Arabisch-Islamisches Mittelalter von 639 - 1517 - Geschichte Ägyptens

Während des arabisch-islamischen Mittelalters (639 – 1517) wurde Ägypten islamisiert sowie kulturell und sprachlich arabisiert. Zahlreiche islamisch-arabische Dynastien prägten die politische und kulturelle Entwicklung des Landes in dieser Epoche.

Nach der Eroberung Ägyptens durch den persischen Herrscher Chosrau II. Parwez (aus der Dynastie der Sassaniden) in den Jahren 619 – 622 n. Chr. war der machtpolitische Einfluss Konstantinopels (Byzanz) im südöstlichen Mittelmeerraum geschwächt. Die Gegenoffensive des byzantinischen Kaisers Herakleios brachte keine Ergebnisse von nachhaltiger Dauer. Eine neue Kraft aus dem Vorderen Orient wurde für das weitere Schicksal Ägyptens bestimmend: der Islam.

Mohammed (ca. 570 – 632 n. Chr.), der Prophet des Islams, wurde in Mekka geboren. Er entstammte einer verarmten, aber angesehenen Familie. Wegen des Todes der Eltern früh verwaist, wurde er zunächst Hirte, dann Kameltreiber. Später heiratete er eine reiche Witwe und wurde Leiter ihrer Handelskarawane. Mohammed hatte die Vision, als Berufener der Araber Prophet einer neuen Religion zu sein. Zwar konnte er schnell Anhänger gewinnen, doch wurde seine kleine religiöse Gemeinde in Mekka heftig bekämpft. Aus diesem Grunde wanderte er nach der in der Nähe gelegenen Stadt Yathrib-Medina aus, der Stadt des Propheten. Der Beginn dieses Exils (Hedschra), nämlich der 15.6.622, gilt als Beginn der islamischen Zeitrechnung. In Medina wurde Mohammed innerhalb kurzer Zeit Stadtoberhaupt. Im Jahre 630 eroberte er mit seinen Anhängern seine Heimatstadt Mekka und reinigte die Stadt und ihr Heiligtum, die Kaaba, vom (aus islamischer Sicht) heidnischen Götzendienst, den er bereits vor seiner Auswanderung immer stark kritisiert hatte. Poltisch schaffte es Mohammed, die durch Fehden verfeindeten Beduinenstamme des Hedschas (Region im östlichen Arabien) zu vereinen. Bis zu seinem Todesjahr 632 n. Chr. konnte Mohammed die ganze arabische Halbinsel politisch unser seine Herrschaft bringen und große Teile der Bevölkerung zum Islam bekehren.

Mohammeds Nachfolger, die sogenannten Wahlkalifen, konnten im Verlauf des 7. Jahrhunderts große Teile des Nahen und Mittleren Ostens, ganz Persien und weite Gebiete Nordafrikas erobern. Auf ihrem Weg nach Westen eroberten die Araber in den Jahren 640 – 642 auch Ägypten. Im Namen des Kalifen Omar marschierte der Feldherr Amr Bin al-As in Ägypten ein und beseitigte bis 642 dort den letzten Widerstand. Die Geschichte Ägyptens wurde zur Zeit der Omaijaden-Dynastie (7. und 8. Jahrhundert) von Damaskus aus, und zur Zeit der Abbasiden-Dynastie (ab der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts) von Bagdad aus bestimmt. Arabische Statthalter regierten das Land im Namen der Kalifen und setzten Arabisch als Verwaltungssprache durch. Unter dem Kalifen Al-Mamun gab es einen großen antiarabischen Aufstand, der jedoch niedergeschlagen wurde. In dieser Epoche begann die Islamisierung Ägyptens. Doch die christlichen Kopten bleiben weiterhin über lange Phasen des islamisch-arabischen Mittelalters eine einflussreiche religiöse Kraft in Ägypten, die in Nordostafrika bis nach Äthiopien ausstrahlte. Die arabischen Einwanderer, die in diesen Jahrhunderten nach Ägypten kamen, waren entweder Beduinen, die sich in den Wüstenregionen Nordostafrikas aufhielten, oder Händler und Gewerbetreibende, die sich in den Städten Ägyptens niederließen. Sie bildeten eine Art Oberschicht in Ägypten und konnten durch die Kontrolle der Bazare und Handelskarawanen zum Teil großen Reichtum anhäufen. Die landwirtschaftlichen Tätigkeiten am Nil und im Delta überließ man der unterworfenen ägyptischen Urbevölkerung, den sogenannten Fellahin. Die kulturelle und sprachliche Arabisierung wirkte dementsprechend zunächst in den Städten. Diese waren kosmopolitisch geprägt, d.h. Moslems, Juden und Kopten unterschiedlicher ethnischer Herkunft lebten in unmittelbarer städtischer Nachbarschaft. Die mehrheitliche Landbevölkerung war dagegen homogener strukturiert. Viele traten jedoch aus wirtschaftlichen Gründen zum Islam über, um Grund und Boden behalten zu dürfen und von der schweren Steuerlast befreit zu werden. Auch der Heeresdienst, die viele Nichtmoslems antreten mussten, war ein Grund zum Übertritt. Neben Phasen partieller Religionsfreiheit gab es im gesamten arabisch-islamischen Mittelalter Ägyptens auch Perioden der gewaltsamen Unterdrückung und Zwangsbekehrung nichtmuslimischer Bevölkerungsteile. Viele Ägypter traten auch aus Angst vor Repressalien zum Islam über.

Die Größe des arabisch-islamischen Imperiums führte schnell zu dessen Verfall in mehrere Teilreiche. Ägypten war unter den islamischen Dynastien der Tuluniden (868 – 905), Ichsididen (935 – 969), Fatimiden (969 – 1171) und Ajjubiden (1171 – 1250) ein autonomes Königreich, wenn auch die Herrscher nicht ägyptischen Blutes waren. Sultan Saladin beispielsweise, der gegen die europäisch-christlichen Kreuzfahrer kämpfte, entstammte einer kurdischen Familie. Unter den Fatimiden wurde Kairo (el-Qahira, „die Siegreiche“) zur Hauptstadt. Die städtebaulichen Grundstrukturen des mittelalterlichen Kairos gehen auf diese Zeit zurück. Ein Angriff der Mongolen um 1260 konnte nur mit Hilfe einer Söldnertruppe von türkischstämmigen Mamelucken abgewehrt werden. Unter der Herrschaft der Mamelucken-Sultane (1251 – 1517) wurde Ägypten das Zentrum der islamischen Welt. Während dieser Epoche wurden in Kairo zahlreichen Moscheen gebaut, und die dortige islamische Universität zog Gelehrte aus dem ganzen Nahen und Mittleren Osten an. Der ägyptische Machtbereich bezog Teile der Levante, Libyens und der arabischen Halbinsel mit ein.

Die Herrschaft all dieser Dynastien gründete sich auf der militärischen Macht durch ausländische Söldnertruppen. Meistens waren die Söldner türkischer, tscherkessischer, berberischer oder arabischer Abstammung. Zwar waren sie wegen ihrer militärischen Schlagkraft ein erfolgreiches Mittel, um die innenpolitische und außenpolitische Machtstellung der Kalifen und Sultane zu stützen, doch oft waren sie auch ein gefährliches Pulverfass, insbesondere, wenn sich die Söldner gegen ihre Dienstherren wendeten oder sich gegeneinander auf Kosten der urägyptischen Landbevölkerung befehdeten.

Im frühen 16. Jahrhundert kam aus dem ehemaligen Konstantinopel bzw. Byzanz, das nun Istanbul hieß, eine neue Macht nach Ägypten: die türkischen Osmanen.


Auswahl weiterführender Literatur:
  • Haarmann, Ulrich, Geschichte der Arabischen Welt, München 2001.
  • Halm, Heinz, Die Kalifen von Kairo: die Fatimiden in Ägypten (973 -1074), München 2003.
  • Hourani, Albert, Die Geschichte der arabischen Völker, Frankfurt am Main 1992.
  • Kessler, Jörg-Ronald, Die Welt der Mamluken: Ägypten im späten Mittelalter 1250 – 1517, Berlin 2004.
Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg