Gebelein (Gebelen)

Gebelein liegt rund 30 Kilometer südlich von Luxor auf der Westseite des Nils (gegenüber von Mo’alla auf der Ostseite). Seit vor- und frühgeschichtlicher Zeit (Negade/Naqada-Zeit) ist der Ort besiedelt. Doch die Besiedelung war nicht kontinuierlich. Phasen starker Besiedlung wechselten mit Phasen der Bedeutungslosigkeit. Zahlreiche archäologische Funde aus Gebelein befinden sich heute in den Museen der Welt. Wegen des schlechten Erhaltungszustandes der archäologischen Sehenswürdigkeiten ist ein Ausflug nach Gebelein nur für besonders Interessierte zu empfehlen.

Die „zwei Berge“ – so heißt die Übersetzung des ägyptisch-arabischen Ortsnamens Gebelein (Gebelen). Dies ist hinsichtlich der Bedeutung eine direkte Übernahme des altägyptischen Ortsnamens „Inerti“, der ebenfalls soviel wie „die beiden Berge“ meint. Tatsächlich wird die Landschaft optisch von zwei Kalksteinfelskuppen beherrscht, die sich nah am Nilufer befinden. Von diesen Felskuppen hat man einen herrlichen Ausblick auf den Fluss. Ein anderer Name war „Per-Hathor“, was übersetzt „Haus der Hathor“ bedeutet. In der griechisch-römischen Antike hieß der Ort Aphroditopolis, weil die Griechen Hathor mit Aphrodite gleichsetzten. Ein weiterer griechischer Name war Pathyris, der den ägyptischen Namen Per-Hathor lautlich nachahmt.

Die Ruinen von Gebelein verteilen sich hauptsächlich auf beide Hügel. Auf dem westlichen liegen die spärlichen Überreste eines befestigten Forts aus der 21. Dynastie (erste Hälfte der Dritten Zwischenzeit, 11.-10. Jahrhundert v. Chr.). An den Flanken und Ausläufern des Hügels befindet sich die Nekropole mit den Gräbern aus unterschiedlichen Epochen, vom der Ersten Zwischenzeit und dem frühen Mittleren Reich (11. Dynastie, 21. Jahrhundert v. Chr.) bis hin zum Neuen Reich. In manchen Gräbern fand man Sekundärbestattungen (d.h. Zweitverwendung von Gräbern) aus der griechisch-römischen Zeit. Der Erhaltungszustand der Gräber ist allerdings sehr schlecht. Doch wurden hier bedeutende archäologische Funde gemacht, darunter prähistorische Mumien und prähistorische Textilien mit Darstellungen.

Auf dem östlichen Hügel befinden sich die Ruinen des stark zerstörten Hathor-Tempel s. Auch wenn baugeschichtlich die Ursprünge dieses einst bedeutenden Heiligtums bis in die 2. und 3. Dynastie zurückreichen, so stammen die heutigen Überreste hauptsächlich aus der Zeit der Ptolemäer. Leider wurde das Heiligtum Steinräubern zum Opfer, die den Kalkstein für andere Gebäude wieder verwenden wollten. Gut erhalten und weithin sichtbar ist dagegen das islamische Grabmonument des Scheichs Moussa. Das Monument dominiert die Hügelkuppe.

In der Ebene vor den Hügeln befand sich im Altertum das oberägyptische Krokodilopolis, ein Ort, wo der Krokodilsgott Sobek verehrt wurde, vergleichbar dem gleichnamigen Ort im Fayum oder wie im Tempel von Kom Ombo .

In Gebelein wurden zahlreiche Papyri und Tonscherben aus der griechisch-römischen Zeit gefunden. Die auf ihnen in Demotisch und Griechisch verfassten Texte, darunter viele juristische Urkunden, geben Aufschluss über die Menschen und ihr Leben in der Gesellschaft zu jener Zeit.Auswahl weiterführender Literatur:
  • Wildung, Dietrich, „Gebelein“, in: Lexikon der Ägyptologie, Band II, Wiesbaden 1977, Sp. 447-449.


Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg