Armant (Erment)

Etwa 20 Kilometer südlich von West-Theben, ebenfalls auf der Westseite des Nils gelegen, befinden sich die Überreste der antiken Stadt Hermonthis, heute nach dem dortigen Dorf Armant (bzw. Erment) genannt. Der antike Name geht auf das altägyptische „Iunu Monthu“ (jwnw mntw) zurück, was soviel wie „On des Month“ bedeutet. Jwnw bzw. Iunu (biblisch: On) war eine Bezeichnung für Heliopolis. Das „Heliopolis des Month“ bezieht sich auf die Tatsache, dass Month hier in seiner Verbindung mit Re zu Month-Re verehrt wurde.

Archäologische Befunde belegen eine frühe Besiedlung bereits in der Prä- und Frühdynastischen Zeit. Seine Blütezeit hatte der Ort im Neuen Reich und dann nochmals in der ptolemäischen Zeit. (In der Dritten Zwischenzeit war der Ort unbedeutend.) Aus diesen Epochen stammen die meisten Ruinen. Aus der 18. Dynastie stammt der Tempel des Month-Re. Thutmosis III. ließ einen großen 47 Meter breiten Pylon errichten, dessen Reste ausgegraben wurden. Dies sind zugleich die einzigen Überreste aus dem Neuen Reich. Ältere Bauteile des Tempels gehen allerdings schon auf das Mittlere Reich zurück.

Auch von einem jüngeren Tempelbau, der in der Spätzeit begonnen, unter Ptolemäus XI. Alexander umgebaut und unter der Königin Kleopatra VII. und während der Römerherrschaft dekoriert wurde, ist nur wenig erhalten, denn die Ruinen wurden im 19. Jahrhundert als Steinbruch genutzt, um neue Bauten, Wohn- und Wirtschaftshäuser, zu errichten, darunter so etwas Profanes wie eine Zuckerfabrik, die 1861-62 gebaut wurde.

Aufgrund der systematischen Zerstörungen sind die Überreste, die man noch sehen kann, nicht sehr spektakulär. Dennoch gibt es genug interessante Fundamentreste, Grundrisse, Steine und Baublöcke mit Inschriften und Reliefs zu besichtigen. Besonders die Reliefdarstellungen und Texte an den Ruinen des Month-Re-Tempels, die von den Nubien-Expeditionen von Thutmosis III. berichten, sind interessant. Dort wird unter anderem von einer Nashornjagd in der afrikanischen Savanne erzählt. Auswahl weiterführender Literatur:
  • Eggebrecht, Arne, „Armant“, in: Lexikon der Ägyptologie, Band I, Wiesbaden 1975, Sp. 435-441.
Autor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg