Basarviertel in Kairo und Khan el Khalili Basar

Unter den Reisegästen sind Basare beliebte Ausflugsziele für den Einkaufsbummel. Man genießt orientalisches Flair und kauft Souvenirs. Daher gibt es in allen Städten mit starker touristischer Bedeutung auch Basare. Doch die Souvenir-Basare in den Touristenzentren am Roten Meer haben mit den historischen Vorbildern der Altstadt-Basare nichts gemein. Wer die größten, originellsten und historisch bedeutendsten Basare sehen möchte, muss sich nach Kairo begeben.

Basare (Bazare) bzw. Souks (Suks, Suqs) gibt es viele in Kairo. Der Name Basar (Bazar) ist persischen Ursprungs, Souk (Suk, Suq) arabischen Ursprungs. Beide Begriffe meinen im Prinzip dasselbe: eine bestimmte Form des Handelsplatzes und Marktes. Diese Handelszentren befinden sich hauptsächlich in den Altstädten, in den Medinas. In unmittelbarer Nachbarschaft wichtiger Moscheen, Madrasen (Koran-Schulen), Karawansereien und im Zentrum der Stadt gelegen, waren die Basare lange Zeit die entscheidenden Handels- und Wirtschaftszentren des Landes. Hier wurden Produkte aus aller Welt gehandelt, auch Importe aus fernen Ländern. In den Basaren konzentrierte sich das spezialisierte Handwerk (und Kunsthandwerk), und nur hier konnte man Luxusgüter wie Edelmetalle oder Gewürze kaufen. Basare als Standortfaktor für Handelsstädte und die Bedeutung der Karawanserei

Die Basare bzw. Souks waren die entscheidenden Standortfaktoren für das Blühen und Gedeihen der großen Städte im Vorderen Orient. Daher wuchsen die wichtigen Städte hauptsächlich an den Kreuzpunkten der bedeutenden Karawanen- und Handelsrouten. Und deshalb lag der Wirtschaftsbereich der Basare im Zentrum der Stadt, denn die Stadt wuchs um den Handelsplatz herum. Der Handel brachte den Kaufleuten Wohlstand und den Herrschenden zusätzliche Steuereinnahmen.

Hierbei darf man nicht vergessen, dass Ägypten über Jahrtausende eigentlich eine Agrargesellschaft war. Die Bauern (Fellachen) lebten in kleinen Dörfern am Rande des Fruchtlandes. Doch nur dort, wo auch ein Handelsknotenpunkt war, an dem sich ein Basar / Souk entwickelte, bestand die Chance, dass ein Dorf zu einer Stadt heranwachsen konnte. Die Lage Kairos war prädestiniert für diese Entwicklung. Hier treffen Ober- und Unterägypten aufeinander, hier kreuzten sich die Handelsrouten aus Afrika und Asien.

Die Basare, Märkte und Handelsplätze zogen Händler und Kaufleute aus verschiedenen Ländern an, so dass sich die Zusammensetzung Bevölkerung der Handelsstädte erheblich von der Bevölkerung der umliegenden ländlichen Gebiete unterschied. Das Leben in der Stadt war kosmopolitisch und multikulturell. In den Basaren wurden nicht nur Waren, sondern auch Ideen und Informationen ausgetauscht. Die meisten Basare bestehen aus einem Gewirr enger Gassen, die manchmal zum Schutz vor der Mittagshitze überdacht sind. Bestimmte Branchen konzentrieren sich an bestimmten Straßen. Konkurrenz belebt das Geschäft – mag man denken. Doch hatte dies eher infrastrukturelle Gründe. Handwerker oder Händler derselben Branche haben identische Ressourcenbedürfnisse. Kurze Wege zu den Warendepots und Karawansereien sowie gegenseitige Überwachung und Kooperation haben dazu geführt. (Man kennt ein ähnliches Phänomen von den mittelalterlichen Städten Europas, wo sich bestimmte Zünfte an speziellen Straßen konzentrierten). Die Karawansereien, um die sich die Basare entwickelten, waren weit mehr als nur Herberge für reisende Händler und Kaufleute. Zu einer Karawanserei (auch „Funduk“ / „Funduq“ genannt – wie das moderne ägyptische Wort für Hotel; oder „Khan“ / „Chan“ oder „Wakala“) gehörten auch riesige Lagerräume für die Waren, welche die Kaufleute und Händler mitbrachten. Daher mussten alle Basare in unmittelbarer Nähe der Karawansereien liegen, um die Warenangebote der Geschäfte und Stände schnell auffüllen zu können.

Die Infrastruktur einer orientalischen Medina war durch die unmittelbare Nachbarschaft der Basare, Handwerksstätten und Manufakturen, Karawansereien (Wakalas) und Warendepots, Herbergen (Funduks), Moscheen in Kombination mit Madrasen (Koranschulen), Sabil-Kuttabs (Trinkwasserzisterne im Untergeschoss und Schulräume im Obergeschoss) und Mausoleen, alles stets unter Bewachung der Türme des Herrscherpalastes und geschützt von den Bollwerken der Stadtbefestigung, optimiert für Handel, Ideenaustausch und Machtkonzentration. Und die Kairoer Medinas von al-Qahira und al-Fustat gehörten lange Zeit zu den bedeutendsten der islamischen Welt.

Heute ist die wirtschaftliche Bedeutung der Basare gering. Die Hochhäuser der Banken und multinationalen Konzerne in den modernen Vierteln am Nil, insbesondere im Stadtteil Bulaq, sind die aktuellen Zentren der globalisierten Wirtschaft. Für bestimmte Produkte jedoch, wie z.B. Gewürze und Kunsthandwerk, haben die Basare ihre wirtschaftliche Bedeutung behaupten können. Schließlich ist es zudem der Tourismus, der viele Basare in Ägypten am Leben erhält. Daher orientiert sich das Produktangebot zunehmend an den Bedürfnissen der Reisegäste. Ganze Handwerksbranchen haben sich auf die Herstellung von Souvenirs spezialisiert. weiter zum Khan el-Khalili Basar in KairoAutor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg