Frühzeit (1.- 2. Dynastie) - Geschichte Ägyptens

Die Frühzeit bzw. Frühdynastische Zeit (ca. 3100 bis 2670 v. Chr.) des pharaonischen Ägypten ist die historische Phase der politischen Reichseinigung und archaischen Staatsbildung. Sie wird auch Thinitenzeit genannt, weil nach dem Geschichtstext des ägyptischen Priesters Manetho die ersten Herrscher aus der Stadt This kamen.Die Reichseinigung soll nach der ägyptischen Überlieferung zufolge unter einem Herrscher namens Menes (Meni) vollzogen worden sein. Allerdings lässt sich die Existenz dieser historischen Figur in den frühdynastischen Quellen nicht einwandfrei belegen. Die frühesten ägyptischen Quellen, die ihn als Reichsgründer bzw. ersten Pharao erwähnen, stammen aus dem Neuen Reich. Eine Prunkpalette des frühdynastischen Königs Narmer aus dem Tempel von Hierakonpolis zeigt Reliefbilder, die ebenfalls als Szenen der Einigungszeit gedeutet werden können. Es ist nicht auszuschließen, dass die tatsächliche Einigung des Landes ein langwieriger Prozess war, der im Nachhinein in Form eines Gründungsmythos auf eine bestimmte historische Person projiziert wurde.Bei Abydos , im Gräberfeld von Umm el-Qaab (arabisch für „Mutter der Töpfe“), wurde zahlreiche königliche Grabanlagen der Frühzeit gefunden. In der Nähe wurden auch große rechteckige Talbezirke ausgegraben, die wohl unmittelbar mit den Gräbern in kultischem Zusammenhang standen. Vermutlich handelt es sich hierbei um Ritualbezirke und sogenannte Götterfestungen für die im Jenseits fortgeführten Herrschaftsrituale und Feste Pharaos, bei denen sich das Horus-Gefolge (die Vereinigung der göttlichen Mächte des Landes) um den König versammelte. In der Nekropole von Sakkara wurden ebenfalls zahlreiche Grabanlagen der Frühzeit freigelegt, und zwar Mastabas aus der ersten Dynastie, bei denen es sich um Beamtengräber und königliche Kenotaphe (Scheingräber, Zweitgräber) handelt, und aus der zweiten Dynastie königliche Galeriegräber, komplexe unterirdische Anlagen mit zahlreichen Gängen und Schächten.Eine der wichtigsten kulturellen Errungenschaften der Frühzeit war die Weiternetwicklung früher pikto-graphischer und ideo-graphischer Schriftzeichen zur Hieroglyphenschrift. Die Entstehung der Schrift ist eng mit der sich herausbildenden Institution des Königtums verknüpft.Auswahl weiterführender Literatur:
  • Aldred, Cyril, Egypt to the end of the Old Kingdom, London 1965.
  • Assmann, Jan, Ägypten – Eine Sinngeschichte, München und Wien 1996.
  • Gundlach, Rolf, Der Pharao und sein Staat: die Grundlegung der ägyptischen Königsideologie im 4. und 3. Jahrtausend, Darmstadt 1998.
  • Schneider Thomas, Lexikon der Pharaonen: die altägyptischen Könige von der Frühzeit bis zur Römerherrschaft, Zürich 1994.
  • Seidlmayer, Stephan, „Die Entstehung des Staats bis zur 2. Dynastie“, in: Seidel/Schulz (Hrsg.), Ägypten: die Welt der Pharaonen, Köln 1997, S. 24-39.
  • Spencer, A.J., Early Egypt: The Rise of Civilisation in the Nile Valley, London 1993.
Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg