Mausoleum Aga Khan

Oberhalb des Flusstales, auf einem Hügel am östlichen Nilufer, steht weithin sichtbar das Mausoleum des Aga Khan III., dem religösen Oberhaupt einer ismaelitischen Religionsgemeinschaft. Wegen der schönen Aussicht von dort ist das Mausoleum ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen.
 
Sir Sultan Mohammed Schah (1877 bis 1957) alias Aga Khan III. war ein religiöser Führer der Ismaeliten-Sekte der Hodschas (Khojas, auch Nizaris genannt). Er war in Erbfolge seines Vaters deren 48. Imam. Die Ismaeliten sind eine islamisch-schiitische Glaubensgemeinschaft mit mehreren Millionen Anhängern im Nahen und Mittleren Osten und Indien. Der Titel bzw. Ehrenname „Aga Khan“ war Anfang des 19. Jahrhunderts vom persischen Schah dem damaligen Oberhaupt der Ismaeliten, Hassan Ali Schah, verliehen worden. Seitdem wurde der Ehrenname weitervererbt.
Mausoleum des Aga Khan und Villa Nur es-Salam (Foto: M. Hüneburg)

Als Sohn Aga Khans II. und einer persischen Adeligen in Karatschi (damals Britisch-Indien, heute Pakistan) geboren, war Aga Khan III. früh auf religiöse und politische Funktionen vorbereitet worden. Zum Schulbesuch wurde er ans englische Elite-College Eton gesandt, zum Studium nach Cambridge. Tatsächlich war er später auch in weltlichen Funktionen politisch und repräsentativ aktiv, so auch als durch Queen Victoria ernannter „Knight Commander of the Indian Empire“ der britischen Kolonialmacht in Indien, aber auch als Präsident einer indisch-muslimischen Partei. Auf dem Höhepunkt seiner politischen Karriere war er sogar zum Präsident des Völkerbundes (Leage of Nations) gewählt worden, der Vorgängerorganisation der UNO. Von 1937 bis 1938 behielt er dieses repräsentative Amt (die höchste administrative Funktion des Völkerbundes allerdings hatte der Generalsekretär inne, nicht der Präsident).

Er gehörte zum damaligen Jet Set, zur feinen Gesellschaft der hohen Adelshäuser jener Zeit, und verkehrte mit den Staatsoberhäuptern, Königshäusern und gesellschaftlichen Eliten Europas. Er war mehrfach verheiratet und hatte weltweit Domizile, lebte jedoch hauptsächlich in Großbritannien und Indien, wo er auch einen eigenen Palast hatte.

Im hohen Alter litt er an Rheuma, weshalb er in den Wintermonaten in Assuan lebte. Dort genoss er Linderung in dem trockenen Klima . Sein Anwesen, die Villa Nur es-Salam, liegt noch heute am westlichen Nilufer gegenüber der Insel Elephantine . Seine Witwe, die Frau aus letzter Ehe, eine gebürtige Französin und Miss Frankreich von 1930, ließ für ihn ein prunkvolles Mausoleum oberhalb der Villa auf einem Hügel errichten. Von dort hat man einen ähnlich schönen Ausblick auf die Flusslandschaft von Assuan wie von der Qubbet el-Hawa . Jahrelang war das Mausoleum ein beliebtes Touristenziel, ist aber heute für die Öffentlichkeit geschlossen. Der Ort als Aussichtsunkt bleibt jedoch weiterhin Anziehungsmagnet für viele Reisende.

Auswahl weiterführender Literatur:

  • Siliotti, Alberto, Aswan (Egypt Pocket Guides), Kairo 2001.
  • Wagenseil, Hans Beppo (Hrsg. und Übersetzer), Die Memoiren des Aga Khan, Wien 1954.

Autor dieses Artikels:

Mirco Hüneburg
 
 
Auf dem Grabungsgelände von Elephantine (Foto: M. Hüneburg)
Blick von der Aussichtsplattform nach Süden (Foto: M. Hüneburg)