Lord Kitchener Insel

Palmen auf der Kitchener-Insel (Foto: M. Hüneburg 1989)
Eine grüne Insel im Nil: Die Kitchener-Insel von Assuan ist eine botanische Oase. Sie wird von Touristen und Einheimischen gleichermaßen als Ort der Erholung geschätzt. Hier kann man ideal der Mittagssonne entfliehen und im Schatten der Palmen und exotischen Bäume ruhen.
 
Zu den vielen sehenswerten Inseln im Nil bei Assuan gehört auch die „Kitchener-Insel“ („Lord Kitchener’s Island“). Namensgeber war der britische Sir Horatio Herbert Kitchener (1850 bis 1916). Er war als Feldmarshall nach Ägypten gesandt worden, um die ägyptische Armee umzustrukturieren und den Aufstand des berüchtigten Mahdi im Sudan niederzuschlagen. Nach seinen Siegen wurde er später als „Earl Kitchener of Khartoum“ Generalgouverneur des anglo-ägyptischen Sudan. Die Insel, die er mit allerlei exotischen Blumen und Bäumen bepflanzen ließ, wurde ihm 1899 als Dank für seine militärischen Leistungen überlassen und blieb bis zu seinem Tode (1916 während des ersten Weltkrieges) in seinem Besitz.

Wegen der kolonialen Vergangenheit, die mit dem Namen Herbert Kitcheners verbunden ist, bevorzugen die Ägypter heute den Namen „Geziret en-Nabatat“ (arabisch für „Pflanzeninsel“). Heute ist die Insel ein öffentlich zugänglicher botanischer Garten und kann von Assuan und von der Insel Elephantine aus mit einer Feluke besucht werden. Archäologische Denkmäler gibt es dort nicht. Das Ufer ist mit Steinen gepflastert und wirkt nicht sehr natürlich. Auch die Pflanzenwelt auf der Insel ist alles andere als heimisch. Nichtsdestotrotz ist es ein beliebter Aufenthaltsort für Ägypter und Touristen. Im Schatten der grünen Pflanzen lässt sich die Hitze der Mittagszeit besonders gut ertragen.

Die Bäume und Blumen stammen aus verschiedenen Regionen Afrikas und Asiens. Schon als junger Offizier nahm Kitchener an geographisch-topographischen Vermessungsexpeditionen nach Palästina und Zypern teil, wo er auch die örtliche Flora und Fauna dokumentierte und eine botanische Sammlerleidenschaft entwickelte. Auch von seinen Expeditionen in den Sudan, von seinem Aufenthalt in Indien, wo er zeitweise Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte war, und von zahlreichen Reisen nach Fernost brachte er Pflanzen mit.

Autor dieses Artikels:

Mirco Hüneburg