Antoniuskloster (St. Antonius-Kloster)

Das Kloster des Heiligen Antonius (St. Antonius-Kloster / Deir el-Qaddis Antwân / Der Amba Intaniôs) ist ein koptisch-orthodoxes Kloster in den Felsgebirgszügen der östlichen Wüste unweit der Küste des Roten Meeres. Es liegt ca. 150 südöstlich von Kairo und etwas weniger als 100 km südlich von Suez am Fuß des 1464 m hohen Galala-Felsplateaus im Wadi Araba.

Das Antoniuskloster ist das älteste und größte koptische Kloster in Ägypten. Sein Name geht auf den Heiligen Antonius (251-356) zurück, der hier als asketischer Einsiedler in der Wüste hauste und später eine Mönchsgemeinschaft von Eremiten begründete. Zusammen mit dem Heiligen Pachom gilt Antonius als einer der Urväter des christlichen Mönchtums. Im Kloster werden Reliquien aufbewahrt, die nach der Überlieferung ihm zuzuordnen sind. Nur 300 m oberhalb des Klosters befindet sich eine Felsgrotte, in der Antonius gelebt haben soll.

Vermutlich wurde das Kloster bereits kurz nach dem Tode des Antonius (356) von seinen Jüngern und Anhängern an seiner Grabstätte begründet. Von dieser Gründungszeit ist baulich wenig Sichtbares erhalten. Eine Quelle inmitten des Klosterbereichs ermöglichte landwirtschaftlichen Anbau und die Ansiedlung mehrer Menschen. Durch geschickte und sparsame Wassernutzung konnte effektive Oasenwirtschaft betrieben werden. Im 6. und 7. Jahrhundert schlossen sich koptische Flüchtlinge aus den Klöstern des Wadi Natrun (südwestlich des Deltas) dem Antoniuskloster an. Sie waren in ihren Heimatklöstern heftigen Angriffen der arabischen Beduinen und Berberstämme ausgesetzt und suchten in den Felsenbergen der Ostwüste Schutz. Doch in den späteren Jahrhunderten, insbesondere im 12 Jahrhundert, wurde auch das Antoniuskloster selbst von Beduinenstämmen, die oft über den Sinai kamen, überfallen und geplündert. Nach einer Blütezeit im Hochmittelalter wurde das Kloster im Jahre 1454 erneut von Beduinen überfallen und verwüstet. Dabei wurden auch Teile der Klosterbibliothek zerstört. Als Reaktion auf die Überfälle wurde die ganze Klosteranlage mit schützenden Mauern und Wehranlagen befestigt. Ein viereckiger Wehrturm wurde errichtet und das Kloster restauriert.

Heute leben rund 300 Mönche in den dörflichen Klosteranlagen und Wohnhäusern. Es gibt neben den klösterlichen Gemeinschafträumen zudem zahlreiche Gartenanlagen, Weingärten, Obstbäume, Gemüsebeete, Oliven- und Palmenhaine, eine Mühle, eine Bäckerei und oasenwirtschaftliche Anlagen, die den Mönchen ein autarkes Leben ermöglichen. Außerdem gibt es insgesamt fünf Kirchen innerhalb des Klosters. Die Antoniuskirche, der sakrale Kernbau des Klosters, geht auf das 6. Jahrhundert zurück. Allerdings stammen die meisten Gebäudeteile, inklusive der bedeutenden Freskomalereien, aus dem 10. Jahrhundert.

Innerhalb des Klosters gibt es Gästeräume für männliche Besucher. Zu den aktuellen Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten sollte jeder Reisende bereits vor seinem Besuch die Unterkünfte abklären, da es in der Wüste vor Ort keine nahe gelegenen Ausweichmöglichkeiten gibt.


Die Mönchsgemeinde des Antoniusklosters hat seit kurzer Zeit eine eigene Internetseite: www.stanthonymonastery.orgAutor dieses Artikels:
Mirco Hüneburg