Beschneidung Islam in Ägypten Religion Ägyptenreiseführer

In Ägypten werden fast alle Männer und die Mehrzahl der Frauen beschnitten. Bei den Männern kann die Beschneidung (Zirkumzision, d.h. Abtrennung oder Kürzung der Vorhaut) ganz klar mit den Vorschriften des Islams begründet werden, da der Islam diesbezüglich in der Tradition Abrahams steht. Allerdings war schon in pharaonischer Zeit die männliche Beschneidung üblich, wie Reliefs aus dem Alten Reich bezeugen.Die Mädchenbeschneidung (d.h. Beschneidung der Klitoris und ggf. der Schamlippen) kann allerdings nicht explizit auf den Islam zurückgeführt werden. Es gibt hierzu einen breiten, gesellschaftlichen Dissens. Während die Anhänger der Beschneidungsrituale auf das hohe Alter der Tradition verweisen, argumentieren die Gegner der Mädchenbeschneidung damit, dass nirgendwo im Koran oder in den sonstigen Schriften des Islams eine solche Prozedur verlangt wird und es sich somit um eine heidnische Tradition handeln muss. Tatsächlich werden die Mädchen in vielen anderen islamischen Ländern wie Saudi-Arabien und dem Iran nicht beschnitten. Im Gegensatz dazu die männliche Zirkumzision: In fast allen islamischen Ländern ist die Mehrheit der Männer beschnitten. Dagegen ist die Mädchenbeschneidung ganz besonders stark auf bestimmte Länder und Regionen beschränkt: Sie ist in Ägypten, im Sudan, in Äthiopien, in Somalia, in Dschibuti, in Eritrea und zum Teil in Kenia verbreitet sowie in vielen Ländern der Sahelzone und Westafrikas. Gegner der Beschneidung sprechen von Genitalverstümmelung, da oftmals nicht nur eine Beeinträchtigung der Sexualität eintritt, sondern auch schwere, gesundheitliche Schäden verursacht werden können. Nicht selten verbluten Mädchen bei der Prozedur. In den Großstädten und in der bürgerlichen Mittelschicht Ägyptens ist der Anteil der beschnittenen Frauen und Mädchen geringer als auf dem Lande. In den Dörfern Oberägyptens sind zum Teil mehr als 90 Prozent der Frauen beschnitten. Die islamischen Rechtsgelehrten hatten sich in diesem Punkte lange Zeit neutral verhalten – es sei Aufgabe der Gesellschaft und Familie zu bestimmen, ob man dieser Tradition anhängen möchte oder nicht, da im Koran keine Aussagen dazu gemacht werden. Doch seit einigen Jahren sprechen sich auch die islamischen Rechtsgelehrten zunehmend gegen die Mädchenbeschneidung aus. In den letzten Jahrzehnten hat die Regierung vermehrt Versuche und Kampagnen gestartet, um die Bevölkerung zur Abkehr von der Beschneidung zu bewegen. Doch hat man noch kein striktes Verbot eingeführt. Auch koptische Kirchenvertreter haben sich gegen die Mädchenbeschneidung ausgesprochen.