Osmanische Zeit zu Beginn des 16. Jahrhunderts - Geschichte Ägyptens

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde Ägypten von den Türken erobert und 1517 als Provinz dem Osmanischen Reich angegliedert. Die Herrschaft der Osmanen war indirekt und wurde an in Ägypten residierende Statthalter (Paschas) delegiert.

Wegen des Mongolensturms im 13. Jahrhundert wanderten verschiedene türkische Nomaden stämme aus dem zentralasiatischen Turkestan nach Westen ab und siedelten in Kleinasien. Nach der Eroberung eines kleinen Gebietes im Nordwesten Kleinasiens ernennt sich der türkische Emir Osman I. zum Sultan und begründet das Osmanische Reich. Dieses neue Reich ist von Beginn an kriegerisch und expandierend. Nach der Einnahme weiterer Territorien in Kleinasien überschritten die Türken die Dardanellen und begannen mit der Eroberung des Balkans. Kerntruppe des Osmanischen Heeres waren die Janitscharen, ehemalige Christenkinder, die zwangsadoptiert und als Sklaven zu fanatischen Kriegersklaven und Moslems erzogen wurden. Die mit eiserner Disziplin geführte Janitscharen-Armee konnte bis zu hunderttausend Mann stark sein. Außerdem scheuten sich die Osmanen nicht vor der Einführung neuer Kampf- und Kriegstechniken und hatten relativ früh in Europa eine bedeutende Artillerie. Nachdem um 1389 der Widerstand der christlichen Balkanvölker mit der Schlacht auf dem Amselfeld gebrochen war, konnten die osmanischen Herrscher ihre Expansion wieder auf den Osten ausrichten und zudem 1453 Konstantinopel (Byzanz) einnehmen. Konstantinopel wurde als Istanbul neue Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts eroberten die Türken Syrien, Ostanatolien, Mesopotamien und drangen 1517 in Ägypten ein, wo sie die Truppen der Mamelucken bezwangen. Von Ägypten aus konnte die weitere Expansion Nordafrikas organisiert werden. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts war Nordafrika bis einschließlich Algerien in osmanischer Hand. Zudem begannen die Osmanen mit Hilfe ihrer griechisch-byzantinischen Untertanen den Aufbau einer Flotte, um das östliche Mittelmeer zu kontrollieren. Das Türkische Reich hatte nun in etwa den Umfang des einstigen Oströmischen Reiches, mit der Ergänzung, dass die Osmanen auch nach Ostarabien expandierten und nicht nur die heiligen Stätten des Islam in Mekka und Medina, sondern auch den südlicher gelegenen Jemen eroberten. Eine türkische Besiedlung der unterworfenen Gebiete außerhalb Kleinasiens fand nicht statt. Stattdessen begnügte man sich mit der indirekten Herrschaft und setzte Paschas ein, die semiautonom die Provinzen ausbeuten konnten. Viele Bereiche des Handels, des Gewerbes und der Verwaltung überließen die Türken den Griechen, Armeniern oder Angehörigen anderer unterworfener Völker.

Unter dem Sultan Süleyman II. (auch der Große genannt), der von 1520 – 1566 regierte, erreichte das Osmanische Reich in etwa seine größte Ausdehnung und höchste kulturelle und wirtschaftliche Blüte. Unter seinen Nachfolgern verebbte die erfolgreiche Expansionspolitik. Eine empfindliche Niederlage des Osmanischen Reiches war die verlorene Seeschlacht bei Lepanto (1571), bei der die türkische Flotte von der Armada der katholischen „Heiligen Liga“ (in welcher sich u. a. Spanien, Venedig, Genua, Malta und der Vatikanstaat als Zweckbündnis zusammenschlossen) in der bis dato größten Seeschlacht der Geschichte (mit rund 500 Schiffen und 200.000 Marinesoldaten) besiegt wurde. Noch schwerwiegender war die vernichtende Niederlage vor Wien (1683), bei der die Türken trotz anfänglicher Überlegenheit von deutsch-österreichischen und polnischen Truppen besiegt und vertrieben wurden. Zwar hatte nun die osmanische Herrschaft definitiv ihren Zenit überschritten, doch war der Niedergang des Reiches ein zäher und langwieriger Prozess.

In Ägypten wurde die osmanische Herrschaft immer wieder durch das Erstarken der Mamelucken in Frage gestellt. Es gab mehrere Phasen, in der die ägyptischen Eliten quasi semiautonom herrschen und walten konnten, ohne dass von Istanbul aus bedeutend interveniert wurde. Unter dem aus Georgien stammenden Mameluckenführer Ali Bey, der von 1760 – 1772 relativ unabhängig über Ägypten herrschen konnte, war Ägypten sogar zu einer Bedrohung für das Osmanische Reich geworden, da er militärisch auch in Palästina und Syrien operierte. Er kam jedoch durch eine von den Osmanen eingefädelte innerägyptische Herrschaftsrevolte ums Leben.

Die ägyptische Landbevölkerung hatte zeitweise unter arabischen Beduineneinfällen zu leiden. Auch Jahre mit tiefen Nilständen, Hungersnöte und Pestepidemien machten der Bevölkerung zu schaffen. Hohe Steuerlasten und mangelnde Investitionen in die landwirtschaftliche Infrastruktur und Bewässerungssysteme erschwerten die Lage. Die fremden Herrscher zeigten wenig Engagement in der Förderung der Landwirtschaft, obwohl dies das existentielle Rückgrat des Landes war.

Ende des 18. Jahrhunderts griff Europa verstärkt in die ägyptische Geschichte ein. Nach Beginn der französischen Revolution 1789 war Frankreich mehr und mehr in militärische Auseinandersetzung mit den anderen europäischen Großmächten geraten, die die Entwicklungen in Frankreich mit großer Sorge betrachteten und den Revolutionsheeren Einhalt gebieten wollten. Neben den deutschen Staaten war vor allem Großbritannien gegen Frankreich engagiert. Frankreich plante zunächst eine Invasion Englands, doch schien dieses Vorhaben wegen der britischen Flottenstärke zu utopisch. Also entschlossen sich Napoleon Bonaparte und seine Berater England zu schwächen, indem man Ägypten erobert und von dort aus den östlichen Mittelmeerraum kontrolliert und den britischen Ostindienhandel schwächt. Im Sommer 1798 traf Napoleon in Ägypten ein und konnten vor den Pyramiden einen großen militärischen Sieg gegen die Mamelucken erringen. Allerdings verloren die Franzosen ihre Expeditionsflotte im Seegefecht gegen die Briten bei Abukir, so dass man für lange Zeit vom Nachschub aus Frankreich abgeschnitten war. Nach der Niederschlagung eines Aufstandes in Kairo und einem missglückten Expeditionsversuch nach Syrien musste Napoleon 1799 wieder nach Frankreich zurückkehren und überließ die Truppen in Ägypten seinen Generälen. Die konnten sich noch bis 1801 gegen die Osmanen und Briten in Ägypten halten, mussten dann aber wieder nach Frankreich zurückkehren. Auch wenn der Ägyptenfeldzug militärisch keinen dauernden Erfolg brachte, so war er wissenschaftlich ein großer Fortschritt. Rund 250 Gelehrte unterschiedlicher Fachrichtungen begleiteten Napoleon und konnten Ägypten geographisch, naturwissenschaftlich, historisch und kulturell erforschen und allerlei wissenschaftliche Aufzeichnungen mit nach Frankreich bringen. Dies war die Geburtsstunde der Ägyptologie als Wissenschaft.


Auswahl weiterführender Literatur:
  • Abdarrahman Al-Gabarti, Bonaparte in Ägypten. Aus der Chronik des Abdarrahman Al-Gabarti (1754-1829). (Übersetzung nach Arnold Hottinger), Zürich 1983.
  • Haarmann, Ulrich, Geschichte der Arabischen Welt, München 2001.
  • Hourani, Albert, Die Geschichte der arabischen Völker, Frankfurt am Main 1992.
  • Inalcik, Halil, The Ottoman Empire, 1300-1600, London 1973.
  • Palmer, Alan, Verfall und Untergang des Osmanischen Reiches, München 1994.
Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg