Feiran

Feiran (Fairan, Firan) ist der Name eines Wadis (Wüstentales) im südwestlichen Sinai . Auf halber Strecke vom Roten Meer (Golf von Suez ) zum Mosesberg liegt in diesem Wadi eine gleichnamige Oasensiedlung, wo noch heute hunderte Menschen leben. Der hebräische Name ist Raphidim. Hier sollen nach biblischer Überlieferung die Hebräer auf ihrem Auszug aus Ägypten gehalten und sich mit den Amalekitern geschlagen haben, bevor sie zum Mosesberg weiter zogen, wo Moses schließlich die Tafeln mit den zehn Geboten empfing. In der klassischen Antike und frühchristlich-byzantinischen Zeit schrieb man den Namen Pharan. Hier entstand eine der frühesten christlichen Siedlungen in Ägypten.

Die Landschaft ist urwüchsig. Rötlich schimmernde Felsberge ragen empor. Im Süden erhebt sich das über 2070 Meter hohe Bergmassiv des Gebel Serbal. Durch das Wadi schlängelt sich die Oase mit ihren Dattelpalmen und grünen Gärten. Die Bewohner der Oase leben von der Viehzucht und Oasenwirtschaft.

Archäologische Ausgrabungen haben die Grundmauern einer antiken Stadtanlage und die Ruinen von sieben frühchristlichen Kirchen aus dem 5. und 6. Jahrhundert zutage gebracht. Im Norden der Ruinenstätte kann man noch die Grundmauern der alten Bischofskirche besichtigen. Im Zentrum der antiken Stadtanlage stehen die Überreste einer dreischiffigen Basilika, die als Stadtkirche diente.

Bereits bevor die ersten Christen hier siedelten gab es den Ort. Er wurde vermutlich in ptolemäischer Zeit gegründet. Allerdings nicht klar, ob es sich um eine permanente Besiedlung handelte, oder nur um saisonale Unterkünfte für Beduinen. Spätestens in der römischen Kaiserzeit gab es in der Oase eine permanente Siedlung. Vermutlich wurde hier neben der Oasenwirtschaft auch Karawanenhandel betrieben. Im vierten Jahrhundert siedelten sich in der Nähe der Oase die ersten Mönche an. Sie waren noch Einsiedler, die in einfachen Mönchszellen hausten. Wahrscheinlich trugen diese Mönche zur Christianisierung des Ortes bei. Denn bereits Ende des vierten Jahrhunderts n. Chr. schien die Bevölkerung, zumindest mehrheitlich, christlich zu sein. Auch gab es zu dieser Zeit bereits die ersten Bischöfe. Der Ort war zu einem frühen Bischofssitz geworden. Auch Pilger kamen nach Feiran, da es auf dem Weg zum Mosesberg liegt. Zum Schutz war eine byzantinische Garnison stationiert.

Mit der arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert kam das Ende der christlichen Stadt. Sie wurde aufgegeben. Später siedelten sich wieder Beduinen dort an. Die Bedeutung als Bischofsitz wurde an das Katharinenkloster am Mosesberg abgegeben.

In der Mitte des Ortes gibt es heute ein kleines Nonnenkloster namens Deir Zeghir. Es handelt sich um eine Art Zweigstelle des Katharinenklosters. Die wenigen Nonnen, die dort leben, bewirtschaften einen schönen Oasengarten. Offiziell sollen es sieben Nonnen sein, denn das Kloster wird manchmal auch Sieben-Nonnen-Kloster genannt. Zum hübschen Kloster gehören eine kleine aber feine Kapelle, die aus Natursteinen gebaut und Moses geweiht ist, und Säulenarkaden. Das Kloster nimmt gegen Bezahlung auch Gäste auf.

Auswahl weiterer Literaturangaben:

  • Grossmann, Peter, „Eine Bischofstadt im südlichen Sinai: Pharan“, in: Günter Dreyer und Daniel Polz (Hrsg.), Begegnungen mit der Vergangenheit – 100 Jahre in Ägypten: Deutsches Archäologisches Institut Kairo 1907 – 2007, Mainz 2007, S. 88-92.
Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg