Kunst des Alten Ägypten - Reliefs, Wandmalereien und Rundbilder (Teil 4)

Ende der altägyptischen Kunst Im Verlauf der römischen und byzantinischen Zeit traten die ägyptischen Stile mehr und mehr zurück. Dies hing primär mit der Religion zusammen. Viele Griechen blieben ihrer hellenistischen Götterwelt treu oder wandten sich Mischkulten zu, wie dem des Serapis. Und in spätrömischer und byzantinischer Zeit verbreitete sich das Christentum. Zwar hat die koptische Kunst Ägyptens gewisse Eigentümlichkeiten der Pharaonenzeit im Detail bewahrt, doch mit den Tempeln und Gräbern, die ohne die altägyptische Religion nicht denkbar wären, verschwanden auch die typisch ägyptischen Formen und Motive. Sie gerieten, ebenso wie die Hieroglyphenschrift, in Vergessenheit. Einfluss der ägyptischen Kunst auf andere Kulturen Die ägyptische Kunst hat im vorklassischen Altertum nur wenig überregionale Bedeutung und Rezeption erfahren. Ausgenommen sind der syrisch-palästinische Raum und der nördliche Sudan. Im syrisch-palästinischen Raum wurden insbesondere von den Phöniziern und den syrischen Handelsstädten ägyptische Kunst- und Stilelemente übernommen und in die eigene Kunst integriert. Auch ein Einfluss auf die Kultur und Kunst der Minoer lässt sich konstatieren. Im Sudan waren schon seit der frühen Bronzezeit die Kulturen in Nubien und Kusch stark von der ägyptischen Kunst inspiriert und beeinflusst. Später haben die Reiche von Meroe und Napata die ägyptische Kunst fortgeführt, das Formenrepertoire mit neuen Stilelementen erweitert und so eine eigene Kunst geschaffen. Rezeption ägyptischer Kunst Nach der Wiederentdeckung der altägyptischen Kultur durch den berühmten Ägyptenfeldzug Napoleon Bonapartes kam es im 19. Jahrhundert zu einer Modewelle der Ägyptomanie. In adeligen und bourgoisen Kreisen galt es als schick, Kunstwerke im (pseudo-)ägyptischen Stil zu besitzen oder Eingänge von Villen mit kleinen Sphingen zu schmücken. Mit Aufkommen des Ägyptentourismus, der Ausstattung zahlreicher bedeutender Museen der Welt mit wertvollen Aegyptiaca und mit großen Wanderausstellungen verbreitete sich das Wissen um das alte Ägypten und die Vorstellung davon, was typisch ägyptisch aussieht und was nicht. Es begann eine Rezeption ägyptischer Kunst, wobei sie sich im Rahmen einer allgemeinen Mode der Antikenrezeption hielt. Auch die europäische Kunstrichtung des Orientalismus, in welcher man europäische Wunschwelten mit orientalischen Motiven vermengte, wurde durch die in der Öffentlichkeit gezeigten ägyptischen Kunstschätze beeinflusst. Der Fund des Grabschatzes des Tutanchamun befeuerte schließlich die Begeisterung für das alte Ägypten. Nicht nur die kunstbeflissenen Bildungsbürger der reichen Oberschicht, sondern auch Menschen anderer Schichten und Klassen begannen sich für das alte Ägypten zu interessieren. Auch in Ägypten selbst wurden seit dem 19. Jahrhundert wieder Anleihen an altägyptischen Stilen entnommen, insbesondere in der Architektur profaner Bauten und Verwaltungsgebäude. Der Kunststil der Pharaonenzeit wird heute als eigenständige Gattung angesehen, die sich an Bedeutung mit der indischen, chinesischen sowie der antiken und mittelalterlichen Kunst Europas ohne weiteres messen lassen kann. Auswahl weiterführender Literatur:
  • Michalowski, Kasimierz, Ägypten: Kunst und Kultur, Freiburg im Breisgau 1969.
  • Müller, H.W., Die Kunst Ägyptens (Reihe: Monumente alter Kulturen), Frankfurt a.M. 1970.
  • Priese, Karl-Heinz (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Mainz 1992.
  • Saleh, Mohammed und Hourig Sourouzian (Hrsg.), Offizieller Katalog – Die Hauptwerke im Ägyptischen Museum in Kairo, Mainz 1986.
  • Seidel, Matthias und Regine Schulz, Ägypten: Kunst und Architektur, Köln 2001.
  • Vandersleyen, Claude (Hrsg.), Das Alte Ägypten (Propyläen Kunstgeschichte, Band 15), Berlin/Wien/Frankfurt a.M. 1975 (Anm.: in der jüngeren Ausgabe von 1985 Band 17).
  • Wolf, Walter, Die Kunst Ägyptens – Gestalt und Geschichte, Stuttgart 1957.
Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg

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