Abydos mit Königsnamen von Menes bis Sethos I.

Sethos-Tempel

Abydos ist eine uralte und geheimnisvolle Totenstadt in Oberägypten. Sie war schon alt, bevor die ersten Pharaonen über Ägypten herrschten. Fürsten aus grauer Vorzeit hatten sich diesen heiligen Ort ausgesucht, um ihre letzte Ruhestätte zu finden.

Zur Zeit der Pharaonen wurde Abydos zu einem Wallfahrtsort. Hier war das Kultzentrum des Gottes Osiris Chontamenti. Eine alte Legende erzählt, Osiris sei einst Herrscher der Menschen auf Erden gewesen. Dann habe ihn sein Bruder Seth getötet und brutal zerstückelt. Doch die Schwester und Gattin des Osiris, die Göttin Isis, habe die Körperteile eingesammelt, wieder zusammengefügt und den Leib des Osiris durch einen Zauber wieder zum Leben erweckt. Doch die Wiederbelebung hatte ihren Preis. Osiris durfte nicht mehr König der Lebenden sein. Stattdessen wurde Osiris Herrscher des Totenreiches. Dort richtet er über das Weiterleben der Verstorbenen. Der Sohn des Osiris, der falkenköpfige Gott Horus, rächte seinen Vater und wurde an seiner Stelle König im Land der Lebenden. So folgte der Sohn seinem Vater auf den Thron. Die alten Ägypter glaubten, jeder lebende Pharao sei eine Verkörperung des Horus, und jeder verstorbene Pharao eine Form des Osiris. Der Leib des Osiris, so die Sage, wurde in Abydos bestattet. Hier war das geheimnisvolle Grab des Osiris.

Die Menschen im alten Ägypten pilgerten nach Abydos, um dem Osiris zu huldigen. Sie erhofften sich durch ihre Wallfahrt ein ewiges Leben nach dem Tode. An bestimmten Tagen wurden die Osiris-Mysterien gefeiert. Das waren heilige Feste. In Form einer großen Festprozession wurde ein Abbild des Gottes von seinem Tempel zu seinem Kultgrab getragen. Dort wurden geheimnisvolle Rituale zelebriert. Dann brachte man das Gottesbild zurück in den Tempel. Viele Menschen ließen Gedenksteine errichten. Solche Gedenksteine sollten als Stellvertreter dienen. Durch die Anwesenheit der Gedenksteine konnte der Stifter auf ewig an den Osirisfesten teilnehmen.

Im Totenkult wurde vor der Bestattung der Mumie eine symbolische Reise nach Abydos durchgeführt. Der Sarg mit der Mumie wurde auf dem Nil auf und abgefahren. Priester begleiteten diese symbolische Reise nach Abydos mit heiligen Sprüchen und Gebeten. Erst dann wurde der Sarkophag ins Grab befördert.

Der Tempel von Pharao Sethos I. in Abydos

Die größte Sehenswürdigkeit in Abydos ist der Tempel von Pharao Sethos. Er wurde im 13. Jahrhundert errichtet. Hier wurden Osiris, Isis und Horus, der selbst zu Osiris gewordene Pharao Sethos I. sowie der Reichsgott Amun, der Sonnengott Re-Harachte und der Schöpfergott Ptah verehrt.

Das Heiligtum hat die Form eines Terrassentempels. Eine Pfeilerfront empfängt den Besucher. Dann folgt ein prächtiger Säulensaal. Die Reliefbilder zeigen Pharao vor den im Tempel angebeteten Gottheiten. Auf den ersten Säulensaal folgt ein zweiter. Dann kommt das Allerheiligste mit den Sanktuarien für Sethos I., Ptah, Re-Harachte, Amun, Osiris, Isis und Horus.

In einem geheimnisvollen Korridor sind Inschriften mit Königslisten angebracht. Hier sind die Namen aller Herrscher, vom ersten Pharao bis zu Sethos I. aufgelistet.

Hinter dem Tempel befinden sich die Überreste des Kultgrabes für Osiris. Man nennt es Osireion. Es ist stark zerstört. Man sieht heute ein Wasserbecken mit Pfeilern. Einst war dieses Kultgrab überdacht und wahrscheinlich mit einem Erdhügel überdeckt. Nach der ägyptischen Schöpfung sgeschichte stand es für den Urhügel, der am Anfang der Welt aus dem Urmeer auftauchte.

Der Tempel von Pharao Ramses II. in Abydos

Pharao Ramses II. war der Sohn des Sethos. Auch er ließ einen Tempel in Abydos errichten. Er ist stark zerstört. Der obere Bereich und die Decke sind nicht mehr erhalten. Durch einen Pylon, das heißt durch ein Tor mit Doppelturm, gelangt man in den Vorhof. Dann durchschreitet man die Vorhalle und zwei Pfeilerhallen, von der die Kulträume abzweigen.

Die Vorzeitlichen Gräber von Abydos

In Abydos wurden schon die Fürsten und Könige aus der Vor- und Frühzeit Ägyptens bestattet. Auch die ersten Pharaonen haben hier ihre Gräber errichten lassen. Anfangs waren die Gräber kleine Anlagen mit Erdhügeln. Später wurden große Grabanlagen mit mehreren Kammern errichtet. Weil die Archäologen bei ihren Ausgrabungen viele Tonscherben alter Gefäße gefunden haben, wird Ruinenstätte heute „Mutter aller Scherben“ genannt. Diese Gegend liegt etwa eineinhalb Kilometer südwestlich der großen Tempel von Sethos und Ramses.

Weitere Ruinen und alte Stätten in Abydos

Etwa einen Kilometer nördlich der beiden großen Tempel hat man die Überreste einer alten Stadt gefunden. Hier stand der ursprüngliche Tempel des Osirs Chontamenti. Der Ruinenhügel wird von den Einheimischen Kom el-Sultan genannt. Das heißt: Hügel des Sultan. Die meisten Gebäude dieser Stadt waren aus Lehmziegeln errichtet worden. Lehm ist vergängliches Material. Daher ist nur wenig erhalten. Die Geschichte der Stadt von Abydos ist so alt wie die der Gräber. Bereits im vierten Jahrtausend v. Chr. haben hier Menschen gewohnt. Unweit dieser Stadtanlage haben Forscher auch einen Tempel des Pharao Thutmosis III. gefunden. Er ist dreieinhalbtausend Jahre alt.

Ein seltsamer archäologischer Fund sind die Talbezirke. Dies sind große ummauerte Bezirke. Sie stehen im Zusammenhang mit einigen Gräbern aus der pharaonischen Frühzeit und sind rund fünftausend Jahre alt. Man weiß bis heute nicht genau, welche Funktion diese Talbezirke hatten.

Weitere Informationen zu Abydos und Ägypten gibt es im großen Online-Reiseführer.