Deir el-Bersche Sehenswürdigkeit in Ägypten

Gegenüber der modernen mittelägyptischen Stadt Mallawi (Mellawi, Mellaui) und den antiken Stätten von Hermopolis Magna und Tuna el-Gebel (Tuna el-Djebel), auf dem Ostufer des Nils, auf halber Strecke zwischen Beni Hassan und Tell el-Amarna , befinden sich die Gräber von Deir el-Bersche . Sie waren vor fast viertausend Jahren in die Felshänge des dortigen Wadi Deir en-Nachleh geschlagen worden. Es handelt sich hierbei um Grabanlagen hoher Amts- und Würdenträger aus dem Mittleren Reich. Sie waren Gaufürsten bzw. Gouverneure des 15. oberägyptischen Gaus, des sogenannten Hasengaus. Oft hatten diese Gaugouverneure auch das Amt des Hohenpriesters des Gottes Thot in Hermopolis inne. Hinsichtlich des Stils und der Architektur sind die Gräber mit jenen aus der Nachbarprovinz in Beni Hassan vergleichbar. Das ist auch nicht verwunderlich, stammen sie doch aus derselben Zeit. Ebenfalls in diese Gruppe der Provinzgräber von Gaufürsten und hohen Gouverneuren fallen die zeitgleichen Nekropolen in Assuan ( Qubbet el-Hawa ) und Meir. Besonders hervorzuheben sind die Gräber des Djehutihotep (bzw. Thothotep) und Djehutinacht (bzw. Thotnacht), die beide aus der Zeit der 12. Dynastie stammen. Leider wurden viele Gräber in späteren Zeiten als Steinbrüche missbraucht und sind deshalb stark zerstört. Besichtigt werden kann in der Regel nur das Grab des Djehutihotep (Grab Nr. 2). Djehutihotep lebte im 19. Jahrhundert v. Chr., in der Zeit, als die Könige Sesostris I., Amenemhet II. und Sesostris II. regierten. Eindrucksvoll sind die Grabdekorationen und Wandmalereien in seinem Grab. Ein besonders hervorzuhebendes Detail ist die berühmte Darstellung eines außergewöhnlichen Statuentransports: Die Wandbilder und Hieroglyphentexte beschreiben die Herstellung und den Transport einer sechs Meter hohen Monumentalstatue. Die Beischriften erwähnen, dass es sich um eine königliche Kolossalstatue gehandelt haben soll. Sie wurde auf einem gigantischen Schlitten transportiert, der von vier Arbeiterkolonnen zu je 43 Mann gezogen wurde. Aus diesem Grab ist ein besonders schönes Kalksteinfragment mit Wandmalereien, die die Töchter des Djehutihotep (Thothotep) darstellen, im Museum von Kairo ausgestellt (Erdgeschoss, Saal 22, Katalognummer JE 30199).Auswahl weiterführender Literatur
  • Junge, Friedrich, „El-Berscheh“, in: Lexikon der Ägyptologie, Band I, Wiesbaden 1973, Sp. 711-715.
  • Newberry, Percy E., El Bersheh, Band I - II, (Egypt Exploration Fund: Archaeological Survey of Egypt) London 1892 – 1894.
Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg