Alexandria - Metropole am Mittelmeer

Geschichte Alexandria s

Alexandria ist Ägyptens zweitgrößte Stadt. Mehr als vier Millionen Menschen leben in dieser wichtigen Hafenmetropole am Mittelmeer. Die Stadt liegt am westlichen Küstenrand des Nildeltas. Benannt ist Alexandria (auf Arabisch al-Iskandariyya bzw. el-Iskandariya) nach ihrem Gründer, Alexander dem Großen. Der makedonische Feldherr kam im Jahre 332 v. Chr. nach Ägypten, nachdem er zuvor durch Kleinasien, Syrien und Palästina marschiert war, um gegen das Perserreich zu kämpfen. Während seiner Feldzüge durch das persische Weltreich, das damals von Libyen und Kleinasien im Westen bis an den Indus im Osten reichte, gründete er viele Städte, die nach ihm benannt wurden. Das ägyptische Alexandria war seine berühmteste Stadtgründung. Fast ein ganzes Jahrtausend – von der Stadtgründung im Winter 332/331 v. Chr. bis zur arabischen Eroberung in den Jahren 639 bis 641 n. Chr. – war Alexandria die Hauptstadt Ägyptens (d.h. zunächst Residenzstadt der Ptolemäer, später Hauptstadt der römischen Provinz Ägypten). Sie wurde nach der arabischen Eroberung von Alt-Kairo (Fustat) und dann Kairo (al-Qahira) abgelöst. Alexandria, die Hafenstadt: Der größte Teil, zwei Drittel bis zu drei Viertel, des Imports und Exports der ägyptischen Wirtschaft wird am Hafen von Alexandria abgewickelt. Damit ist Alexandria die wichtigste Hafenstadt Ägyptens. (Die Tendenz ist allerdings eher fallend, weil die Häfen in Port Said , Damietta und Suez an Bedeutung gewinnen. Port Said und Suez sind zudem von besonderer Bedeutung, weil sie als Zwischenstationen für den Schiffsverkehr durch den Suez-Kanal dienen.) Der Hafen von Alexandria ist durch eine Halbinsel in zwei Hafenbecken geteilt. Im östlichen Hafenbecken (antiker Name: Portus Magnus) legen kleine Schiffe und Boote an. Im westlichen Hafenbecken (antiker Name: Portus Eunostus) liegt der moderne Industriehafen, wo die Waren und Container der großen Frachtschiffe gelöscht werden. Die Tradition Alexandrias als Hafenstadt geht auf ihre Ursprünge zurück. Denn als Hafenstadt war sie angelegt und gegründet worden. Bereits in der Antike war der Hafen von Alexandria der bedeutendste Ägyptens und einer der größten und wichtigsten des ganzen Mittelmeeres. Ungefähr dort, wo heute die Festung Fort Qait Bey liegt, befand sich früher der berühmte Leuchtturm von Pharaos. Pharos war eine dem Hafen vorgelagerte Insel, die per Damm mit dem Festland verbunden war. Früher gab es eine Verbindung vom Mittelmeer über den Mareotis-See (heute: Mariyut-See) zum westlichen Nilarm. Heute besteht eine Verbindung vom Hafen über den zwischen 1817 und 1820 von Mohammed Ali ausgehobenen, rund 80 Kilometer langen, al-Mahmudiya-Kanal zum Rosetta-Nilarm. Alexandria, die internationale Metropole: Bereits in der klassischen Antike war Alexandria eine internationale und multikulturelle Stadt. Hier traf die ägyptische Kultur auf die griechische. Es gab griechische und ägyptische Stadtviertel. Die Aufteilung in eine Ägypterstadt, die den Namen Rhakotis (nach dem altägyptischen Ortsnamen „Ra-Kedet“) trug, und eine Griechenstadt, die den Namen Neapolis bekam, war von Anfang an geplant. Außerdem gab es Viertel für andere Minderheiten wie Juden und Syrer. In eigenen Vierteln wohnten auch die ausländischen Söldner sowie die Kaufleute und Händler, die aus allen Regionen des Mittelmeerraumes kamen. Hier mischten sich unterschiedliche Nationalitäten. Händler und Seefahrer aus den verschiedensten Ländern boten ihre Waren feil. Auch im Mittelalter und in der Neuzeit blieb die Stadt international. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war Alexandria, die „Perle des Mittelmeeres“, eine kosmopolitische Heimat vieler Intellektueller, Dichter, Literaten, Künstler und Weltbürger. Noch heute leben hier viele Libanesen, Griechen, Armenier, Italiener, auch wenn ihre Zahl in den letzten Jahrzehnten gesunken ist. Lange Zeit gab es auch bedeutende jüdische Gemeinden. Im Altertum existierte sogar ein eigenes Judenviertel in der Oststadt. Allerdings gab es auch Judenverfolgungen. Im Jahre 415 n. Chr. ließ der Patriarch Kyrillos das Judenviertel verwüsten. Im Zuge der arabisch-israelischen Kriege und im Umfeld des arabischen Nationalismus der Nasser-Ära haben die meisten Juden das Land verlassen. Der Trend der Ägyptisierung bzw. Nationalisierung des Landes zeigt sich auch in Alexandria. Der Anteil der Bewohner ausländischer Herkunft schrumpft, größtenteils durch Abwanderung, während der Anteil der autochthonen Ägypter wächst, durch Zuwanderung aus den ländlichen Regionen des Deltas und durch die hohe Geburtenrate. Dafür kommen mehr internationale Touristen und Reisegäste aus den reichen Golfstaaten, die insbesondere während der heißen Sommermonate Abkühlung an der Meeresluft suchen. Alexandria, die christliche Metropole: Das Christentum soll bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. vom Evangelisten Sankt Markus nach Alexandria gebracht worden sein. Er gründete 43 n. Chr. in Alexandria die erste christliche Gemeinde und begann mit der Missionierung Ägyptens. In spätrömischer und byzantinischer Zeit wurde Alexandria neben Rom und Byzanz zu einer der wichtigsten Städte des Christentums. Die sogenannte Schule von Alexandria brachte hervorragende Theologen und christliche Philosophen hervor, die maßgeblich den religiösen Diskurs der Spätantike mitbestimmten. Solange die Christen in der Minderheit waren, gab es mehrere Vorfälle massiver Christenverfolgungen in Alexandria. So etwa unter den römischen Kaisern Decius und Valerian. Doch sobald die Christen in der Mehrheit waren und das Christentum Staatsreligion des Oströmischen Reiches geworden war, gab es umgekehrt Heidenverfolgungen durch Christen. Dabei wurden antike Tempel wie das Serapeum zerstört.Abwechselnd sowohl in Alexandria als auch in Kairo residiert der Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhls von St. Markus (zurzeit Shneouda III.). Er ist das Oberhaupt der Koptisch-Orthodoxen Kirche von Alexandria, der mit mehreren Millionen Anhängern größten christlichen Gemeinschaft in Ägypten. Außerdem ist Alexandria Sitz des Patriarchen der Griechisch-Orthodoxen Kirche Afrikas sowie Sitz der Melkitischen Griechisch-Katholischen Kirche der östlichen Levante. Alexandria, die islamische Metropole: Die Mehrheit der heutigen Bewohner Alexandrias sind Muslime, größtenteils Sunniten . Es gibt in der Stadt unzählige Moscheen. Einige davon sind von großer Bedeutung, sei es wegen ihrer räumlichen Kapazität oder wegen ihrer historischen Bedeutung. Im Stadtteil Anschufi, der Halbinsel zwischen Ost- und Westhafen, sind es vor allem die riesige el-Mursi Moschee und die historische Ibrahim-Terbana-Moschee (aus dem 17. Jahrhundert). Am Westhafen steht die Moschee el-Korbagi und ebenfalls erwähnenswert ist die große Moschee Nabi Danyal im Stadtzentrum. Die Bedeutung Alexandrias verlor mit dem Einzug des Islam zugunsten Kairos. War Alexandria das Zentrum des griechisch-römischen und christlichen Ägypten, so wurde Kairo das Zentrum des islamischen Ägypten.Alexandria, die moderne Großstadt: Alexandria ist neben Kairo das größte Handels- und Industriezentrum Ägyptens. Die Textil- und Nahrungsmittelindustrie prägt das Bild. Auch eine große Erdölraffinerie gibt es hier – für die Erdölproduktion des Landes, die natürlich im Vergleich zu jener der Golfstaaten gering ist, aber nicht unbedeutend. In den zentralen Stadtvierteln sieht man zahlreiche repräsentative Bauten – moderne und solche aus dem vorherigen Jahrhundert. Es gibt schöne alte Caféhäuser und Residenzen im Kolonialstil. Als Großstadt mit mehr als vier Millionen Einwohnern hat Alexandria auch mit vielen Problemen zu kämpfen. Dazu gehören die wachsenden Slums in den Vorstadtbereichen, der Zerfall der historischen Bausubstanz, die Landflucht, die viele ehemalige Bauern auf ihrer Suche nach Arbeit in die Stadt treibt, die immens hohe Jugendarbeitslosigkeit, die Verwahrlosung bestimmter Stadtteile, insbesondere dort, wo die Armen und Ärmsten wohnen, die mangelnde Infrastruktur, die mit dem Bevölkerungswachstum nicht Schritt halten kann, das Verkehrschaos und schließlich der Smog durch die Industrie- und Autoabgase. Am schönsten ist die Stadt sicherlich im historischen Zentrum und im Bereich des Osthafens an der Corniche. Wer sich abseits der Touristenwege und Sightseeing-Routen bewegt, wird schnell mit den schmutzigen Seiten der Stadt konfrontiert werden. Dennoch versprüht das Leben in der Stadt einen besonderen Reiz. Während der heißen Sommermonate zieht es viele Ägypter nach Alexandria, um sich an der Meeresbrise zu erfrischen und das pulsierende Stadtleben zu genießen. Es kommen auch viele arabische Urlauber aus den Golfstaaten. Am besten man genießt das Treiben der Stadt bei ausgedehnten Spaziergängen und ruht sich zwischendurch in einem der vielen Cafés aus.

Anfahrt von Kairo:

Wer mit dem Auto oder Taxi von Kairo nach Alexandria fahren will, benutzt am besten die gut ausgebauten Schnellstraßen. Die Schnellstraße Nr. 01 verläuft von Nord-Kairo durch Benha, dann an Tanta vorbei, nach Alexandria. Eine noch direktere Route verläuft über die neue Wüstenschnellstraße, die Alexandria Desert Road oder Schnellstraße Nr. 11, die parallel zum westlichen Deltarand von Kairo durch die Wüste nach Alexandria führt.

Die antiken Wunder von AlexandriaAbgesehen von all den Ruinen und Denkmälern, den archäologischen und historischen Sehenswürdigkeiten, die man als Tourist in Alexandria heute besuchen kann (siehe Teil 2: Sehenswürdigkeiten), darf nicht unerwähnt bleiben, dass die größten und faszinierendsten Bauten des antiken Alexandria heute nicht mehr stehen.Der Leuchtturm von Pharos – Von den sieben antiken Weltwundern standen zwei in Ägypten: die große Cheops -Pyramide in Giza und der Leuchtturm auf der Hafeninsel Pharos in Alexandria. (Doch nur die große Pyramide steht heute noch: Sie ist das einzige erhaltene der sieben Weltwunder). Der Leuchtturm von Pharos steht heute nicht mehr. Er war zwar noch bis in arabische Zeit in Betrieb, wurde aber mehrfach umgebaut. Im Mittelalter (vermutlich um 1326 n. Chr.) stürzte er durch Erdbebenerschütterungen ein. Angeblich soll er rund 110 Meter hoch gewesen sein. Sein Erbauer und Planer war ein Grieche namens Sostratos von Knidos. Bauherren waren die Könige Ptolemäus I. Soter und Ptolemäus II. Philadelphos im frühen 3. Jahrhundert v. Chr. Seine Aufgabe war es, den Schiffen auf dem Mittelmeer den Weg zum Hafen von Alexandria zu weisen. Doch handelte es sich auch um ein teures Prestigeprojekt, um allen kommenden Schiffen zu signalisieren, dass sie am Hafen einer reichen und mächtigen Stadt anlegen. Steinblöcke und Trümmerteile des Turmes wurden im Fort Qait Bay verbaut. Im Hafenbecken des Osthafens haben Taucher und Unterwasserarchäologen weitere Blöcke und Bauelemente des Leuchtturmes ausfindig machen können. Die Insel Pharaos ist heute Bestandteil der Halbinsel des Stadtteils Anfuschi, d.h. das die antike Insel, die früher durch einen Damm mit dem Festland verbunden war, später zu einer Halbinsel geworden ist.Bibliothek und Museion von Alexandria – In Alexandria wurde eine Stätte der Wissenschaft, ein Musentempel der Philosophie und Kunst eingerichtet. Das Museion von Alexandria war eine Art Mischung aus Akademie und Museum, mit einer einzigartigen Bibliothek, in der das Wissen der damaligen Welt archiviert war. Hunderttausende Schriftrollen wurden hier gelagert. Neben der Akademie in Athen gehörte dieses Museion zu den intellektuellen Zentren der Antike. Zahlreiche Philosophen, Mathematiker, Astronomen, Geographen, Dichter und Denker haben hier gewirkt, darunter der Mathematiker Euklid, der Ingenieur Archimedes, der Geograph Erastosthenes und der Philologe Aristophanes, der das erste griechische Wörterbuch verfasste, um nur einige zu nennen. Errichtet und eingeweiht wurde das Museion im 3. Jahrhundert v. Chr.; es war also eine Stiftung der Ptolemäer. Außer der Bibliothek und Akademie gehörten noch ein Zoo und ein botanischer Garten zum Museion. Zwar wurde ein großer Teil der Schriftrollen durch den Brand in der Bibliothek um 48 v. Chr. während der Konflikte zwischen den Römern unter Julis Caesar und den Ptolemäern zerstört. Doch wurden neue Schriftrollenbestände aus anderen Städten gestiftet. Insgesamt blieb Alexandria ein geistiges Zentrum auch im Römischen und Byzantinischen Reich. Sogar römische Kaiser, Hadrian und Mark Aurel, statteten dem Museion einen Besuch ab. Zwar wurden Teile des Museions um 274 n. Chr. unter dem römischen Kaiser Aurelian zerstört. Doch blieb Alexandria auch während der frühen Christianisierung ein Hort der Gelehrsamkeit. Im Jahre 389 n. Chr. wurde das Serapeum (Heiligtum des Serapis) niedergebrannt, in dem ein Teil der alten Bibliothek ausgelagert war. Dies geschah im Kontext gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen Christen und Nichtchristen. Der Bischof Theophilos gab auf Anweisung des Kaisers die Order zur Zerstörung. Leider gibt es zur Bibliothek keine archäologischen Hinterlassenschaften, die sich besichtigen ließen.

Sehenswürdigkeiten von Alexandria

Die meisten Sehenswürdigkeiten von Alexandria befinden sich im historischen Stadtzentrum, zwischen dem Bahnhof im Süden und der Landzunge (Stadtteil Anfuschi) zwischen Ost- und Westhafen im Norden. Wer gut zu Fuß ist und ein bisschen Zeit mitgebracht hat, kann viele Sehenswürdigkeiten der Stadtmitte bei einem Stadtrundgang besichtigen. Corniche von Alexandria: Der beste Ort, um sich nach der Anreise auf die Stadt einzustimmen, ist ein Spaziergang auf der Corniche, der Uferpromenade am östlichen Hafenbecken von Alexandria. Man gelangt zu ihr vom Midan Tharir (Tahrir-Platz mit einer großen Statue von Mohammed Ali, zwischen dem Justizpalast und der anglikanischen St.-Markus-Kirche,), über den Ahmed-Orabi-Platz, vorbei am „Grab des Unbekannten Soldaten“. Auf der Corniche kann man flanieren und die Meeresbrise genießen. Hier gehen auch viele Ägypter spazieren und lassen sich anschließend in den nahen Cafés nieder. Ein Spaziergang auf der Corniche lässt sich wunderbar mit der Besichtigung des Fort Qait Bey verbinden.Antikes Theater von Kom ed-Dik (Kom el-Dik, Kom el-Dikka, Kom ed-Dikka): Das römische Amphitheater aus dem 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. war lange Zeit verschollen, zugedeckt und zuletzt von einem Militärfort überbaut gewesen, bis es in den 1960er Jahren beim Abriss des Forts gefunden und dann von einem polnisch-ägyptischen Archäologen-Team ausgegraben wurde. Das Theater liegt zwischen der Sharia Horriya bzw. Sharia Horeya im Norden und dem Hauptbahnhof im Süden. Erhalten sind dreizehn halbkreisförmige Sitzreihen und einige Säulen. Dahinter stehen noch Ruinen römischer Thermen und einige Baureste einer antiken Villa mit Bodenmosaiken.Das Fort von Qait Bey (Kait Bey): Am östlichen Ende der Landzunge des Osthafens steht die Festung des Qait Bey, einem Mamluken-Sultan aus dem 15. Jahrhundert. Durch Erdbeben wurde es zerstört und unter Mohammed Ali wieder aufgebaut. Das Fort wirkt wie eine in Meer ragende Kreuzfahrerfeste und war zur Überwachung des Hafens errichtet worden. An den Wehrmauern sieht man im Mauerwerk verschiedene Spolien aus älteren Bauwerken. Von der Festung hat man einen schönen Ausblick auf den Osthafen und die Corniche. Katakomben von Kom esch-Schufaga (Kom el-Schufaga, Kom el-Schufaka): In der Nähe der Ruinen des Serapeums und der Pompejus-Säule befinden sich die Katakomben von Kom esch-Schufaga. Sie stammen dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. Dabei handelt sich um ein Hypogäum (d.h. unterirdischer Grabbau) einer Kultgemeinde, die ihre Toten hier in zahlreichen Grabnischen bestattete. Das besondere der Anlage ist die Größe und Komplexität. Über drei Stockwerke reicht dieses Reich der Toten, das eine Mischung aus ägyptischer Grabkultanlage und römischer Katakombe ist. Diese Symbiose beider Kulturen lässt sich auch in der Reliefdekoration der Anlage erkennen. Es ist schwierig zu sagen, welche Stilelemente eher griechisch-römisch oder ägyptisch sind. Die Motive sind dagegen eindeutig ägyptisch. Es dreht sich um die typischen Themen des ägyptischen Totenkultes, vermischt mit religiöser Symbolik, wie sie sich während der Ptolemäerzeit entwickelt hat. Vom Eingang der Katakomben gelangt man über eine Wendeltreppe ins erste unterirdische Stockwerk. Dort kommt man zu einer Art Rotunde, von der, wie bei einem Kreisel, Kammern und Gänge abgehen. Nach a href='/alexandria' target='_blank' s kommt man in einem rechteckigen Raum, dem sogenannten Triclinium, wo die Totenfeiern zelebriert wurden. Die Liegebänke waren nicht für die Leichen gedacht, sondern für das Totenspeisegelage der Angehörigen. Auf der anderen Seite der Rotunde geht es zu mehreren Kammern und Nischen. Mittig geht eine Treppe hinunter ins zweite unterirdische Stockwerk. Dort kommt man zunächst in eine Vorhalle. Man schaut auf eine unterirdische Grabkapelle. Der Eingang zur Grabkapelle wird von einem Pronaos mit zwei Säulen gebildet. Die Flügel über dem Eingang symbolisieren die Sonne. Bei den zwei Schlangengestalten handelt es sich nicht um Uräus-Schlangen oder die ägyptische Göttin Buto, sondern um Darstellungen des Agathos Daimon, einer Schutzgottheit der Stadt. In der Grabkapelle sind an den Wänden drei Sargnischen eingebaut, wo drei Scheinsarkophage aufgestellt sind. An der Rückwand der Kammer sieht man ein Reliefbild mit ägyptischen Motiven: Der opfernde Pharao vor einem Opfertisch und dem Apis-Stier sowie dahinter die Göttin Isis mit ausgebreiteten Flügeln und Sonnenscheibe auf dem Kopf. Weitere Götterdarstellungen im Bereich der Grabkapelle zeigen die üblichen Götter des Totenkultes: Horus, Thot und Anubis, wobei letzterer kurioserweise einen römischen Brustpanzer trägt und mit einem Speer bewaffnet ist.Gräber von Ras et-Tin (Ras el-Tin) und Anfushi: Das Stadtviertel der Landzunge, die den Osthafen vom Westhafen trennt, wird Anfuschi (Anfuschy) genannt. Hier steht am nordwestlichen Ende der Halbinsel der Palast Ras et-Tin, der von Mohammed Ali in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet worden ist. Hier wurden im Garten des Palastes Anfang des 20. Jahrhunderts eine Anlage mit insgesamt elf ptolemäischen Felsgräbern aus dem 2. und 3. Jahrhundert v. Chr. entdeckt, die heute allerdings aus denkmalpflegerischen Gründen für Touristen geschlossen sind. Geöffnet sind allerdings die Gräber in der Nekropole von Anfuschi südlich des Palastes. Hierbei handelt es sich um fünf hellenistische Grab- und Kultanlagen (Hypogäen), deren Grabdekoration eine Symbiose aus griechischen und ägyptischen Stilelementen und Motiven aufweist. Gerade im Bereich der Sargkammern begegnet man vertrauten ägyptischen Motiven mit den im Totenkult relevanten Gottheiten (Anubis, Horus, Isis, Osiris, etc.). El-Mursi-Moschee und Ibrahim-Terbana-Moschee: Auf der Landzunge von Anfuschi befinden sich zwei bedeutende Moscheen. Die relativ neue Moschee Abu Abbas el-Mursi ist die bedeutendste Moschee Alexandrias. Sie wurde in den Jahren 1928 bis 1945 errichtet und nach Sidi Abul Abbas el-Mursi, einem islamischen Heiligen aus Andalusien (Südspanien) benannt. Zwei Straßenzüge weiter südlich der El-Mursi-Mosche steht die historische Ibrahim-Terbana-Mosche aus dem 17. Jahrhundert.Serapeum (Serapeion) und Pompejus-Säule: Dem Gott Serapis, einer griechisch-ägyptischen Mischgottheit, die unter den Ptolemäern favorisiert wurde, war ein großer Tempel geweiht, das Serapeum von Alexandria. Hier wurden er zusammen mit den Gottheiten Isis, Apis und dem Götterkind Harpokrates verehrt. Dem Serapeum angeschlossen war eine große Bibliothek, eine Zweigstelle der Bibliothek des Museions. Im 1. Jahrhundert n. Chr. kam es zu Zerstörungen, aber auch zu einem Neubau. Schließlich wurde im Jahre 391 n. Chr., auf Anordnung des Bischofs Theophilos, das Serapeum von fanatischen Christen in ihrem Heidenhass zerstört und die dortige Bibliothek geplündert. An dessen Stelle errichten sie ein Kloster, das im Mittelalter ebenfalls zerstört wurde. Vom berühmten Serapeum sind nur wenige Ruinen erhalten geblieben. Einziges imposantes Monument, das vom Serapeum übrig geblieben ist, ist die berühmte Pompejus-Säule. Sie wurde erst in der römischen Kaiserzeit errichtet. Der Weihinschrift auf dem Sockel zufolge war sie dem römischen Kaiser Diokletian geweiht gewesen. Demnach wurde sie 292 n. Chr. errichtet. Sie ist fast 27 Meter hoch und hat ein korinthisches Kapitell. Den Namen „Pompejus-Säule“ erhielt sie von den Kreuzfahrern, die sie falsch datierten bzw. in ihrer Unwissenheit davon ausgingen, dass hier Pompejus begraben sei. Von den Ägyptern wird sie heute Amud es-Sawari genannt. Damit die Säule nicht allein im Ruinenfeld steht, hat man noch zwei Sphinxfiguren aus der ptolemäischen Zeit, die man an einer anderen Stelle in der Stadt gefunden hat, auf Sockeln aufgestellt, so dass sich eine Art historisches Denkmalensemble ergibt. Die Souks (Basare) von Alexandria: Auch in Alexandria gibt es zahlreiche Basare. Die meisten befinden sich auf halber Strecke zwischen Hauptbahnhof und dem Halbinselstadtteil Anfuschi. Wer auf dem Weg vom Stadtzentrum zum Fort Qait-Bey, zu den Gräbern von Anfuschi oder zum Ras et-Tin-Palast ist, kann unterwegs (oder auf dem Rückweg) den einen oder anderen Basar (Bazar, Souk, Suk, Suq) besuchen. Die meisten befinden sich am südlichen Abschnitt der Sharia Ras et-Tin, die vom Stadtzentrum zum gleichnamigen Palast führt, sowie im Bereich der Sharia el-Midan. Hier kann man orientalisches Kunsthandwerk, Gold- und Silberschmuck und Kleidung einkaufen. Im Übergangsbereich vom Stadtteil Anfuschi zum Stadtteil Manschiya gibt es viele enge Gassen mit Marktcharakter. Bibliotheca Alexandrina: Im Andenken an die antike Bibliothek von Alexandria im Moseion und Serapeum, die einst das größte Schriftrollenarchiv des Altertums beherbergte, wurde eine neue Bibliothek errichtet: die Bibliotheca Alexandrina. Die Bibliothek ist unter der Schirmherrschaft der UNESCO errichtet worden. In und neben der Bibliothek gibt es zahlreiche Ausstellungen, eine Sammlung alter Schriften, ein Ableger des griechisch-römischen Museums mit repräsentativen Exponaten antiker Kunst, ein Planetarium und ein Kulturzentrum mit Musik- und Theater.Griechisch-Römisches Museum: Angesichts der modernen Bebauung sind vom antiken Alexandria nur wenige Monumente und Ruinen erhalten geblieben. Um sich ein Bild vom Reichtum und von der Kunst der alten Metropole zu verschaffen, sei ein Besuch im 1892 gegründeten griechisch-römischen Museum (Graeco-Roman Museum, Mathaf ar-Romani) der Stadt empfohlen, wo dem Besucher mehr als vierzigtausend Exponate erwarten – wobei allerdings nicht alle zu Besichtigen sind, denn viele stehen in den Magazinen. Aber die wichtigsten und schönsten sind in 23 Sälen und Räumen ausgestellt Die Ausstellungssäle umgeben einen großen Innenhof. Ausgestellt sind zumeist Reliefs, Statuen und Bildwerke aus der ptolemäischen und römischen Epoche der Stadt. Es gibt aber auch ältere pharaonische Denkmäler und Kunstwerke aus der christlich-byzantinischen und koptischen Epoche zu sehen. Hinzu kommen Sammlungen von antiken Gläsern, Bronzen, Münzen, Schmuck und einige Sarkophage und Kolossalstatuen. Nationalmuseum: Weniger Exponate hat das neue National Museum. Das erst 2003 eröffnete Museum deckt dafür einen längeren Zeitraum ab. Es gibt Kunstwerke aus allen Epochen, vom Alten Ägypten der Pharaonen, der klassischen Antike, aus islamischer Zeit bis hin zu Exponaten der jüngeren Zeitgeschichte. Auch die archäologischen Fundobjekte der Unterwassergrabungen bei Kanopus (östlich von Alexandria) sind ausgestellt. Montaza Park: Am nordöstlichen Ende der Stadt liegt ein großer Park, der gern besucht wird. Er wurde im 19. und 20. Jahrhundert von den Khediven und Sultanen Ägyptens genutzt. Dort stehen auch prächtige Paläste. So der Salamlek-Palast des Khediven Abbas II. Das Gebäude wurde 1892 fertiggestellt. Etwas kitschiger wirkt der große al-Haramlik-Palast von Fuad I . Er wurde 1932 eingeweiht und erinnert ein wenig an eine Mischung aus orientalischem Prunkpalast à la 1001 Nacht und Neuschwanstein.

Auswahl weiterführender Literatur:

  • Clauss, Manfred, Alexandria – Schicksale einer antiken Weltstadt, Stuttgart 2004.
  • Clauss, Manfred, Kleopatra, München 2010 (4. Auflage).
  • Grimm, Günter, Alexandria – Die erste Königsstadt der hellenistischen Welt, Mainz 1998.
  • Hölbl, Günther, Geschichte des Ptolemäerreiches: Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung, Darmstadt 1994.
  • Huß, Werner, Ägypten in hellenistischer Zeit, 332-30 v. Chr., München 2001.
  • Otto, Eberhard, „Alexandria“, in: Lexikon der Ägyptologie , Band I, Wiesbaden 1973, Sp. 134 f.
  • Teupel, Michael, Alexandria – Ägypten, (International Travel Books), Norderstedt 2010 (2. Auflage).

Autor dieses Artikels:

Mirco Hüneburg