El-Alamein ist ein ägyptischer Küstenort am Mittelmeer

El-Alamein (al-Alamein) ist ein kleiner ägyptischer Küstenort am Mittelmeer mit rund siebentausend Einwohnern. Er liegt etwas mehr als hundert Kilometer westlich der Hafenstadt Alexandria. In den letzten Jahren wurde in der Nähe ein moderner Badeort für den Tourismus geschaffen, Marina el-Alamein oder Porto Marina genannt, mit Badestränden, Yachthafen, Hotelanlagen, Golfplatz und Sportanlagen. Auch gibt es dort antike Ruinen. Die meisten Gäste sind wohlhabende Ägypter, die aus Alexandria oder Kairo kommen. Es gibt weniger internationales Publikum als an den Retortenstädten des Roten Meeres. Mit seinen schönen weißen Sandstränden und dem türkisfarbenen Meer ist die Region um el-Alamein ideal für den Badeurlaub. Allerdings gibt es hier keine tropischen Korallenriffe mit bunter Unterwasserwelt, die man vom Roten Meer her kennt. Hotel- und Ferienanlagen außerhalb der Stadt von el-Alamein haben eigene Privatstrände. Rund zwanzig Kilometer westlich von el-Alamein liegt der kleine Küstenort Sidi Abd el-Rahman (Sidi Abdel Rahman, Sidi Abd ar-Rahman), der ebenfalls wegen der weißen Sandstrände und Dünen touristisch als Badeort besucht wird.

In der Umgebung von el-Alamein befinden sich mehrere Gedenkstätten in Erinnerung an die Gefallenen in den Schlachten des Zweiten Weltkrieges (s. u.). Wer von Alexandria kommt, kann über die Küstenstraße weiter ins ca. 170 Kilometer entfernte Marsah Matruh fahren. Überhaupt gibt es für Urlaubsgäste, die ihren Aufenthalt als Badeurlaub gebucht haben, die Möglichkeit, Ausflüge nach Alexandria, Abu Mena, Wadi Natrun und nach Siwa zu unternehmen. Auch als Ausgangsbasis für Fahrten durch die libysche Wüste eignet sich el-Alamein.

Geschichte der Region von el-Alamein

Die Küstenregion westlich des Nil-Deltas war schon vor rund fünftausend Jahren von libyschen Stämmen bewohnt, mit denen die alten Ägypter regen Kontakt hatten. Oft war dieser Kontakt kriegerischer Art. Schon in der frühdynastischen Zeit und während des Alten Reiches, also im 3. Jahrtausend v. Chr., unternahmen die Pharaonen Kriegsauszüge ins Libyerland. Dabei wurden oft enorme Mengen an Rindern und Kleinvieh erbeutet, von denen die libyschen Nomaden lebten. Das Kern- und Hinterland dieser libyschen Stämme war die Cyrenaika mit ihren grünen und damals zum Teil bewaldeten Berghängen. Doch an der ganzen Küste zogen die Nomadenstämme mit ihren Viehherden entlang ihrer alljährlichen Wanderrouten, um ihre Rinder, Ziegen und Schafe auf der saisonal ergrünten Wüstensteppe weiden zu lassen. Manchmal, so am Ende des Neuen Reiches, drangen die libyschen Nomadenstämme bis ins ägyptische Kernland, ins Niltal und Delta vor und verwüsteten dort mit ihren Viehherden das Ackerland. Die Libyer waren gefürchtete Krieger und oft als Söldner im ägyptischen Heer eingesetzt. Zu Beginn des Ersten Jahrtausend v. Chr. konnten sich libysche Militärs zu höchsten ägyptischen Ämtern aufschwingen, General oder Hohepriester werden und schließlich sogar den Pharao stellen.

In den 1980er Jahren wurden bei Bauarbeiten in Marina el-Alemain Überreste einer antiken Stadtsiedlung aus der griechisch-römischen Zeit gefunden und ausgegraben. Es handelt wohl sich um Ruinen des antiken Leukaspis oder Antiphrae. Dies war eine hellenistische Hafen- und Handelsstadt, die vom Seehandel zwischen Libyen, Ägypten und Griechenland profitierte. Vermutlich wurde die Stadt im Jahre 365 n. Chr. durch einen Tsunami zerstört, der durch ein Seebeben bei Kreta ausgelöst wurde.

Welthistorische Bedeutung hat die Gegend von el-Alamein wegen der militärischen Schlachten, die hier während es Zweiten Weltkrieges ausgetragen wurden. Libyen war italienische Kolonie. Und der italienische Duce Benito Mussolini träumte von der Wiederherstellung eines Römischen Reiches im Mittelmeerraum. Doch im Kampf gegen die westlich Alliierten in Nordafrika bedurfte Italien deutscher Hilfe, die in Form des deutschen Afrikakorps kam. Der Kriegschauplatz dehnte sich von Tunesien bis an die ägyptische Mittelmeerküste aus. Im Juli 1942 stießen die italienischen Truppen und jene des deutschen Afrikakorps unter Generalfeldmarschall Erwin Rommel – der später wegen seiner taktischen Manöver „Wüstenfuchs“ genannt wurde – auf die in Ägypten stationierte 8. Britische Armee. Die Schlacht endete unentschieden. Allerdings konnte das Afrikakorps in seinem Marsch auf Ägypten gestoppt werden. Großbritannien fürchtete, dass die deutschen Truppen Ägypten einnehmen könnten und dann nach Palästina weitermarschieren und den Suez -Kanal unter Korntrolle bringen könnten. Sogar ein deutsch-arabisches Bündnis wurde befürchtet und ein Vormarsch in Richtung Britisch-Indien. Daher wurden große Anstrengungen unternommen, den deutschen Vormarsch in Nordafrika aufzuhalten. Militärisch und historisch noch bedeutender war die zweite große Schlacht an jenem Ort im Oktober und November 1942. Rund 220.000 Soldaten auf alliierter und 185.000 Soldaten auf deutsch-italienischer Seite standen sich bei dieser blutigen und verlustreichen Entscheidungsschlacht gegenüber. Am Ende wurden die deutschen und italienischen Truppen endgültig geschlagen. Zur britischen Armee gehörten Einheiten aus dem Commonwealth: aus Kanada, Südafrika, Neuseeland und Australien. Auch freifranzösische Einheiten und freie griechische Truppen waren beteiligt. Der britische General Bernard Montgomery ließ seine Schlachtvorbereitung bis ins letzte Detail planen und täuschte mit Fahrzeugattrappen falsche Stellungen und Manöver vor, um die deutsche Luftaufklärung in die Irre zu führen. Die westlichen Alliierten waren an Truppenstärke den italienisch-deutschen Truppen überlegen. Auch verfügten sie über bessere Versorgungs- und Nachschubmöglichkeiten aus Ägypten, während das Afrikakorps Nachschubprobleme hatte. Die Truppen waren immer nur insoweit beweglich, wie sie ausreichend Benzin, Wasser und Munition zur Verfügung hatten. Schließlich war, dank ausgefeilter Strategie, noch der Überraschungseffekt auf ihrer Seite. Ähnlich wie die Schlacht von Stalingrad an der europäischen Ostfront der Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs war, so war die zweite Schlacht von el-Alamein der Wendepunkt im nordafrikanischen Kriegsgeschehen. Nach dieser Schlacht befanden sich die Achsenmächte Deutschland und Italien permanent auf dem Rückzug, währen die Alliierten mit wenig Behinderung vorrücken konnten.

Gedenkstätten des Zweiten Weltkrieges

Die Gedenkstätten des Zweiten Weltkrieges in der Umgebung von el-Alamein sind zur Erinnerung an jene Zehntausende von Soldaten errichtet worden, die hier im Zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren. Die Stätten sind wichtige Erinnerungsorte für Veteranen, um ihrer gefallenen Kameraden, und Angehörige, um ihre verstorbenen Familienmitglieder zu gedenken. Doch die bedrückende und zutiefst mahnende Wirkung lässt auch normale Touristen nicht ungerührt.

Direkt bei el-Alamein steht auf einer Anhöhe (Tel el-Eisa, Tell el-Eyssa) das deutsche Ehrenmal bzw. Kriegsdenkmal, das vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge errichtet und 1959 eingeweiht wurde. Es handelt sich um ein kastellartiges, oktogonales Gebäude, in dem die Gebeine von rund viertausend gefallenen Deutschen aufbewahrt werden. Zu sehen sind auch einzelne Steinsarkophage und Gedenktafeln sowie im Innenhof ein schwarzer Obelisk zu Ehren des unbekannten Soldaten – ein Symbol für den anonymen Tod vieler Soldaten im Kriege. Die Architektur des Ehrenmals orientiert sich an der berühmten mittelalterlichen Burg Castel del Monte, die der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II. in Ampulien / Italien errichtet hatte. Drei Kilometer westlich der deutschen Gedenkstätte befindet sich die italienische Gedenkstätte mit einem turmartigen Mausoleum aus weißem Marmor. Unweit davon ist auch eine Gedenkstätte zu Ehren der libyschen Soldaten errichtet worden, die hier kämpften und starben.

Rund zehn Kilometer östlich des deutschen Ehrenmals von el-Alamein liegt der große britische Soldatenfriedhof (Commonwealth War Cemetery), mit mehr als siebentausend Gräbern und einem großen Steinkreuz. Hier werden Gefallene aus dem ganzen Empire und Commonwealth geehrt, die für Großbritannien an der Schlacht teilnahmen. Ganz in der Nähe des Commonwealth War Cemetery befinden sich noch die Ehrenmäler für die Gefallenen aus Australien und Südafrika. Für die Besucher sehr aufschlussreich ist das große Kriegsmuseum mit allerlei ausgestellten Waffen, Panzern, Fahrzeugen, Geschützen, Fotos, Karten und historischen Dokumenten zum Kriegsgeschehen. Es gibt einen Einblick in das Leben an der nordafrikanischen Front und in das komplexe Kriegsgeschehen.

Etwas weiter östlich steht das griechische Ehrenmal. Seine Architektur ahmt einen antiken Tempel nach. Griechenland war im Zweiten Weltkrieg von deutschen Truppen besetzt worden, doch freigriechische Truppen kämpften auf der Seite der Alliierten gegen Nazi-Deutschland außerhalb Griechenlands. Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg