Ägypten - Das Land der Pharaonen

Pyramiden, Tempel, geheimnisvolle Gräber der Pharaonen. Das Land am Nil ist voller Geheimnisse. Ägypten gehört zu den Ländern mit der längsten Geschichte und einer einzigartigen Kultur. Millionen Menschen reisen jährlich dorthin, um die Schätze und Bauten der Vergangenheit zu bewundern.

Ägypten ist alt. Sehr alt. Viel älter als Deutschland. Ägypten blickt auf eine fünftausendjährige Geschichte zurück. Die ersten dreitausend Jahre herrschten die Pharaonen. So nannte man die Könige, die dort regierten. Sie ließen die großen Pyramiden und mächtigen Tempel errichten. Dann kamen die Griechen und Römer, Ägypten wurde Teil des Römischen Reiches. Die ägyptische Kultur verschmolz mit der griechisch-römischen. Schließlich verdrängte ein neuer Glaube, das Christentum, die altägyptische Religion und Kultur. Es wurden Klöster und Kirchen gebaut. Im Mittelalter kamen die Araber ins Land. Sie brachten den Islam. Ägypten wurde muslimisch. Arabisch wurde Landesprache. Die Moscheen und Paläste aus dieser Zeit wirken wie Bauten aus 1001 Nacht. Heute ist Ägypten ein moderner Staat.

Wo liegt Ägypten?

Ägypten liegt in Afrika. Doch Afrika ist nicht gleich Afrika. Am Äquator im zentralen Afrika herrscht feuchtes tropisches Klima mit viel Regen. Dort ist der Regenwald, der Dschungel. Nördlich und östlich davon gibt es Savannen. In den Savannen leben die großen Tiere wie Elefanten, Giraffen, Antilopen, Gazellen, Zebras, Gnus, Löwen und Leoparden. Noch weiter nördlich beginnt die Wüste. In Nordafrika breitet sich von der Westküste bis zu Ostküste die größte Wüste der Erde aus, die Sahara. Ägypten liegt im Nordostteil der Sahara und des afrikanischen Kontinents. Im Norden grenzt Ägypten ans Mittelmeer. Das ist das Meer, das Afrika von Europa trennt. Im Osten grenzt Ägypten ans Rote Meer. Dies ist das Meer, das Afrika von Arabien trennt. Das Besondere an Ägypten ist der Nil. Er kommt aus dem Innern Afrikas und mündet im Mittelmeer. In Ägypten fließt der Nil durch weites Wüstengebiet.

Ägypten und der Nil

Ein weiser Grieche sagte einmal, Ägypten sei ein Geschenk des Nils. Was meinte er damit?

Ägypten ist ein Wüstenland. Das Klima ist heiß und trocken. Es gibt kaum Wasser. Doch durch das Land fließt der Nil. An seinen Ufern ist es grün und fruchtbar. Es wachsen Papyrusstauden und Schilfdickichte. Im Flusstal und auf den Feldern gedeihen Obstbäume, Dattelpalmen und Getreide. Alljährlich überschwemmt der Nil die Ufer. Die Nilschwemme bringt Wasser und fruchtbaren Schlamm auf die Felder. Wenn sich das Wasser wieder zurückgezogen hat, können die Bauern, die am Flussufer leben, mit der Aussaat beginnen und wenige Monate später reiche Ernte einfahren. Man spricht von einer Flussoase. Das ist eine Oase, deren Wasserquelle ein Fluss ist. So sahen es auch die Alten Ägypter. Ihr Land hieß Schwarzes Land, weil sie damit den fruchtbaren dunklen Boden an den Ufern des Flusses meinen, auf dem die Pflanzen wachsen. Die Wüste nannten sie Rotes Land, wegen des rötlich-gelben Wüstensands.

Wie kommt der Nil in die Wüste?

Die Quellen des Nils liegen im Herzen Afrikas. Hohe Berge ragen hier in den Himmel. Tropische Wolken regnen an den Berghängen ab. Das Wasser sammelt sich in vielen Bächen und kleinen Flüssen, die alle in große Seen münden. Manche dieser Seen sind so groß wie Binnenmeere. Der größte See heißt Victoria-See. Er wurde nach einer englischen Königin benannt. Aus diesem See zweigt ein Fluss nach Norden ab. Dieser Fluss heißt Weißer Nil. Zunächst fließt er durch weite Savannen, dann in ein großes Sumpfgebiet, das bis zum Horizont mit Schilf und Papyrus bedeckt ist. Dieses Sumpfgebiet liegt im Sudan und heißt Sudd. Nördlich des Sudd setzt sich der Weiße Nil fort und fließt schließlich in die Wüste. Hier ist die Sahara, die größte Wüste der Welt. Sie erstreckt sich über ganz Nordafrika, von der Küste des Atlantischen Ozeans im Westen bis zur Küste des Roten Meeres im Osten. Bei Karthum, einer großen und bedeutenden Stadt im heutigen Sudan, kommt ein zweiter Fluss hinzu. Dieser Fluss heißt der Blaue Nil. Er kommt aus dem Hochland von Äthiopien. Zusammen fließen beide Flüsse nun als Nil vereinigt durch die Wüste. Kurz vor der Mündung ins Mittelmeer teilt sich der Nil in mehrere Flussarme. Diese Flussarme münden getrennt von einander ins Meer. Man nennte dieses Gebiet Delta.

Die Ägypter nannten ihren südlichen Landesteil „Schmales Land“. Damit meinten sie das schmale Flusstal des Nils. Den nördlichen Landesteil nannten sie „Breites Land“. So bezeichneten sie die weite Ebene des Flussdeltas. Wir sprechen heute von Oberägypten (das Flusstal) und von Unterägypten (das Delta).

Woher kommt die jährliche Nilschwemme?

In den Bergen des Hochlandes von Äthiopien gibt es einmal pro Jahr eine heftige Regenzeit. Das Regenwasser sammelt sich in den Tälern und bildet reißende Gebirgsbäche und Ströme. Weil das Land in Äthiopien altes Vulkanland ist, gibt es viel dunklen, fruchtbaren Boden. Ein Teil dieser fruchtbaren Erde wird durch die Regengüsse in die Gebirgsbäche und Flüsse gespült, so dass das Wasser ganz schlammig aussieht. Viele dieser Gebirgsbäche sammeln sich im Blauen Nil. Der Blauer Nil fließt nach Norden ins Flachland und vereinigt sich schließlich mit dem Weißen Nil. Zusammen sind sie nun der Nil. Durch die Wassermassen der Regenzeit schwillt der Nil an und tritt im Sudan und in Ägypten für einige Wochen über die Ufer. Ist die Nilschwemme vorüber, zieht sich das Wasser ins Flussbett zurück. Doch der fruchtbare Schlamm aus dem Hochland von Äthiopien bleibt an den Ufern liegen. So kommt die schwarze Erde ins Wüstenland Ägypten.

Gibt es heute keine Nilschwemme mehr?

Auch heute gibt es noch die Nilschwemme. Sie wird jedoch im Süden Ägyptens von einem großen Staudamm aufgefangen. Der Staudamm regelt die Wassermenge, die weiter nach Ägypten fließt. So kommt es, dass heute der Wasserstand des ägyptischen Nils nicht mehr so stark schwankt wie früher.

Die Tier und Pflanzenwelt des alten Ägypten

In der Wüste Ägyptens gibt es nur wenige Tiere. Ein wichtiges Tier in Ägypten ist das Kamel. Es wurde jedoch erst vor rund zweitausend Jahren in Ägypten eingeführt.

Früher, zur Zeit der Pharaonen, war es anders. Zwar gab es schon die Wüste. Aber an den Rändern der Wüste gab es Steppen, wo Gazellen, Antilopen, Strauße, Löwen, Leoparden, Schakale und Hyänen lebten. Im Nil schwammen Krokodile und an den Flussufern labten sich Nilpferde. Die alte afrikanische Tierwelt, die früher in Ägypten lebte, findet man heute noch im Sudan, weiter südlich am Oberlauf des Nils.