es alljährlich große Überschwemmungen. Die Nilschwemme kam immer zur selben Jahreszeit. Sie brachte Wasser und fruchtbaren Nilschlamm auf die Felder. Sobald sich das Wasser von den Feldern zurückzog, konnten die Bauern mit der Aussaat beginnen. Die Nilschwemme ist der Grund, weshalb es im Niltal fruchtbaren schwarzen Erdboden gibt. Es gab Jahre, in denen die Nilschwemme zu niedrig war. Die Felder konnten nicht ausreichend bewässert und gedüngt werden. Dann kam es zu Hungernöten. Es gab Jahre, in denen die Nilflut zu hoch war. Es kam zu zerstörerischen Überschwemmungskatastrophen.

Die Nilschwemme machte den Bau moderner Städte mit Straßen und Fabriken unmöglich. Alle Städte liegen am Nil oder im Delta. Während starker Nilschwemmen drang das Wasser in die Straßen und Häuser vor. Deshalb wurde der Damm errichtet. Heute bleibt der Wasserstand des Flusses das ganze Jahr über fast gleich hoch. Die Bauern können somit ganzjährlich ihre Felder bewässern, säen und ernten. Das Wasser läuft am Damm durch große Turbinen. Diese erzeugen genug Strom, um große Teile des Landes mit Elektrizität zu versorgen.

Der Damm staut den Nil zu einem großen See. Der Nasserstausee, benannt nach dem ägyptischen Präsidenten Nasser, der 1971 den Damm einweihte, ist einer der größten Stauseen der Erde. Leider versanken in diesem See Siedlungen und Baudenkmäler. Nubische Dörfer mussten aufgegeben und die Bewohner umgesiedelt werden. Alte Tempel waren über immer im Wasser verloren. Einige Tempel wurden jedoch gerettet. Darunter waren die Tempel von Abu Simbel , Philae und Kalabscha .

Die Tempel und Kalabscha und Philae wurden auf höher gelegene Inseln verlegt.

Philae

Südlich von Assuan thront auf einer Insel im Nil einer der schönsten Tempel aus dem alten Ägypten. Früher stand der Tempel auf einer anderen Insel. Da er sich im Stausee eines alten Staudammes – nämlich des Vorgängers des Assuan-Hochdammes – befand und der Wasserpegel stieg bis der Tempel halb unter Wasser stand, musste er auf eine neue Insel verlagert werden.

Im Altertum war Philae ein Kultort der Göttin Isis. Dieser Kultort ist sehr alt. Doch die Tempelanlagen, die noch heute erhalten sind, stammen aus der Zeit der Griechen und Römer. Sie sind etwa 2.000 Jahre alt. Der Kult der Göttin Isis war der letzte aus der Zeit der Pharaonen. Selbst als das Christentum zur beherrschenden Religion in Ägypten wurde und der Glaube an die altägyptischen Götter vielerorts in Vergessenheit geriet, huldigten die Priester von Philae der Göttin Isis. Erst im 6. Jahrhundert nach Christus musste der Tempel auf Geheiß des oströmischen Kaisers seine Pforten für immer schließen. Damit war das endgültige Ende der altägyptischen Religion besiegelt.

Das Heiligtum von Philae besteht genau genommen nicht nur aus einem Tempel, sondern aus einer Gruppe von mehreren Tempelanlagen und Bauten. Wichtigstes Bauwerk der Insel ist natürlich der Isis-Tempel mit seinen schönen großen Pylonen (Torbauten) und Säulenumgängen. Es gibt aber auch einen kleinen Tempel der Göttin Hathor und einen wunderscherschönen Säulenbau des römischen Kaisers Trajan.

Kalabscha

Wie der Tempel von Philae wurde auch der Tempel von Kalabscha auf eine neue Insel verlegt. Auch er stammt aus römischer Zeit. Geweiht war er einem nubischen Gott namens Mandulis. Das Heiligtum besteht aus einem Vorplatz, einem Eingangspylon, Vorhof, Vorhalle, Säulenhalle und Kulträumen im Bereich des Allerheiligsten.

Vor dem Kalabscha-Tempel steht ein wunderschöner Säulenkiosk aus römischer Zeit. Der Kiosk von Kertassi besteht aus sechs Säulen mit Pflanzen- und Hathorkapitellen. Kapitell nennt man den oberen Abschluss einer Säule. Vom Kiosk hat man eine schöne Aussicht auf den Stausee.

Ebenfalls auf der Insel von Kalabscha befindet sich der Felsentempel von Beit el-Wali . Er stammt aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. und wurde unter dem berühmten Pharao Ramses II. errichtet. Die Inschriften und Bilder an den Wänden erzählen von den Kriegen und Feldzügen des Königs. Dargestellt sind auch afrikanische Stämme und ihre Tributgaben, darunter Tiere wie Gazellen, Leoparden, Löwen und sogar eine Giraffe.

Klima für Assuan

Klima diagramm für Assuan

Assuan liegt am ägyptischen Oberlauf des Nils im Süden des Landes. Da die Meere von hier aus weit entfernt sind, wirkt sich das Wüstenklima sehr stark auf die Region um Assuan aus. Allerdings hat neben der Wüste auch der südlich von Assuan gelegene Nasserstausee einen Einfluss auf das Klima um Assuan, auch wenn dieser nur gering ist.

Charakteristisch für Assuan sind die großen Schwankungen der Temperaturen im Jahresverlauf. Im Sommerhalbjahr liegen die täglichen Höchsttemperaturen ungefähr 20 oC über den täglichen Höchstwerten des Winterhalbjahres. Ganz ähnlich sieht das bei den täglichen Tiefsttemperaturen aus. Auch sie sind im Sommer ungefähr 15 oC als im Winter. Generell sind die Temperaturen zwischen Juni und August am höchsten. Die Wassertemperaturen verhalten sich so ähnlich wie die Lufttemperatur. Sie schwanken zwischen 20 oC im Winterhalbjahr und 30 oC im Sommerhalbjahr, wobei es zwischen August und Oktober im Wasser am wärmsten ist.

Die jährlichen Niederschläge sehr gering. Der Mai ist der Monat, in dem man mit Niederschlag rechnen kann. Allerdings fallen im Mai nur wenige Millimeter Niederschlag. Ein Regenschirm ist also im Ägyptenurlaub völlig überflüssig.

Täglicher Sonnenschein ist in Assuan garantiert. Selbst im Januar scheint die Sonne 9 Stunden am Tag. Im Sommer kann man sogar mit 12 Stunden Sonnenschein rechnen. Wind ist in Assuan relativ unbedeutend.

Klimatabelle für Assuan

  Jan Feb Mar Apr Mai Jun
Temp max (°C) 21 25 30 35 39 41
Temp min (°C) 8 10 14 19 23 25
Wassertemperatur (°C) 15 18 22 27 31 34
Sonnenstunden 9 10 10 11 11 12
Regentage 0 0 0 0 1 0
  Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temp max (°C) 41 40 39 38 28 24
Temp min (°C) 26 26 24 20 15 11
Wassertemperatur (°C) 34 33 31 28 22 17
Sonnenstunden 12 12 11 10 10 9
Regentage 0 0 0 0 0 0

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