Theben West
Gegenüber von Luxor, auf der westlichen Seite des Nils, beginnt das Reich der Toten. Schon von weiten grüßt das thebanische Gebirge, mit seiner höchsten Spitze, dem pyramidenförmigen El-Qurn. Auf einer riesigen Fläche erstrecken sich hier Totentempel und Grabanlagen des alten Ägypten.
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Die Memmnonskolosse |
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Blick ins Tal der Könige |
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Wandmalerei im Grab Ramses I. |
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Arbeitersiedlung in Deir-el-Medina |
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Medinet Habu - Totentempel Ramses
III. |
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Hatschepsut-Tempel in
Deir-el-Bahri |
Wie Wächter thronen die beiden gewaltigen Memnonskolosse in der Ebene. Sie sind die einstigen Überreste vom gigantischen Totentempel Amenophis III. Ein Erdbeben beschädigte sie vor kurz vor der Zeitenwende. Seitdem erzeugte die nördliche Statue bei Sonnenaufgang klagende Töne. So wurden die Kolosse schon in der Antike zu Touristenattraktionen. Seit einer Reparatur durch den römischen Kaiser Septimus Severus im Jahr 199 ist der Koloss jedoch verstummt.
Hauptanziehungspunkt für die Ägypten-Besucher ist jedoch das Tal der Könige. Als erster Pharao ließ sich hier Thutmosis I. begraben, nach dem Vorbild Amenophis I. , der in der Nähe ein geheimes Felsengrab anlegen ließ. Man erhoffte sich durch die versteckte Lage mehr Schutz für die Königsgräber, doch diese Erwartung sollte sich als falsch erweisen. Alle bisher entdeckten Gräber waren geplündert und selbst im 1922 entdeckten Grab des Tutanchamun hatten Grabräuber ihre Spuren hinterlassen. Die Plünderungen fanden schon während des Neuen Reiches statt, wie uns die damalige Gerichtsprotokolle verraten. Um die Mumien zu schützen, wurden die Überreste der Pharaonen schließlich von loyalen Priestern in nächtlichen Aktionen eingesammelt. Die Mumien wurden restauriert, also in neuen Binden gewickelt. Die kostbaren Beigaben, ja selbst der goldene Überzug der Sarkophage wurden entfernt, um keine weitere Begehrlichkeit zu wecken. Dann wurden die Mumien in ein geheimes Versteck gebracht. Mehrere Jahrtausende waren die Mumien hier in Sicherheit, bis ein Grabräuber sie 1875 fand. Doch er konnte das Geheimnis nicht lange für sich behalten und rief so die Altertümerverwaltung auf den Plan. 1881 konnten die Mumien von Pharaonen wie Ramses II. und Sethos I. schließlich in das ägyptische Museum nach Kairo überführt werden.
Bis heute sind über 60 Gräber gefunden wurden und man kann davon ausgehen, daß noch einige Gräber verschollen sind. Die letzte große Entdeckung im Tal ist das 1995 wiedergefundene Grab mit der Nummer 5, hier waren die Söhne Ramses des Großen begraben. Das Grab enthält eine Vielzahl von Kammern und ist bis jetzt noch nicht vollständig ausgegraben. Es ist also möglich, daß bei den Arbeiten noch sensationelle Funde gemacht werden.
Obwohl das Grab des Tutanchamun das berühmteste ist, kann es doch mit der Größe und der Vielfalt der Reliefs und Wandmalereien der anderen Königsgräber nicht mithalten.
Weniger bekannt sind die zahlreichen Privatgräber der Adligen und das Tal der Königinnen. Hier, in einen Nebental wurden vor allem die königlichen Kinder begraben. Besonders hervorzuheben ist das Grab der Nefertari, der Gemahlin Ramses II. Die Wandmalereien gelten als die schönsten in ganz Ägypten. Das Grab wurde vor einigen Jahren restauriert und ist jetzt nur noch für eine kleine Anzahl Besucher und kurze Zeit am Tag geöffnet.
In Deir-el-Medina befinden sich die Ruinen einer pharaonischen Arbeitersiedlung. Mehrere Jahrhunderte lebten hier die Arbeiter und Künstler, die im Tal der Könige arbeiteten. Anhand von Tonscherben, sogenannten Ostrakons, die den alten Ägyptern als Notizzettel dienten, läßt sich der Alltag der Arbeiter rekonstruieren. Sogar ein Streik ist belegt. In der Nähe der Siedlung befinden sich auch die Privatgräber und Kultstätten der Bewohner.
Zu einem Königsgrab gehörte stets ein Totentempel. Diese wurden zumeist
in der Ebene vor dem Felsengebirge errichtet. Die räumliche Trennung von
Grab und Totentempel sollte ebenfalls für Sicherheit sorgen. Der bereits
erwähnte Totentempel Amenophis III. ist zwar verschwunden, erhalten haben
sich jedoch andere.
Beispiele sind das Ramesseum, der Totentempel Ramses des Großen
und Medinet Habu, das Ramses
III. als Totentempel diente. Diese beiden riesigen Anlagen wurden während
der Regierungszeit der jeweiligen Pharaonen auch als Palast genutzt.
Am eindrucksvollsten ist sicherlich der Totentempel der Hatschepsut in Deir-el-Bahri. Der Tempel liegt direkt vor einer steilen Felswand und zeigt eine für Ägypten ungewöhnlich moderne Architektur. Nach dem Tod der Hatschepsut, die 20 Jahre als Pharao regierte, ließ ihr Nachfolger Thutmosis III. den Tempel zum Teil zerstören und die Reliefs der Herrscherin ausmeißeln. Traurige Berühmtheit erlangte der Hatschepsut-Tempel als 1997 islamische Terroristen ein Blutbad unter Touristen und Einheimischen anrichteten.





