Hurghada und Umgebung

Hurghada ist der größte Badeort Ägyptens am Roten Meer und eine der wichtigsten Touristendestinationen des Landes. Die Küste in Hurghada und Umgebung ist wegen der Strände und Korallenriffe bekannt und daher ein begehrtes Ziel für Taucher, Badeurlauber und Sonnenanbeter.

Ursprünglich war Hurghada (auch: el-Ghardaka) ein kleiner Fischerort. Von der Altstadt, der Medina mit ihrer Moschee und ihrem Bazar, ist noch etwas im Stadtteil Dahar (ed-Dahhar, el-Dahar) und am Hafen im Stadtteil Sekala (es-Sakala) erhalten. Ausländer verirrten sich damals nur selten hierher. Entweder waren es Angehörige von Ölförderfirmen oder professionelle Taucher, die die Korallenriffe des Roten Meeres erforschen wollten. In den 1970er Jahren entwickelte sich der Ort zum Geheimtipp für Taucher und Individualtouristen. Weil mit dem Wirtschaftswunder in Europa die Zahl der Hobbytaucher wuchs, gab es zunehmend Bedarf nach außergewöhnlichen Tauchdestinationen für die Urlaubsreise. Das Rote Meer ist wegen seines sauberen, ruhigen, warmen und sehr salzhaltigen Wassers die ideale Region für das Gedeihen von Korallenriffen. Dies hatte sich unter Tauchern schnell herumgesprochen. Schließlich wurden in Hurghada die ersten Tauchbasen und Tauchschulen gegründet.

Ende der 1970er Jahre wurden die ersten Hotels gebaut. Die Idee, Touristen nach ihrer Rundreise durch das Niltal zu einem Badeurlaub am Roten Meer zu bewegen, wurde erfolgreich umgesetzt. Bereits in den 1980er Jahren begann der Bauboom. Aus dem kleinen Ort wurde eine Stadt. Investoren aus Ägypten und dem westlichen Ausland ließen Hotelanlagen, Ferienresorts, einen Jachthafen und Parks anlegen. Viele Hotels haben sich Strandanteile reserviert, um ihren Gästen einen exklusiven Küstenabschnitt anbieten zu können. Seit die Stadt einen eigenen internationalen Flughafen hat, hat der Boom noch zugenommen. Die meisten Gäste kommen aus dem deutschsprachigen Raum, aus Großbritannien und aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Sie prägen zur Hochsaison das Stadtbild.

Anhand der Architektur und Infrastruktur kann man deutlich erkennen, dass Hurghada, wie die meisten Städte am Roten Meer, keine gewachsener Ort, sondern einen Retortenstadt ist, einzig und allein auf den Tourismus ausgerichtet. Hotels, Restaurants und Freizeitmöglichkeiten für die Reisegäste bestimmen dementsprechend das Stadtbild. Eine Art Zentrum findet man eigentlich nur im Stadtteil Dahar. Hier befinden sich auch die notwenigen öffentlichen Einrichtungen und Ämter der Stadt. Im südlich davon gelegenen Stadtteil Sekala ist der Hafen die Hauptsehenswürdigkeit.

Die ägyptische Bevölkerung ist auf mehr als 150.000 Einwohner angewachsen. Damit wäre Hurghada nach deutschen Standards bereits eine Großstadt. Doch die Mehrheit der Bevölkerung ist nur wegen der Jobmöglichkeiten in der Gastronomie-, Hotel-, und Tourismusbranche hier. Viele haben ihre Familie noch im Niltal und fahren in ihrer Freizeit so oft es geht zurück in ihren Heimatort oder nach Kairo. Die Zahl der jährlich anreisenden Touristen hat längst die Millionenmarke überschritten. Nördlich und südlich von Hurghada erstrecken sich über viele Kilometer Küstenlinie die Hotels und Urlaubsresorts mit ihren Pools, künstlich bewässerten Gärten, Parks und Sportanlagen. Bei Reisebuchung ist es wichtig, sich zu erkundigen, ob das Hotel einen eigenen Strand hat, da man sonst die Strände anderer Hotelanlagen gegen Gebühr benutzen muss.

Sehenswürdigkeiten aus dem Mittelalter oder gar dem Altertum sucht man hier vergebens. Doch werden von Hurghada aus verschiedene Ausflugsmöglichkeiten ins Niltal, insbesondere nach Luxor angeboten. Außerdem lädt die pittoreske Wüstenlandschaft zu Touren mit dem Jeep ein. Lohnenswert sind Besuche der koptischen Klöster in der Ostwüste, dem Antoniuskloster und dem Pauluskloster. Empfehlenswert sind auch Ausflüge zu den römerzeitlichen Steinbrüchen in der Wüste, Mons Porphyrites und Mons Claudianus, rund 40 Kilometer landeinwärts. Dort wurde von Sklavenarbeitern Porphyr (rötlich schimmernden kristallines Vulkangestein) für Verzierungen an Prunkbauten in Rom gebrochen. Bis in die Byzantinische Epoche wurde der Steinbruch genutzt. Außerdem gibt es in Mons Claudianus noch Reste römischer Architektur zu besichtigen, darunter Ruinen von Thermen, eines Serapis-Tempels und eines Kastells.

Tauchen und Schnorcheln in Hurghada

Um es auf den Punkt zu bringen: Hurghada ist durch den Massentourismus nicht mehr das, was es einmal war. Eigentlich ist das Rote Meer bekannt für sein klares Wasser. Doch in der Nähe der Stadt kann das Wasser recht trüb sein. In Ufernähe gibt es eigentliche keine Korallenstöcke, die den Namen verdienen. Oft sind sie schon zerstört oder abgestorben. Wer richtig Schnorchelspaß haben will, sollte sich wie die Taucher zu den Korallenstöcken und Inseln weiter draußen im Meer bringen lassen. Doch auch hier sind viele Korallenstöcke beschädigt. Die Alltagsprobleme der Großstadt und die große Zahl der Hotels haben zu einer Vermüllung der Region geführt. Sogar an manchen Küstenabschnitten oder Korallenriffen kann man auf Müll und Abfall stoßen. Außerdem verscheuchen die vielen Schnorchler und Taucher zahlreiche Fische.

El-Gouna

Der wirtschaftliche Erfolg der Touristenstadt Hurghada hat weitere Investoren angelockt. Um den Massentourismus in Hurghada zu entlasten und um Hotels und Ferienclubs in ruhigerem Ambiente anzubieten, wurde von dem ägyptischen Unternehmer Samih Sawiris die Ferienstadt el-Gouna (El Guna) gegründet. Sie liegt etwa 20 Kilometer nördlich von Hurghada. In el-Gouna wurde eine künstliche Lagunenlandschaft geschaffen. Die Architektur der Häuser, Restaurants und Hotels ahmt oberägyptische und nubische Bauformen nach. Für einen erholsamen Badeurlaub mit allem Komfort ist der Ort wie geschaffen. Allerdings ist nichts authentisch. Wer hier Urlaub gemacht hat und keine Ausflüge ins Land unternommen hat, war nicht wirklich in Ägypten.

Makadi Bay

Nur rund 30 Kilometer südlich von Hurghada liegt der Urlaubsort Makadi Bay an einer Bucht. Der Ort ist wegen seiner nahen Korallenriffe bei Tauchurlaubern beliebt.

Soma Bay

Etwa 45 Kilometer südlich von Hurghada, auf einer vorspringenden Halbinsel, liegt Soma Bay. Bei dem Ort handelt es sich um einen reinen Tourismusort mit Hotels und Ferienresorts gehobener Kategorien. Soma Bay ist für seine schönen Strände bekannt.

Safaga

Rund 55 Kilometer südlich von Hurghada liegt die Hafenstadt Safaga. Hier soll es schon zur Pharaonenzeit einen Hafen gegeben haben. In der klassischen Antike lag hier die Hafenstadt Philotera. Von Safaga aus führt eine Straße und eine Einsabahnverbindung nach Qena in Oberägypten. Daher liegt Safaga auf der Route der Touristen, die von Hurghada nach Luxor reisen. Vom Hafen in Safaga gibt es Schiffsverbindungen nach Saudi Arabien. Viele Ägypter nutzten diese Verbindung für ihre Pilgerfahrt nach Mekka. Auch in Safaga gibt es mittlerweile Hotel- und Ferienanlagen. Im Gegensatz zu Hurghada hat Safaga den Vorteil, dass es touristisch weniger überlaufen ist und viele Korallenriffe vor der Küste noch besser intakt sind. Außerdem hat man in Safaga die Chance, mehr vom ägyptischen Alltagsleben mitzubekommen.

Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg