Felsgräber von Mo-alla

Von Luxor aus kann man einen Ausflug zu den Felsgräbern von Mo’alla unternehmen. Man kauft die Tickets am Luxortempel und nimmt von dort ein Taxi. Mo’alla liegt auf der Ostseite des Nils gegenüber von Gebelein (dem antiken Aphroditopolis) und dem oberägyptischen Krokodilopolis, auf halber Wegstrecke in Richtung Esna . Vom südlichen Stadtrand von Luxor bis nach Mo’alla sind es etwa 30 Kilometer Wegstrecke.

In Mo’alla (der altägyptische Name war „Hefat“) gibt es zwei historisch bedeutsame Felsgräber aus der Ersten Zwischenzeit (7. bis Anfang 11. Dynastie, ca. 2150 bis 2040 v. Chr.), jener wirren Epoche zwischen dem Alten und Neuen Reich, in welcher autonome Provinzfürsten an die Stelle der zerfallenen staatlichen Zentralgewalt getreten waren. Hier in Mo’alla befinden die Gräber zweier solcher Fürsten, und zwar einmal das des Anchtifi und jenes des Sobekhotep.

Die von den bunten Gräbern in West-Theben verwöhnten Besucher mögen die zum Teil restaurierten Grabruinen mit ihren breiten Querhallen wenig beeindruckend finden. Doch die besondere Art der Darstellungen auf den Säulen und Pfeilern, die im Provinzstil gehaltenen Reliefs und die Inschriften lohnen einen Besuch. Auch die erhalten Grabmalereien auf Stuck an den Wänden der inneren Kammer sind sehenswert. Die vordere Querhalle des Anchtifi-Grabes ist etwa zwanzig Meter breit. Die dreißig vier- bis achteckigen Pfeiler sind sehr unregelmäßig gearbeitet. Die Säulen sind mit Hieroglyphentexten beschriftet.

Diese Inschriften im Grab des Anchtifi sind von historisch herausragender Bedeutung. Zur Zeit der Ersten Zwischenzeit war nicht zur die staatliche Zentralgewalt, sondern auch die Infrastruktur des Landes zusammengebrochen. An Infrastruktur sind die Organisation des landesweiten Bewässerungssystems (Dämme, Deiche, Kanäle) und die Versorgung der verschiedenen Provinzen durch ein überregionales Umverteilungssystem (Redistributionssystem) besonders wichtig gewesen. Denn, wenn in einer Region die Ernte schlecht ausfiel, konnte mittels der Verwaltung und Umverteilung der Überschuss anderer Regionen dorthin gebracht werden, um Hungersnöte zu vermeiden. Auch die Rekrutierung großer Arbeiterkolonnen, um größere Bewässerungsprojekte (zum Beispiel die Aushebung eines Kanals) zu realisieren, war durch den Zusammenbruch der Pharaonenherrschaft und der zentralen königlichen Verwaltung erschwert. Hinzu kamen klimatisch bedingte Ernteausfälle wegen niedriger Nilstände. Von Sandbänken im flachen Nilwasser ist die Rede. So kam es in weiten Teilen Ägyptens zu großen Hungersnöten. Die Texte des Anchtifi erzählen, wie sich furchtbares Elend in Oberägypten ausbreitete und die Menschen vor Hunger kannibalisch wurden und sogar ihre Kinder aßen. (Dass so etwas Wirklichkeit gewesen sein kann und nicht bloße Rhetorik war, beweisen arabisch Quelle aus dem Mittelalter, die über quälende Hungersnöte in Ägypten und demzufolge auftretenden Kannibalismus berichteten.) Dann wird erzählt, wie Anchtifi als Chef seiner Provinz bzw. seines Gaues die Probleme in Angriff nahm, die landwirtschaftliche Organisation überwachte und selbst in Zeiten der Not sogar für Ernteüberschüsse sorgte, um andere Regionen mitzuversorgen. Außerdem sicherte er sein Hoheitsgebiet durch kriegerisches Gebaren, unternahm Kriegsauszüge mit seiner Truppe und ließ sich von seinen Untertanten als „Held ohne gleichen“ und als „Anfang und Ende der Menschen“ verehren. Zumindest verwendet er solche Floskeln in seinen Grabinschriften. Schließlich reichte Anchtifis Einfluss bis nach Elephantine bei Assuan .Auswahl weiterführender Literatur:
  • Vandier, Jaques, Mo’alla: la tombe d’Ankhtifi et la tombe de Sébekhotep, Paris 1950.
Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg