Luxor

Nil
Säulensaal im Karnak-Tempel
Tempel

Luxor ist eine Stadt im Süden Ägyptens. Sie ist nicht groß. Sie wäre an sich auch nicht besonders erwähnenswert oder wichtig – gäbe es da nicht ihre großartige Vergangenheit! Denn in Luxor liegen die Ruinen des alten Waset. Und Waset war für mehr als zwei Jahrtausende das religiöse Zentrum des Landes. Zeitweise regierten von hier aus die Pharaonen ihr Land. Man kann sagen, dass Waset so etwas wie eine Hauptstadt Ägyptens war. Das spürt man sofort, wenn man dort ankommt, denn in Luxor begegnet man der Vergangenheit auf Schritt und Tritt. Die Griechen gaben der Stadt den Namen Theben. So heißt auch eine antike Stadt in Griechenland. Im griechischen Theben gab es viele Stadttore. Und im alten Waset viele Tempeltore, Pylone genannt. So fühlten sich die Griechen, die nach Ägypten kamen, an ihr altes Theben erinnert. Heute spricht man von Luxor, wenn man den modernen Ort meint, und von Theben, wenn man von der alten Stadt aus der Pharaonenzeit spricht.

Theben ist eine Stadt der Tempel. Gewaltige Ruinen aus drei Jahrtausenden erheben sich östlich und westlich des Nils. Auf der Ostseite, der Stadtseite, stehen die großen Göttertempel. Auf der Westseite stehen die Totentempel. Hier hatten die Ägypter Heiligtümer zur Verehrung ihrer verstorbenen Pharaonen errichtet. Von den Häusern und Palästen ist nichts mehr erhalten. Sie waren aus Lehmziegeln errichtet, einem vergänglichen Material. Lediglich auf der Westseite des Nils hat man Überreste eines großen Palastes ausgegraben.

Luxor-Tempel

Mitten in der Stadt, am Nilufer, erstreckt sich eine große Tempelanlage. Sie war dem Gott Amun geweiht. Er war ein Luftgott und Schöpfergott. Verehrt wurden im Tempel auch seine Gemahlin, die Göttin Mut, und deren gemeinsames Götterkind namens Chons. Ursprünglich führte eine lange, von Sphinxfiguren gesäumte Allee, zum Tempel. Diese Figuren haben den Körper eines Löwen und den Kopf eines Widders. Der Widder galt als Symboltier des Gottes Amun.

Am Tempeleingang steht ein großer Pylon. Ein Pylon besteht aus zwei Tortürmen mit abgeschrägten Mauern und einem Tordurchgang in ihrer Mitte. An den Wänden dieses Pylons sind Darstellungen einer großen Schlacht zu erkennen. Die Bilder und Hieroglyphentexte erzählen von einem Krieg, den vor über dreitausend Jahren Pharao Ramses II. mit den Hethitern führte. Die Hethiter waren ein Volk, das einst auf dem Gebiet der heutigen Türkei lebte. Die Schlacht endete unentschieden. Doch jeder Kriegsteilnehmer hielt sich für den Sieger und ließ sich zu Hause feiern. Vor dem Pylon steht ein Obelisk. Ein zweiter wurde vor langer Zeit abtransportiert. Er steht heute in Paris auf dem Place de la Concorde. Die zwei großen Sitzstatuen am Eingang zeigen denselben Herrscher, der auf dem Pylon als Kriegsherr abgebildet ist: Ramses II.

Geht man durch das Tor hindurch, gelangt man in einen großen Hof. An der Seite des Hofes steht eine Moschee. Sie ist natürlich viel jünger als der Tempel. Die Muslime errichteten sie im Mittelalter, als der Tempel eine einzige Ruinenlandschaft war. Wenn man die Türen der Moschee anschaut, erkennt man, dass sie viel zu hoch sind. Das liegt daran, dass zu jener Zeit, als die Moschee errichtet wurde, der Tempel bis zur Hälfte vom Sand zugeweht war. Nur die oberen Hälften der Säulen und Pylone schauten aus dem Sand heraus. Erst die Forscher und Ausgräber haben den Tempel vom Wüstensand befreit. Bei den Ausgrabungen entdeckte man ein Versteck mit Statuen von Königen und Göttern. Diese Statuen befinden sich heute in den Museen von Kairo und Luxor, wo man sie besichtigen kann.

Der Tempel war als Residenz des Gottes gedacht. Residenz heißt, dass hier der Gott Hof hielt und verehrt wurde. Der Luxor-Tempel wurde „südlicher Palast“ genannt. Gemeint war natürlich ein Götterpalast, ein Haus Gottes. Allerdings lag der Haupttempel von Amun, Mut und Chons weiter im Norden, in der Tempelstadt von Karnak. Beide Tempel waren einst durch eine zweieinhalb Kilometer lange Festsraße miteinander verbunden.

Karnak

Am nördlichen Rand von Luxor erheben sich die gewaltigen Ruinen der Tempelstadt von Karnak. Hier haben über Jahrtausende Generationen von Pharaonen Heiligtümer und Bauten aneinandergefügt. Jeder einzelne Pharao hat sich mit Baudenkmälern und Inschriften verewigt. So wuchs der Tempel mit der Zeit. Entstanden ist die größte Tempelanlage der Welt. Man schreitet durch mehrere große Pylontore und gigantische Säulenhallen, vorbei an zahlreichen Kapellen und kleinen Heiligtümern. 

Auch hier wurde die Thebanische Götterfamilie verehrt: Amun, der Vater, Mut, die Mutter, und Chons, das Kind. Zu bestimmten Festen wurden die Statuen dieser Götter aus dem Allerheiligsten, der Kultkammer im Innern des Tempels, heraus getragen. Dann zogen die Priester mit den Götterfiguren zum Luxor-Tempel und schließlich zu den Heiligtümern auf der anderen Seite des Nils.

Die Tempelanlage besitzt zehn Pylone. Diese Pylone sind an zwei Achsen ausgerichtet. Eine verläuft von Ost nach West, die andere von Süd nach Nord. Jede Achse stellt einen Prozessionsweg dar, den die Priester an den Festtagen entlang zogen.

Auf der anderen Seite des Flusses befinden sich die Totentempel der Pharaonen und die Gräber im Tal der Könige. Diesen Stadtteil nennt man Theben-West.

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