Ägyptisches Museum in Kairo

Das Ägyptische (National-)Museum in Kairo ist ein Highlight jeder Ägyptenrundreise. Es ist die mit Abstand weltweit größte Sammlung altägyptischer Kunst. Von der Frühzeit bis zur Zeit der Ptolemäer werden Kunstwerke und archäologische Artefakte aus dem ägyptischen Altertum ausgestellt, darunter auch die Mumien großer Pharaonen und die Schätze aus dem Grab des Tutanchamun. Insgesamt beherbergt das Museum in seinen Ausstellungsräumen und Magazinen mehr als 150.000 Fundstücke. Hunderte davon gehören zu den wertvollsten Kunstobjekten der Welt.

Im Gegensatz zu den anderen weltberühmten Museen, wie etwa dem Louvre in Paris, dem Metropolitan Museum in New York, dem Britischen Museum in London oder dem Ensemble auf der Museumsinsel in Berlin, die Kunstwerke aus unterschiedlichsten Epochen und Kulturen präsentieren, konzentriert sich das ägyptische Nationalmuseum ganz auf die Zeit des Pharaonenreiches. Wer byzantinische, koptische oder sonstige christliche Kunst aus Ägypten sehen will, der muss das Koptische Museum besuchen. Die Kunst des islamischen Ägypten ist dagegen in einem eigenen Museum für islamische Kunst ausgestellt. Es ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert, dass generell in ägyptischen Museen hauptsächlich Kunstobjekte und Artefakte aus dem eigenen Land ausgestellt sind, im Gegensatz zu vielen amerikanischen und europäischen Sammlungen und Museum, wo Kunstobjekte aus der ganzen Welt zusammengetragen wurden.

Die Fülle an altägyptischen Kunst- und Alltagsgegenständen ist schier unermesslich. Das Museumsgebäude reicht längst nicht mehr aus, um alle Objekte auszustellen. So verstaubt ein Großteil der Artefakte immer noch in den Magazinen. Aus diesem Grunde hat man sich entschieden, andere Museen auszubauen, neue Funde in der Nähe ihres Fundortes auszustellen oder einige Objekte aus dem Museum in Kairo in andere Museen zu überführen. Vor diesem Hintergrund ist die Entstehung der kleineren Museen in Luxor , Sakkara und Elephantine zu verstehen. Vor den Pyramiden von Giza entsteht ein neuer Riesenbau, der das überfüllte Museum in der Kairoer Innenstadt entlasten soll.

Achtung: Die Aufstellung der Objekte kann sich verändern! – Eine Beschreibung der Verteilung der Objekte in den Räumlichkeiten birgt immer die Gefahr, dass man nicht auf dem aktuellsten Stand der Dinge ist. Denn, wie in jedem anderen Museum, werden regelmäßig einzelne Objekte umgestellt, das Ausstellungskonzept geändert oder einige Objekte als Leihgaben auf Reisen geschickt. Außerdem soll ein Teil in das neue Museum nach Giza ausgelagert werden. Es ist noch nicht absehbar, inwieweit es nach der ägyptischen Revolution neue Umstellungen im Museum geben wird. Hier wird der Zustand im Frühjahr 2010 beschrieben.

Wie wichtig es ist, sich bereits vor dem Besuch des Museums einen Überblick über die bedeutendsten Objekte zu verschaffen, zeigt sich daran, dass bereits im Eingangsbereich des Museums einige Highlights stehen, an denen die meisten Besucher nichts ahnend vorbeigehen. Nicht die Größe oder das Material (Gold?) sind ausschlaggebend für die Bedeutung eines Objektes, sondern die Seltenheit und der historische Kontext. Daher werden wir im Folgenden auf ein paar Objekte hinweisen, die Sie unbedingt gesehen haben sollten.

Verbote und Sicherheitskontrollen

Es ist streng verboten zu fotografieren und zu filmen! Entsprechende Geräte müssen an der Garderobe abgegeben werden. Laien und Ausländer dürfen keine Privatführungen veranstalten! Nur ägyptische Reiseleiter und Ägyptologen mit Sondergenehmigung dürfen führen.

Eintritt

Der Eintritt ins Museum kostet 60 Pfund. Der Saal mit den Mumien der Pharaonen kostet noch mal extra 100 Pfund. Geöffnet ist das Museum von 9:00 Uhr morgens bis 18:30 abends. Trotz des hohen Eintritts empfiehlt es sich, das Museum mehrmals zu besuchen, weil die Menge der Objekte überwältigend ist und ein ausführlicher Rundgang an einem Tag nicht zu schaffen ist. Außerdem kann es an bestimmten Tagen und zu bestimmten Uhrzeiten besonders voll werden. Im Sommer ist das Museum schlecht belüftet und stickig. Normalerweise kann man das Museum mit dem Ticket für eine (Mittags-)Pause verlassen und dann (am selben Tag) wieder eintreten – Allerdings sollte man sicherheitshalber vorher am Eingang nachfragen, ob diese Regelung auch aktuell gilt!

Museumsshop und Restaurant

Direkt im Eingangsbereich an der dem Tahrir-Platz zugewandten Südfassade des Museums gibt es einen Museumsshop mit Souvenirs, Replikaten, Katalogen, Postkarten und Sachbüchern zum Alten Ägypten. Am Ostabschnitt der Südfassade befindet sich außerdem ein kleines Restaurant mit einfachen Speisen und Getränkekiosk.

Geschichte des Museums

Die schier unermesslichen und wertvollen Funde machten den frühen Archäologen im 19. Jahrhundert schnell die Notwendigkeit eines großen Museums bewusst. Das Ägyptische Museum wurde im Jahre 1858 eröffnet. Der Begründer war der französische Ausgräber Auguste Mariette, der auch Direktor des ägyptischen Antikendienstes war. Weil das alte Gebäude im Kairoer Stadtteil Boulaq zu klein war und bei einer Nilüberschwemmung heftig in Mitleidenschaft gezogen wurde, zog das Museum um. Zunächst wurden die Exponate in einem Palast in Giza ausgestellt. Im Jahre 1902 wurde schließlich das heutige Museum am „Platz des Freiheit“ („Midan et-Tahrir“) im Zentrum Kairos eingeweiht. Dieser Platz war ein wichtiger Ort der ägyptischen Revolution von 2011, wo sich zehntausende Demonstranten vor dem Museum trafen.

Rundgang

Wer genügend Zeit mitgebracht hat, um sich das ganze Museum anzuschauen, der kann dem Rundgang folgen, der im Erdgeschoss chronologisch aufgebaut ist. (Die Nummerierung der Säle und Galerieabschnitte folgt nicht dem Rundgang, und sollte daher nicht als roter Faden dienen! Auch die Katalognummern der einzelnen Objekte haben nichts mit dem Ausstellungsanordnung zu tun!) Im Eingangsbereich stehen schon einige Highlights aus der Frühzeit (Narmerpalette) und dem Alten Reich (Statue des Chasechem). (Doch sollte man seine Besichtigung zuerst mit dem Stein von Rosette beginnen, der auch im Eingangsbereich steht. Zwar handelt es sich um eine Kopie, denn das Original steht im Britischen Museum in London, doch ist das Objekt von großer Bedeutung, denn dieser Stein lieferte den Schlüssel zur Entzifferung der Hieroglyphen durch Champollion im Jahre 1822.) Dann wendet man sich von der Rotunde nach links und geht im Uhrzeigersinn durch die Räume des Erdgeschosses. In den Sälen der linken Eingangsgalerie (Saal 48,47,46) stehen schon dicht an dicht die ersten großartigen Kunstwerke des Alten Reiches. Gleich am Anfang steht in der Mitte eine Vitrine (Nr. 16) mit der Statue des Königs Djoser (siehe Detailbeschreibung unten). Es folgen zahlreiche Satuen von verstorbenen hohen Amtsträgern aus dem Alten Reich. Die meisten Funde stammen aus Sakkara. Am Ende der Galerie wendet man sich nach rechts. In den Galerieabschnitten (41, 36, 31) und den seitlichen Sälen (32, 37, 42) stehen Artefakte aus dem Alten Reich. In den Abschnitten der Galerie ist man überwältig von der Zahl der Reliefs und Scheintüren. Diese Funde stammen größtenteils aus Sakkara und Giza. In den Seitensälen stehen die berühmten Statuen großer Pharaonen. In den folgenden Galerieabschnitten (26, 21, 16) und Seitensälen (22, 17, 12) befinden sich Kunstwerke aus dem Mittleren Reich. Ab Galerieabschnitt 11 und dem Seitensaal 12 sowie im ganzen Nordflügel des Erdgeschossen (Säle und Galerieabschnitte 6, 7, 2, 8, 13, 4, 9,10, 15, 14, 19, 20) bestimmt die Kunst des Neuen Reiches die Ausstellung. Im östlichen Teil des Rundgangs stehen die Objekte aus der Spätzeit (Säle und Galerieabschnitte 24, 25, 29, 30) und aus der Ptolemäerzeit bzw. der griechisch-römischen Antike (Säle und Galerieabschnitte 34, 35, 39, 40 45, 49, 50). Im Seitensaal 44 befinden sich Ausstellungstücke aus Nubien. Schließlich gelangt man über die Galerie zur Rotunde im Eingangsbereich zurück. Besondere Fundstücke, darunter steinerne Sarkophage, ein Fußboden aus Tell el-Amarna und ein riesiges Kolossalstatuenpaar von Amenophis III. und seiner Frau Teje befinden sich im zentralen Lichthof (Saalbereiche 43, 38, 33, 28, 23, 18).

Die obere Etage ist nicht chronologisch, sondern thematisch geordnet. Einen großen Teil des Obergeschosses nehmen die Funde aus dem Grab des Tutanchamun ein. Darunter der größte Teil der Nordseite des Museums (Räume und Galerieabschnitte 6,7,3, 8, 9) und fast die gesamte östliche Galerie (Abschnitte 10, 15, 20, 25, 30, 35, 40, 45). Auf der Nordseite sind im Saal 2 die Grabschatzfunde aus Tanis und im Saal 4 Schmuck aus unterschiedlichen Epochen ausgestellt. In den westlichen Seitensälen (12, 17, 22, 27, 32, 37, 42) warten Grabbeigaben aus dem Alten, Mittleren und Neuen Reich auf den Besucher. Dazu gehören Alltagsobjekte, Särge, Sarkophage und Holzmodelle, die den Toten mit ins Grab gegeben wurden. Die Holzmodelle von Schiffen, Papyrusbooten, Häusern und Darstellungen aus dem Alltagsleben der alten Ägypter geben einen Einblick in die Welt der einfachen Menschen zu jener Zeit. Faszinierend sind die hölzernen Figuren von Kriegern und die Holzmodelle mit Darstellungen der Steuereintreibung, bei denen die Bauern den Grundherren einen Teil ihres Vieh und ihrer Ernte abliefern. Im Saal 29 warten wundervolle Papyri auf die Besucher. Darunter sind auch einige Exemplare des Totenbuch es.

Highlights aus der Frühzeit

Die Palette des Königs Narmer

(Datierung: 0. Dynastie, Reichseinigungszeit, gegen 3100 v. Chr., Fundort: Hierakonpolis / Kom el-Ahmar)

Symbolträchtiges Zeugnis vom Anfang der ägyptischen Geschichte: Die 64 cm hohe und 42 cm breite Palette aus Grauwacke (Schiefer) wartet gleich im Eingangsbereich auf den Besucher (im Saal 43, Erdgeschoss). Uninformierte Touristen gehen ahnungslos an diesem Objekt vorbei, obwohl es sich um ein uraltes und seltenes Prunkstück mit hohem historischem Wert handelt. Denn dargestellt der ein König Narmer aus der Reichseinigungszeit. Man vermutet, dass Narmer identisch mit dem König Menes ist, dem Reichseiniger Ägyptens. Der König von Oberägypten bezwang Unterägypten und schuf ein großes landesweites Staatsgebilde. Sein Name ist beidseitig im obersten Bildabschnitt zwischen zwei Kuhköpfen angegeben.

Die Vorseite der Narmerpalette hat in der Mitte eine Vertiefung für die Augenschminke, die dem König aufgetragen wurde. Im oberen Register sieht man den König mit seinen Dienern und dem Standartengefolge bei der Besichtigung enthaupteter Gefangener. Im mittleren Register bändigen zwei Männer zwei Schlangenhalspanther. Im unteren Register ist der König als Stier dargestellt, der eine Stadtbefestigung anstürmt.

Auf der Rückseite der Narmerpalette steht der König in der Mitte des Bildes. Man sieht ihn beim rituellen Erschlagen eines feindlichen Gefangenen. Hinter ihm steht ein Diener, der als Sandalenträger gekennzeichnet ist. In der oberen rechten Ecke sieht man den König als Falkengott Horus auf einem Symbol, das aus einem Kopf und Rumpf sowie sechs Papyrusstangen besteht. Es steht für 6000 Gefangene, die sich in der Gewalt des Herrschers befinden.

Highlights aus dem Alten Reich

Sitzstatue des Königs Chasechem

(Datierung: Altes Reich /Thinitenzeit, 2. Dynastie, 28. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Hierakonpolis).

Diese 57 cm hohe Statue aus grünem Schiefer im Saal 43 (Erdgeschoss) ist wegen ihres hohen Alters von Bedeutung. Es handelt sich um eine der ersten königlichen Darstellungen dieser Art. Der Pharao trägt ein Festgewand und sitzt auf dem Thron. Auf dem Kopf trägt er die oberägyptische Krone. Am Sockel seines Thrones sind Kriegsgeschehnisse abgebildet.

Sitzstatue von Pharao Djoser

(Datierung: Altes Reich, 3. Dynastie, 27. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Sakkara)

Diese 142 cm hohe Sitzfigur, im Galeriesaal 47 im Eingangsbereich links, ist aus zweierlei Gründen ein besonderes Ausstellungsobjekt: Zum einen handelt es sich um die älteste lebensgroße Statue eines Königs, die bisher entdeckt wurde. Zum anderen ist es eine der wenige Darstellungen des Erbauers der Stufenpyramide in Sakkara. Entdeckt wurde die Statue im Serdab im Pyramidenkomplex neben dem Totenopfertempel vor der Pyramidennordseite. Mit Serdab bezeichnen Ägyptologen die kleine Steinkammer, die nur durch Sehschlitze oder Löcher Kontakt zur Außenwelt hat. Hier wurden Statuen des Verstorbenen aufgestellt, damit die Seele des Toten in dieser einwohnen konnte, um das Totenopfer in Empfang zu nehmen. Der Pharao ist mit Kopftuch und Zeremonialbart dargestellt. Am Sockel des Thrones sind die Hieroglyphen seiner Titulatur und seines Namens angegeben.

Die Statuette des Cheops

(Datierung: Altes Reich, 4. Dynastie, 26. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Abydos )

In der unermesslichen Fülle des Museums scheint es verwegen, als besonderes Kunstobjekt ausgerechnet eine kleine Statuette aus Elfenbein (im Saal 37, Erdgeschoss) zu erwähnen. Ganze siebeneinhalb Zentimeter misst sie. Dennoch gehört sie zu den außergewöhnlichsten Fundstücken des Museums. Sie zeigt einen sitzenden Pharao auf einem Thron. Er trägt die unterägyptische Krone und in der Hand eine Geißel als Herrschaftsinsignie. Das Gesicht der kleinen Königsfigur wirkt rund und flach. Dargestellt ist der Erbauer des einzig erhaltenen Weltwunders, der großen Pyramide von Giza (Giseh): Pharao Cheops. Ebenso wunderlich wie die Größe seines riesigen Grabmonuments ist die Tatsache, dass diese kleine Statuette das einzige belegte Bildwerk des Königs ist. Sein Name – Chufu (=Cheops) – ist am Thron neben dem linken Bein eingraviert. Gefunden wurde die Figur bei einer Grabung des berühmten englischen Archäologen Flinders Petrie im oberägyptischen Abydos, im Tempelbereich des Totengottes Osiris Chontamenti.

Grabschatz der Königin Hetepheres

(Datierung: Altes Reich, 4. Dynastie, 26. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Giza)

In den 1920er Jahren haben archäologische Ausgrabungen des Boston Museums und der Harvard University einen fantastischen Grabschatz in einem Schachtgrab in Giza östlich der Cheopspyramide entdeckt. Es handelt sich um die Bestattung der Königin Hetepheres, Tochter des Snofru und Mutter des Cheops. Damit sind wir mitten in jener fast mystischen Zeit auf dem Höhepunkt des Pyramidenbaus. Während die meisten Goldschätze aus dem alten Ägypten aus späteren Zeiten stammen und die Gräber des Alten Reiches zumeist ausgeraubt und leer aufgefunden wurden, so ist das Grab der Hetepheres eine sensationelle Ausnahme. Bei den im Saal 37 ausgestellten Prunkstücken handelt es sich um Goldgeschirr, eine Sänfte und Mobiliar. Das Holz war teilweise schon verrottet, aber Archäologen haben es rekonstruiert.

Sitzstatue des Chephren

(Datierung: Altes Reich, 4. Dynastie, 26. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Giza)

Im Gegensatz zu Cheops, wurden von seinem Sohn, dem Pharao Chephren, mehrere Bildwerke gefunden. Eine Statue sticht durch ihre handwerkliche Qualität und den künstlerischen Ausdruck besonders hervor. Es handelt sich um eine Sitzstatue des Königs aus hartem Diorit-Gestein, die im Brunnenschacht im Taltempel der Pyramide gefunden wurde. Sie ist 1,68 Meter hoch und ist im Saal 42 (Erdgeschoss) ausgestellt. Der majestätische Ausdruck, die würdevolle Körperhaltung, die perfekten Proportionen und der Horusfalke im Nacken des Königs, der beschützen die Flügel ausbreitet, machen dieses Meisterwerk ägyptischer Bildhauerkunst zum Idealbild eines Pharao.

Statuentriaden des Königs Mykerinos

(Datierung: Altes Reich, 4. Dynastie, 26. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Giza)

Im Taltempel des Mykerinos fand der amerikanische Archäologe G.A. Reisner 1908 vier einander ähnliche Statutengruppen aus Grauwacke (Schiefer), die den Pharao Mykerinos in Begleitung von Gottheiten zeigen. Drei stehen im ägyptischen Museum zu Kairo, eine in Boston. Alle zeigen den König zwischen der Göttin Hathor und einer Gau-Göttin. Die Gaue / Provinzen waren für die Versorgung der Pyramidenstadt verantwortlich. Aus allen Teilen des Landes kamen Güter in die Residenz, um die dort lebenden Menschen zu versorgen, aber auch um die Opfergaben für die Kultanlagen bereitstellen zu können. Das im Galerieabschnitt 47 ausgestellte, etwa 96 cm hohe, Exemplar (Katalog-Nr. JE 40679) zeigt Mykerinos in Begleitung von Hathor und der Gaugöttin des Schakalsgaues (17. oberägyptischer Gau).

Sitzfiguren des Rahotep und der Nofret

(Datierung: Altes Reich, 4. Dynastie, 2600 Jahrhundert v. Chr., Fundort: Medum)

Meisterwerke der Bildhauerkunst des Alten Reiches und wunderbar erhalten sind die knapp über 1,20 Meter hohen Sitzstatuen des Prinzen Rahotep und seiner Frau Nofret (im Saal 32, Erdgeschoss). Das Besondere an diesen Kalksteinstauen ist der gute Erhaltungszustand der Farben, ein Wunder, wenn man bedenkt, wie uralt sie sind. Die Statuen wurden direkt in der Mastaba des Rahotep in der Nekropole von Medum gefunden. Rahotep war ein Sohn von Pharao Snofru, dem Erbauer der Knickpyramide und Roten Pyramide von Dahschur und Vollender der Pyramide von Medum. Rahotep gehörte somit zur selben Generation wie der Pyramidenerbauer Cheops. Die Hautfarbe des Prinzen ist in einem hellrötlichen Braunton gehalten, die seiner Gemahlin in einem gelblichen Ton. Es war ägyptische Konvention, Frauen blasser als Männer darzustellen. Erwähnenswertes Detail ist der Schnurrbart des Prinzen. Ein solcher Schnurrbart war im alten Ägypten eher selten bzw. selten dargestellt.

Holzstatue des Kaaper

(Datierung: Altes Reich, 5. Dynastie, 25. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Sakkara)

Als die ägyptischen Grabungsarbeiter des Archäologen Auguste Mariette die Statue ausgruben, waren sie erschrocken: Die 112 cm hohe Statue erinnerte sie an ihren Dorfschulzen. Seitdem wird die Figur „Sheich el-Beled“ genannt. Die im Saal 42 (Erdgeschoss) ausgestellte Statue besticht durch ihre lebendig wirkenden und individuellen Gesichtszüge. Bemerkenswert ist auch der gute Erhaltungszustand der aus Sykomorenholz gefertigten Statue.

Falkenkopf des Gottes Horus

(Datierung: Altes Reich, 6. Dynastie, 24. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Hierakonpolis)

Ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst ist der 37 cm hohe Kopf des Horusfalken mit Federkrone. Er wurde im Tempel der Nechen in Hierakonpolis gefunden. Der Kopf bekrönte einst eine Bronzefigur des Gottes. Der gute Erhaltungszustand des Objektes rührt daher, dass es schon im Altertum vorsichtig vergraben wurde. Es war eine Art Kultgrab für heilige Gegenstände. Was die ursprüngliche Funktion der Statue war, ist nicht nachzuweisen. Vermutlich war sie als zentrale Kultfigur im Allerheiligsten des Tempels aufgestellt. Das Meisterwerk besticht durch die gelungene naturalistische Darstellung des Falkenkopfes. Die schwarzen Augen sind aus Obsidian.

Statue des sitzenden Schreibers

(Datierung: Altes Reich, 5. Dynastie, 25. Jahrhundert v. Chr.. Fundort: Sakkara)

Ein fast schon ikonographisches Bild eines altägyptischen Schreibers ist die Kairoer Sitzfigur (Saal 42, Vitrine 43). Die Farben der bemalten 51 cm hohen Kalksteinstatue sind noch hervorragend erhalten. Sogar der bläuliche Ton der Augenschminke ist noch erkennbar. Der Schreiber sitzt mit gekreuzten Beinen „im Schneidersitz“ auf dem Boden und hält eine Papyrusrolle, die zum Teil über seinen Schoß ausgerollt ist. In der anderen Hand war einst ein Griffel angebracht.

cheintüren und Reliefs aus Gräbern des Alten Reiches

In den Galerien des südwestlichen Abschnittes im Erdgeschoss (47, 46, 41, 36, 31) stehen sich zahlreiche Architektur- und Relieffragmente aus Gräbern des Alten Reiches, insbesondere aus Sakkara und Giza. Darunter befinden sich auch zahlreiche Scheintüren. Hierbei handelt es sich um angedeutete Durchgänge ins Jenseits, durch welche die Seelen der Verstorbenen ins Diesseits zurückkehren können, um die Totenopfergaben der Priester und Angehörigen entgegenzunehmen und die Gebete und Fürbitten zu hören.

Statuen aus dem Mittleren Reich

Sitzfigur des Mentuhotep II.

(Datierung: Mittleres Reich , 11. Dynastie, 21. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Deir el-Bahari bei Luxor)

In der Galerie 26 (Westflügel) steht die lebensgroße bemalte Sitzstatue des Königs Mentuhotep. Sie wurde in seinem Totentempel in Deir el-Bahari gefunden. Die 138 cm hohe Sandsteinstatue ist relativ grob gearbeitet und die Füße wirken überdimensioniert. Der König sitzt auf einem monolithischen Block und trägt ein weißes Hebsed-(=Jubiläums)-Gewand. Auf dem Haupt trägt er die rote Krone Unterägyptens. Seine Haut ist schwarz gemalt. König Mentuhotep II. gilt als Gründer des Mittleren Reiches. Nach dem Zusammenbruch des Alten Reiches war Ägypten in mehrere lokale Herrschaftsgebiete zerfallen. Während der 11. Dynastie und insbesondere unter Mentuhotep II. wurde die Einheit des Landes wieder hergestellt. Sein Totentempel steht neben dem Terrassentempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari. Die Statue wurde in einem tiefen Schacht gefunden. Ihre Funktion ist unklar. Vermutlich handelt es sich um die Figur des Königs als Osiris, die rituelle bestattet wurde. So ließe sich auch die dunkle Hautfarbe erklären, die mit dem Totengott in Verbindung gebracht wird.

Statue von Sesostris III.

(Datierung: Mittleres Reich, 12. Dynastie, 19. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Deir el-Bahari bei Luxor)

Er war einer der größten Herrscher Ägyptens: Sesostris III. führte das Land zur großen Blüte. Seit den großen Pyramidenerbauern wie Snofru, Cheops und Chephren war das Land niemals so geeint und zentralisiert gewesen wie unter Pharao Sesostris III. Noch viele Jahrhunderte nach seinem Tode galt er als Inbegriff des gerechten Herrschers. Die 150 cm hohe Statue aus Granit (im Abschnitt 21 des westlichen Galeriesaals im Erdgeschoss) wurde im Tempelvorhof des Mentuhotep-Tempels in Deir el-Bahari gefunden. Die Beine sind nicht mehr erhalten, die Arme größtenteils zerstört. Aber seine Hände ruhen noch in Beterhaltung auf dem Schurz. Sein Gesicht zeigt die Züge eines alten weisen Herrschers, auf dem die Verantwortung der Regierung lastet: müde Augen, hängende Lidern, Sorgenfalten zwischen Nase und Stirn. Die großen Ohren symbolisieren, dass er ein Ohr für die Sorgen, Belange und Nöte der Menschen seines Landes hat und ihre Gebete und Fürbitten erhört. Die großen Ohren sind typisch für diese Zeit und ein wichtiges Datierungsmerkmal. Die individuellen Gesichtszüge machen Sesostris III. zu einer unverwechselbaren Figur. Er ist genauso leicht identifizierbar wie Pharao Echnaton .

Sphinx von Pharao Amenemhet III.

(Datierung: Mittleres Reich, 12. Dynastie, um 1800 v. Chr., Fundort: Tanis)

Sphinxfiguren gibt es viele aus dem alten Ägypten. Doch die Art und Weise, wie sich der König Amenemhet III. als Sphinx darstellen ließ, ist etwas Besonderes. Die majestätische Sphinx aus grauem Granit ist im Erdgeschoss, Galerieabschnitt 16, zu sehen. Sie ist etwa 150 cm hoch und 236 cm lang. Sie zeigt den König mit Löwenkörper. Im Unterschied zu anderen Sphinxfiguren ist der königliche Kopf nicht mit einem herrschaftlichen Kopftuch bedeckt, sondern von einer Löwenmähne umgeben. Man weiß nicht, wo diese Sphinx ursprünglich aufgestellt war, vermutlich im Tempel der katzengestaltigen Göttin Bastet im Delta-Ort Bubastis. Gefunden wurde sie jedoch in Tanis, wo viele Statuen älterer Tempel wieder verwendet wurden.

Beispiele aus dem Neuen Reich und der Amarna-Kunst

Kalksteinkopf der Königin Hatschepsut

(Datierung: Neues Reich , 18. Dynastie, 15. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Deir el-Bahari)

Neben Kleopatra VII. war sie die bedeutendste Frau auf dem Herrscherthron: die Königin Hatschepsut. Von ihr stammt der berühmte Terrassentempel in Deir el-Bahari bei Luxor. In diesem Tempel fand man dieses 61 cm hohe und 55 cm breite Kopffragment (im Galerieabschnitt 11, Erdgeschoss). Der Kopf war ein Teil einer Osirisstatue, d.h. einer Figur, die den König als Totengott Osiris darstellt. Diese Statuen waren an den Pfeilern der oberen Terrasse aufgestellt. Die Farben sind noch gut erhalten. Man erkennt die weiblichen Gesichtszüge der Hatschepsut.

Kolossalfigur des Pharao Echnaton

(Datierung: Neues Reich, 18. Dynastie, 14. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Karnak bei Luxor)

Die mehr als vier Meter hohe Sandsteinfigur (im Erdgeschoss, Saal 3) beeindruckt den Besucher. Der Herrscher trägt ein Kopftuch und darauf die Doppelkrone Ägyptens. Die Arme sind überkreuzt, in den Händen hält er die Herrschaftsinsignien. Amenophis IV. alias Echnaton war der Ketzerkönig, der die Götter des Reiches zugunsten der Sonnenverehrung entthronte und zum entsetzen der Priester und der Bevölkerung eine religiöse Revolution umsetzte. Der Glaube an einen einzigen Gott lässt ihn aus heutiger Perspektive modern und fortschrittlich erscheinen. Allerdings sahen das die Menschen damals anders. Nur wenige Jahre nach seinem Tode kehrte Ägypten unter Tutanchamun wieder zu den alten Götterkulten zurück. Das Besondere der Amarnakunst ist die Überbetonung individuellen Körpereigenschaften. Dies war ein bewusster Gegensatz zu idealisierten Darstellung der klassischen ägyptischen Kunst, die Männer und Frauen einem Idealbild folgend darstellte.

Büste des Pharao Echnaton

(Datierung: Neues Reich, 18. Dynastie, 14. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Karnak bei Luxor)

Sehr beeindruckend ist auch die mehr als 1,50 Meter hohe Sandsteinbüste des Königs Echnaton (im Erdgeschoss, Saal 3). Sie zeigt deutlich das einzigartige Antlitz des Herrschers. Das lange Gesicht mit der schmalen Nase und den wulstigen Lippen nehmen der Büste nicht den majestätischen Ausdruck. Sein Blick scheint auf dem Betrachter zu ruhen. Der Herrscher trägt das königliche Kopftuch, einen Zeremonialbart und hält in den Händen die Herrschaftsinsignien Geißel und Hirtenstab. Es ist noch erkennbar, dass er auf dem Tuch eine Krone trug.

Palastmalereien aus Tell el-Amarna

(Datierung: Neues Reich 18. Dynasite, 14. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Tell el-Amarna)

Von den alten Palästen ist in Ägypten weitaus weniger erhalten als von den Tempeln. Umso bedeutungsvoller ist der Fund der Fussboden- und Wandmalerein aus dem Palast des Königs Echnaton. Beispiele sind im Amarna-Saal (Edgeschoss, Saal 3) und im Atrium bzw. Lichthof (Erdgeschoss, Saalabschnitt 28) ausgestellt. Darstellungsthemen sind Pflanzen und Tiere, insbesondere Papyrusdickichte und Vögel.

Grabschatz des Tutanchamun

(Datierung: Neues Reich, 18. Dynastie, 14. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Grab Nr. 62 im Tal der Könige bei Luxor)

Ein Großteil der Säle des Nord- und Ostflügels im Obergeschoss des Museums ist dem Grabschatz des Tutanchamun gewidmet. Es war der archäologische Sensationsfund schlechthin, als 1922 Howard Carter und Lord Carnavon das Grab des Tutanchamun öffneten. Niemals zuvor wurde ein noch komplett ausgestattetes Pharaonengrab gefunden. Die Sammlung des Tutanchamun-Schatzes ist ein Schwerpunkt des ägyptischen Museums. Die Besichtigung dieser einzigartigen Kunstsammlung allein rechtfertigt schon eine Reise nach Ägypten. Die Objekte zeugen vom kunsthandwerklichen Können jener Zeit.

Das Highlight des Museums und das bekannteste altägyptische Bildnis schlechthin ist die weltberühmte Goldmaske des Tutanchamun im Obergeschoss-Saal Nr. 3. Ihre Berühmtheit macht sie zur Ikone für das Alte Ägypten. Die 11 Kilogramm schwere und 54 cm hohe Goldmaske mit Einlagen aus Lapislazuli, Karneol, Quarz, Obsidian, Türkis und Buntglas ist ein Meisterwerk ägyptischen Kunsthandwerks. Sie sie war dem Kopf der königlichen Mumie übergestülpt. Ebenso wertvoll und einmalig ist der goldene Sarg des Tutanchamun. Es handelt sich um den inneren Sarg, in dem die Mumie des Königs lag. Der 187 Meter lange und mehr als 110 Kilogramm schwere Sarg besteht aus massivem 22-karatigen Gold mit Einlagen aus Buntglas und Edelsteinen. Er war eingebettet in zwei größeren vergoldeten Holzsärgen, welche wiederum von vier vergoldeten Holzschreinen geschützt waren. Abgesehen von der historischen Bedeutung sind allein der Material- und Versicherungswert des Sarges und der Goldmaske kaum zu ermessen. Hervorzuheben sind noch der rekonstruierte königliche Streitwagen, der in der Vorkammer des Grabes gefunden wurde und der vergoldete Statuenschrein. Auch das reichverzierte Mobiliar, das im Grab gefunden wurde, ist einzigartig. Hier ist besonders der einen Meter hohe und mit Edelsteinen verzierte goldene Thronsessel zu erwähnen. Das Motiv an der Rückenlehne zeigt den König und seine Gemahlin noch im Stil der Amarna-Zeit mit dem Sonnengott Aton und seinen Strahlen. Ein Handwerkliches Meisterstück ist auch der Zeremonialstuhl aus Ebenholz, Elfenbein, Gold und mit Fayenceeinlagen. Viele Besucher sind von den großen schwarzen Statuen des Tutanchamun fasziniert. Es handelt sich hierbei um 192 cm hohe Holzfiguren des Tutanchamun, die zum Teil mit schwarzem Harz, zum Teil mit Gold überzogen wurden. Schwarz ist hierbei die Farbe des Totengottes Osiris bzw. der natürlichen Regeneration nach dem Tode. Angespielt wird auf die schwarze Farbe des fruchtbaren Bodens im Niltal, aus dem jährlich neues Grün erwächst, nachdem man in der Zeit der Aussaat das Saatgut „beerdigt“ hat. Eine Kostbarkeit der besonderen Art ist die 44 cm hohe bemalte Holztruhe des Königs. Sie zeigt auf der einen Seite den König während eines Kriegsauszuges im Streitwagen, auf der anderen Seite Tutanchamun bei der Jagd. Beeindruckend ist auch die Darstellung des schakalgestaltigen Gottes Anubis, der auf einem Schrein ruht. Das Objekt ist 270 cm lang und insgesamt 118 cm hoch. Der Schrein ist vergoldet, die Schakalfigur des Anubis teils mit schwarzem Harz, teils mit Gold überzogen. Die Fülle an kleinen wertvollen Kunstobjekten aus dem Grab des Tutanchamun ist unermesslich. Die goldenen Statuten, die den König bei der Jagd auf einem Boot zeigen, die Uschebtis, die goldenen Statuten der Göttinnen Selket und Isis, die Holzmodelle von Booten und Schiffen sowie die Schmuckstücke aus dem Grab sind atemberaubend.

Grabschatz von Juja und Tuja

(Datierung: Neues Reich, 18. Dynastie, 14. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Tal der Könige bei Luxor)

Im Grab Nr. 46 im Tal der Könige wurde die Bestattung des Paares Juja und Tuja entdeckt. Sie waren die Eltern der Königin Teje, der Gemahlin des Pharao Amenophis III. Das außergewöhnliche Umstand ist, dass es ihnen gestattet war, sich im Tal der Könige bestatten zu lassen, einem heiligen Bezirk, der eigentlich nur Pharaonen vorbehalten war. Die schönsten Funde aus dem Grab sind im Museum im Saal bzw. Galerieabschnitt 43 ausgestellt. Besonders faszinierend sind die beiden Mumienmasken aus vergoldeter Kartonage mit Lapislazuli- und Glaseinlagen. Die Maske des Juja misst 23 mal 41 cm, jene der Tuja 28 mal 40 cm. Besonders schön sind auch die Grabbeigaben, Gefäße und die Uschebtis aus dem Grab. Sehenswert sind zudem der Kanopenkasten des Juja und der vergoldete hölzerne Schmuckkasten der Tuja, der mit Einlagen aus Fayence, Elfenbein und Ebenholz verziert ist.

Grabschätze aus Tanis

(Datierung: 3. Zwischenzeit, 21. Dynastie, 10. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Tanis)

Für die meisten Museumsbesucher eine Überraschung sind die Goldmaske und der Sarg des Pharao Psusennes I. Die wenigsten wissen von den berühmten Granschatzfunden, die der französische Archäologe 1939 in Tanis gemacht hat. Die im Saal 2 im Obergeschoss ausgestellten Schätze sind fast ebenso beeindruckend wie jene des Tutachamun. Die 48 cm hohe Goldmaske des Psusennes I. ist schlichter als jene des Tutanchamun, aber nicht minder kostbar. Sie ist aus purem Gold. Lediglich die Augen sind Einlagen aus Lapislazuli. Besondere Faszination übt der 185 cm lange Silbersarg des Psusennes aus. Ihn kann man mit dem Goldsarg des Tutanchamun vergleichen. Das Stirnband und die Uräusschlange an der Stirn sind in Gold gehalten. Das Wechselspiel aus Silber und Gold verleiht dem Herrscherantlitz dieses Sarges seinen besonderen Reiz. Die Goldgefäße und Schmuckstücke in der Tanis-Sammlung geben einen ungefähren Eindruck von der Pracht der Grabausstattung in Tanis.

Altägyptischer Schmuck

Im Saal 4 des Oberschosses befinden sich Exponate aus verschiedenen Gräbern insbesondere des Mittleren Reiches.

Die Goldschmiedekunst war schon zu Beginn der ägyptischen Geschichte ausgereift. Beispiele ägyptischer Schmuckkunst sind im Saal 4 im Oberschoss zu sehen. Die meisten Objekte stammten aus Grabschatzfunden aus Dahschur, Lahun und Hawara.

Sarkophag des Petosiris

(Datierung: Frühe Ptolemäerzeit, um 300 v. Chr., Fundort: Tuna el-Gebel )

Im großen Galerieabschnitt 48 / 49 im Erdgeschoss (rechts des Eingangsbereiches bzw. am Ende des chronologischen Rundgangs im Uhrzeigersinn) erwarten den Museumsbesucher Särge und Sarkophage aus der Spätzeit und aus der griechisch-römischen Zeit. Ein besonders faszinierender Sarg ist jener des Petosiris aus Tuna el-Gebel in Mittelägypten. Der 195 cm lange Sarg ist aus Kiefernholz gefertigt und mit einer schwarzen Glaspaste überzogen. Die Vorderseite des Sarges ist mit einer langen bunten Inschrift versehen. Die einzelnen Zeichen wurden mit Glaspastenelementen eingelegt.

Mumienmasken und Mumienporträts aus römischer Zeit

(Datierung: 1.-2. Jahrhundert n. Chr., unterschiedliche Funorte)

Im Saal 14 im Obergeschoss sind zahlreiche Mumienmasken und Mumienporträts aus der klassischen Antike ausgestellt. Die Porträts beeindrucken durch ihre naturalistische Darstellung. Griechen und Römer, die in Ägypten ansiedelten, übernahmen auch deren Bestattungstechniken. Auch sie ließen sich mumifizieren und in Särgen bestatten. Für die Mumien wurden nach ägyptischer Sitte Mumienmasken gefertigt. Dabei wurden ägyptische und griechisch-römische Stilelemente vermischt.

Mumiensäle

In zwei vorspringenden Räumen (Saal 56 und Saal 52) im ersten Stockwerk des Frontflügels werden die Mumien großer Pharaonen aufbewahrt, die im Tal der Könige gefunden wurden. Man mag über die Zurschaustellung von Leichnahmen geteilter Meinung sein. Es hat etwas von einem morbiden Kuriositätenkabinett. Doch wer sich wie auch immer mit ägyptischer Kultur und Geschichte beschäftigt hat, wird bewegt sein, großen Persönlichkeiten und Herrschern leibhaftig gegenüber zu stehen. Während die Geschichte der meisten Länder für jene frühe Zeit nur in Mythen fassbar ist, sind für die Geschichte des alten Ägypten sogar ihre Protagonisten greifbar. Die meisten Mumien stammen übrigens aus dem Mumienversteck im Grab Nr. 35 im Tal der Könige. Das Grab war für Amenophis II. angelegt worden. Doch es fanden sich darin auf die Mumien von Thutmosis IV, Amenophis III., Sethos II., Merenptah, Siptah, Ramses V., Ramses IV. und Ramses VI. Noch mehr Mumien wurden im in einem Versteck in Deir el-Bahari gefunden (DB320), darunter jene von Amosis, Amenophis I.,Thutmosis I., Thutmosis II., Thutmosis III., Hatschepsut, Sehtos I., Ramses II. , Ramses III. und Ramses IX. (Siehe auch Artikel zu Mumien und Mumifizierung!)

Ausgestellte Mumien: Im Saal 56 befinden sich die Mumien der Könige Sekenenre (17. Dynastie), Amenophis I. (18. Dynastie), Thutmosis I. (18. Dynastie), Thutmosis II. (18. Dynastie), Thutmosis III (18. Dynastie), Thutmosis IV. (18. Dynastie), Thutmosis IV. (18. Dynastie) und die Königin Hatschepsut sowie die Prinzessin Meri-Amun (beide 18. Dynastie); außerdem die bedeutenden Herrscher der 19. Dynastie: Sethos I., Ramses II. und Merenptah. Im Saal 52 liegen die Mumien wichtiger Könige der 20. Dynastie: Ramses III., Ramses IV., Ramses V. und Ramses IX. sowie die Mumie eines Hohen Priesters und königlicher Familienmitglieder.

Auswahl weiterführender Literatur:

  • Bongionanni, Alessandro, und Maria Sole Groze, Ägyptisches Museum Kairo, National Geographic Art Guide, Hamburg 2002.
  • Saleh, Mohammed und Hourig Souruzian, Offizieller Kalalog: Die Hauptwerke im Ägyptischen Museum Kairo, Mainz 1986.

Autor dieses Artikels:

Mirco Hüneburg