Elkab (el-Kab)

Der historisch für die Geschichte des Alten Ägypten bedeutsame Ort Elkab (el-Kab, altägyptischer Name: „Necheb“, griechischer Name: „Eileithyiaspolis“) liegt rund 70 Kilometer südlich von Luxor und etwa 15 Kilometer nördlich von Edfu . Der heutige Ort von Elkab ist ein kleines Dorf, Nag’el-Kab genannt. Es befindet sich östlich der antiken Stadt, einige Häuser stehen außerhalb des Dorfes zwischen den Ruinen und dem Nilufer. In der Umgebung dieses Dorfes kamen archäologische Funde aus allen Epochen der ägyptischen Geschichte zutage, von der prähistorischen Zeit (mit einem Friedhof aus der Negade III-Zeit) bis hin zur byzantinischen Epoche. Zusammen mit Hierakonpolis (Kom el-Ahmar / Nechen) und Esna war Elkab der bedeutendste Ort des dritten oberägyptischen Gaues. Wichtigste Gottheit in Elkab war die Geiergöttin Nechbet, die auch Schutzpatronin Oberägyptens und des Königtums war. Ihr Kopf befand sich neben der Uräus-Schlange an der Stirn des königlichen Kopfschmucks.

Die alte Stadt

Zurzeit ist die Stadtruine für Besichtigungen gesperrt. Es lohnt sich dennoch nachzufragen, ob sich aktuell die Situation geändert hat oder eine Sondergenehmigung möglich ist.

Die alte Stadt war komplett von einer elf Meter dicken Lehmziegelumwallung umgeben, von der noch heute die meisten Abschnitte aufrecht stehen. Das Stadtareal bildet ein großes Rechteck mit mehr als einem halben Kilometer Länge und ebensolcher Breite. Im Osten, Norden und Süden gibt es Eingangstore. Innerhalb der Stadtumwallung gibt es einen weiteren ummauerten Bezirk, der 304 mal 376 Meter misst. Hier war der heilige Tempelbezirk. Eine lange Prozessionsstraße führte zum Haupttempel, welcher der Göttin Nechbet geweiht war. Anhand von Bauuntersuchungen konnte man feststellen, dass die ältesten Vorgängerbauten dieses Tempels bis in die 2. Dynastie zurückreichen. Mauer an Mauer mit dem Nechbet-Tempel steht ein Tempel des Gottes Thot aus der Zeit von Amenophis III. (18. Dynastie) mit einem Pylon von Ramses II. (19. Dynastie). Rechts vor dem Nechbet-Tempel steht das Mammisi (Geburtshaus). Davor befinden sich noch die Reste eines Säulenkiosks von Nektanebos I. und rechts davon ein Tempel aus der Römerzeit.

Außerdem befinden sich innerhalb der Stadtumwallung noch Gräber aus vor- und frühdynastischer Zeit, ein Gebäude von Chasechemui, einem König der 2. Dynastie, und, nördlich der Stadtumwallung, Mastabas aus dem Alten Reich.

Südlich der Stadtumwallung, nahes des Nilufers, stehen die Überreste eines römischen Forts.

Nekropole von Elkab

Rund einen halben Kilometer außerhalb des alten Stadtbezirks liegt die Nekropole mit den Felsgräbern aus dem Mittleren und Neuen Reich. Es handelt sich um 31 Gräber am Felshang. Wichtig ist es, einen Aufseher dabei zu haben, der die Gräber für die Besichtigung öffnet. Zu den Gräbern führt eine Treppe, die man extra für die Touristen gebaut hat. Die wichtigsten Gräber stammen aus der ersten Hälfte der 18. Dynastie. Sie sind zum Teil mit wunderschönen farbigen Reliefs dekoriert. Die sehenswertesten seien hier kurz vorgestellt:

Grab des Ahmose Pennechbet (Grab Nr. 2): Das Grab ist stark zerstört. Die Reliefdarstellungen sind nicht mehr erhalten. Am Grabeingang ist allerdings eine lange Biographische Inschrift des Grabherrn erhalten, die historisch gut dokumentiert ist. Ahmose Pennechbet war ein hoher Offizier, der mehrere Jahrzehnte an den Feldzügen der ersten Könige der 18. Dynastie Teilnahm und für seine Taten hoch dekoriert und belohnt wurde. Die Inschrift enthält daher auch Kriegsberichte.

Grab des Paheri (Grab Nr. 3): Dies ist eines der sehenswertesten Gräber der Nekropole. Es liegt links neben dem Grab des Ahmose Pennechbet. Paheri war Provinzgouverneur unter Thutmosis III. und Stadtvorsteher von Elkab / Necheb. Am Ende eines Ganges kommt eine Grabkultkammer mit gewölbter Decke. Die Darstelllungen an den Wänden sind noch gut erhalten. Man sieht den Grabherrn und seine Familie, Szenen aus der Landwirtschaft und Inschriften mit den Titeln und Funktionen des Paheri. Eine Statuennische markiert das Kultziel des Grabes.

Grab des Setau (Grab Nr. 4): Dieses Grab stammt aus der Ramessidenzeit und ist somit das jüngste der Nekropole. Setau war Hoherpriester im Nechbet-Tempel von Elkab / Nechen. In diesem Grab wird neben den üblichen Darstellungen Wert auf den religiösen Aspekt der Sonnenanbetung gelegt, ein Zeichen persönlicher Frömmigkeit. Man sieht unter anderem, wie der Grabherr und seine Gemahlin den Sonnengott Re-Harachte anbeten. Außerdem befindet sich an der Wand eine Hieroglypheninschrift mit einem Hymnus an den Sonnengott.

Grab des Ahmose, Sohn der Abana (Grab Nr. 5): Der Inhaber dieses Grabes war ein hoher Offizier. Er diente unter den ersten Königen der 18. Dynastie (um 1500 v. Chr.). Seine lange biographische Inschrift ist berühmt und ein wichtiges historisches Dokument. Berichtet wird unter anderem von den Befreiungskriegen gegen die Hyksos bis zu den Eroberungen in Palästina und Syrien sowie in Nubien. Ahmose wurde wegen seiner Kriegseinsätze vom König hoch belohnt.

Grab des Reneni (Grab Nr. 7): Reneni (Kurzform: Reni) war Stadtvorsteher und Provinzgouverneur unter dem Pharao Amenophis I. (frühe 18. Dynastie). Die Darstellungen zeigen landwirtschaftliche Szenen und Totenfestszenen.

Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung von Elkab

In der Wüste östlich des Ortes, jenseits der Straße, einige Hundert Meter tief im Wadi Hilal (Wadi Hellal), steht ein Terrassen- bzw. Felstempel aus der ptolemäischen Zeit (von Ptolemäus VIII. Euergetes II. und Ptolemäus IX. Soter II.). Hier wurde die Löwengöttin Schesmetet verehrt. Das Sanktuarium des Tempels ist in den anstehenden Felsen hinein gearbeitet worden.

Etwa siebzig Meter weiter südöstlich befindet sich ein kleines Kapelleheiligtum aus der 20. Dynastie. Es wurde von dem Vizekönig von Kusch, Setau, errichtet, der in Elkab auch sein Grab hat (s.o.). Setau diente unter Ramses II. Die Kapelle war den Gottheiten Re-Harachte, Hathor, Amun, Thot und Nechbet geweiht. Die Einheimischen nennen diese Anlage „el-Hamman“ („das Bad“).

Geht man weiter ins Wadi hinein, passiert man nach einiger Zeit einen sehr markanten Felsen, der aus dem Sand herausragt und den Namen Geierfelsen trägt, in Anlehnung an die Geiergöttin Nechbet. Der Felsen ist übersät mit Felsinschriften sowie historischen und prähistorischen Graffitis. Gut drei Kilometer weiter dahinter (und insgesamt rund fünf Kilometer von der Straße entfernt) steht ein weiteres kleines Heiligtum für Nechbet als Löwin und für die Göttin Hathor, gebaut unter Thutmosis IV. und Amenophis III. Das kleine Heiligtum sieht aus wie ein monolither Kasten, der mit einer niedrigen Mauer umgeben ist. Von den äußeren Säulen stehen nur noch die unteren Blöcke. Im Innern sieht man Säulen mit Hathor-Kapitellen und Reliefdarstellungen an den Wänden.

Auf der anderen Seite des Nils liegt die wichtige Schwesterstadt von Elkab (Necheb) namens Kom el-Ahmar (Nechen, Hierakompolis).Auswahl weiterführender Literatur:
  • Arnold, Dieter, Lexikon der ägyptischen Baukunst, München und Zürich 1994.
  • Arnold, Dieter, Die Tempel Ägyptens, München und Zürich 1992.
  • Depuydt, F. u. S. Hendricks u. D. Huyge, Topographie d’Elkab, (2 Bände), Brüssel 1989.
  • Helck, Wolfgang, „Ahmose Pennechbet“ und „Ahmose, Sohn der Ibana“, in: Lexikon der Ägyptologie, Band I, Wiesbaden 1975, Sp. 110-111.
  • Meulenaere, Herman J. de, „Elkab“, in: Lexikon der Ägyptologie, Band I, Wiesbaden 1975, Sp. 1225-1227.
  • Schmitz, Bettina, „Setau“, in: Lexikon der Ägyptologie, Band V, Wiesbaden 1984, Sp. 907-908.
  • Vandersleyen, Claude, „Paheri“, in: Lexikon der Ägyptologie, Band IV, Wiesbaden 1982, Sp. 641-642.
  • Wilkinson, Richard H., The Complete Temples of Ancient Egypt, London 2000.
Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg